Am Ende bekommst Du, was Du verdienst
Das war er, der letzte Spieltag der Saison 2002/2003. Kein geringer als Lars Ricken fasste mit einem einzigen Satz die Ereignisse des letzten Spieltags zusammen: „Am Ende bekommst Du, was Du verdienst“, so der Dortmunder. Genauso war es, jeder bekam das, was er verdiente. Bayern seine was weiß ich wievielte Meisterschaft ohne Gegenwehr. Bielefeld und Nürnberg den 6. Abstieg in ihrer Vereinsgeschichte. Ex-Trainer Meyer seine späte Anerkennung am Bökelberg. Hertha und der HSV die erhoffte Uefa-Cup Teilnahme. Werder die Arschkarte der Saison. Elber endlich die Torjägerkanone und die Stuttgarter den verdienten zweiten Tabellenplatz.Doch Ricken meinte vor allem seine Borussia. Wie recht das Dortmunder Urgestein doch hatte. Denn der BVB bettelte in der zweiten Hälfte förmlich darum, dass die Absteiger aus Cottbus sie in die Qualifikationsrunde um die Champions League-Teilnahme schossen. Schonungslos zerstörten Geyers Energiezwerge das Wunschdenken der Dortmunder Startruppe, mit einem lockeren Auslaufen am Samstagnachmittag die Saison als Tabellenzweiter zu beenden. Auf die gesamte Saison gesehen lieferten Borussias Kicker eine Rückrunde ab, die nicht nur bei den schwatzgelben Fans Frust und viele, sehr viele Fragen offen ließ. Die Dortmunder, Spieler wie Verantwortliche, hinterließen auch nach dem Spiel nicht den Eindruck, dass sie bereits eine Lösung der Probleme parat hätten. So schämte sich wenigstens Sebastian Kehl ehrlich für seine miese Leistung. Andere Dortmunder Profis hielten es nicht mal für nötig, sich für die blamablen Vorstellungen der letzten Wochen bei ihren Fans zu entschuldigen.
Ganz anders die Nachbarn aus Herne West. Die Blauen zeigten, wie man sich ordentlich bei den eigenen enttäuschten und verärgerten Fans in die Sommerpause verabschiedet. So trugen die Schalker Spieler vor dem Spiel ein Transparent mit der Aufschrift: „Danke - Ihr wart spitze! Wir diesmal nicht!“ in die Arena. Danach schenkten sie ihren Fans noch einen Sieg gegen den neuen deutschen Meister Bayern München. Ob allerdings die Blauen für ihren Büßergang auch den neuen Trainer bekommen, der Rudi Assauer vorschwebt, dürfte noch einige Stumpen, und ebenso lange Gesprächsrunden dauern.
Rudi, seines Zeichens König der Blauen, sieht sein Reich gefährdet und sucht nach einem neuen Knappeneinpeitscher. Dieser sollte möglichst Felix heißen und aus dem fernen Schwabenland ins düstere und kalte Herner Grenzland gelockt werden. Doch die Stuttgarter jungen Wilden machten dem Rudi einen Strich durch die Rechung, nahmen das Geschenk der Schwatzgelben aus Dortmund dankend an und sorgten mit der direkten Qualifikation in die Champions League für das von Magath geforderte Kleingeld im Stuttgarter Vereinssäckel. Schade Rudi, Daum verarscht, bei Gerets abgeblitzt und nun bleibt Magath wohl doch in Stuttgart. Sieht ganz so aus Rudi, dass keiner Deiner Wunschkandidaten gerne neben Dir auf der Bank sitzen möchte.
Der Falko aus München hat einen dicken Hals. Immerhin hat er sich als der neue Heilsbringer bei den Wildmosers angebiedert. Die schickten Özzi Pacult, den eh keiner verstand, wieder zurück hinter die Brennerautobahn und setzten alles auf die Karte Götz. Der frisierte die Löwen zu zahnlosen Muschis um und droht nach der Heimniederlage gegen die grauen Mäuse aus Bochum: „Ich schmeiß euch alle raus!“ Gut so Falko! Am besten lässt Du Dich klonen und stellst Dich selbst auf, denn zuhören tut Dir eh keiner Deiner Spieler mehr.
Sein wir doch ehrlich. Wir haben alle mit ihm gelitten, oder? Dem XXXXXL Manager und Michelinmännchen der Liga, Rainer Calmund. Was sah er schlecht aus, war in den letzten Wochen sichtlich bis auf Kleidergröße XXXL abgemagert, und machte den Eindruck, dass er bei dem nächsten Gegentor den Löffel abgeben würde. Doch durchatmen war nach dem Schlusspfiff im Frankenstadion angesagt. Seine Chemical Boys gaben alles, um sich später nicht nachsagen lassen zu müssen an einem vorzeitigen Ableben des Bayermachers beteiligt gewesen zu sein. So kam alles wie erwartet, denn im Abstiegskampf war schon immer Verlass auf die Leverkusener Ballartisten. Ganz nebenbei blieb mit dem 1:0 Sieg Bierfreund Augenthaler der zweite Abstieg in einer Saison erspart.
Mit dem Abpfiff des letzten Spieltages der Saison ist es auch an der Zeit, Abschied zu nehmen. Abschied von Stars, oder solchen, die uns immer glauben lassen wollten, dass sie in einem Atemzug mit den Beckenbauers und Netzers dieser Nation genannt werden müssten. Eine ganz besondere Spezies von Spielern verlässt die Bühne Bundesliga und hebt somit den IQ in der Liga enorm. Bei Effenberg, Basler, Häßler und Möller darf man dem Herrgott danken, dass zu ihrer Schulzeit über eine Pisastudie noch nicht nachgedacht wurde. Fußballerisch würde ein Wechsel nach Katar allen gut zu Gesicht stehen, da so mancher die Effenbergs u. Co. gerne schon zur aktiven Zeiten mit Vergnügen in die Wüste geschickt hätte.
Somit endet die 40. Bundesligasaison und neue harte Zeiten brechen für den deutschen Fußball an. Die Gelddruckmaschine Kirch ist abgestiegen und mit ihr die goldenen Zeiten für Vereine und Spieler. Die Clubs entdecken die wunderbare Welt der Sparsamkeit und manch Spieler wird sich in den nächsten Wochen auf dem Arbeitsamt wiederfinden. Es bricht eine Zeit der Rückbesinnung an, eine Zeit der Bescheidenheit und der einfache Fußballfan darf wieder hoffen, dass ihm die gebührende Beachtung von Spielern und Vereinen wieder zuteil wird. Denn eins ist sicher: Wenn der letzte Cent vom Verein verbraten ist, der Spieler seine Nobelkarosse wieder gegen einen Mittelklassewagen eingetauscht hat und die letzte Fernsehkamera aus dem Stadion verschwunden ist, dann wird einer immer noch treu zu seiner großen Liebe stehen. Der einfache Fußballfan!
Geschrieben von Wade
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