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Unsa Senf - 16.03.2015

Franz Jacobi – oder: 105 Jahre Borussenfamilie

Jan, Marc und Gregor bei der FilmpremiereEndlich ist es so weit: Der lange ersehnte und auch von uns eifrig beworbene Film über die Gründungsgeschichte von Borussia Dortmund feierte im Cinestar seine rauschende Premiere. Was Gregor Schnittker, Marc Quambusch und Janni Gruszecki da auf die Leinwand gezaubert haben, ist eine wunderbare Erzählung von der Geburtsstunde unserer Borussia und ihrer ersten Jahre.

Es hatte ein bisschen etwas von einem Familientreffen, das dort im Dortmunder Multiplex-Kino stattgefunden hat, denn sie waren alle gekommen: Ulrich Sierau, Dr. Reinhard Rauball, Michael Zorc, Norbert Dickel, Sebastian Kehl, Kevin Großkreutz, Vorstand und Helfer aus der Fanabteilung, die Familien der Gründer, zahlreiche Fans und Fanclubs, die den Film überhaupt erst möglich gemacht haben.

Josef Schneck, der die Moderation des Abends übernommen hatte, ließ es sich daher auch nicht nehmen, das Leitmotiv der Borussenfamilie zu bemühen, das sich durch den gesamten Film ziehen sollte und das sich letztlich auch im eindrucksvollen Abspann des Films widerspiegelte. Beeindruckend, wie viele Namen dort als Unterstützer des Films aufgeführt waren!

Sie alle dürften nicht enttäuscht worden sein von der Art und Weise, wie das Filmemacher-Trio die Entstehungsgeschichte der Borussia in 90+15 Minuten in Szene gesetzt hat: Die Geschichte der Entwicklung des Borsigplatz-Viertels von der landwirtschaftlichen Sumpflandschaft zum proletarischen Industriemoloch flankiert die wesentlichen Ereignisse, die letztlich zur Gründung und Entwicklung des Ballspielvereins Borussia geführt haben.

Heimlicher Star des Films ist dabei Ursula Kude, die Tochter des BVB-Gründers Robert Unger. Mit an die verstorbene Tana Schanzara erinnernder Ruhrpott-Schnauze berichtet diese herrlich unprätentiös und geerdet von ihrem Vater, dem überlieferten Borussia-Treiben der ersten Jahrzehnte sowie ihrer Sicht auf den Fußball von damals und heute – und treibt damit einem ganzen Kino vor Lachen die Tränen ins Auge.

Die einzige Schwäche des Films ist sein letztlich viel zu spätes Erscheinen. Die Filmemacher sind dafür nicht zu kritisieren, aber die viel zitierte Borussenfamilie hat es in den Jahrzehnten zuvor leider verpasst, den Gründungsmythos und viele seiner Geschichten ordentlich zu konservieren. So bleiben manche Erinnerungen vage. Einzelne Ereignisse, wie die Entstehungsgeschichte des heutigen Vereinswappens, lassen sich gar überhaupt nicht mehr abschließend rekonstruieren und bei manchen Wendungen galt es für die Filmemacher, von verschiedenen Möglichkeiten einfach die wahrscheinlichste herauszufiltern. Das tut dem Film, der keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt, freilich keinen großen Abbruch. Im Gegenteil.

Dreharbeiten: Der BVB in BlauweißJanni, Marc und Gregor haben nicht nur Franz Jacobi und den übrigen Gründern, sondern auch sich selbst ein kleines filmisches Denkmal in Schwarzgelb gesetzt. Herausgekommen ist ein Film für die Ewigkeit, der erfreulicherweise auf allzu klebrigen Pathos verzichtet und dafür selbst Insidern neue Blicke auf die Dortmunder Stadtgeschichte gewährt und die Entstehungshistorie des Fußballs in Deutschland aufgreift.

Eine Geschichte von ein paar Jungs voller Herzblut, die einen großartigen Verein aus der Taufe gehoben haben.

Redaktionsstimmen zum Film

Sascha:
„Als Janni uns von der Idee erzählte, war ich in zweifacher Hinsicht skeptisch. Einmal, ob sich genug Leute für das Projekt begeistern lassen, um es auch finanziert zu bekommen. Und, jetzt kann ich‘s ja sagen, ob die Drei das als mehr oder weniger Neulinge beim Filmemachen auch gut umsetzen könnten. Einen Film über die Gründungsgeschichte des BVB zu machen ist ja ein bisschen so, als ob man den Untergang der Titanic neu verfilmen möchte. Jeder weiß, dass der Pott am Ende gegen einen Eisberg knallt und sinkt - und wenn die Rahmenstory bekannt ist, kommt es noch mehr auf die Art an, wie sie erzählt wird. Und da ist dem Jacobi-Team ein großartiger Mittelweg gelungen. Nicht zu kleinteilig, als dass er Fans und Zuschauer, die sich vielleicht noch nicht intensiv mit der BVB-Geschichte befasst haben, mit Informationen überlädt, aber im Detail auch noch mit genug Neuigkeiten, um auch für die Geschichtsfesteren unter uns spannend und interessant zu sein. Richtig gut auch die Idee, Zeitgeschichte nicht nur in Computeranimationen, sondern auch in tollen Sandbildern zu visualisieren. Das gibt dem Film noch mehr Seele. Unterm Strich ein richtig tolles und lebendiges Dokument BVB-Geschichte. Vielen Dank, ist ein richtig geiles Teil geworden. Chapeau Gregor, Chapeau Janni und Chapeau Marc!“

Jakob:
„Mich hat an diesem Dokumentarfilm über Franz Jacobi und die Gründung unseres BVB besonders die Leichtigkeit beeindruckt, mit der Geschichte erzählt und vermittelt wird. Wohl nie zuvor wurde ein Teil der Geschichte des BVB derart attraktiv erzählt und auch für BVB-Fans mit nachgelagertem geschichtlichen Interesse bekömmlich und kurzweilig aufbereitet. Ich selbst habe mich in dem Film von der ersten bis zur letzten Minute wohl gefühlt und wurde gefesselt von tollen Film-Elementen, wie der 3D-Darstellung zur Stadtentwicklung der Nordstadt, den Sandillustrationen bis hin zu den durchweg authentischen Interviewteilen. Gelernt habe ich: Heute wird nur noch in Pantoffeln gespielt und im Schützengraben des Ersten Weltkriegs wurde der erste Fangesang gesungen. Ich als BVB-Fan bedanke mich bei allen, die an diesem Werk mitgewirkt haben und dieses Projekt zu diesem wundervollen Abschluss gebracht haben. Das hohe Alter der Zeitzeugen führte mir mehrfach vor Augen, dass dies wohl die letzte Gelegenheit war, die Geschichte unserer Gründung zu recherchieren und authentisch zu erzählen. Möge auch die weitere Geschichte unseres BVB eine solche Aufmerksamkeit erfahren.“

Dreharbeiten: Anstoß für den BVBScherben:
„Mir gefällt die Parallele zwischen der Gründungsgeschichte unseres Vereins und der Entstehungsgeschichte dieses Films: Wie aus einer kleinen Idee eine große Sache werden kann, wenn man viel Herzblut in sich trägt und zugleich hartnäckig und ein bisschen wahnsinnig ist. Das macht Mut für die Zukunft. Man denkt leicht, dass Borussia Dortmund heute ein viel zu großes Unternehmen ist, um als einzelner Fan etwas bewegen zu können. Aber das stimmt nicht: Der Verein ist vital, und er lebt vom Engagement vieler einzelner. Auch das beweist dieser Film.“

Simon:
"Ein gelungener Film über die Geschichte des Ballspielvereins, der es durchaus schafft, die ein oder andere unbekannte Episode des Herzensvereins ans Tageslicht zu bringen. Der es nicht scheut, durchaus schwierige Kapitel der BVB-Historie aufzugreifen, um auf der anderen Seite durch starke Charaktere erfrischend launig daher zu kommen. Ein ausgewogener Mix, wie ich finde. Da kann man den Machern, dem Team und nicht zuletzt allen Unterstützen für das Geschaffene nur gratulieren."

Daywalker:
"Der Film war richtig, richtig gut, da kann ich wie die meisten einfach nur vor mich hin lobhudeln. Was mich allerdings wirklich total weggemacht hat ist diese Anekdote, dass  im Schützengraben "Aber eins, aber eins..." erfunden wurde. Da liegt ein Soldat, weit jünger als ich heute, im Schützengraben irgendwo in Frankreich, sieht sich tagtäglich mit dem Tod konfrontiert und textet ein Lied für seinen BVB. Wahnsinn!
Durch 2005 war dieser Zweizeiler für mich schon immer ein besonderer Fangesang und irgendwie bedeutungsschwanger; zumindest bei mir schwingt da immer auch eine Portion Demut mit, ich bin mit dem Kopf dann wieder beim 0:5 in München und in Bielefeld. Mit dem Wissen über den Hintergrund dieser zwei Zeilen werde ich das jetzt wahrscheinlich nie wieder ohne Gänsepelle singen können, denn die jagt mir beim Gedanken daran seit gestern schon regelmäßig über den Rücken."

Henry:
„Der Film war großartig! Ich habe bis jetzt auch noch nichts gehört oder gelesen, dass jemand anderer Ansicht war. Einen Aspekt über die Filmqualität hinaus finde ich besonders wichtig:
Die Filmemacher haben schlicht und einfach Werte für immer festgehalten. Der Film beginnt mit Szenen vom Europapokalsieg aus 1966. Und sind wir mal ehrlich: Selbst den werden viele der gestrigen Zuschauer nur aus Erzählungen, Presse, Bücher  oder Fernsehberichten kennen, weil sie eben zu dem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt waren. Die Recherchearbeiten für den Film gehen aber mehr als hundert Jahre zurück. Der Wert des dabei gesammelten Materials, seien es Bilder, Dokumente und Interviews mit z.T. auch schon stark in die Jahre gekommenen Leuten kann meiner Meinung nach gar nicht hoch genug bewertet werden! Mit jedem fortschreitenden Jahr wären die Recherchearbeiten schwieriger geworden, weil Zeitzeugen versterben oder Erinnerungen und Andenken leider auf dem Sperrmüll oder im Altpapiercontainer landen. Das, was das Filmteam herausgefunden hat, besitzt jetzt so etwas wie Ewigkeitscharakter. Hätte man noch zehn oder zwanzig Jahre damit gewartet, wären die Ergebnisse mit Sicherheit erheblich dürftiger ausgefallen.“

CHS:
„Der Film ist einfach nur wundervoll. Die Aufmachung, das Ganze mit dem Europapokalsieg von 1966 zu beginnen und dann die Geschichte aufzurollen, ist einfach klasse. Man kommt sich vor wie ein Begleiter. Sehr schön fand ich auch die Sandmalereien. Es war ein sehr kurzweiliger Film, den man nur empfehlen kann. Erwähnenswert ist natürlich auch der Abspann."

Goldkind:
„Ich möchte eigentlich nur noch das Attribut "wertvoll" ergänzen. Ich denke, für die Identität des Vereins haben die drei damit einen unschätzbaren Beitrag geleistet. Mein persönliches Highlight  -abgesehen von dem, was auf der Leinwand passiert ist: Als sich aus der vor mir sitzenden Familie Unger bei den Kriegsfotos eine Person zu ihrem Nachbarn drehte und meinte: "Guck mal, da ist dein Opa ja auch noch drauf."

Dreharbeiten: Die schönsten Farben der WeltClemens:
„Diese Dokumentation ist von BVB-Fans, aber nicht nur für BVB-Fans gedreht. Wer mit Fußball nichts am Hut hat, aber die Begeisterung rund um Borussia Dortmund verstehen will, der wird in diesem Film Antworten bekommen. Fans anderer Traditionsvereine werden interessante Eindrücke erhalten, wie Fußballvereine in der damaligen Zeit entstanden sind.
Uns BVB-Fans darf der Film vor allem eins machen: Stolz. Marc, Gregor und Janni haben letztlich in all ihrer Verrücktheit das perfekt umgesetzt, was wir alle erst möglich gemacht haben: Ein filmisches Denkmal, das Generationen verdeutlichen wird, was für ein großartiger Verein er ist, dieser Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund.“

Malte S.:
„Ich gehöre ja zu denen, die gestern nicht direkt mit in die grenzenlose Lobhudelei einsteigen wollten. Konnte selbst gar nicht sagen, warum. Nach einer Nacht drüber schlafen muss ich sage: Den Dreien ist ein toller Film gelungen, der die Werte, die zur Gründung unserer Borussia geführt haben, greifbar macht dank seiner Details, Anekdoten und der Personen, die zu Wort kommen (die "Is doch wah"-Oma — Weltklasse!). Eigentlich sollte jeder BVB-Neuzugang den Film, oder zumindest Ausschnitte, an seinem ersten Arbeitstag vorgeführt bekommen. Besonders die erste Hälfte fand ich stark, als der Fokus auf der Stadt Dortmund, dem Borsigplatz und dem Weg des Fußballs nach Deutschland lag.
Die Aufmachung hat mir gut gefallen, besonders die Sandmalereien und dazugehörigen Stimmen. Nur den Erzählfaden mit Jacobis Urenkel fand ich nicht so passend.
Ich glaube, der Film ist nicht mal das wichtigste Ergebnis dieses Projektes, sondern die vielen Dinge, die das Team in dieser Zeit recherchiert und ausgebuddelt hat und die sich im Film vielleicht nicht direkt wiederfinden. Bin gespannt, wie das in Zukunft noch verwendet werden wird.
Es zeugt übrigens von Größe, dass man selbst den Kaplan am Ende noch auf eine Stufe mit den Gründern hebt, nachdem er vorher durchweg schlecht weggekommen ist.“

Altrocker:
"Ein großer Film von Fans für Fans. Technisch und auch künstlerisch im wahrsten Sinne des Wortes großes Kino. Gespickt mit einer Unmenge mühsam recherchierter Details, wohl dosiertem Pathos, der nie übertrieben wirkt,und geschickt eingestreuten Schmunzlern fesselt dieser Film jeden Borussen von der ersten bis zur letzten Minute. Kaufbefehl!"

Steffen:
„Ein großartiger Film. Mit dem Besuch von Franz Jacobi beim Europapokal 1966 einzusteigen, fand ich schon sehr gelungen. Den Zuschauer dann in die Stadtgeschichte von Dortmund eintauchen zu lassen, ist absolut genial. Man konnte sehr gut nachempfinden, wie Zeitgeist und Stadtviertel die Gründungsphase des Vereins prägten.
Den Handlungsstrang mit Urenkel Gerrit fand ich unnötig, das wirkte etwas aufgesetzt. Da der Strang eher im Hintergrund lief, fand ich es aber auch nicht übermäßig störend. Herausheben möchte ich ebenfalls die nette Aufmachung mit den Sandmalereien, während die Zitate liefen. Den Machern und allen Helfern kann man nur ausdrücklich danken, dass dies alles noch rechtzeitig konserviert wurde. In ein paar Jahren hätten wir auf diese überwältigende Anekdote von der Entstehung des "Aber eins, aber eins, das bleibt besteh'n..." vermutlich verzichten müssen.
Stark fand ich auch den Abspann. Diese Vielzahl von Borussinnen und Borussen, die den Film unterstützt haben und nebendran die Einspieler der Interviews.
Nebenbei fand ich es schön, dass es gestern Abend sehr familiär gehalten wurde und der Verein nicht seine Echte-Liebe-Maschinerie nebst Fanshopmobil aufgeboten hat.“

Und das sagen die anderen

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Arne, 16.03.2015


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