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schwatzgelber Saisonrückblick - 15.02.2008

Saison 1963/64: Premierentor, Führungskrisen, Europacup-Erfolge und viel Mittelmaß

Das BVB-LogoDer BVB ging als Titelverteidiger in die erste Bundesligasaison, aber es zeigte sich sehr schnell, dass Dortmund nicht die Klasse hatte, um erneut eine Doppelmeisterschaft zu feiern. Außerdem ging es im Verein ziemlich turbulent zu. Trainerrauswurf, die Rücknahme des Rauswurfs und schließlich der Rücktritt des Vorstandes. Obwohl der BVB in der Liga schwächelte, zeigte er international Klasse.

Die Meisterschaft lag gerade mal acht Wochen hinter dem BVB, da begann die neu geschaffene Bundesliga. Die Mannschaft hatte sich verändert. Neuzugänge waren Hans Tilkowski von Westfalia Herne und Franz Brungs von Gladbach. Beide kamen von Vereinen, die es nicht in den erlauchten Kreis der 16 Erstligisten geschafft hatten. Dazu kam noch  Burghard Rylewicz vom VfB Oldenburg. Den Verein verlassen hatten Jürgen Schütz in Richtung Rom und Gerd Roggensack zu Arminia Bielefeld. Dazu hatte Alfred Kelbassa seine Karriere beendet. Im einzigen Vorbereitungsspiel gewann der BVB dann bei Bad Neuenahr mit 10-0. Ein Guter Auftakt, die Bundesliga konnte starten.

Am 24.08.1963 fiel der Startschuss. Der BVB musste in den Norden zum SV Werder Bremen reisen. Und die Liga war noch keine Minute alt, als Timo Konietzka das erste Bundesligator erzielte. Das war sogar so schnell, dass es davon keine bewegten Bilder gibt – heutzutage undenkbar. Ein Grund war, dass das Fernsehen (sprich die ARD) sich mit dem DFB erst im September auf eine 25-minütige Zusammenfassung des Spieltages einigen konnte. Zu Beginn hieß die Sendung „Fußball-Bundesliga“. Den legendären Namen „Sportschau“ erhielt sie erst im April 1965. Übrigens, kosteten die Übertragungsrechte in der Saison 1965/66 wahnsinnige 127.000 DM für die Sender ARD und ZDF. So erfolgreich der Auftakt war, leider übernahm Bremen die Initiative und gewann schließlich trotz Glanzleistungen von Bracht und Tilkowski mit 3-2.

Auch beim anschließenden Heimspiel gegen den TSV 1860 (der den Vorzug vor den Bayern in der Bundesliga erhielt) gewann der BVB nicht. Am Ende hieß es 3-3, auch weil Tilkowski einen Elfer von Stemmer halten konnte. 

Und die Negativserie ging weiter: Beim ersten Bundesligaderby gegen den FC Sch*lke 04 gab es eine 3-1 Niederlage, obwohl der BVB in den ersten 30 Minuten einen furiosen Start hingelegt hatte. Die Wende brachte der Auftritt des BVB im Europapokal der Landesmeister. Beim norwegischen Amateurclub Lyn Oslo gewannen die Borussen mit 4-2 und setzten den Grundstein fürs Weiterkommen. Zwar hielten die Norweger 45 Minuten mit, aber dann setzte sich die Klasse der Dortmunder durch. Die Tore erzielen zweimal Wosab, sowie Emmerich und Schmidt. Übrigens, sage und schreibe zwei Schlachtenbummler aus Dortmund begleiteten die Borussen in die norwegische Hauptstadt. Sie logierten im gleichen Hotel wie die Mannschaft. In der Bundesliga klappte es dann besser. Nach dem ersten Sieg in der Bundesliga gegen Saarbrücken folgte der erste Auswärtssieg beim Karlsruher SC. Wegen der Personalnot gab es zwei Debütanten. Zum einen den Bruder von „Hoppy“ Kurat, den 19-jährige Hans-Jürgen, sowie Neuzugang Rylewicz. Und nach einer Länderspielpause (Deutschland spielte gegen die Türkei mit Konietzka und dem erstmals seit drei Jahren nominierten Schmidt) ging die Siegesserie weiter. In der Folgezeit gewann der BVB das Rückspiel im Europapokal gegen Oslo mit 3-1. Die Norweger konnten das Spiel bis zur 80. Minute ausgeglichen gestalten, was zu zahlreichen Pfiffen in der Roten Erde führte. Im Laufe der zweiten Hälfte hatten die Norweger sogar Chancen zur Führung, die aber durch die Verteidigung um Torwart Wessel und „Aki“ Schmidt verhindert werden konnte. In den Schlussminuten schlugen dann die konditionsstärkeren Borussen noch zweimal zu.

In der Liga ging es gut weiter. Vor allem beim Sieg über Hertha BSC Berlin zeigte sich der BVB in Sturmlaune. Siebenmal überwandt der Dortmunder Sturm um Konietzka und Emmerich den Berliner Keeper Krummnow. Vor allem die unfaire Spielart verhinderte einen höheren Sieg. Der BVB ging zum Schluss den Zweikämpfen aus dem Weg. Jockel Bracht meinte nach dem Spiel: „Je schwächer die Mannschaften, umso unfairer sind sie.“ Als Beispiel konnte man die Beine von Timo Konietzka anführen, der für die Berliner wegen seiner Fertigkeiten zum Freiwild wurde. Bei dem Spiel wurde Wilhelm Burgsmüller für sein 500. Spiel im BVB-Dress geehrt. Erst am 9. Spieltag kassierte der BVB wieder eine Niederlage. Der VfB Stuttgart gewann mit 2-1 und Dortmund fand sich mit 11-7 Punkten auf Platz 5 wieder.

Eine schwere Prüfung stand dann dem BVB im Europapokal bevor. Der Gegner im Achtelfinale waren die Profis von Benfica Lissabon. Erwartungsgemäß verloren die Borussen das Hinspiel in Portugal mit 2-1. In einer Abwehrschlacht und mit viel Glück (Benfica traf viermal das Torgebälk) verteidigte der BVB im Estadio de Luz diese knappe Niederlage. Vor allem durch die Paraden von Hans Tilkowski und den zwischenzeitigen Ausgleichstreffer von Wosab konnte der BVB weiter vom Viertelfinale träumen. Aber der BVB ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und gewann das nächste Heimspiel gegen Nürnberg mit 3-1. Bei diesem Spiel feierte Wolfgan Paul nach einer monatelanger Verletzungpause ein Comeback. Mit einem 9-3 Kantersieg gegen Kaiserslautern kletterte der BVB auf den 2. Platz in der Liga. Aber dann gab es wieder ein Revierderby. Beim Meidericher SV gab es erneut keinen Sieg für den BVB. Man trennte sich 3-3, allerdings führten die Borussen schon mit 3-1.


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