Der große Schwatzgelb.de-Saisonrückblick - Teil 1
Die Saison ist beendet und es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen. Daher blicken wir von schwatzgelb.de, wie nach jeder Saison, auch diesmal kurz zurück und rufen uns die gezeigten Leistungen unserer Helden in schwatzgelb ins Gedächtnis zurück. In den kommenden Tagen und Wochen erscheint daher an dieser Stelle – parallel zu unseren Spielerzeugnissen - eine umfassende Einzelkritik. Teil 1 beschäftigt sich mit der Defensivabteilung der Borussia.Mit gerade einmal 27 Gegentreffern hat der BVB die zweitwenigsten Tore der Liga einstecken müssen, nur der FC Bayern kassierte noch zwei weniger. Solche Statistiken haben zwar wenig Wert, denn letztlich zählt nur der bloße Tabellenplatz, aber sie verdeutlichen eben, dass das etwas unbefriedigende Abschneiden sicherlich nicht den Tor- und Abwehrspezialisten des BVB anzukreiden ist.
Das Tor
Jens Lehmann präsentierte sich in dieser Saison stark wie selten zuvor und entwickelte sich in dieser Saison endgültig zum absoluten Rückhalt für seine schwatzgelben Vorderleute. Von den Leistungen her war er sicherlich der beste Torhüter in der abgelaufenen Bundesligasaison – schade, dass in der Nationalmannschaft dieses Kriterium nur noch selten zur Anwendung kommt. Auch im Umgang mit den Fans lässt sich vom ehemaligen „Schnösel“ nur noch positives berichten. So gehört Lehmann stets zu denjenigen Spielern, die auch nach Niederlagen noch den Weg zur Südtribüne bzw. in die Gästekurve finden. Einziges Manko in dieser Saison: Zwei (dumme) Platzverweise sind einfach zu viel.
Lehmanns Vertreter, Roman Weidenfeller, kam dagegen nur schwerlich in Tritt. Drei sporadische Einsätze nach den Platzverweisen von Jens Lehmann wirkten recht ordentlich, im Spiel gegen Bremen jedoch - dem ersten seiner Verletzungsvertretung für den Stammkeeper - zeigte Weidenfeller eine katastrophale Leistung und war sicherlich (mit)schuld an der Niederlage. Unglücklich in diesem Zusammenhang auch sein Auftreten in der Öffentlichkeit, wo er vorwiegend mit Kampfansagen und Sticheleien gegen Lehmann auffiel. In der Folge konnte Weidenfeller die Leistungen im Tor zwar stabilisieren, die Sicherheit und Ruhe eines Jens Lehmann kann der junge Keeper aber noch lange nicht ausstrahlen. Das Potential, sein Nachfolger zu werden, besitzt er jedoch allemal und so kann man seiner weiteren Entwicklung wohl freudig entgegen blicken.
Nicht unterschlagen wollen wir an dieser Stelle Jan Koller, den vielleicht besten Torwart, der jemals das BVB-Trikot getragen hat. Unvergessen sein Einsatz zwischen den Pfosten im Spiel bei den Münchner Bayern, als Jens Lehmann vom Platz gestellt worden war und das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft war. Riesenleistung eines Riesenspielers, doch sein Saisonfazit folgt erst in Teil 3.
Michael Ratajcak und Stefan Demuth durften zwar das eine oder andere Mal die Bank warm halten, bekamen aber keinen Einsatz bei den Profis.
Die Abwehr
Wer in der letzten Saison noch davon ausgegangen war, dass Stefan Reuter das Bankschicksal eines Jürgen Kohlers in der Meistersaison ereilen würde, der sah sich schnell getäuscht. Denn entgegen der Befürchtung, seinen Zenit schon weit überschritten zu haben, zeigte der Mannschaftskapitän in der abgelaufenen Spielzeit eine ebenso konstante wie solide Leistung. Große Galaauftritte gehörten zwar nicht zu Reuters Repertoire, dafür sorgte er aber auch ebenso wenig für einen Totalausfall auf dem Platz. Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Die Leitbildfunktion, die der 36-jährige in der jungen Mannschaft innehält.
Gegen „Angstgegner“ Ronaldo musste Christoph Metzelder nach dem WM-Finale zwar auch in der Champions League einsehen, dass die Bäume für ihn (noch) nicht in den Himmel wachsen, doch blieb dieses Spiel einer der wenigen schwachen Momente. Den übrigen Teil der Saison spielte Metze auf gewohnt gutem Niveau, eine Überbelastung nach der anstrengenden Weltmeisterschaft war ihm nicht anzumerken. Besonders positiv blieben vor allem die Auftritte Metzelders auf der rechten Außenbahn in Erinnerung. Hier konnte der 22-jährige eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass sich sein Können nicht nur auf das Zerstören der gegnerischen Angriffsbemühungen beschränkt. Vielmehr überraschte er auf dieser ungewohnten Position mit einem starken Offensivdrang, schön anzusehenden Flankenläufen und klugen Hereingaben in den Strafraum.
Ein wenig mehr Schatten als bei Metze musste man leider in dieser Saison bei Christian Wörns feststellen, der zwar alles in allem eine solide, aber eben keine wirklich gute Saison gespielt hat. Die von ihm gewohnte Sicherheit ließ der Routinier gelegentlich vermissen und so ließ leider auch er sich gelegentlich von der Nervosität der Mannschaft anstecken, beispielsweise in den Heimspielen gegen Werder und am letzten Spieltag gegen Cottbus, wo nicht zuletzt sein Patzer den Ausgleich der Lausitzer begünstigte. Von einem Spieler seiner Erfahrung hätte man mehr Abgeklärtheit erwarten müssen. Trotz aller Kritik dennoch eine durchaus zufriedenstellende Saisonleistung.
Shootingstar der Saison beim BVB dürfte aber zweifelsohne Ahmed Madouni sein. Der junge Franzose bekam in dieser Saison endlich die Chance, sein Können unter Beweis zu stellen und tat dies recht eindrucksvoll. Hatte man bei ihm in der vergangenen Saison in Nürnberg ob der gebotenen „Leistung“ noch die Hände überm Kopf zusammengeschlagen, so konnte Madouni dieses Jahr endlich alle Vorschusslorbeeren bestätigen und spielte eine nahezu fehlerfreie Spielzeit. In der Abwehr stellt er mittlerweile mehr als nur eine Alternative dar und nur durch ihn gelang es, Metzelders Ausfall angemessen zu kompensieren. Für die Zukunft sicherlich ein Riesenjuwel, das sich über kurz oder lang als Stammspieler etablieren wird.
Florian Thorwart kam zwar in der Hinrunde gegen 1860 in der 90. Minute ins Spiel, dies blieb allerdings der einzige Einsatz für den jungen Amateur.
Teil 2, das Mittelfeld, folgt in Kürze!
Geschrieben von Arne
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