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Eua Senf - 28.12.2016

Linie U42 - Gefahr nach Spielende

Dortmund, 20.12.2016, Heimspiel BVB - FC Augsburg

Es war zum letzten Mal in diesem Kalenderjahr soweit: der BVB spielt. Und das auch noch zu Hause. Welch große Freude. Eigentlich. Denn diese Freude wurde an diesem Abend doch leider getrübt. Nicht nur durch einen alleinstehenden Aspekt, der bei mir Unmut auslöste, sondern gleich durch eine ganze Vielzahl von negativen Begleiterscheinungen, die in mir eine ganze Facette von weniger willkommenen Emotionen auslöst.

Dabei werde ich jetzt gar nicht auf die aktuellen deutschlandweiten Nachrichten und beispielsweise die Ereignisse auf einem Berliner Weihnachtsmarkt eingehen. In Anbetracht dieser Umstände erscheinen mir beim Tippen dieser Zeilen so viele Themen nur allzu nebensächlich. Dennoch möchte ich diesen Eintrag verfassen und mitteilen, was mir besonders gestern Abend so unangenehm aufgestoßen ist.

Der Fall nahm seinen Lauf eigentlich nicht erst gestern, sondern schon vor einigen Monaten, als die DSW21 (Dortmunder Stadtwerke AG) beschloss, das Konzept für den Zustieg an der Stadtbahn-Haltestelle Theodor-Fliedner-Heim zu regeln.

Zunächst sei dazu gesagt, dass es zwingend notwendig war das vorherige Zufluss-System zu verändern. Es gab nämlich keins. Ein für Spieltagsverhältnisse viel zu enger Bahnsteig, der zwischen den beiden Gleisen (eines in Richtung Stadtmitte, das andere Richtung Hombruch) liegt und bei den großen Menschenmengen immer die Gefahr birgt, dass jemand auf die Gleise stürzt. Dieser Zustand konnte natürlich nicht aufrecht erhalten werden und so wurde – wenn auch viel zu spät – seitens der DSW21 reagiert und ein Konzept zur Zuflussregelung erarbeitet, das die Sicherheit der Fahrgäste erhöhen sollte.

Hier die offizielle Meldung der DSW21

Beim ersten Lesen habe ich zunächst gedacht, dass dieses Konzept sogar Potential hat und einigen Risiken ggf. reduziert. Die Gefahr, dass weniger Menschen vom Bahnsteig stürzen können ist aufgrund meine Beobachtungen auch gegeben, da weniger Menschen auf den Bahnsteig gelassen werden. Soweit klingt das auch erstmal alles sehr positiv.

Leider kann ich der DSW dennoch kein Kompliment für ihr Konzept machen. Denn die o.g. Probleme sind nicht gelöst worden. Sie wurden verlagert. Um das besser zu veranschaulichen, möchte ich gerne meine Erfahrung vom gestrigen Abend schildern. Ich war mit einer weiteren Person zusammen im Stadion und nach dem Spiel wollten wir mit der U42 Richtung Hombruch fahren. Ca. 20 Minuten nach Abpfiff kamen wir zusammen mit einer größeren Menschenmenge an der Haltstelle an. Die Masse kann man hier im Groben in 3 Kategorien einteilen: Menschen, die zu ihren in der Nähe parkenden Autos gehen möchten, Menschen die das Stadionumfeld zu Fuß verlassen und Menschen, die mit dem Nahverkehr, also der U42, ihre Heimreise antreten.

Das bedeutet also, dass in nahezu alle Richtungen an dieser Stelle Fußgänger unterwegs sind und ein bedeutender Teil von Ihnen zum Bahnsteig möchte. Dazu gehörten auch wir. Als wir an der Fußgängerampel am Ende des Fußwegs „Am Westfalenstadion“ angekommen sind, wurde wir von einer guten Handvoll Sicherheitsmitarbeitern, die im Auftrag der DSW21 dort standen, aufgehalten. Dies geschah u.a. mit einigen knapp 1 Meter hohen Baustellenabsperrungen, die je nach Lust und Laune der Mitarbeiter geöffnet und geschlossen wurden, um manchmal 10, 20, 30 Personen, manchmal auch eine größere Masse hineinzulassen. Ich fand mich irgendwann in einer dichtgedrängten Traube Menschen wieder, die sich auf der Straße (,die an dieser Stelle gesperrt ist) und auf den Gleisen (!) befand. Ich kann nicht genau sagen, wie viele Menschen dort waren, aber es waren sicherlich einige Hundert. Zunächst wurde die große Gruppe für mehrere Minuten aufgehalten und als dann eine Bahn in Richtung Stadtmitte kam, wurde von einem armen Mitarbeiter versucht mittels Rufen die große Menschengruppe von den Gleisen zu scheuchen. An dieser Stelle sind die Gleise auf einer Höhe mit der Straße bzw. dem Gehweg, so dass ich nur von Glück ausgehen kann, dass weder mir noch jemandem in meiner Nähe eine Bahn über den Fuß gefahren ist oder sonstige Verletzungen zugefügt hat.

Durch das verbale Verschieben der Gruppe hinunten von den Gleisen, wurden viele Menschen so dermaßen eingedrückt, dass es zu Angstsituationen kam. Ich habe gesehen wie ein Mann mittleren Alters über die Baustellenabsperrung gedrückt wurde und ich selbst hätte bei minimaler Unsicherheit mich selbst oder andere vor den Zug befördern können. Als dann erste Rufe kamen, man solle die Absperrungen entfernen, weil es zu eng und zu gefährlich war, wurde entweder mit Schulterzucken oder mit Gegenrede á la „Ihr könnt Euch alle nicht benehmen.“ reagiert. Für mich ist dieses Verhalten der DSW21 einfach nur unverständlich und führt leider überhaupt nicht zur Deeskalation der Situation.

Dies ist nur ein einziger Eindruck von mir vom gestrigen Abend. An anderen Spieltagen gab es aus meiner Sicht aber ähnliche Situationen. Besonders schlimm war es am 26.10.2016, als der BVB gegen Union Berlin ins Elfmeterschießen musste und das Spiel erst gegen Mitternacht beendet wurde. Dann hilft es kaum, wenn durch die Mikrofone des Stadions Durchsagen gemacht werden, die besagen, dass die Bahnen nur bis 0:15 Uhr fahren. Das führte nämlich dazu, dass sämtliche Menschen auf einmal zur Haltestelle laufen und eine noch größere Gruppe als sonst üblich mit Eile zu den Bahnen hetzt. Ich selbst war in dieser Gruppe, da ich auch gerne mit der Bahn nach Hause wollte und wurde irgendwann von der gesamten Gruppe über den Bahnsteig geschoben. Vorne an der Bahn ging es kaum weiter, von hinten drückte es und man selbst schwamm irgendwo in der Mitte mit. Ich war sehr froh, dass ich mit meinen gut 1,90m Körpergröße noch einigermaßen Luft bekommen habe, aber ich will mir nicht vorstellen, wie sich diese Situation für zierlichere Menschen angefühlt hat.

Daher kann man leider nicht vom Erfolg dieser Maßnahme ausgehen. Im Gegenteil. Zur Rückrunde Ende Januar muss zwingend etwas geändert werden. Denn sonst passiert in naher Zukunft das nächste schlimme Unglück. Leider hat die Vergangenheit schon zu oft gezeigt, dass sich erst etwas ändert, wenn es bereits zu spät ist. Ich hoffe die DSW21 ergreift die Chance, das vorher zu tun.

22.12.2016, QuJott


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