Servus aus Amigo-Land

 Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der FC Bayern München hat 1999 mit Deutschlands berühmtestem Pleitier Leo Kirch einen Vertrag über insgesamt rund 160 Millionen Mark abgeschlossen. Der Grund: Die Bayern sollten für die Zentralvermarktung der Bundesliga durch den Ismaninger Medienmogul entschädigt werden.


 „Wir haben weder der Liga noch anderen Vereinen Geld weggenommen – nur Herrn Kirch“, verteidigte sich Bayern-Manager Uli Hoeneß auf einer Pressekonferenz. „Es ist eine Riesensauerei, wenn man so tut, als wenn wir irgendjemandem nur eine Mark weggenommen hätten.“ Da mag der Hobby-Wurstfabrikant sogar Recht haben. Fakt ist aber auch: Leo Kirchs inzwischen insolvente Firma KirchMedia und die Seppels schlossen laut der Zeitschrift manager magazin einen 18-seitigen Vertrag, um die Übertragung der Vermarktungsrechte des FC Bayern zu regeln. Pikant wird die Geschichte, wenn der Blick auf die Gegenleistung gelenkt wird, die von den Bayern zu erbringen war.
 Bis zum Abschluss des Vertrags wehrten sich die Bayern mit Händen und Füßen gegen eine zentrale Vermarktung der Bundesliga. Viel lieber wollten sie (und Borussia übrigens auch) ihre Heimspiele selbst vermarkten, um ans ganz große Geld zu gelangen. Einer der möglichen Zentralvermarkter war Leo Kirch, der für vier Jahre das stolze Sümmchen von drei Milliarden Mark geboten hatte. Für den FC Bayern nicht genug. Also bot KirchMedia dem Münchner Vorzeigeklub an, bis einschließlich zur Saison 2004/05 die Summe erstatten, die den Bazis in die Kasse geflossen wäre, wenn sich der Klub selbst vermarktet hätte – schätzungsweise 30 bis 50 Millionen Euro pro Jahr. Im Gegenzug sollten die Bayern nun der Zentralvermarktung zustimmen. Zitat aus dem Vertrag: „Sport-Werbe GmbH (eine 100%-ige Bayern Tochter, die Red.) und FC Bayern München befürworten eine zentrale Vermarktung der TV-Verwertung der Fußballbundesliga, da eine solche zentrale Vermarktung in der derzeitigen medialen Situation für den Aufbau einer optimierten Verwertung der Bundesligaspiele größere Vorteile erwarten lässt, als sie nur möglicherweise bei einer dezentralen Vermarktung eintreten könnten.“ Das ist wirklich ulkig. Star-Elfmeterschütze Uli Hoeneß wendet sich um 180 Grad und lässt sich per Vertrag peinlich genau seine neue Meinung vorschreiben. Hinterher behauptet er sogar noch, er sei schon immer für die Zentralvermarktung gewesen. So etwas nennt man Korruption! Das erinnert an beste bayerische Amigo-Zeiten, als zwischen Wirtschaft und Politik gekungelt wurde, was das Zeug hielt. Apropos: Was weiß eigentlich Landesvater Edmund Stoiber? Immerhin ist er mit Leo Kirch bestens befreundet und sitzt zudem noch im Verwaltungsbeirat der Bayern.
 Während sich die Bazis also die Taschen voller Geld stopfen, soll der Rest der Liga darben. Die DFL vermarktet die Bundesliga zentral zusammen mit KirchMedia, und der große Zampano aus dem Süden bekommt zum Dank jedes Jahr ein Köfferchen mit der fetten Kohle. Wie soll das ausgesehen haben? Vielleicht so: Einmal im Jahr steigt Leo der Große in Ismaning in die S-Bahn-Linie 8 und fährt bis zum Ostbahnhof. Dort steigt er um und fährt nach Giesing und nimmt sich dort ein Taxi zur Säbener Straße. Unterwegs kommt er am Vereinsgelände der Löwen vorbei und zeigt durchs Autofenster die lange Nase. Am Bayern-Gelände klettert er aus dem Taxi und überreicht Kalle R. oder Uli H. oder Franz B. ein Lederköfferchen.
 Der Fall hat natürlich auch die DFL auf den Plan gerufen. Ligachef Werner Hackmann wollte sich zu möglichen Konsequenzen noch nicht äußern. Dennoch: „Aus der vorläufigen Einsicht und nach erster schneller Prüfung leiten sich mehrere Fragen der Liga an den FC Bayern München ab. Unter anderem die, ob und inwieweit die Bundesliga als Gruppe durch den Vertragsabschluss belastet wurde", so Hackmann in einer Erklärung. Der Liga-Boss tagte mit Borussia-Manager Michael Meier, Wolfgang Holzhäuser (Bayer Leverkusen), Karl-Heinz Wildmoser (1860 München) und Vertretern der Bazis, um der Sache auf den Grund zu gehen. Kritik mussten sich die Bayern auch wegen ihrer „Informationspolitik“ gefallen lassen. Hackmann: "Mit Unverständnis hat der Ligavorstand zur Kenntnis genommen, dass Vertreter des FC Bayern München als Mitglieder der TV-Verhandlungskomission die Liga nicht davon in Kenntnis gesetzt haben, dass Bayern München einen Vermarktungsvertrag mit der Kirch-Gruppe bereits abgeschlossen hatte. Aus diesem Grund hat der Vorstand die Geschäftsführung der DFL gebeten, auch diesen Gesichtspunkt, neben den rechtlichen Fragen, bei der Prüfung des Sachverhalts mitzuverarbeiten". Ein Vertrag vom Ausmaß des Kirch-Papiers ist schlicht und ergreifend meldepflichtig. Ob die Bayern nun auch bestraft werden, ist unklar. Kleinere Vereine wie Hansa Rostock und der 1.FC Nürnberg fordern zumindest die Aufklärung des Schmiergeld-Falles. Selbst wenn alle geschlossenen Verträge rechtens sein sollten, bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die Liga kommt in den Ruch von Korruption und Koffer-Affairen.
 Der FC Bayern kann die Kohle indes natürlich gut gebrauchen. Zwar rechtfertigte Hoeneß die Höhe die Summe noch mit dem Verweis auf den in Deutschland gültigen Steuersatz und bemängelte, dass „die Hälfte ohnehin an Herrn Eichel“ geflossen sei, aber das macht die Sache nicht besser. Denn die Hälfte von 40 Millionen sind 20 Millionen, und das ist wiederum exakt die Summe, die ein gewisser Sebastian Deisler im Jahr 2001 von den Bayern als, ähem, „Darlehen“ erhalten hat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
 Die Bayern haben es mal wieder gezeigt: Sie sind der Buhmann der Liga. Arrogant, geldgeil, und sie bekommen die Kohle auch noch per Druckbetankung in den Allerwertesten geblasen. Aber wirklich nur die Bayern? Was ist mit den anderen Großen? Leverkusens Süßigkeiten-Vernichtungsmaschine Reiner Calmund hat zwar bereits beteuert, dass bei ihm niemand mit einem Köfferchen vor der Tür stand. Aber auf WDR2 war der beleibte Manager auch mit dem Statement zu hören, dass er „den Scheck nicht sofort in den Reißwolf gesteckt“ hätte. Gleichzeitig warnte er den Rest der Liga-Manager, die Bayern vorschnell zu verurteilen. Weiß er was? Haben von Bayer Leverkusen bestochene Apotheker etwa mitbekommen, wie Borussen-Manager Meier Koffer von Kirch-Mitarbeitern bekam? Wohl kaum. Zumindest hat sich auch der Borussen-Manager inzwischen zu Wort gemeldet und ebenfalls Ansprüche angemeldet. Immerhin war unsere Borussia der einzige Verein, der bei der Abstimmung über die Rechtevergabe gegen die Zentralvermarktung gestimmt hat.
 
 
 
 

Geschrieben von Desperado09