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Spielbericht Jugend - 07.06.2018

Krampfhaft interessant - U17 mit Remis in Leverkusen

Das Bundesligafinale ist mittlerweile fast vier Wochen her und auch bei den U19-Mannschaften ist der Meister, der so überraschend wie erfreulich nicht aus Gelsenkirchen kommt, schon vor zehn Tagen gekürt worden. Am Mittwoch startete dann auch die bundesweite Endrunde der U17-Teams.

Die DFB-Auslosung bescherte dem schwatzgelben Nachwuchs gute Bekannte im Halbfinale: Im ligainternen Duell ging es gegen Bayer 04 Leverkusen.

Die Favoritenrolle vor dem Spiel lag klar auf Seiten der Auswärtsmannschaft. Zu souverän hatten die Spieler von Trainer Sebastian Geppert sich die Westmeisterschaft gesichert. Mit nur einer Niederlage in der laufenden Saison war der Mannschaft bereits drei Spieltage vor Schluss der Spitzenplatz nicht mehr zu nehmen. Auch die direkten Duelle in der Liga gingen mit 3:0 in Dortmund und 0:2 in Leverkusen ungefährdet an die Borussen.

Der Werkself-Nachwuchs musste hingegen bis zum letzten Spieltag zittern. Erst da sprang Bayer 04 durch den unerwarteten Ausrutscher der Gelsenkirchener U17 in Bielefeld doch noch auf den zweiten Tabellenplatz. Somit war das U17-Derby im Halbfinale geplatzt, stattdessen ging es ins Ulrich-Haberland-Stadion.

Ein Selbstläufer war trotzdem nicht zu erwarten. Auch im Westfalenpokalfinale gegen den VfL Bochum (2:4) hatten die Borussen die Favoritenrolle und ließen sich von aggressiven Bochumern den Schneid abkaufen. Ähnliches sollte heute vermieden werden.

Bei der Mannschaftsaufstellung gab es eine Überraschung. Luca Unbehaun, der die Saison über das Tor der U19 hütete, stand heute bei seiner eigentlichen Altersklasse im Tor. Zudem war Kapitän Alaa Bakir nach Verletzung wieder von Beginn an dabei.

Das Spiel begann trotz hochsommerlicher Temperaturen furios. Leverkusen lief früh an, ließ jedoch dabei viel zu große Lücken zwischen den Mannschaftsteilen und leistete sich zudem schlimme Ballverluste. Bereits nach einer Minute hätte Bakir die Führung besorgen müssen, als er frei aufs Leverkusener Tor zulief. Rilind Hetemi hatte einem Innenverteidiger der Leverkusener den Ball weggespitzelt, doch Bakir wurde vor dem Abschluss entscheidend gestört. Ebenso erging es Moukoko nur vier Minuten später und wiederum nur eine Minute später musste der Leverkusener Torwart Lotka in höchster Not vor seinem Strafraum gegen Bakir klären.

Die hochverdiente Führung fiel dann in der 8. Minute. Moukoko, im Strafraum angespielt, machte das, was man als 13-jähriger in der U17 so macht. Haken links, Haken rechts, bis die gesamte Leverkusener Hintermannschaft auf dem Hintern saß, trockener Abschluss, Tor.

In der Folge zogen sich die Borussen etwas zurück und überließen Leverkusen den Ball, blieben aber jederzeit die gefährlichere Mannschaft. In der 23. Minute bat Moukoko erneut zum Tanz, diesmal behielt Lotka im Tor die Oberhand. Leverkusens erste Chance nach einer halben Stunde resultierte aus einer Standardsituation. Bei einem Freistoß verloren die Borussen den aufgerückten Innenverteidiger Fünger aus den Augen, dessen Schuss den Torwinkel jedoch knapp verpasste.

Doch direkt ging es wieder in die andere Richtung, Moukoko setzte sich im Laufduell durch, den Ball allerdings leider nur an den Pfosten. Das Halbfinale hätte zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden sein können. War es aber nicht. Und so konnte Leverkusen noch vor der Pause ausgleichen. Nach einem Eckball köpfte Kevin Bukusu zum 1:1-Halbzeitstand ein (38.).

Auch in der zweiten Halbzeit ließen beide Mannschaften sich nicht lange bitten. Nach kleineren Chancen auf beiden Seiten scheiterte Moukoko zunächst per Hacke an Lotka, der wenige Minuten später auch einen 18-Meter-Schuss des Stürmers an die Latte lenkte.

Auch Leverkusen war jetzt voll im Spiel drin. Die Nachwuchschemiker gingen deutlich aggressiver als in der ersten Halbzeit zu Werke. In der 50. Minute dann die doppelte Schrecksekunde für Dortmund: Erneut schlief die Hintermannschaft bei einem Freistoß, ein Leverkusener kam aus kurzer Distanz zum Schuss und Luca Unbehaun wehrte den Ball per Gesicht ab. Es folgte eine lange Behandlungspause, bis Unbehaun wieder halbwegs sicher auf den Beinen stand. Es folgten, so viel sei vorweggenommen, keine Karius-Gedächtnis-Aktionen.

Nach den hochinteressanten ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit folgte dann der große Krampf. Reihenweise mussten Spieler dem hohen Tempo Tribut zollen, teilweise lagen drei Spieler gleichzeitig mit Krämpfen am Boden. Warum Schiedsrichter Robin Braun aus Wuppertal auf Trinkpausen in der Mitte der Halbzeiten verzichtete, bleibt wohl sein Geheimnis.

Besonders der BVB baute in dieser Phase ab. Gezielte spielerische Kombinationen blieben Mangelware, meistens erfolgte der lange Schlag auf Moukoko in der Hoffnung, dass der etwas Gewinnbringendes mit dem Ball anstellt. Klappte allerdings in der Regel nicht. Hier sei aber erwähnt: Auch wenn ihm beileibe nicht alles gelang, es macht einfach wahnsinnig Spaß, dem Jungen zuzuschauen. Tempo, technisch perfekte Ballbehandlung, alles dabei mit Zug zum Tor und dem Versuch des zügigen Abschlusses, eine erfrischende Alternative zum „Ich leg den Ball zwei Meter vor der Torlinie lieber nochmal quer“-Verhalten, dass zeitweise bei den Profis anzusehen war.

Während auf dem Platz weiterhin gekrampft wurde, stachen unter den 832 Zuschauern zwei junge BVB-Anhänger hinterm Tor hervor. Beide legten einen dermaßen lauten und langen BVB-Wechselgesang hin, dass der ein oder andere Ultra vor Scham in seiner Bauchtasche hätte verschwinden müssen. Chapeau vor dieser Leistung, auch wenn die Stimmfrequenz ein gewisses Nervpotenzial hatte.

Auf dem Platz hatte Leverkusen in den letzten Minuten sogar noch die Chance auf den Sieg. Einen Kopfball des eingewechselten Giersiefer lenkte Unbehaun jedoch reaktionsschnell über die Latte. Kurz danach war Feierabend, die Entscheidung über den Finaleinzug fällt am Sonntag in Dortmund. Da Auswärtstore nicht zählen, wird es einen Sieger geben. Anstoß ist um 16:30 in Brackel.

Statistik zum Spiel

BVB U17 (4-2-3-1): Unbehaun – Terzi, Ferjani, Lübke (73. Thaqi), Göckan – Schlüsselburg, Pherai – Wengerowski (80. Camprobin Corchero), Hetemi (44. Pakia), Bakir (54. Örs) – Moukoko

Tore: 0:1 Moukoko (8.), 1:1 Bukusu (38.)

SR: Braun (Wuppertal)

Zuschauer: 832 (im Ulrich-Haberland-Stadion zu Leverkusen)

Michael, 7.6.2018



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