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schwatzgelber Saisonrückblick - 15.02.2008

Saison 1974/75: Aufwärts durch harte Schnitte und Fanunterstützung

Das BVB-LogoDer BVB war am Boden, finanziell wie auch sportlich. Es fehlte sowohl Geld als auch die spielerische Qualität. Erstmals wurde das Wort „Wiederaufstieg“ gar nicht in den Mund genommen, der BVB hatte andere Sorgen. Aber wenn man am Boden ist, sollte man wieder aufstehen, und das tat die Borussia. Durch eine radikale Sparpolitik und dank des neuen Westfalenstadions konnte sich der Ballspielverein retten.

Der BVB musste die Folgen einer völlig verkehrten Finanzpolitik tragen. Man glaubte an einen raschen Aufstieg und machte den Fehler, die Gehälter genau so zu bezahlen, wie in der ersten Liga, obwohl es dafür keine Gegenfinanzierung ab. Die Folge war, dass der Verein kurz vor dem Konkurs stand. Zu diesem Zeitpunkt (schon während der Saison 73/74) übernahm dann Heinz Günther das Ruder im Verein und führte einen rigorosen Sparkurs ein, worunter vor allem die Spieler zu leiden hatten. Die noch verbliebenen Kicker mussten drastische Gehaltskürzungen hinnehmen. Außerdem wurde ihnen geraten, bei befreundeten Firmen Halbtagsjob anzunehmen. Eine weitere Rettung gab es durch Spenden von Industrie und Handel sowie von der Stadt Dortmund. Aber auch die Fans wurden zum Rettungsanker. Präsident Günther bat um Mithilfe der Anhäger und versprach Belohnung für die Zeit, in der es der Borussia wieder besser gehe. Schon damals zeigte sich, was der BVB für ein Wert in seinen Fans hatte und sie verdienten den Ruf, die besten Fans der Liga zu sein. Die Interessengemeinschaft der Anhänger hatte sich schon vorher durch einige soziale Projekte ausgezeichnet, bis sie es wagte, den Vorstand öffentlich zu kritisieren, und die Macher der IG vom Vorstand kurzerhand rausgeworfen und durch konformere Personen ersetzt worden waren

Aber zurück zur Saison 74/75, es gab reichlich neue Namen zum Trainingsauftakt beim BVB. Als erstes natürlich einen neuen Trainer. Otto Knefler, mit Eintracht Braunschweig gerade aufgestiegen in die Bundesliga, übernahm das schwierige Amt in Dortmund. Knefler galt als ein „harter Hund“ und sollte den BVB wieder zu seinen Wurzeln bringen. Nicht das Schönspiel sollte im Vordergrund stehen, sondern der Kampf und der Wille zum Sieg. Natürlich kamen auch neue Spieler: Klaus Ackermann und Lothar Huber vom 1. FC Kaiserslautern, Gerd Schildt von Werder Bremen, Achim Wagner aus Gelsenkirchen, Ernst Savkovic vom MSV Duisburg, sowie Dieter Goldbach und Heinz-Dieter Greif von Barmbek-Uhlenhorst. Dazu verließen 13 Spieler (darunter Czernotzky, Rynio, Brücken, Bücker und Bertl) die Borussia. Teil um zu einen neuen Verein zu gehen, teils aber auch durch Beendigung ihrer Spielerlaufbahn. Dieser personelle Umbau macht natürlich die Arbeit für Knefler nicht leicht. Nur drei Wochen hat er Zeit bis zum ersten Pflichtspiel, um aus diesen Haufen eine Mannschaft zu formen. Im ersten Freundschaftsspiel gegen Erkenschwick errang der BVB einen 5-3-Heimsieg. Am 21.07.1974 war dann Premiere für Knefler beim WFV-Pokal. Dortmund empfing Wattenscheid 09 und erreichte ein 2-2 und im Wiederholungsspiel stand dann überraschenderweise einen 1-0-Auswärtssieg in Wattenscheid zu Buche. Ein besonderes Spiel fand am 27.07. statt. Die Schwarzgelben begrüßten den englischen Verein Aston Villa. Zwar verlor die Borussia das Spiel denkbar knapp mit 0-1, aber es war mehr drin. Ein mögliches Unentschieden verhinderte Segler, in dem er einen Strafstoss verschoss.

Trainer Knefler dämpfte vor dem Start in der 2. Bundesliga die Erwartungen und sagte: „Ein Punkt in Bielfeld wäre für uns Gold wert.“ Sein Wunsch wurde erhört. Vor 19.000 Zuschauer auf der Bielefelder Alm erzielte Hans-Werner Hartl den ersten Zweitligatreffer für den BVB, das Spiel endete 1-1. Erfolgreich verlief auch die Heimpremiere des BVB. Gegen den Bundesligaabsteiger Hannover 96 gewann die Borussia klar mit 3-1 durch Tore von Segler, Hartl und Huber per Elfmeter. Ernüchterung folgte dann aber im Finale des WFV-Pokals. Dortmund verlor trotz 1-0 Führung durch Wagner mit 1-2. Und 7 Tage später folgte dann auch die erste Niederlage in der 2. Bundesliga. Beim zweiten Bundesligaabsteiger Fortuna Köln verlor der zweikampfschwache BVB klar mit 0-2. Im Anschluss folgten dann zwei Arbeitssiege gegen SV Barmbek-Uhlenhorst (2-1) und beim Tabellenletzten Alemannia Aachen (1-0-Sieg durch ein Tor von Klaus Ackermann).

Vor 32.000 Zuschauern im Westfalenstadion wurde am 31.08.1974 das Spitzenspiel zwischen der Borussia und der Überraschungsmannschaft aus Niedersachen, Göttingen 05, ausgetragen. In einem hochklassigen Spiel erreichte der BVB trotz einer zweimaligen Führung nur ein 2-2 Unentschieden. Damit verpasste der BVB die Tabellenführung, die dann die Gäste aus Göttingen übernahmen. Der September begann mit einem überzeugenden Sieg gegen VfR Heilbronn in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals. Erneut vor 32.000 Zuschauern erreichte der BVB einen klaren Heimsieg gegen Rot-Weiß Oberhausen. Durch das 4-0 rückten die Borussen auf Platz 4 vor.

Die Ernüchterung folgte aber schon bald. Beim Tabellenletzten Preußen Münster verlor der BVB mit 0-1. Doch die Enttäuschung hielt nicht lange an, nur eine Woche später rehabilitierte sich der BVB durch einen klaren Heimsieg gegen den VfL Osnabrück. Bereits nach 26 Minuten führten die Borussen schon mit 3-0. Beim VfL Wolfsburg reichte es dann nur für ein 0-0. Dank der Mehreinnahmen durch das große Westfalenstadion dachte man nun bei der Borussia über eine Neuverpflichtung nach. Zoltan Varga, ungarischer Nationalspieler bei Ajax, sollte nach Dortmund kommen. Zum ersten Probetraining erschienen 2.000 Zuschauer zum Trainingsgelände. Trainer Knefler sagte damals zu einer möglichen Verpflichtung: „Wenn wir ihn nehmen, dann aber nur auf der Basis des Ausleihens.“

Am 13.10.1974 folgte dann ein knapper 2-1-Heimsieg gegen die SpVgg. Erkenschwick. Eine Woche später sah es lange Zeit für den BVB gut aus. Aber beim Stande von 0-0 bei Wattenscheid 09 erhielt der Spieler Greif einen Platzverweis, der dann die Entscheidung brachte. Am Ende hieß es 2-0 für Wattenscheid. Aber nur einen Tag später konnte man am Borsigplatz wieder lachen, denn der BVB vermeldete, dass man den Spieler Zoltan Varga ausgeliehen habe.

In der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals erreichte der BVB ein mühevolles 1-1-Unentschieden beim Zweitligisten SpVgg Fürth. Somit muss das Wiederholungsspiel im November die Entscheidung bringen.

In der Liga folgte dann das Heimspiel gegen DJK Gütersloh. Dieses Spiel verdient aus zwei Gründen eine Erwähnung. Zum einen wurde ein Zuschauerrekord aufgestellt. Noch nie kamen 42.000 Zuschauer zu einem Punktspiel des BVB. Zum anderen kam es endlich zum lange ersehnen Debüt von Zoltan Varga im Borussen-Trikot. Allerdings spielte der Ungar grippegeschwächt, so dass er nicht viel zu bewegen vermochte. Einen klaren Sieg konnten die Borussen in Hamburg feiern. Beim 4-1-Sieg über den FC. St. Pauli zeigten die Spieler von Trainer Knefler eine starke Vorstellung. Damit übernahm der BVB den dritten Platz in der 2. Bundesliga Nord. Und auch beim Wiederholungsspiel gegen Fürth konnte man feiern. Durch ein Tor von Klaus Ackermann gewann man das Heimspiel gegen die Spielvereinigung und zog in die nächste Runde ein. Gegner dort waren die Sportfreunde aus Siegen.

Doch zuvor standen für die Borussia wieder einmal Probleme mit einem „Tabellenletzten“ an. Das Heimspiel gegen Olympia Wilhelmshaven  endete 1-1. Eine Woche später sollte der BVB bei Schwarz-Weiß Essen spielen, aber Aufgrund der Unbespielbarkeit des Platzes wurde das Spiel abgesagt und in den Dezember verlegt.


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