Die Saison 2009/2010 - Spielerbewertungen - das Mittelfeld (I)

Saisonabschluss im DreisamstadionMit dem Spiel in Freiburg beendete der BVB eine erfolgreiche Saison 2009/2010. Man ließ Mannschaften wie Stuttgart, den HSV oder Wolfsburg hinter sich und belegte in der Endabrechnung Platz 5 - Europapokal. Klar, das ist das Ergebnis der ganzen Mannschaft und ein toller Erfolg. Trotzdem haben einige Spieler mehr, andere weniger zu diesem Erfolg beigetragen. Es gab Auf- und Absteiger. Spieler, denen vor der Saison niemand so wirklich den Durchbruch zugetraut hätte und andere, auf deren Durchbruch man leider vergeblich wartete. Wie unterschiedlich dabei die Eindrücke sein können, zeigen unsere Bewertungen. Jeweils 3 Redakteure haben sich die einzelnen Spieler vorgenommen und ihre Saisonleistung bewertet.

Kehl:

Web: Seuchenjahr ist wohl noch eine milde Umschreibung für die Saison von Sebastian Kehl. In der Sommervorbereitung wurde wöchentlich seine Rückkehr ins Mannschaftstraining avisiert, sein erstes Spiel bestritt er dann im Rückrundenderby. Nach sechs Spielen war dann schon wieder Saisonende für ihn. Damit wäre eigentlich alles gesagt, wäre da nicht der Eindruck, den er sofort nach seiner Rückkehr auf dem Platz gemacht hat. Bereits in den 3+1 Min. im Derby haute er sich voll rein und in den nachfolgenden Partien übernahm er völlig selbstverständlich die Führung auf dem Feld. Dieser Kaltstart nach fast 10 Monaten Ausfallzeit war unglaublich stark. Leider bleibt nach seiner erneuten Verletzung nur ein schmerzhaftes Fazit aus den paar Spielen: Wie wichtig hätte ein gesunder Sebastian Kehl für diese junge Mannschaft sein können. Hätte, wenn und aber...für seinen Kampfgeist und sein starkes Kurzcomeback verdient er sich eine 2.

Seltenes Bild: Kehl traf gegen BochumDvB: Die langen Leiden des Sebastian Kehl. Auch die Saison 2009/2010 war überhaupt nicht seine. Er ist verletzungsanfällig, das ist bekannt. Aber - was noch viel schlimmer ist - er kommt nach Verletzungen, die gar nicht mal so schlimm scheinen, irgendwie gar nicht auf die Beine. Ausgerechnet beim Rückrundenderby, beim blöden 1:2, hatte er seinen ersten Saisoneinsatz. Es lag vor allem an Kehl, dass in der hässlichen Pilskiste eigentlich der BVB der verdientere Sieger gewesen wäre. Und auch die übrigen Spiele hinterließ unser Kapitän einen hervorragenden Eindruck. Leider waren es nur insgesamt sechs Partien, dann warf ihn schon wieder eine Blessur aus der Bahn. Was total ärgerlich ist. Denn mit seinen Leistungen wäre Sebastian Kehl ein WM-Kandidat gewesen. Vor allem, wenn man so sieht, was gerade so in der Nationalelf los ist. Aber vielleicht ist ja Kehl der allererste WM-Kandidat, der die WM absagen musste. Auch wenn er das nicht offiziell verkünden musste. Schade ist es allemal, denn für seine Leistungen verdiente er sich mindestens eine 2.

-mrg: Sebastian Kehl ist wohl das Sorgenkind der Borussia, was Verletzungen an geht. Es gibt wohl kaum jemanden, der sich noch erinnern kann, wann Kehl mal eine Saison ohne größere Blessuren bei Borussia Dortmund überstanden hat. Irgendwas zwickt immer und so ganz mag man da eine Aussage von Jürgen Röber über Kehl und seinen Kumpel Metzelder nicht vergessen. Nichtsdestotrotz beweist Sebastian Kehl in der Spielzeit, die er verrichtet, immer wieder seinen Wert für das Team. Er ist einfach eine Führungsperson und wohl deshalb so wichtig in einem Kader, der mit gestandenen Spielern eher geizt. Darum gibt es eine glatte 3.


Nuri Sahin

Sascha: So viel Ballgefühl wie er im kleinen Zeh hat, möchten andere gerne im ganzen Fuß haben. Die Saison sollte sein endgültiger Durchbruch gewesen sein, und als Kreativspieler in der Defensive mit zwei Sechsern hat er seine ideale Position gefunden. Er kann das Spiel von hinten raus wunderbar lenken und eröffnen. Auch als Führungsspieler, der seine Mitspieler dirigiert, ist er gereift. Das 3:1 in Wolfsburg war wie aus einem Fußballlehrbuch, wie man diese Position zu spielen hat. Hatte leider, wie auch der Rest der Mannschaft, seine Schwächephase Richtung Saisonende. Das lag mit Sicherheit aber auch daran, dass er sein Spiel mit Bender als Abräumer neben sich und Zidan als schnelle Anspielstation vor sich deutlich besser aufziehen konnte, als hinterher mit Hajnal und Valdez. Kopf hoch, Nuri, und streich den Elfer gegen Wolfsburg schnell aus dem Gedächtnis. Dir gehört die Zukunft und für die abgelaufene Saison eine 2. 

Sahin war ein Antreiber im MittelfeldMalteS: Das Spiel gegen Nürnberg zum Ende der Saison war noch einmal eine Demonstration seines längst nicht ausgeschöpften Repertoires: Feine Technik, hervorragendes Passspiel und präzise Standards – das zeichnet Nuri Sahin aus. Als die Personaldecke immer dünner wurde, stand er im Rampenlicht, übernahm Verantwortung und Kapitänsbinde und stellte sich der wachsenden medialen Aufmerksamkeit. Die Antworten gab er auf dem Platz, denn auf einmal erhielt ein neuer Begriff Einzug in die Dortmunder Fußballwelt: „Antizipieren“ – das was der gerade einmal 21-Jährige offenbar so gut kann. Spiel für Spiel war er Antreiber und Lenker und es machte einfach Spaß, ihm zuzusehen. Drei seiner vier Elfmeter verwandelte er abgezockt (einen davon im Derby), und deshalb sei der Fehlschuss gegen VW ihm mehr als verziehen. Wir können noch viel von ihm erwarten und nur hoffen, dass die Anzugträger mit den Schubkarren voll Knete noch lange auf sich warten lassen. Für diese Saison gibt’s die Note 1,5.

Arne: Für mich DER Spieler der Saison. Man muss sich das immer vergegenwärtigen: Nuri ist erst 21 Jahre alt, hat aber schon mehr als 100 Bundesligaspiele auf dem Buckel uns ist in der abgelaufenen Saison gar zum Führungsspieler avanciert: Fester Bestandteil von Klopps Doppel-Sechs und Denker und Lenker des Borussia-Spiels ist er ohnehin. Diese Entwicklung hätte wohl kaum jemand für möglich gehalten, denn auch physisch hat Nuri Sahin deutlich zugelegt: Von den einst hängenden Schultern ist nichts mehr übrig, seine Körpersprache spricht auf dem Platz Bände. Darum insgesamt und völlig verdient für mich die Note 1-.

Tinga

Scherben: Ein unbefriedigender Abschied für einen richtig sympatischen Spieler: Nach dem 1:0-Sieg in Mönchengladbach, der Initialzündung für diese Saison, war Schluss für unsere brasilianische Kampfsau. Schade, dass es ihm nicht mehr vergönnt war, in einer tragenden Rolle an der Rückkehr des BVB auf die europäische Bühne mitzuwirken, aber auch ohne seine Verletzungspause wäre nach dieser Runde wohl Schluss für Tinga beim BVB gewesen. Zu verschieden sind seine unbestrittenen Qualitäten von den Eigenschaften, die für Jürgen Klopp einen modernen Mittelfeldspieler ausmachen. So bleibt die Erinnerung an einen ganz untypischen Brasilianer, der uns wohl auf ewig ein Lächeln aufs Gesicht zaubern wird, wenn wir uns erinnern, wie er seinen Landsmann Diego in schöner Regelmäßigkeit zur Weißglut gebracht hat. Note 4. 

Tinga feierte gegen Wolfsburg das letzte Mal vor der Düd-mrg: Paulo César Fonseca do Nascimento oder einfach Tinga war in den letzten Jahren das Arbeitstier von Borussia Dortmund. Seit seinem Wechsel zur Borussia war er praktisch immer eine verlässliche Größe, nie berauschend, dafür auch nie unterirdisch. Die Zuverlässigkeit in Person, leider auch sein Stellungsspiel, dass nach dem Prinzip funktionierte: wo der Ball ist, ist Tinga. In einem stark besetzten Mittelfeld warf ihn diese Saison eine Verletzung zurück und danach kam er aus der Phalanx aus Kehl, Sahin und Bender nicht mehr vorbei. Eigentlich schade um das Kämpferherz, aber doch auch ein gutes Zeichen, dass Borussia sich das leisten kann. In seinen sechs Saisonauftritten verrichtet er wie gewohnt seine Arbeit, daher gibt es eine Salamie 3 und die besten Wünsche zum Abschied.

kha: Das letzte Jahr beim BVB stand unter keinem guten Stern. Hatte während der Sommerpause Ärger mit dem Trainer, weil dieser mit seiner Idee „In der Woche weniger trainieren, am Wochenende dafür umsomehr Einsatz zeigen„ eher wenig anfangen konnte. Dazu verletzte er sich am 7. Spieltag so schwer, das er während der langen Verletzung seinen Stammplatz, unter anderem auch wegen der Systemumstellung von 4-4-2 auf 4-2-3-1 an Bender/Kehl und Sahin verlor. Note: 3

Kuba

Sascha: Das Wortspiel Kuba-Krise ist ebenso naheliegend wie ausgelutscht. Trotzdem irgendwo passend. Mit Sicherheit hat er Klopp schon einige schlaflose Nächte bereitet. Er ist schnell und ein feiner Techniker. Trotzdem stellt ihn mittlerweile jeder mittelmäßig begabte Abwehrspieler der Liga vor fast unüberwindbare Probleme. Er versucht und versucht und versucht und bleibt trotzdem mit schöner Regelmäßigkeit hängen. Oft hat man auch das Gefühl, dass er konditionell nicht auf dem Niveau ist, dass er braucht, um sein Spiel erfolgreich und über 90 Minuten hinweg zeigen zu können. Einem starken Beginn folgt oft so schnell ein Leistungsknick, dass selbst Mario Basler daneben wie ein Konditionsbolzen aussehen würde. Dabei blitzt ab und an das Können auf und er lässt erahnen, dass er eine starke Waffe auf der rechten Außenbahn sein könnte. Das reicht aber auf Dauer bei weitem nicht. In der nächsten Saison wird sich entscheiden, wie es mit ihm weitergeht. Dabei ist schon längst nicht mehr die Rede von Dortmund als Sprungbrett zu einem großen, spanischen Verein, es geht darum, ob Kuba sich überhaupt als ein der Bundesliga gewachsener Profi durchsetzen kann. Schafft er es, wird er ein absolut belebendes Element für unser Spiel. Spielt er eine weitere Saison wie die abgelaufene, wird man nicht mehr an ihm festhalten. Und die möglichen Abnehmer heißen dann mit Sicherheit nicht Madrid oder Barcelona. Wobei Liverpool ja immer eine Option zu sein scheint. Mit ganz viel Wohlwollen und dem Europapokalbonus gibt das noch eine glatte 4.

Kuba spielte eine schwache SaiosnMalteS: Gerade der dribbelstarke und schnelle Kuba sorgte in dieser Spielzeit immer wieder für Sorgenfalten. Kann er doch so viel mehr, als er des öfteren auf dem rechten Flügel zeigte. Nur selten, wie zum Beispiel in Hoppenheim und Wolfsburg, blitzte auf, was ihn wirklich auszeichnet. Hoffen wir mal, dass er 2010/2011, dann an der Seite von Landsmann Robert Lewandowski, an bessere BVB-Tage anknüpfen kann. Das Potenzial besitzt er auf alle Fälle. Diesmal allerdings nur die Note 4,5.

Arne: Selten habe ich einen Spieler gesehen, der so konstant und deutlich unter seinen Möglichkeiten bleibt. Was ist nur mit dem alten Kuba los, wo ist er geblieben? Blitzschnelle Flankenläufe waren die Ausnahme, der sonst übliche Zug zum Tor ebenfalls. Schade, denn noch vor Jahresfrist waren Angriffe über Rechts eine echte Waffe des BVB und hinterließen meist überforderte und platzverweisgefährdete Außenverteidiger beim Gegner. Doch statt die eigenen Stärken auf der Außenbahn konsequent auszuspielen, zog Kuba immer häufiger und immer früher in die Mitte oder flankte aus dem Halbfeld. Den eigenen Ansprüchen dürfte diese Leistung kaum genügen, den seines Trainer aber auch nicht. In der neuen Saison stehen Kuba zwei Landsleute zur Seite, vielleicht blüht er dann wieder auf. Für die abgelaufene Spielzeit bleibt aber nur ein müdes Fazit: Note 5.

Redaktion, 20.06.2010

Für mich DER Spieler der Saison. Man muss sich das immer vergegenwärtigen: Nuri ist erst 21 Jahre alt, hat aber schon mehr als 100 Bundesligaspiele auf dem Buckel uns ist in der abgelaufenen Saison  gar zum Führungsspieler avanciert: Fester Bestandteil von Klopps Doppel-Sechs und Denker und Lenker des Borussia-Spiels ist er ohnehin. Diese Entwicklung hätte wohl kaum jemand für möglich gehalten, denn auch physisch hat Nuri Sahin deutlich zugelegt: Von den einst hängenden Schultern ist nichts mehr übrig, seine Körpersprache spricht auf dem Platz Bände. Darum insgesamt und völlig verdient für mich die Note 1-.

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