Ein Punkt zum Geburtstag für den Trainer BVB(A) 2:2
Wie schon am letzten Montag gelang den BVB Amateuren gegen einen Nordklub ein Unentschieden. Mit 2:2 trennte man sich von Holstein Kiel und machte damit Trainer Horst Köppel wenigstens einen Punkt zum Geschenk zu seinem 55. Geburtstag.Ratajczak, Thorwart, Sahin, Demel, Leandro, Odonkor. Sechs Stützen der Mannschaft. Die 6 fehlten den Amateuren an diesem Samstag Nachmittag. Entweder verletzt oder als Unterstützung für die Profis abgerufen, standen sie nicht zur Verfügung. Da Jens Lehmann immer noch nicht fit ist, musste die Nummer 1 der A-Jugend Demuth auf die Bank in der Pfalz. Den Platz im Tor der 2. Mannschaft nahm George Forsyth ein, den Köppel in den Wochen zuvor gar nicht berücksichtigt hatte. Sein Ersatz war Demuths Kollege Sören Pirson, der von Fortuna Düsseldorf zum BVB gekommen war.
1850 Zuschauer im Holsteinstadion, das von 1978 bis 1981 auch Fußball der 2. Liga gesehen hat, sorgten für eine unterdurchschnittliche Kulisse in einem Spiel, in dem es für beide Mannschaften um nichts mehr ging. Auch die „Hooltras“ zogen den Bierstandsupport vor.
Unter den Zuschauern auch etwa 20 Borussenfans u.a. vom Fan Club „Schwarzgelbe Skorpione Schleswig“, die einen eigenen Gästeblock mit Würstchenbude hatten. Die Mannschaft von Horst Köppel war schon am Vortag in Kiel angekommen und hatte ein Hotel in der Nähe des Stadions bezogen. Der Gegner Holstein Kiel drohte zu Anfang der Saison zu Kanonenfutter zu geraten. Nach den ersten Spieltagen hatte man lediglich 3 Pünktchen zu vermelden und den ersten Sieg gab es gar erst am 112. Spieltag der Saison. Jetzt aber ist das alles anders. Kiel ist vor diesem Spiel sieben Mal hintereinander ungeschlagen gewesen. Garant für die Erfolge der letzten Zeit ist Dmitrijus Guscinas, litauischer Nationalspieler. Er alleine erzielte in der bisherigen Spielzeit 22 Treffer. Zum Vergleich, der Rest der Mannschaft hatte zusammen 26 Treffer. Damit ist er auch Torjäger Nummer 1 in der Regionalliga Nord und auch im Süden ist keiner besser als er.
Zum Spielbeginn auf einem Hoppelrasen kam man sich vor, wie auf einer Beerdigung. Der Norddeutsche an sich ist ja sehr zurückhaltend, aber bei dieser Totenstille konnte man einen Kaninchenfurz in Flensburg hören. Erst nach einem direkten Freistoß von Lars Schiersand der aus 22 Metern über den Kasten der Dortmunder zischte, wusste man, dass das Spiel nicht auf einem Friedhof abgehalten wurde. Besonders bei Eckbällen kam so etwas wie Ekstase im Rund auf. Das Publikum klatschte lau aber rhythmisch , wie beim Tennis Davis Cup bei einem drohenden Breakball. Nach dreizehn Minuten war es aber zum ersten Mal mit der „Partystimmung“ vorbei. Mladen Kascelan schickte Sahr Senesie über rechts mit einem langen Ball in den Strafraum. Torhüter Greil konnte Senesies Schuss mit einer akrobatischen Flugeinlage abwehren. Leider genau in die Mitte vor die Füße vom Timo Achenbach, der keine Mühe hatte den Ball über die Linie zum 1:0 für die Gäste zu schieben.
An dieser Stelle ein erstes Wort zu Schiedsrichter Guido Winkmann aus Kerken. Hatte er in der ersten Viertelstunde alles abgepfiffen, was auch nur im entferntesten nach Foul roch, verweigerte er den Kielern in der 20. Minute einen Foulelfmeter, als ein Angreifer von einem Dortmunder Abwehrbein im Strafraum gelegt wurde.
Auch die Holsteiner hatten Probleme mit dem Rasen. So versprang Timo Schulz die Kugel alleine vor dem Tor, als er gerade abziehen wollte und schlug ein Luftloch. Hatten sich die Dortmunder nach Ihrem Tor eine kleine Auszeit gegönnt und den Gegner ins Spiel kommen lassen, zog nun Sahr Senesie nach Pass von Gambino wieder mal alleine los auf das Tor der Gastgeber. Seinen Schuss konnte Greil aber abwehren und das ohne ein Dortmunder den Ball wie beim 1:0 aufnahm und ins Tor schoss. Das hätte das 2:0 sein können, aber es kam der direkte Gegenzug. Trejgis bedient Schiersand über den fast alle Aktionen der Holsteiner liefen. Jens Schiersand zieht aus fünf Meter flach ab und überwindet zum ersten Mal George Forsyth zum 1:1 Ausgleich. (30.) In der 39. Minute traf wieder ein Kieler. Allerdings nicht das Tor, sondern aus kurzer Distanz den Unterleib von Bastian Pinske. Das Klatschgeräusch ließ jeden männlichen Fußballfan auf der Tribüne zusammenzucken, aber er nahm es wie ein Mann....;-)
Dann die letzten fünf Minuten vor der Pause, in denen der BVB schon frühzeitig alles hätte klar machen können, ja müssen. Wieder wird Senesie auf seiner Seite losgeschickt. Dies mal mit einem schönen Pass von Mehmet Sirin. War Senesie eben noch mit seinem Ball am Torwart gescheitert, sah er nun in der Mitte den mitgelaufenen Gambino, der keine Mühe hatte, das 2:1 ins leere Tor zu erzielen. (42.) Entweder waren die kieler noch zu geschockt vom erneuten treffer oder sie haben Senesie einfach nicht in den Griff bekommen, denn keine 60 Sekunden später, die gleiche Situation. Senesie diesmal in der Mitte mit einem Alleingang auf das Kieler Tor zu. Doch Sahr Senesie setze den Ball und damit die Möglichkeit zum vorentscheidenen 3:1 rechts neben das Tor.
Eine besondere Überraschung erlebte Berni Späth aus dem BVB-Troß auf seinem Platz auf der Tribüne. Einer der Spieler hatte ihm ein gekochtes Ei vom Frühstück in die Hosetasche gesteckt. Dieses Ei saß er nun in der ersten Halbzeit schön platt, was er erst bemerkte, als er in der Pause in die Hosentasche und damit in den Ei-Matsch griff.
Bereits Sekunden nach der Halbzeit lag der Ball dann wieder im Dortmunder Tor. Sebastian Wojcik, gerade erst eingewechselt, wollte sich als Torschütze feiern lassen, doch Schiedsrichter Winkmann verdarb ihm den Spaß in dem er zurecht auf Abseits entschied. Beide Mannschaften hatten in der zweiten Hälfte eine Fülle an Chancen. In der 57. Minute setzt sich Bugri stark über rechts durch. Seine Flanke wird noch Schulz abgefälscht, so dass Sirin den Ball nicht erreichen kann, der an ihm vorbeihoppelt. Die nächste Möglichkeit für Kiel hat wieder Wojcik, dessen Konterabschluss zum Glück für die Dortmunder nur am Außennetz landet (65.) Sirin flankt, aber Gambino verzieht den Schuss aufs Tor (71.). Die Spielentscheidung dann zwei Minuten später. Torjäger Guscinas lässt sich nicht von drei Gegenspielern bedrängen und donnert den Ball aus elf Metern Entfernung unter die Latte ins Dortmunder Tor. Forsyth wäre wohl, hätte er noch ein Körperteil an diesem Schuss bekommen mit der Kugel ins Netz geflogen.
Die Dortmunder hatten nicht mehr allzu viel beizutragen. Man schwächte sich selbst. Köppel musste Sasy und Kascellan vom Platz nehmen. Beide mit Gelb vorbelastet, drohten mit der Ampelkarte das Spiel vorzeitig verlassen zu müssen. Für Sie kamen Kohlmann und Mahr. Den letzten Versuch machte Horst Köppel zehn Minuten vor Schluss, der den Stürmer Gambino vom Feld nahm und für ihn Tobias Beckmann einfach vorne reinstellte. Genutzt hat es nichts mehr. 2:2 war dann auch das Endergebnis in einem recht guten Spiel beider Mannschaften.
Die Mannschaft verabschiedete sich persönlich von den gekommenen BVB-Fans und selbst Geburtstagskind Köppel schüttelte in der Kurve Gratulationshände.
Die Pressekonferenz lief in lockerer Atmosphäre statt. Selbst Horst Köppel ließ seinen Standardbestellung „Wasser“ weg und orderte sich zu seinem Geburtstag ein Bier. Aber auch in dieser Runde fand er klare Worte zum Spiel:
Horst Köppel: Vor dem Spiel wäre ich mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Wir hatten heute viele Leute nicht dabei. Deshalb habe ich wirklich gedacht, wenn wir hier mit einem Unentschieden wegkommen, wäre ich glücklich. Aber nach der zweimaligen Führung, haben wir es verpasst vor der Pause noch das 3:1 zu machen. Von den klaren Chancen her hatten wir einen Vorteil, aber wenn man das ganze Spiel sieht und auch die Kampfkraft der Kieler hinzuzieht, geht das Unentschieden in Ordnung, aber ein wenig weine ich den vergebenen Chancen nach.
Mehmet Sirin: Ich habe zum zweiten Mal von Anfang an gespielt und zum zweiten Mal nicht getroffen. Das will ich ändern, am besten schon im nächsten Spiel.
Uwe Seggewiß: Kiel hat versucht hohe Bälle zu spielen. Guscinas war sehr gut, aber wir haben hinten gut gestanden, haben aber leider versäumt die Tore zu machen, da wir 4.5 hundertprozentige hatten.
Den Satz des Tages ließ dann noch Kiels Trainer Hans-Werner Moors ab. Auf die Frage eines Journalisten, ob ein bestimmter Spieler, der ausgemustert wurde, noch mal spielen würde, da dieser ja noch einen Vertrag hätte, antwortete er: „Ich stelle die Mannschaft nicht danach auf, ob jemand noch einen Vertrag hat oder nicht“.
Die Restspiele der BVB Amateure in dieser Saison:
24.5. Dresdner SC - BVB (A) (Rudolf-Harbig-Stadion)
1.6. BVB (A) - Köln (A) (Spielort steht noch nicht fest)
8.6. Erzgebirge Aue - BVB (A) (Pfingstwochenende)
Dortmund: Forsyth – Knoche, Kascelan (72. Kohlmann), Pinske, Achenbach - Seggewiß, Bugri – Sasy (64. Mahr), Sirin – Senesie, Gambino (80. Beckmann)
Tore: 0:1 Achenbach (13.), 1:1 Schiersand (30.), 1:2 Gambino (43.), 2:2 Guscinas (73.)
Schiedsrichter: Winkmann (Kerken), wäre prima beim Basketball aufgehoben
Zuschauer: 1850
Geschrieben von Thomas
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