“Osram” leuchtet in Schlacke

Was für eine Saison bei den blauen Nachbarn. Erst das lässige UEFA-Cup-Aus in Krakau, dann das stetige Abrutschen in der Liga mit tubinenartiger Drehzahl des Trainerkarussels und zum Abschluß der Abgang des längjährigen Förderers und Aufsichtsrates, der beim Fallschirmspringen an der falschen Leine zog. Plötzlich standen sie ohne alles da, keine Europapokalteilnahme, kein Trainer, kein Geld, keine Perspektive und vor allem ohne den geistigen Vater des Vogelkäfigs: Jürgen W. Möllemann.


Viele versuchen jetzt zu vergessen, wir natürlich nicht. Eine solches Jahr der Peinlichkeiten in Schlacke muss aus der Sicht des neutralen Chronisten der Nachwelt erhalten werden, um auch den schlimmsten Pessimisten zu zeigen, dass es immer noch weit schlechteres gibt als eine grottenschlechte Saison des BVB. Nun hat es in Schlacke sicher schon magerere Jahre gegeben und der Blauenfan, als solcher ist er ja aufgrund der fehlenden Erfolge in den letzten Jahrzehnten ohnehin sehr genügsam, aber trotzdem haben die geistig tiefergelegten unter ihnen die meisten Spiele der Rückrunde dazu benutzt, die Arena in Schlacke zu einer Operngala der Pfeifenköpfe zu machen. Eine derart geile Akustik taugt natürlich auch gut dazu, die eigene Mannschaft in Grund und Boden zu trällern. Hatten wir schon gedacht, dass der BVB grausam schlechte Heimspiele ablieferte und unsere Fans zuviel maulten, so war das immer noch Klassefussball verglichen mit den vom Publikum völlig verlassenen Schlackern und dem von allen Geistern verlassenen Publikum.
So etwas hält natürlich kein Manager lange aus und schnell war das Opfer gefunden:
Frank Neubarth – ein Name eines Trainers der von dem Asselrudi aus dem Nichts des Norddeutschen Niemandslandes – sprich Werder Bremen Amateure – geholt wurde und der von ihm wieder zum nichts degradiert wurde. Dabei wurde er vom Blau-Weissen Oberdespoten offensichtlich engagiert um eine bisher nicht gekannte Kultur in den Skandalverein zu bringen: Er ist intelligent, er ist besonnen, er kann sich ausdrücken und der weiß was er tut - völlig ungewohnte Eigenschaften in einem Verein dessen Fans eher das Einfache bevorzugen.
Damit konnten sie nichts anfangen, die Dauer-Veltinstrinker und nimmermüden Eurofighter um Promillerekorde. Deshalb haben sie ihn weggemobbt – nicht mehr endende Pfeifkonzerte und Neubarth-Raus Rufe – schon klar. Leute mit Verstand haben in Schlacke nichts verloren und wenn`s dann mal nicht ganz so läuft muss er halt weg – einfache Lösungen, so einer passte nicht zu ihnen, das ist nur konsequent für die Sorte Fan, die wir so lieben.
Ein Experiment ist also gescheitert.
Mit dem jungen, unverbrauchten und intelligenten Trainer Frank Neubarth hat der FC Schlacke seine Fans ganz klar überfordert.
So einen wollten sie hier nicht und Asslerudi gestand sogar mit der Verpflichtung von Neubarth sogar einen Fehler ein.Zuviel Intelligenz hätte man vorher erkennen müssen, nicht wahr Herr A. ?

Dabei bleibt natürlich die Frage offen, wer sie denn erkennen sollte. Die pfeifenden Fans sicher nicht.
Wessen geistiges Niveau die Augenhöhe einer Feldmaus nicht überschreitet, der kann natürlich auch nicht sehen, dass es gar nicht am Trainer liegen konnte – also immer wieder: Pfeifen was das Zeug hält, wozu sind Vogelkäfige sonst da ? Eine viel zu dünne Spielerdecke und eine Sozialstruktur der ehemaligen Leistungsträger in der Mannschaft, die an das Gnadenbrot für verdiente Turnierpferde (Stichwort: Andrea M.) erinnert, konnte dann natürlich aus eigener Kraft nichts mehr schaffen.. So wurde zwar noch Vorruheständler Marc Wilmots kurzfristig als Interimstrainer auf die Bank gesetzt - eine schöne Geste an das ehemalige Mitglied der legendären Eurofighter - aber gebracht hat das natürlich nichts, im Gegenteil: Der FC Schlacke konzentrierte sich fortan auf den gnadenlosen Kampf um die heißbegehrten UI-Cup-Plätze. Fast hatte man ja das Gefühl, nachdem die Meisterschaft der Herzen in Vergessenheit geriet und die Blauen endlich wieder in ihrem angestammten UEFA-Cup in Europas Unterhaus zum gähnen animieren, dass jetzt gegen den VFL Bochum der Pokal um die graue Maus (für die gewöhnlichste Mannschaft der Liga) ausgetragen werden soll . Aber jetzt wurden die Bochumer plötzlich auch zum direkten Ligakonkurrenten – nur einer durfte in die ehemalige InterToTo-Runde (ein viel schönerer Name) – wer sich hier qualifiziert, der hat es gerade noch geschafft, der Statistik der völlig bedeutungslosen Fussballmannschaften soeben noch zu entrinnen. Aber wenn der Fussball schon bedeutungslos wurde, dann galt in in Schlacke schon immer die Regel, dass die Oberen so richtig auftrumpfen, denn ein Leben ohne Leiden, das ist nichts für die kleine Assel im Veltins-Trikot. Also war Asselrudi wieder an der Reihe, das Intresse der Öffentlichkeit an seiner Truppe – auch sei es noch so peinlich – aufrecht zu erhalten. Zuerst einmal sonnte er sich im Jubiläumsjahr: “10 Jahre Manager in Schlacke” und ließ alle Zeitungen über seine Erfolge, oder das was er dafür hielt biografisch darstellen – wohlverschweigend, dass er in der Saison 80/81 den FC Schlacke schon mal geradezu in die 2. Liga hineinmanagete und zudem noch gegen Ende der Spielzeit das Traineramt mitübernahm. Vielleicht war es doch das deja-vu-Erlebnis, das verhinderte, dass Rudi Cigar diesen Versuch noch einmal startete. Also erst einmal den Wilmots, der danach in die Politik wechselte – und dann ?
Es folgte eine Trainersuche der Superlative. Niemals zuvor wurden bei einer Mannschaft so viele Namen gehandelt – nie gab es mehr Absagen. Verständlich, wer wollte schon Asselrudis Marionette spielen noch dazu im UI-Cup ? Die FAZ schrieb zu dem Thema: “Inzwischen hat er gemerkt, dass der Club der Königsblauen doch nicht mehr als eine der ersten Adressen der Bundesliga wahrgenimmen wird, zumal im Ausland”. Falsch an dieser Ekenntnis ist allenfalls die Sichtweise, dass die Königsblauen jemals eine erste Adresse gewesen sein könnten. Mehr als eine belanglose Show in der Qualität einer Dauerwerbesendung gab es in den letzten 35 Jahren in Schlacke eh nicht zu bewundern, die errungenen Titel waren spärlich, allenfalls zweite Wahl. Wer sollte sich also davon locken lassen, kein Magath, kein Gross oder Gerrets uns schon gar kein Daum, van Gaal oder Hiddink .
Alles Namen, die der Eitelkeit des Managers gut standen, nicht aber den finanziellen und sportlichen Möglichkeiten des Vereins. Mittlerweile wurden sogar schon die neuen Auswärts-Trikots in Oranje vorgestellt – wohl um sich bei den holländischen Kandidaten interessant zu machen. Auch Huub Stevens wurde vom Asselrudi noch einmal in die Anfragerunde aufnommen, aber der konnte sich ebenso Besseres vorstellen. Letzlich gab es doch noch ein Happy-End, ein Mann dessen Name zwar schon früh gehandelt wurde, von den Fans wurde dieses Gerücht allerdings aufgrund maximaler Unvorstellbarkeit gar nicht erst weiterverfolgt. Aber dann kam er doch: Jupp Heynckes- Don Jupp, direkt aus dem spanischem Exil, endlich wieder daheim – Osram leuchtet in Schlacke. Vielen Schlackern geht plötzlich jetzt ein Licht auf – Königsblaue Euphorie wie man sie kennt.

Ein anderes Licht erlosch zwischenzeitlich. Jürgen W. Möllemann, wohl einer der engagiertesten Schlacker und anders als der Zigarrenrudi ein Mann der ersten Stunde, was die Arena in Schlacke betrifft, somit einer der Hauptwegbereiter der neuen Infrastruktur in Gelsenkirchen, schied aus – für immer. Sein Schicksal ist wohl allen bekannt und soll hier nicht noch einmal zum Gegenstand zynischer Bemerkungen gemacht werden. Wir erinnern an die Beiträge “Rudi und die Affäre Möllemann” Teil 1 und 2 – seine Rolle im Verein wurde von uns ausführlich beschrieben. Hierzu wird es nun keine weiteren Folgen mehr geben können. Unsere ehrliche Anteilnahme gilt all denen, die ihn vermissen.




Geschrieben von Klopfer