Die Bayern setzen ihren Kurs unbeirrt fort - Spannung im Tabellenkeller

Wenn an der Spitze die Langeweile Überhand nimmt, lohnt sich der Blick in die Niederungen der Tabelle. Denn im Kampf um den Ligaverbleib und die dieser Tage nicht selten eng damit verknüpfte Existenz ganzer Vereine, steckt zehn Spieltage vor Ende weitaus mehr Spannung als im Rennen um die Schale.


"Die Saison ist noch lang, abgerechnet wird zum Schluss, erst wenn rechnerisch nichts mehr möglich ist dann geben wir auf" - der Fundus aus Floskeln, derer man sich bedienen könnte um die Situation an der Tabellenspitze zu beschreiben ist reich gefüllt. Doch wer angesichts des zehn Punkte-Polsters des FC Bayern und dem fast unverschämt souveränen Auftreten des Rekordmeisters noch an dessen 18. Titel zweifelt, der wird in diesen Tagen nur belächelt.
Jüngstes Beispiel der bajuwarischen Dominanz war der fußballerisch zwar wieder einmal wenig berauschende, aber ungefährdete 2:0-Auswärtserfolg bei Energie Cottbus. Nicht wenige hatten die Schlagzeilen einer erneuten Cottbusser Sensation schon vor Augen gehabt, doch diesmal ließen sich die Bayern anders als beim 0:1 vor zwei Jahren nicht überraschen, und fuhren die drei Punkte locker ein. Michael Ballack sah die Geldstrafe wegen seiner Taktik-Kritik offenbar als Motivationshilfe, traf doppelt und lässt Hoeneß &Co weiter mit einem Lächeln der Genugtuung auf die Tabelle herabschauen. „Die Mannschaft war zu brav“, erklärte Cottbus’ Trainer „Ede“ Geyer.
Die Dortmunder Borussia, bleibt jedoch zumindest in der Verfolgerspur. Hansa Rostock wurde mit einer 0:2-Schlappe im Gepäck wieder an die Ostsee zurückgeschickt. Mit den beiden Champions-League-Spielen gegen Madrid in den Knochen und ohne Tomas Rosicky ließen die Schwarzgelben zwar den fußballerischen Glanz vermissen, aus zweierlei Gründen reichte es aber dennoch zu drei Punkten gegen die Kicker von Armin Veh. Denn zum einen sollte dieser mit seinen Kickern noch mal verstärktes Torschusstraining in Angriff nehmen, zum anderen wurde die Harmlosigkeit der Dortmunder Angreifer durch stürmische Verteidiger kompensiert. Dede traf als beim BVB kaum etwas zusammenlief, Ahmed Madouni entschied mit seinem ersten Bundesligatreffer die Begegnung. Zwei Tore mit großer persönlicher Bedeutung für die Schützen. Der kleine Brasilianer sprach nach seinem dritten Saisontreffer unter den Augen seine Vaters und der Einwechslung seines Bruders von ein „großen Tag für meine Familie“, Madouni nutzte seinen Erfolg zu einer kleinen Kampfansage an die Etablierten BVB-Verteidiger. „Ich bin Madouni, ich habe Qualität“, ließ der 22jährige verlauten, der in seinem zweiten Bundesligajahr so langsam zu einer echten Verstärkung für den Deutschen Meister zu werden scheint. Ein wichtiger Sieg für die Psyche der Borussen, die aber weiter den heißen Atem des VfB Stuttgart im Nacken spüren (1:0 in Bielefeld). Denn realistischer als die Möglichkeit die Bayern noch abzufangen ist wohl die Gefahr Platz zwei an Felix Magaths „Krabbelgruppe“ zu verlieren. Aprospos Krabbelgruppe: Matthias Sammers Wechseltaktik mit Madouni, Demel und Leandro drei Youngster den arrivierten Kräften vorzuziehen, ist durchaus ein Schritt in die richtige Richtung. Denn was nützen dem BVB die besten Talente in Jugend- und Amateurmannschaft, wenn sie in der Profimannschaft keine Perspektive haben.
Richten wir nun unseren Blick auf den eingangs erwähnten Abstiegskampf. Dieser hat mit Gladbachs Hans Meyer sein nächstes Traineropfer gefordert. Doch gemäß seiner unkonventionellen Art, hatte auch der Ausstieg des 60jährigen aus dem Trainergeschäft eine ungewöhnliche Note. Trotz eines mutmachenden 2:2 gegen Schalke und nur wenige Stunden nachdem er auf der Presskonferenz noch vom Weitermachen geredet hatte, erklärte er seinen Rücktritt. Nachfolger des sympathischen Coaches wird Ewald Lienen, zuletzt in Teneriffa tätig, der an die Stätte seiner größten Triumphe als Spieler zurückkehrt. Beim Tabellen-16. wartetet auf den Leidtragenden des wohl spektakulärsten Foulspiels der Bundesligageschichte jedoch eine Menge Arbeit. Mit Meyer verliert die Bundesliga einen „Typen“, einen der wenigen, der es schaffte sich mit seiner eigenen Art Sympathien und Anerkennung zu erwerben. Doch die fortwährende öffentliche Demontage, vor allem aus Reihen der Springer-Presse, ließ Meyer seinen Entschluss zum Saisonende ohnehin aufzuhören, nur vorziehen.
Aber die Gladbacher sind mit ihren Sorgen nicht allein. Sogar der selbsternannte UEFA-Cup-Kandidat VfL Bochum muss, obwohl Neunter, seinen Blick wieder nach unten richten, unterlag Hannover 96 am Samstag mit 1:2. Der schwache Auftritt seines Teams in der ersten Halbzeit, animierte VfL-Coach Peter Neururer zu aufsehen erregenden Maßnahmen. Mit der „öffentlichen“ Halbzeitansprache am Mittelkreis, sorgte er für ein Novum in der Bundesliga. In Leverkusen hingegen trägt der Trainerwechsel bereits erste Früchte. Der Vizemeister ließ seinem desaströsen Auftritt in Newcastle ein 3:0 gegen Werder Bremen folgen. Treffer von Bierofka, Hörsters Ziehsohn Sebastian Schoof und Juan dürften Callis Puls wohl wieder etwas senken, stürzen den SV Werder aber in eine tiefe Winterdepression. Denn wer im Tor die Auswahl zwischen zwei Fliegenfängern wie Pascal Borel und Jakub Wierzchowski hat, braucht sich über Torwartfehler in steter Regelmäßigkeit nicht wundern. Ein Vorwurf, den sich die sportliche Führung an der Weser gefallen lassen muss. Die große Existenzangst geht weiterhin in Kaiserslautern um. Zwar brachte der schweizerische Rettungsanker Rene C. Jäggi ein Programm zur Verhinderung des wirtschaftlichen Kollaps auf den Weg, Vorraussetzunmg für dessen Gelingen ist jedoch der Klassenerhalt. Und dem sind die Pfälzer mit der Nullnummer bei 1860 München nicht gerade näher gekommen. Ebenfalls wieder zittern muss Aufsteiger Arminias Bielefeld. In der Rückrunde blieben die Ostwestfalen bislang noch ohne Sieg und brachten den Ball erste ein einziges Mal in des Gegners Tor unter.
Dieser Tage feiert schließlich ein Mann seinen Geburtstag, der mit seinem Auftreten auf Fußball- und Machtpolitischer Ebene die Meinungen polarisiert. Gerhard Mayer-Vorfelder, der schwäbische Napoleon und DFB-Präsident wird am heutigen Montag 70. Der große Rahmen, in dem MV seinen Ehrentag begehen wird, bietet dem schmierigen „Roth-Händle“ Hauptkunden eine weitere Gelegenheit sich selbstdarstellerisch in Szene zu setzen. Sein nachgewiesener „Verdienst“ am Fast-Ruin des VfB Stuttgart und die Gerüchte um mögliche Mauscheleien um die WM 2006, passen ins Bild dieser machtfixierten Persönlichkeit, die weiter fleissig am eigenen Denkmal feilt. Nachzufragen in Stuttgart, wo der langjährige Präsident nicht unbedingt wohl gelitten ist.

Geschrieben von felix