Über Italien in den (Fußball-) Himmel
Die Kirch-Bayern-Affäre wird immer lustiger. Da die Bayern die Meisterschaft intern ja schon auf der Habenseite verbucht haben, kann sich des Kaisers bunte Truppe frohgemut um Randthemen kümmern. Das geschmacklose Geschreibe um Oilver Kahns Seitensprung nutzte Uli Hoeneß für einen verbalen Rundumschlag gegen die Boulevard-Presse – und hatte leider Recht. Was die Münchner Boulevard-Presse rund um Familie Kahn für ein Theater inszenierte war schon ein Höhepunkt des schlechten Journalismus.Aber nur kurze Zeit später kamen wieder die bekannten Klänge aus dem Süden der Republik. „Viele werden sich noch beim FC Bayern entschuldigen müssen“, tönte Hoeneß und meinte damit die hetzende Meute Journalisten und Anwälte, die den Bayern wegen der verschwiegenen Kirch-Millionen ein Beinchen stellen wollen. Der FC Bayern sei im Recht (das ist ja quasi ein Naturgesetz), niemand sei zu Schaden gekommen (hallo, darum geht es gar nicht!), und käuflich sei der Nobelclub natürlich schon mal gar nicht.
Ach so. Es war also nur purer Zufall, dass sich die Bayern so wahnsinnig für Kirch ins Zeug gelegt haben. Und wenn ein Mitbewerber, etwa Kinowelt-Besitzer und mittlerweile Pleitier Michael Kölmel oder Herbert Kloiber (der ist noch nicht pleite) den Bayern ein dickes Bündel Scheinchen zugesteckt hätte, wäre der Verein nicht automatisch für dessen Angebot gewesen. Nein, Kirchs Angebot war von nichts und niemandem zu toppen, weil so auch die kleinen Vereine einen Batzen Kohle bekommen konnten. Und der FC Bayern war ja schon immer quasi ein Robin Hood der Liga, der anderen aufstrebenden Vereinen gute Spieler nur aus humanitären Gründen wegkaufte.
Was Hoeneß gerne vergisst: „Gut gemeint“ ist das Gegenteil von „gut gemacht“. Selbst wenn die Bayern aus purer Menschenliebe zu Kirchs Hof-Lobbyisten wurden, so haben sie dabei anscheinend gegen geltende Regeln verstoßen. Das aber sieht man an der Isar ganz anders, denn hier gelten Regeln grundsätzlich nur für die Anderen.
Ganz unverhohlen präsentierte denn auch Bayerns großer Schattenmann und Vorsitzende der Schachspieler, Franz Beckenbauer, einen ganz raffinierten Fluchtplan: „Wenn wir hier angeklagt werden, gehen wir nach Italien!“ Super! Denn wenn es neben Bayern noch ein Land in Europa gibt, in dem man für Geld jedes Gesetz umgehen kann, dann ist das Italien. Kirch oder Berlusconi – alles dasselbe, nur dass der gute Silvio noch flüssig ist. Der FC Bayern will also in der Serie A spielen. Beckenbauer lieferte auch gleich geografische Fakten: Dortmund ist weiter als Mailand und Turin, und überhaupt seien es nur 1500 Kilometer bis zum weitesten Spielort. Der liegt in Süditalien, und vielleicht überlegen die Bayern ja, die dortigen Vereine in der libyschen Liga oder auf Malta kicken zu lassen.
Auf viel Gegenliebe sind die Pläne der Bayern indes nicht gestoßen. Die Italiener haben schon vehement den Kopf geschüttelt, und der DFB oder die DFL oder wer auch immer gerade nicht zuständig ist, wird die Seppel wohl auch nicht über den Brenner ziehen lassen. Schade eigentlich.
Da aus den Fluchtplänen gen Süden wohl nix wird, greifen die Bayern nun – man ist ja katholisch – zu einem Trick aus den Geschichtsbüchern: Der klassische Ablasshandel soll helfen. Eine Verurteilung durch die DFL werde man natürlich auf jeden Fall anfechten, verkündete Hoeneß. Und Möchtegern-Italiener Beckenbauer legte ein Angebot nach, dass allen rechtstaatlichen Prinzipien widerspricht. Es sei „ein Fehler“ gewesen, den Kirchvertrag nicht offenzulegen. Gerne sei man bereit dafür eine Spende an eine wohltätige Einrichtung zu machen – natürlich nur, wenn es keine Anklage gibt. Zur Erinnerung für alle, die damals noch zu jung waren: Im Mittelalter war es so, dass arme Sünder grundsätzlich ins Fegefeuer kamen (also quasi ein Lizenzentzug), während reiche Sünder gegen Geld ihre Seele noch in den letzten Aufzug Richtung Himmel setzen konnten (Klassenerhalt im Fußballhimmel). Sie spendeten einen bestimmten Betrag an eine karitative Einrichtung. Da es damals nur eine solche Einrichtung gab, bekam diese auch das Geld: die Kirche.
Moment Kirch – Kirche… Da schließt sich doch der Kreis! Die Bayern spenden das Geld einfach Leo Kirch. Der hat’s erstens nötig und kann es zweitens gleich weiterspenden (macht sich auf der Steuererklärung sehr gut). Am besten an die CSU – denn die ist in Bayern wahrlich wohltätig.
Geschrieben von Desperado09
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