Gelsenkirchen – das leichte Mädchen der Liga

Wir schreiben das Jahr 2003, genauer gesagt Juni 2003, und wie jedes Jahr um diese Zeit treten derzeit überall in der Bundesrepublik die Herren Profifußballer ihren mehr oder weniger verdienten Sommerurlaub an, während hinter den Kulissen eifrig für die neue Saison geplant wird. Manager, Präsidenten und Trainer in 17 Bundesligavereinen bemühen sich auch in Zeiten nicht ganz so voller Kassen um neue Spieler, neue Spielsysteme und den optimalen Start in die neue Spielzeit.


Überall? Nein, eigentlich nicht. Denn unweit unserer schwatzgelben Heimat gibt es keinen Trainer, der sich Gedanken über Grundlagenarbeit, Spielsystem oder Verstärkungen des Kaders machen könnte, denn hier herrschen zurzeit nur zwei: Rudi Cigar und die Ratlosigkeit.

Letztere scheint langsam aber sicher immer mehr Einfluss zu gewinnnen, denn im Jahr 1 nach Huub droht man bei den Blauen aus dem Westen Hernes allmählich im Chaos zu versinken. Auf der Suche nach einem neuen Übungsleiter für die zusammengeklaubte Mittelmaßtruppe lassen Rudi und seine Gefolgschaft zumindest derzeit kaum ein Fettnäpfchen aus und kassieren obendrein auch noch Korb nach Korb von den Kandidaten. Die Liste der gewünschten Fußballlehrer, chronologisch geordnet nach der Reihenfolge, in der sie sich bei den Blauen im Gespräch befanden, zeigt denn auch deutlich: Die Hoffnung auf einen gestandenen Erfolgstrainer (Daum) und der Größenwahn (van Gaal) weichen in der knuffigen Klischee-Malocherstadt zunehmend der Verzweiflung.
Und so lauten die neu diskutierten und hier in der Bierstadt mit einem riesigen Grinsen zur Kenntnis genommenen Namen vom Pfingstwochenende denn auch lediglich noch Fischer und Abramczik.

Ein bisschen erinnert das Verhalten der Blauen bei ihrer Suche nach einem Coach ohnehin mittlerweile an das einer abgewrackten Hure. Wenn die Bezahlung stimmt, tun sie dort in Gelsenkirchen ja seither so ziemlich alles, das wußte schon Herr Canellas zu berichten. Und so buhlt man heute, in der Gewissheit, die besten Jahre schon lange hinter sich zu haben, auch um jeden Trainer, der Frei(er) geworden ist und gerade den Bordstein am Ernst-Kuzorra-Weg entlang geschlendert kommt.
Mit diesen Worten schmeißen sie sich an die Fußballlehrer dieser Welt heran - völlig gleichgültig, ob diese überhaupt nach einer solchen Erfahrung suchen oder sich, wie beispielsweise Christian Gross und Felix Magath, in einer glücklichen und intakten Beziehung befinden.

Doch egal wen die leichten Mädchen aus GE auch ansprechen, die Reaktion bleibt stets dieselbe. Ob Daum, van Gaal, Abramczik oder die eben genannten, sie alle erkennen schnell, wer da vor ihnen steht:
Auch das teure Arena-Makeup kann längst nicht mehr verhehlen, dass es sich hier um ein altes Wrack handelt, dass verzweifelt um die Gunst der Männer buhlt. Die Brüs…. pardon, die Fahnen hängen schlaff herunter und aus der Nordkurve ist längst jegliches Leben gewichen. Der Lack ist ab, diese Braut macht keinen mehr scharf!

Und was macht derweil der Lude? Der sitzt daheim auf seinem Sofa, zieht ratlos und verzweifelt an der Zigarre und nuschelt frustriert: “Hol mir mal ein Bier!“

Geschrieben von Arne