BUYern als Vorbild für Irak und Justiz

Das Fußballthema der Woche hat mit dem Sport an sich eigentlich nicht viel zu tun. Und wie immer, wenn das Geschehen auf dem Rasen zur Nebensache wird, sind auch diesmal die Münchner BUYern maßgeblich beteiligt.


Diesmal wurde zwar keine promigeile Diskoschlampe gepimpert, keine Sekretärin auf der Weihnachtsfeier geschwängert, keine Frau aus dem P1 geprügelt und auch niemand des Drogenkonsums denunziert, aber die Münchner wissen ja, was sie der Öffentlichkeit schuldig sind. Und da Organisationen wie DFL und DFB ebenfalls einen (unseriösen) Ruf zu verlieren haben, strickte man am Wochenende gemeinsam am neuesten Akt des deutschlandweit erfolgreichen Possenspiels Die Liga und ihre Funktionäre, dessen letzte Folge „Illegales in der Pfalz – wen störts?“ schon für großes Aufsehen gesorgt hatte. Inhalt des neuen Stücks: Die DFL weiß zwar, dass sich die Münchner nicht korrekt verhalten haben, aber man kneift den Schwanz ein. Die Bayern wissen ebenfalls, dass sie sich nicht korrekt verhalten haben und feixen ob des geschlossenen Vergleichs. Nach außen hin zeigt man sich natürlich dennoch empört, weil man ja im Recht ist, zahlt die unglaublich hohe Summe von 3 Millionen aber natürlich, um Schaden von der Liga abzuwenden. So hat die Gerechtigkeit also einmal mehr gesiegt….

Interessant dürfte dieses Gebaren allerdings sein, wenn man es einmal auf die Justiz übertragen würde. Denn wer würde sich nicht gerne auf fragwürdige Art und Weise (beispielsweise durch einen Banküberfall oder einen groß angelegten Betrug) bereichern und dann anstatt einer ordentlichen Gerichtsverhandlung mit empfindlichem Strafmaß einfach 15% des Betrages wieder zurückgeben, um Schaden vom deutschen Volk abzuwenden? Das, liebe Regierung, wollen die Leute wirklich sehen! Von den BUYern lernen, heißt schließlich siegen lernen

Unheimlich getroffen haben dürfte Fußballdeutschland indes der Schritt der Bayern, sich aus allen Ämtern innerhalb der deutschen Fußballliga zurückzuziehen. Ähnlich groß wäre wohl nur die Enttäuschung der Kurden gewesen, hätte Saddam Hussein sich seinerzeit ebenfalls selbst von allen Ämtern enthoben – aus Enttäuschung über den Undank seines Volkes. Das Ende des deutschen Fußballs dürfte mit diesem die Apokalypse verkündenden Schritt, jedenfalls ein Stück näher gerückt sein.
 Bemerkenswerte Nachrichten auch aus Kaiserslautern, wo man offenbar derzeit bemüht ist, sowohl den Durchschnitts-IQ als auch die Sympathiewerte der eigenen Mannschaft zu erhöhen. Zumindest lässt es sich fast nur so erklären, dass man mit Mario Basler, Harry „Minipli“ Koch und seinem Namensvetter, Torwart Georg, gleich die kompletten Top 3 der sich im Kader befindlichen Charakterbratzen zum Saisonende gehen lässt.

Weitere Erklärungsmöglichkeiten: Der Vorstand hatte die Abhängigkeit von Spielerberater Roger Wittmann satt, bei dem die Hälfte der Mannschaft unter Vertrag stand, und man wollte die Ausgaben für Gehälter halbieren. Letzteres dürfte aber wohl an der Weiterbeschäftigung von Ciriaco Sforza scheitern.

Hoffen wir, dass zumindest Basler und der Koch-Harry der Liga irgendwie erhalten bleiben. Nicht, weil es einfach echte Typen sind, wie uns die Schwätzer von Sat 1 immer wieder verkaufen wollen, sondern weil sowohl die Zuhälterfrisur, als auch der stets sinnentleertes Gewäsch vor sich herbabbelnde Kettenraucher stets eine therapeutische Wirkung hatten. Denn so schlecht konnte es einem selbst eigentlich nie gehen, als dass man für die beiden nicht doch noch Hohn, Spott oder auch Mitleid übrig hatte.
Diese Überleitung bildet sich von selbst: Eben noch dumme Fußballer diskutiert und prompt bei Bernd Hollerbach, dem personifizierten Platzverweis, gelandet – so einfach kann Schreiben sein. Dem knuffigen Sympathieträger und Liebling aller Schwiegermütter hatte es offenbar gar nicht gefallen, wie Matthias Sammer sich über seine Art Fußball zu spielen geäußert hatte. Und weil der „Holle“ wie beispielsweise auch Bruce Willis eher als ein sensibler Typ gilt, kullerten vorgestern dann auch schnell die Tränen, nachzulesen in der Hamburger Morgenpost, wo er den Dortmunder Trainer denn auch gleich hart angriff.

"Ich spiele aggressiv, nicht unfair." Niemals in seinem Leben habe er versucht, "einen Gegenspieler absichtlich zu verletzen", wird Hollerbach in der Zeitung zitiert. Leider hat der Journalist in dieser Situation nicht weiter nachgehakt. Interessanter wäre meines Erachtens ohnehin eher die Frage nach dem Töten gewesen…
In Leverkusen überschlugen sich dieser Tage einmal mehr die Meldungen. Thomas Hörster, der Trainer der Werksabsteigerfußballer, soll am Montag um seinen Rücktritt ersucht haben und an dieser Stelle muss man mal ein großes Lob an die Presse richten: Der Rücktrittsversuch kam zwar überraschend, Jungs, aber Ihr habt Euch mit dem Duo Kohler/Lattek verdammt schnell auf einen neuen Trainerstab geeinigt gehabt, Respekt! Dumm nur, dass das Ersuchen abgelehnt wurde und Ihr auf Eurer Ente sitzen geblieben seid. Künstlerpech nennt man so was wohl, und ein bisschen scheint da wohl auch Eure Phantasie mit Euch durchgegangen zu sein, was?

Jedenfalls hat sich offenbar die Mannschaft für Thomas Hörster ausgesprochen und für soviel Demokratie innerhalb der Bundesliga sollten die Verantwortlichen eigentlich einmal offiziell geehrt werden: Dass sich Arbeitnehmer ihre Vorgesetzen neuerdings selbst aussuchen dürfen wie in Gelsenkirchen oder Leverkusen bereits praktiziert, macht den Weg frei für eine völlig neue Gesellschaftsordnung.

Dumm nur, dass offenbar nicht einmal dem dicken Calli aufgefallen ist, dass der ein oder andere Spielervertrag mit dem Abstieg an Gültigkeit verliert. Ein Schelm, der Böses dabei denkt….
Da sag noch wer, die Liga sei langweilig geworden: Betrügereien, Kungeleien, weinende Männer, alles dabei. Fußball wurde am Wochenende übrigens auch gespielt, erzählt man sich. Wer die Ergebnisse kennt, möge sie mir zuschicken.

Geschrieben von Arne