Der Ligapokal: eine runde Sache?

Jeder, der das gestrige Spiel gesehen oder unseren Spielbericht gelesen hat, wird bestätigen, dass man sich langsam aber sicher doch leichte Sorgen machen sollte. Wird es in diesem Jahr wieder nichts mit einem Derby-Sieg? Die Qualifikation gegen Brügge wird mit der gestrigen Leistung auch eher unrealistisch. Quo vadis, BVB?


Zunächst einmal zum Sportlichen: Gestern Abend hätten wir die bis dahin recht gelungene Saisonvorbereitung (mal von Verletzungen und dem Wechseltheater um Jens Lehmann abgesehen) abrunden können. Im Finale des Ligapokals wartete der Hamburger SV, und der sollte schlagbar sein, auch wenn er zuletzt mehr als überzeugend auftrat.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Gleich mit Anpfiff zeigte der HSV, dass er hohes Tempo gehen wollte – im Gegensatz zum BVB, der auf Schlafwagenfußball setzte. Wir wissen alle, wie es ausging. Borussia verschlief die Anfangsphase, und erst, als die Hamburger nachließen, kamen auch unsere Jungs zu Torchancen. Matthias Sammer will hinterher zwischen der 20. Und 80. Minute gar ein gutes Spiel gesehen haben. Einen Schuldigen hatten er und sein Team auch schon ausgemacht.....
Wie schon in der Vergangenheit beschäftigten sich alle Beteiligten fast 90 Minuten lang mit dem Schiedsrichter. Ständiges Reklamieren und Meckern, was schließlich in der Attacke von Sebastian Kehl endete. Er wird zu Recht eine Strafe dafür bekommen. Wobei die Frage erlaubt sein darf, warum ihn Trainer Sammer nicht vorher schon runter nimmt? Mit Gelb war er ohnehin schon vorbelastet, und als einer, der ständig die Zweikämpfe suchte, war er gefährdet. Dazu hatte auch er sich mehr und mehr mit dem Schiedsrichter beschäftigt. Matthias Sammer hätte sich seinen Kommentar über den Mann in rot-schwarz ebenfalls sparen können. An ihm hat es sicher nicht gelegen, trotz der einen oder anderen kleinen Fehlentscheidung. So werden wir bei den Pfeifenmännern in naher Zukunft kaum wohl gelitten sein.....

Dabei sollte uns die spielerische Armut viel mehr Sorgen machen als die Fehlpfiffe. Nun ist heute Morgen bekannt geworden, dass Flavio Conceicao ab sofort für Borussia seine Schuhe schnürt. Er wird uns sicher auf der defensiven Halbposition im Mittelfeld weiterhelfen. Doch wo bleibt ein Ersatz für Evanilson? Wenn eines gestern offensichtlich war, dann doch wohl die völlige Konfusion auf der rechten Seite. Seine Stärken bemerkt man scheinbar immer nur dann, wenn er wirklich fehlt. Mit seiner Schnelligkeit hätte er gestern sicher die eine oder andere Situation entschärfen können. Doch so waren beide Außenpositionen ein Totalausfall. Da besteht mehr als nur Handlungsbedarf, liebe Führungsebene!
Auch die Innenverteidigung machte gestern ernsthaft Sorgen. Madouni und Wörns schlugen die Bälle zumeist unkontrolliert heraus und kamen oft einen Schritt zu spät, wie fast alle eigentlich.

Torwart Weidenfeller war gestern wohl die ärmste Sau auf dem Platz. Schuldlos an den Toren zum 1:0 und 2:0, mitschuldig am 3:0 und mehr oder weniger voll schuldig am 4:2. Man konnte deutlich sehen, dass er sich sehr unter Druck gesetzt hatte. Er wollte es allen zeigen, und so spielte er dann auch. Ruhig bleiben, Roman. Ich bin sicher, dass die Mehrheit der BVB-Fans Dir die Zeit geben wird, die Du als 22-Jähriger einfach brauchst. Genau wie sie früher einmal Eike Immel, Teddy de Beer, Stefan Klos und auch Jens Lehmann gegeben wurde. Schönen Gruß übrigens an den kompetenten Schreiber der Zeitung mit den vier Buchstaben. Nicht die BVB-Fans forderten mit Sprechchören Jens Lehmann, sondern die Hamburger, die sich schlicht darüber lustig machten. Zugegeben, gestern war es nicht so einfach, zu wissen, welche Fangruppe wo steht oder sitzt. Zu diesem Chaos, das die DFL da angerichtet hat, kommen wir jetzt.
Die DFL hatte sich für den Mainzer Bruchweg als Austragungsort entschieden. Der BVB stellte quasi die Heimmannschaft, die Hamburger das Auswärtsteam. Das scheint auf den ersten Blick eine gute Lösung zu sein, wenn man das denn auch mal nach außen kommunizieren würde und die anreisenden Fans dann auch wüssten, in welchen Block sie gehören. Aber woher sollen sie das wissen, wenn es schon die Kartenverkäufer nicht wissen („Ähm, heute ist doch freie Platzwahl!“, erklärte die Putzfrau dem Kartenverkäufer, als der nicht sagen konnte, welche Fans an welchem Platz stehen sollten).
So kam es dazu, dass einige BVB-Fans auf der Heimtribüne standen, die mehrheitlich von Mainzern, Hamburgern, Bayern und sonstigen Leuten bevölkert wurde. Gleichzeitig stand eine relativ große Gruppe im Gästeblock, genau neben den Hamburgern. Einfach unglaublich, da legt man bei DFB, DFL, Polizei und Ordnern doch immer so großen Wert auf Sicherheit, und dann ist man nicht mal in der Lage, eine vernünftige Trennung der Fangruppen zu gewährleisten. Statt also einen Block – etwa den Block P direkt am Eingang – nur für BVB-Fans zu öffnen, wurde man penibel kontrolliert, ob man jetzt auch eine Karte für den richtigen Block hat. So standen die Dortmunder also überall auf der Tribüne verteilt. Durch Karten tauschen und einsammeln der Block R-Karten gelang es dann wenigstens, einen großen Teil der angereisten Dortmunder, hier im Block zu sammeln. Rundherum übrigens nur Hamburger und Mainzer.

Immerhin hatte der großartige Ordnungsdienst dafür Sorge getragen, dass sowohl uns als auch den Hamburgern zunächst sämtliche Zaunfahnen verboten wurden. Leider war es wie sooft: Eine Diskussion über Sinn und Unsinn eines solchen Verbots wurde auf arrogante Art und Weise abgewiesen („Ich weiß gar nicht, was ihr immer diskutieren wollt! Ich habe meine Anweisungen!“). Da weder bei uns noch auf Hamburger Seite so etwas wie ein Fanbeauftragter anwesend war, versuchten wir, uns selbst zu helfen. Wir sprachen uns untereinander ab, und jede Seite probierte nun, einen Vereinsvertreter ans Telefon zu bekommen. Der Hamburger vom Supporters Club hatte immerhin diese Möglichkeit, was ihm auch nichts nutzte. Nach langem hin und her kam uns die Idee, sich mit den anwesenden Szenekundigen Beamten (SKB) der Dortmunder und Hamburger Polizei in Verbindung zu setzen. Diese kümmerten sich dann wirklich um unser Anliegen und teilten uns mit, dass Zaunfahnen überhaupt nie verboten waren. Einzig die Haupttribüne sollte frei bleiben, da dort überall das DFL-Logo prangt. Herr Walter Maas – ehemaliger BVB-Angestellter und heutiger Organisator des Ligapokals – habe dies auch noch mal bestätigt. Während die Hamburger nun ihre Zaunfahnen problemlos ins Stadion bekamen, fühlte sich „unser“ Oberordner nicht an irgendwelche Aussagen eines Herrn Maas gebunden. Auch unserer Bitte, einfach noch mal zu fragen, ob sich die Situation geändert habe, kam er nicht nach („Ich brauche nicht zu fragen, ich habe meine Anweisungen!“). Dann muss ich mal ein lobendes Wort für unsere SKB loswerden. Sie kamen zu unserem Gästeeingang und erklärten dem Ordner, dass es eine Anweisung gäbe und er lieber nochmals nachfragen sollte. Das tat er dann auch endlich („Ich kann doch jetzt nicht mehr die Zaunfahnen freigeben, das wäre ja Chaos hier!“) mit einigem Widerwillen. Lange Geschichte und viel Tamm-Tamm um ein paar läppische Fahnen. Mit ein wenig Eigeninitative hätte das Thema schon längst vorab geklärt werden können.
Während des Spiels wurde es den Mainzer Zuschauern wohl zu langweilig und sie begannen ihre eigenen Lieder zu singen. Lächerlich, traurig, armselig. Was für eine Fan(un)kultur ist das denn, dass ich meine eigene Show durchziehe, während zwei andere Mannschaften auf dem Rasen stehen? Nein, stattdessen feiert man sich in Mainzer Internetforen auch noch für diese super Aktion und bezeichnet Dortmunder als Modefans, die nicht singen. Wenn sie sich für den HSV entscheiden und ihn anfeuern, kann ich es nicht ändern und ist mir auch egal. Wenn sie diese Plattform aber so zur puren Selbstdarstellung nutzen, ist es arm, mehr nicht.

So verteilt, wie alle Dortmunder dort gestern standen, war auch leider nicht viel anderes möglich, als mit 150 Leuten die Mannschaft zu unterstützen.
Danke DFL und BVB für diesen gelungenen Abend!

Geschrieben von Jens