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Helden in schwatzgelb - 05.10.2000

Erich Schanko

Beginnen möchte ich heute mit einem Spieler, der in den 50ér Jahren zu den populärsten Spieler des BVB zählte und am 4.Oktober seinen 81. Geburtstag feierte:

Erich Schanko

Erich Schanko (geb.4.10.1919) begann das Fußballspielen als Jugendlicher im Dortmunder Vorort Bövinghausen an der Provinzialstraße.

Als er nach dem Krieg aus der Gefangenschaft zurückkehrte, setzte er seine Laufbahn auch bei Bövinghausen 04 fort. Doch sein fußballerisches Talent blieb der Borussia nicht verborgen. Rechtzeitig zum Auftakt der Oberliga West erschien Erich Schanko 1947 im Stadion "Rote Erde".

Sein Start verlief jedoch alles andere als glücklich: Die Grippe hatte ihn geschwächt und zudem wurde er auf den ungewohnten Linksaußenposten gestellt. Nicht wenige der anwesenden Zuschauer fragten sich, was "der" denn beim BVB wolle und seinen Kritikern fiel er vor allem mit seinen unübersehbaren eckigen Bewegungen auf.

Doch Schanko setze sich mit der ihm eigenen Beharrlichkeit bei Borussia durch und bald war er als Außenläufer aus der Mannschaft "als Zuverlässigkeit in Person" nicht mehr wegzudenken. Er gehörte sicherlich zu den herausragenden Spielerpersönlichkeiten seiner Zeit und war einer der populärsten Spieler des BVB. Zusammen mit Michallek und Koschmieder bildete Schanko eine der besten Läuferreihen seiner Zeit. Er brachte es auf 208 Einsätze und elf Tore für den BVB in der damaligen Oberliga West.

Erich Schanko (links) in Aktion

Erich Schanko (links) in Aktion

Erich Schanko sammelte mit der Borussia mit schöner Regelmäßigkeit Westmeistertitel, doch DIE Krönung war ihm nicht vergönnt. Am 10 Juli 1949 stand er mit dem favorisierten BVB Team im Endpspiel um die deutsche Meisterschaft in Stuttgart, Gegner war der VfR Mannheim. Das Spiel ging in die Endspielgeschichte des DFB ein und wurde berühmt als die "Sonnenschlacht". Glühende Hitze lag über dem Neckarstadion und 93.000 Zuschauer drängten sich auf den Rängen. Für den BVB und vor allem Erich Schanko war das Spiel eine Tragödie. Borussia hatte mir Verletzungssorgen zu kämpfen. Erich Schanko litt an einer Furnukulose und konnte nur mit einem operativen Eingriff von schlimmen Schmerzen einigermaßen befreit werden. Zu allem Überfluß verlor er dann bei einem Zweikampf auch noch 4 !! Zähne. Das Spiel ging unglücklich mit 3:2 n.V. verloren und Erich Schanko sagt, dass er die Entäuschung bis heute noch nicht überrwunden hat.

Schanko war nach August Lenz der 2. Nationalspieler der Borussia und kam wie Lenz auf 14 Einsätze im Adlerdress. Bemerkenswert dabei ist, dass Erich Schanko bei seinem ersten Länderspiel (1951 ein 2:0 Sieg gegen die Türkei in Instanbul) bereits 32 Jahre alt war. 1954 war er noch an der Qualifikation Deutschlands für die WM beteiligt (3:1 Sieg gegen das Saarland), hörte danach aber nichts mehr von Herberger der während der WM auf Schanko´s Position den Fürther Karl Mai spielen ließ. Deutschland wurde Weltmeister, ohne Erich Schanko, der bis zu seinem letzten Spiel im Adlerdress gegen das Saarland jahrelang zum "Kreis" gehört hatte.

Erich Schanko kann heute zurecht behaupten, daß er der größte Pechvogel in der Geschichte der Borussia ist. So steht er denn heute da als einer der erfolgreichsten Dortmunder Nationalspieler, was die Anzahl der Einsätze angeht. Aber zu einem Titel hat es bei ihm nie ganz gereicht. Kein Weltmeister, kein Deutscher Meister, kein DFB Pokalsieger, lediglich einmal Vizemeister.

Welchen Stellenwert Erich Schanko innerhalb der Mannschaft hatte, kann man an einer Geschichte zum Ende seiner Karriere sehen: Schanko hatte ab 1956 häufig mit Verletzungen zu kämpfen und verlor seinen Stammplatz in der späteren Meisterelf. Der BVB stand kurz vor dem Endspiel um die deutsche Meisterschaft in Berlin, Gegener war der Karlsruher SC (4:2 Sieg für den BVB und Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft) Schanko war zu diesem Zeitpunkt kein Stammspieler mehr, aber immer noch ein wichtiger Teil der Mannschaft. Im Berliner Trainingslager teilte der Vorstand Erich Schanko mit, dass er gekündigt sei (das vor einem Endspiel!!!) Die Mannschaft stellte sich geschloßen hinter Schanko und rebellierte. Der Vorstand beugte sich dem Druck und sein Vertrag wurde um ein weiteres Jahr verlängert. Außerdem wurde er als 12. Mann in die damalige Prämienregelung eingeschloßen.

1957 beendete Erich Schanko seine aktive Laufbahn, aber der Borussia blieb er weiter verbunden. Noch weit über seinem 60. Lebensjahr hinaus schnürte er regelmäßig die Fußballstiefel um mit der Traditionsmannschaft zu spielen. Heute ist er Mitglied des Ältestenrates des BVB.
 
Geschrieben von Wade, 05.10.2000


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