Au weia, das tat weh !
Das hat keinen Spaß gemacht. Wer den Samstagnachmittag zur Fußballunterhaltung eingeplant hatte, wurde von den Schwarzgelben wieder einmal bitter enttäuscht. Die schwächste Saisonleistung des BVB wurde mit einer 0:1 (0:0)-Pleite auf dem Mönchengladbacher Bökelberg quittiert.Der BVB bewies wieder einmal, das Gegner die Aufbauarbeit nötig haben, bei ihm an der richtigen Adresse sind. Spielte man bereits in der Hinrunde Bielefeld oder dem HSV mit Katastrophenleistungen in die Karten, bescherte die Elf von Matthias Sammer diesmal Ewald Lienen einen Traumeinstand als Coach von Borussia Mönchengladbach. Die Gründe dafür lieferte der BVB zuvor in den bislang schwächsten 90 Saisonminuten. Ideenlos, nie mit vollstem Einsatz und ohne erkennbares Konzept suchten die Dortmunder den Weg nach vorne, rangen Gladbach-Keeper Jörg Stiel aber zumeist nicht mehr als ein gelangweiltes Lächeln ab. Das die rheinische Borussia objektiv gesehen nicht viel besser war, spielt hierbei kaum ein Rolle. Denn der Abstiegskandidat tat im Gegensatz zum Deutschen Meister vor allem eines: er kämpfte, gab nie auf und im entscheidenden Moment nutzte er eine Abwehrschwäche der Gäste zum Siegtor.
Die Auswärtsstärke die den BVB noch in der Meistersaison und in der Hinrunde ausgezeichnet hatte, scheint mittlerweile passe. Erst einen einzigen Zähler konnten die Schwarzgelben in der Rückrunde von des Gegners Platz entführen. Dabei hinterließ die von Matthias Sammer gewählte Taktik stets nicht unbedingt den durchdachtesten Eindruck, auch in Gladbach muss sich der Coach letztlich den ein oder anderen Vorwurf gefallen lassen. So wirkte vor allem Ewerthon im Angriff überspielt und müde, eine Pause für den kleine Brasilianer scheint mehr als überfällig. Und was sich Sammer bei der Hereinnahme von Jörg Heinrich und vor allem bei dessen Auswechslung 15 Minuten später gedacht hat, bleibt wohl sein Geheimnis. Zwar humpelte Heinrich beim Gang an die Seitenlinie vorsichtshalber leicht, Sammer dürfte es aber wohl eher bereut haben, ihn überhaupt gebracht zu haben. Denn kurz zuvor war die Mönchengladbacher Borussia in Führung gegangen. Heinrich traf dabei keine Schuld, wohl aber den Rest der Dortmunder Abwehr. Eine abgewehrte Ecke konnte sich Igor Demo zur Maßflanke zurechtlegen, die finnische Leihgabe Mikael Forssell bedankte sich für seine Freiheit im BVB-Strafraum mit seinem ersten Bundesligator. Ein sehenswerter Kopfball bei dem Dede und Koller staunend Spalier standen und Lehmanns schöne Flugeinlage unbelohnt blieb.
Die Partie auf dem Acker des Bökelbergstadions, das zweifellos schon bessere Tage gesehen hat, begann mit großer Langeweile. Über 20 Minuten lang war nichts los in den beiden Strafräumen, dass dem BVB fast doppelt so viel Ballbesitz wie den Gastgebern bescheinigt wurde machte sich nicht in Torchnacen bemerkbar. Mönchengladbach war in nahezu gleicher Besetzung wie im letzten Spiel unter Hans Meyer angetreten, die Verunsicherung war den ganz in Weiß gedressten „Borussen“ aber deutlich anzumerken. Umso ärgerlicher, das die Gäste daraus kein Kapital schlagen konnten. Erst nach 25 Minuten überhaupt der erste Aufreger für die rund 30.000 Zuschauer. Jan Koller legte eine abgewehrte Flanke auf Ewerthon zurück, sein Schuss war jedoch kein Problem für „Blondschopf“ Jörg Stiel. Zum ersten Mal durchatmen musste die Dortmunder Abwehr um den wieder spielberechtigten Jens Lehmann drei Minuten später. Glück für Schwarzgelb, dass Marcel Ketelaer sich nicht zwischen Schuss und Flanke entscheiden konnte und Igor Demo in der Mitte nicht mehr an den Ball kam. Kurz vor der Pause dann die beste Möglichkeit für den BVB mit einer Führung in die Kabine zu gehen und damit die Nerven zu beruhigen.
Ahmed Madouni sorgte mit einem Zuckerpass für die grösste Überraschung des Nachmittags, Evanilson bewies sich als Abnehmer jedoch denkbar ungeeignet und verzog das Leder mit seinem schwächeren linken Fuß. "Wie wir das Spiel hätten gewinnen können ? In Führung gehen, den muss Evanilso einfach machen", zürnte Matthias Sammer nach dem Spiel in Richtuing seines Brasilianische Rechtsaußen. Fazit der ersten Halbzeit: Gladbach konnte nicht besser, Dortmund hinterließ nicht den Eindruck unbedingten Siegeswillens.
Im Gegensatz zum BVB setzten die Lienen-Schützlinge in der zweiten Hälfte aber alles daran, die fußballerische Magerkost etwas anzureichern. Zwar entwickelte sich auch jetzt kein besonders ansehnliches Spiel, wenigstens aber ein offener Schlagabtausch mit Vorteilen bei den Gastgebern. Torchancen waren aber weiterhin Mangelware, ein Schuss von Demo (53.) ein Kopfball von Jan Koller (60.) – das war alles bis zum 1:0. Besagtes Tor wurde schon eingangs beschrieben, betrachten wir doch lieber die Reaktion des Deutschen Meisters auf diesen Rückstand. Vielmehr die Nicht-Reaktion, denn bis auf wenige Angriffe unmittelbar nach dem Treffer wartete man vergebens auf die Antwort der Borussia. Lange Bälle auf den unermüdliche rackernden, aber glücklosen Koller oder zahllose „Kopf-durch-die Wand-Aktionen“, erwiesen sich als wenig probates Mittel die dicht formierte Gladbacher zu überwinden. Ewerthon versuchte es noch mal nach schönem Alleingang, kam mit seinem Schuss aus spitzem Winkel aber nicht an Stiel vorbei. So dümpelte das Spiel in der Schlussviertelstunde seinem Ende entgegen, auch die Einwechslung von Amoroso und Odonkor vermochte die Dortmunder Angriffsbemühungen nicht mehr zu beleben.
Der Schlusspfiff von Schiedsrichter Wolfgang Stark kam dann schließlich einer Erlösung gleich. Zum einen für „Zettel-Ewald“ an der Gladbacher Seitenlinie, zum anderen aber auch für die BVB-Fans denen der Grottenkick Augenschmerzen bereitete. Bemitleidenswert vor allem die zahlreichen mitgereisten Supporter, die für dieses Spiel auch noch Geld zahlten. Zweierlei Erkenntnisse lässt diese Partie zu. Die erste ist kein unbedingt neue. Langeweile ist angesagt in der Bundesliga, denn in dieser Form braucht man beim BVB nicht mehr von der Meisterschaft zu reden. Die zweite: ohne Tomas Rosicky ist die Borussia nur halb so viel wert, gerade gegen solche defensiv stehenden Teams wie Gladbach fehlt dem Dortmunder Spiel das Überraschungsmoment. „Es geht jetzt nur noch um Platz zwei und dafür müssen wir uns auswärts deutlich steigern“, beweist BVB-Kapitän Stefan Reuter eine realistische Einschätzung der Lage. Vom Tabellendritten VfB Stuttgart trennt den Meister derzeit nur noch das bessere Torverhältnis.
Statistik
Gladbach: Stiel, Eberl, Pletsch, Strasser, Embers, Kluge, Demo, Ulich (73. Asanin), Aidoo (79. Korzynietz), van Lent (12. Ketelaer), Forssell.
BVB: Lehmann (3),Metzelder (3,5), Madouni (3, ab 74. Odonkor), Wörns (4), Dede (4), Evanilson (5, ab 55. Heinrich/ ab 79. Amororso), Kehl (4), Frings (4), Reuter (3), Koller (3,5), Ewerthon (4,5)
Tor: 1:0 Forssell (63.)
Zuschauer: 33.000
Schiedsrichter: Wolfgang Stark, Note 3. Umsichtig bei zwei Szenen im BVB-Strafraum, mit konsequenter Regelauslegung.
Gelbe Karten: Eberl, Korzynietz - Kehl, Amoroso, Wörns
Geschrieben von felix
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