Hansa kommt!
Am Samstag gastiert der FC Hansa Rostock im Westfalenstadion. Der Klub, dem immer noch im Westen das "Ost"-Image anhängt, während ein Großteil der Hansa-Fans sich längst als Norddeutsche betrachtet. 1991 war Hansa letzter Oberligameister der ehemaligen DDR und mit Pauken und Trompeten in die Bundesliga gestartet.Trainer Reinders siegte mit seinen Mannen zunächst in München und schlug den späteren Vizemeister Borussia Dortmund mit 5:1 im Ostseestadion. Im Rückspiel hatte Hansa dann nichts zu bestelle und verlor 4:1.
Am Ende der Saison stieg Rostock ab und erst 1996 wieder auf. Seither konnte Hansa nur ein einziges mal im Westfalenstadion gewinnen. In den letzten Jahren dümpelte der FC Hansa immer im unteren Mittelfeld und zumeist ging es lange Zeit gegen den Abstieg. Die Reiselust der Hansa-Anhänger konnte das nicht schmälern. Im Verhältnis zu den Heimzuschauerzahlen hat der FC Hansa Rostock eine beachtliche Anzahl an regelmäßigen Auswärtsfahrern. Selbst in der letzten Saison, als wir mitten in der Woche zuhause gegen Hansa spielten, waren fast 1.000 Hansa-Fans vor Ort.
Samstag rechnen wir mit gut 1.500 Hansa-Fans, auch wenn Andi von hansafans.de mit 300 weniger kalkuliert. Das Stadion ist noch nicht ausverkauft, noch gut 7.000 Karten sind zu haben.
Und einige davon werden am Samstag mit einigen Dortmunder das eine oder andere Bierchen trinken. Das soll kein Startschuß für die x-te Pseudo-Fanfreundschaft werden, ist einfach nur eine kleine, nette Feier zwischen Leuten, die sich gut verstehen.
Aus sportlicher Sicht werden uns die gesperrten Frings und Lehmann sicherlich sehr fehlen. Aber mit dem Kader sollte das aufzufangen sein. Gerade Ersatztorwart Weidenfeller gilt als eines der größten deutschen Talente und mit Ricken haben wir mehr als nur einen Ersatz für Frings in der Warteschleife.
Beim FC Hansa fehlen mit Rydlewicz, Kientz, Wimmer, Hansen und Prica fünf Stammspieler. Hansa wird wie auswärts gewohnt aus einer vom überragenden Libero Jakobsson organisierten Deckung agieren und versuchen, gute Konter zu setzen. Durch den Ausfall von Torjäger Prica und den schnellen Außen Wimmer und Rydlewicz dürfte das umso schwerer fallen. Dafür hat der einstige Stolperkönig „Horst“ (so sein Kosename in Rostock) Salou das stolpern scheinbar verlernt und wird es gerade in Dortmund wissen wollen. Mit Schober hat der FC Hansa einen würdigen Nachfolger für Martin Pieckenhagen finden können. Meister-Macher Schober überzeugt seit Monaten durch solide Leistungen. Libero Jakobsson ist ein Meister seines Fachs und wird den Verein am Ende der Saison in Richtung Bröndby Kopenhagen verlassen. Im Mittelfeld schwingt mit Marcus Lantz einer der Hansa-Schweden das Zepter, während im Angriff bislang nur Rade Prica durch Tore zu überzeugen wußte (was aber nicht von Anfang an so war).
Für uns wird es hoffentlich keine Geduldsprobe, allerdings ist zu befürchten, daß die Mannschaft ziemlich leer sein wird. Gegen Madrid 90 Minuten toll gespielt und gekämpft, aber dann doch noch 2 Punkte verloren, das hinterläßt sicherlich Spuren. Matthias Sammer wird nicht nur wegen der Sperren Veränderungen in der Aufstellung vornehmen. Vielleicht erhält Marcio Amoroso mal wieder eine Chance von Anfang an, um unter Beweis zu stellen, warum er letztes Jahr Torschützenkönig wurde. Ein Sieg sollte, bei allem Respekt vor Hansa, Pflicht sein. Wenn annähernd so gute Stimmung wie am Dienstag herrscht, sollte das zu schaffen sein. Wir dürfen nur nicht ungeduldig werden, wenn das Tor auf sich warten läßt.
Über Dortmund - Hansa sprach Andi von hansafans.de mit Jens von schwatzgelb.de. Vielen Dank nach Rostock an dieser Stelle.
Andi: Erst mal ein kräftiges "Moin moin" in den Pott. Verbunden mit einem kräftigem Dankeschön für das Interview und vor allen Dingen für die Einladung zur anschliessenden Party. Ist ja nicht mehr lang hin, dann tauchen wieder hunderte, wenn nicht tausende Rostocker in Dortmund auf - mit einem einzigen Ziel: Die Auswärtsstatistik weiter aufzubessern. Und somit an euch (zumindest was die Auswärtstabelle betrifft) vorbeizuziehen, dazu ist aber ein Sieg notwendig. Wie siehst du die Chancen dazu?
Jens: Wir haben zwar in den letzten 3 Spielen viel Kraft gelassen und gerade der Dienstag dürfte auch stark an der Moral gezerrt haben. Trotzdem denke ich, daß unsere Mannschaft stark genug ist, um Hansa zu schlagen. Soweit ich es selbst sehen konnte (Bochum) und in Zusammenfassungen mitbekam, hat Hansa bei einigen Auswärtspunkten in dieser Saison ordentlich Dusel gehabt, daher denke ich, daß es für Dortmund langen sollte. Natürlich wiegt der Verlust von Spielern wie Frings und Lehmann schwer und auch Rosicky ist noch nicht 100%ig gesetzt. Wie sieht es denn auf Eurer Verletztenliste aus?
Andi: Tja, unsere Verletztenliste ist recht hoch, mit Rydlewicz, Kientz, Wimmer, Hansen - alles wichtige Leute, dazu noch der Ausfall von Prica durch seine rote Karte. Aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie diese Ausfälle kompensieren kann. Allerdings haben wir am letzten Wochenende ja reichlich mit unserer Chancenauswertung zu tun gehabt. Ich glaube, wenn wir dieses Problem mal irgendwann in den Griff bekommen, dann gehts auch aufwärts mit uns. Aber auswärts seh ich das nicht so eng, denn dort können wir in der Regel auf Konter spielen, was uns wohl eher liegt. Und wenn wir dann darauf bauen, dass euer Stadion mal wieder ein Pfeifkonzert gegen die Schwarzgelben inszeniert, wenns mal nicht so richtig läuft, dann ist was drin bei euch. Oder ist euren Spielern das inzwischen egal, weil sie es immer hören? Ist das überhaupt noch so?
Jens: Ich denke, daß sich die Stimmung bei Heimspielen langsam aber sicher wieder auf dem Wege der Besserung befindet. Wer Dienstag abend im Stadion war, konnte erleben, daß auch das Dortmunder Publikum noch ordentlich rocken kann. Die Pfiffe gegen die eigene Mannschaft sind natürlich immer ein großes Ärgernis. Ich fürchte auch, daß gerade am Samstag viele Leute wieder so ein Festival wie Dienstag erwarten und deshalb eher ungeduldig werden. Hoffen wir, daß ich mich irre. Durch die Sammlung aller interessierten Stimmgewaltigen in Block 13, sowie früher, hat sich zumindest im Zentrum der Tribüne einiges getan. Die größte, zusammenhängede Gruppe auf der Tribüne ist wohl "THE UNITY" mit gut 200 Mitgliedern, die versuchen, die Emotionen wieder auf die Tribüne zu bringen und – im Gegensatz zu früher – sich mehr an italienischen, französischen Vorbildern orientieren. Also mit Choreographien, koordinierten Gesängen (Megaphon) etc. Dazu kommen in Block 13 noch die Desperados (ca. 40 Leute) und etliche unorganisierte, die sich im Laufe der Zeit dazu gesellten. Inzwischen stehen dort auch wieder Fanclubs, die dieser neuen Sache anfangs eher kritisch gegenüber standen und helfen mit, die Tribüne wieder zum beben zu bringen. Seit es mit schwatzgelb.de ein Medium von Fans für Fans gibt, hat sich schon einiges verändert. So eine gute Stimmung wie am Dienstag wäre vor einiger Zeit nicht möglich gewesen und auswärts ist es ja wie überall noch mal ne Spur besser. Apropos auswärts: mit wieviel Hansa-Fans dürfen wir denn am Samstag rechnen?
Andi: Naja, ich rechne mal so mit 1200 Leuten, davon die Hälfte taubstumm oder so ähnlich, der Rest wird wieder alles geben. Erst recht nach dem in den letzten Spielen alles wieder besser wurde. Beispielsweise haben wir beim letzten Auswärtsspiel in Leverkusen in der ersten Halbzeit ordentlich Power gemacht und dann in der zweiten Halbzeit mal eben 45 Minuten einen Dauergesang inszeniert. Und es haben wieder alle Blut geleckt. Hauptsache die Stimmung hält sich bis zum Spiel bei euch, denn die Stimme wird (mal wieder) unser einziges Mittel sein, unsere Mannschaft zu unterstützen. Denn mit eurem vielgelobten "Persilschein" diese Saison hat es sich zumindest bei uns erledigt. Nicht mal eine feuerfeste Blockfahne (mit Zertifikat!) ist genehmigt worden. Warum, weiss wohl nur eure Försterei. Nur seltsam, dass ähnlich "schlimme" Szenen wie Stuttgart, Lautern und ähnliche dennoch ihren Persilschein bekommen haben. Ich raff es einfach nicht mehr, du?
Jens: Sorry, daß ich dazu nicht viel sagen darf. Es ist jedenfalls nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Zwar spricht unser Ordnungsdienst das Verbot aus, aber zumeist dann auf besonderen Wunsch oder Empfehlung anderer Stellen.
Laßt Euch davon nicht unterkriegen und tragt Euren Teil zur Stimmung bei. Wenn in beiden Blöcken gut gesungen wird, zieht es sich bekanntlich gegenseitig hoch. Hoffen wir mal darauf. Ganz besonders freuen wir uns auf die abschließende Party mit Euren Jungs. Soweit ich weiß, konnten wir jetzt auch für jeden eine Übernachtungsmöglichkeit finden.
Andi: Jo, darauf freu ich mich auch, und wohl nicht nur ich. Werden ja so etwa 30 Hanseaten werden, die abends zumindest noch ein paar Schluck Dortmunder Bier verkosten werden. Vielen Dank nochmal für die Einladung und die Möglichkeit, dass einige von uns bei euch pennen können. Bis Samstag dann!
Geschrieben von Jens
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