Die wiederkehrenden Prophezeiungen 

Unser geliebter Bundesligafußball ist das Musterbeispiel für die wiederkehrende Prophezeiung. Wer den 22. Spieltag genau unter die Lupe nimmt, wird feststellen, dass wir alle schon vor dem Anpfiff gewusst haben, wie dieser Spieltag läuft.


Beginnen wir doch mal...nein, nicht mit dem Derby. Sondern schauen wir doch zuerst einmal nach Bremen. Dieses lustige Balltretervolk aus der Hansestadt bestätigt seit dem Weggang von Otto I. diese wiederkehrende Prophezeiung mit schon fast masochistischen Zügen für Fans und Verein.
Spielten die Grünweißen noch in der Hinrunde um die Herbstmeisterschaft mit und zelebrierten Fußballkunst auf höchsten Niveau, so präsentieren sie sich derzeit als äußerst zuverlässiger Punktelieferant. Hier hilft schon kein Psychologe mehr, hier wäre ein Vodoopriester angebracht. Cottbus dürfte Bremens „Zuverlässigkeit“ Recht gewesen sein, denn mit dem Sieg präsentierte sich derStandartabstiegskandidat weiterhin als die erfolgreichste Mannschaft der Rückrunde. Das Tor für Cottbus schoss natürlich wieder...klar, „Die Zunge“ Topic. So kommt es am nächsten Spieltag zum „Spitzenspiel“ zwischen dem Rückrundentabellenführer Energie Cottbus und dem Tabellenführer der Bundesliga.  
Der Rekordmeister, die moralische Instanz, dass Gewissen der Liga, kurz der FC Bayern München, störte sich wenig (wen wunderts wirklich) um den Rummel bezüglich des Kirch Vertrages. Statt Krise, liefen die Lederhosen auf und gewannen, wer mag es nicht prophezeit haben, im Derby gegen die Nürnberger ohne sichbare Gegenwehr der Franken mit 2:0. Brav so Nürnberg. Dass die Bayern eigentlich jedes Derby gegen Nürnberg gewinnen, mag unterschiedliche Gründe haben. Einer ist sicher, dass die Franken sich schon gar nicht vorstellen können, dass man auch gegen die Bayern gewinnen kann. Man mag kaum glauben, dass „Eisenfuß“ Augenthaler Trainer bei den Franken ist. Der Ex-Bayer jagt schon längst keinem mehr den Angstschweiß auf die Stirn. Der Ex-Treter Nr.1 der Liga ist mittlerweile zum Schoßhund verkommen und scheint seiner Boygroup den nötigen Biss nicht vermitteln zu können. Die Nürnberger machten eher einen erleichterten Eindruck, dass sie mit nur zwei Dinger von den Bayern nach Hause fahren durften. Immerhin hatten im direkten Derbyvergleich die 60er eine Woche zuvor noch fünf Buden auf der Minusseite verbuchen dürfen. Damit war man klar besser als die Muschis. Aber aufgepasst Nürnberg, so geht die Rechung nicht auf. Wenn „Auge“ da nicht bald die Schraube reindreht, prophezeien wir den Franken schon heute die Rückkehr in Liga Zwo. 
Das einzig wahre Derby fand an diesem Spieltag tief im Westen statt. In einem bekannten Herner Vorort trafen sich die Anhänger zweier Glaubensrichtungen um endlich einmal wieder das Stadium höchster fußballfanatischer Erregung zu erleben. Auch „Derbyfieber“ genannt. Was auf dem Grün über 90 Minuten geboten wurde, konnte hinterher getrost als echtes Derby gewertet werden. Bei diesem Spiel trafen gleich mehrere wiederkehrende Prophezeiungen ein. So hatte doch jeder vorher gewusst, dass der BVB wieder nicht gewinnen wird. Jeder hatte gewusst, dass mindestens ein Spieler je Mannschaft vorzeitig zum Duschen geschickt wird (warum hatte man nur vorher schon den Namen Agali und Lehmann im Hinterkopf?) und jeder hatte gewusst, dass nach dem Spiel der Schiri wieder der Depp ist. Ja so war es! Wir hatten es alle vorher gewusst.  
Aber das waren nicht alle Prophezeiungen des 22. Spieltag. Da war noch das Match der Werkskicker aus Leverkusen, die sich unter der Leitung des Trainers des Jahres 2002 anschickten zur Abwechslung mal die Tabelle von unten anzuführen. Calmund zeigte sich als Spielverderber und reihte Toppmöller in die 4,5 Millionen Arbeitslosen ein. Und dieser Teufelskerl Calmund, der unter dem Stress sichtbar 400 Gramm abgenommen hatte, präsentierte den Werksangehörigen dann letzte Woche einen richtigen Kracher. Kein geringerer als der ehemalige Weltklasse Spieler Thomas Hörster, seines Zeichens Amateurtrainer im Chemiewerksclub, sollte als neuer Trainer von Bayer 04 Leverkusen nun den Aufstieg in die sicheren Tabellenregionen in Angriff nehmen. Thomas wer?? Ja, richtig gelesen, Hörster, muss man doch kennen. Das Leverkusener Urgestein, der ein wenig wirkt wie die Sparversion von Toppmöller und Daum zauberte, wer hätte es vorher gedacht, jeden Menge Motivationstricks aus dem Hut. Tai Bo für am Boden zerstörte Kickerseelen, Atmungstechniken gegen Punktverluste. Alles schon mal irgendwie dagewesen, Herr Daum, Töppi ähhh Hörster. Das ausgerechnet das Schattenboxen bei Spielern wie Simak einschlagenden Erfolg haben würde war vorauszusehen. Immerhin kennt sich der „Wonderboy“ mit schlagenden Argumenten bestens aus. So kam, was kommen musste. Leverkusen spielte auch in Hannover grottenschlecht, verließ aber als Sieger den Platz. Seien wir ehrlich, wir haben es alle vorher gewusst. 
Der Rest vom 22. Spieltag ist schnell erzählt. Beim „Fußballspiel der Tiere“ trennten sich die Wölfe friedlich mit 1:1 von den Löwen. Der zukünftige neue Trainer, der mit den Wölfen tanzt, dürfte wohl Morten Olsen sein. Die roten Teufel kommen langsam aus den Puschen und schicken den Hamburger SV mit 2:0 in die Ligalangeweile. Die Spannung, die die Tabellenspitze im Kampf um den Meistertitel nicht mehr verspricht, scheint in dieser Saison der Abstiegskampf zu versprechen. Die falsche Borussia tritt nach der 4:0 Klatsche gegen die Stuttgarter den direkten Weg in die 2. Liga an und auch Bielefeld (0:0 in Berlin)und Rostock (1:1 gegen Bochum) haben es am 22. Spieltag nicht geschafft sich nachhaltig aus den gefährlichen Gewässern des Abstiegstrudel zu entfernen. So werden am Ende unsere Prophezeiungen wieder zutreffen, wetten!?  
 
 
 
 
 

Geschrieben von wade