Weiter so Jungs!
Der BVB bot seinen Fans an diesem Dienstagabend eine klasse Partie im CL-Spiel gegen Real Madrid. Ein Match voller Rasse und Klasse, in dem sich Borussia nur durch eine dumme Unkonzentriertheit in der Nachspielzeit um den durchaus verdienten Erfolg brachte. Doch man muss der Mannschaft ein Lob aussprechen. Schon im Hinspiel wäre mehr möglich gewesen. Es folgte eine Steigerung im Derby gegen die Blauen. Das heutige Spiel zeigte einen weiteren Schritt in die richtige Richtung. Es fehlt der Mannschaft noch an Konstanz, aber die letzten Partien zeigen eindeutig einen Trend nach oben.Dabei sah es vor der Spiel gar nicht so rosig aus, denn „Rosa“ fehlte verletzungsbedingt. Der Taktgeber der Dortmunder Mannschaft musste wegen der Nachwehen eines „Pferdekusses“ passen. Dazu fand Amoroso sich auf der Ersatzbank wieder und sollte erst in den letzten Minuten der Begegnung maßgeblich in das Geschehen eingreifen.
Dortmund legte gleich zu Beginn los wie die Feuerwehr. Die erste Spielminute war noch nicht ganz abgelaufen, da schicke Frings mit einem Zuckerpass Ewerthon auf die Reise in Richtung Real Keeper Casillas. Die Abwehr der „Königlichen“ war wohl geistig noch beim Schnürsenkel binden in der Kabine, so das Dortmunds Sambafloh seinen Bewachern mit bekannter Leichfüßigkeit entwischen konnte. Nur Casillas war hellwach und verpasste Ewerthon mit seiner Parade ersten schmerzhaften Kontakt mit der Grasnabe. Borussia machte weiter Dampf und nur zwei Minuten später hebelte Metzelder wie schon gegen den Herner Vorortverein auf der rechten Außenbahn die Abwehr der Spanier auseinander und schickte Evanilson an die Strafraumgrenze. Die Hereingabe verfehlte Jan Koller nur knapp. Im Strafraum der Madrilenen brannte es zu Beginn lichterloh. Sehr zum Entzücken der Dortmunder Fans, die schon beim Einlaufen der Mannschaften für ordentliche Stimmung im Tempel sorgten.
In der 8. Spielminute hatte der BVB dann zum ersten mal alle Glücksboten auf seiner Seite. Raul tanzte zusammen mit Ronaldo, der heute klar stärker war als Raul, fast spielerisch die Dortmunder Abwehr aus und erschien zum Entsetzen der schwatzgelben Fans völlig ohne Bewachung im Strafraum. Lehmann verhinderte mit einem tollen Reflex den ersten Einschussversuch von Raul. Die Kugel war aber noch nicht unter Kontrolle und landete wieder vor dem Füßen des Spaniers. Doch zum Entsetzen der Madrilenen traf Raul nicht das leere Tor, sondern Madouni, der sich in den Schuss warf.
Borussia blieb am Drücker, zwang Real sein Spiel auf. Jeder in der Dortmunder Mannschaft machte den Eindruck, um jeden Zentimeter Rasen kämpfen zu wollen. In der 17. Spielminute war es wieder Ewerthon, der zehn Meter vor dem Tor den Ball schön mit der Brust mitnahm und frei zum Schuss kam. Casillas stand jedoch goldrichtig und konnte so nochmals den ersten Treffer der Begegnung verhindern.
Die Dortmunder Spieler waren hellwach, immer einen Schritt schneller am Ball und kauften Real mit ihrem großen Einsatz den Schneid ab. Koller, der wieder eine bärenstarke Partie spielte, nahm in der 21. Minute zum zweiten mal Maß. Er setzte sich im Strafraum der Spanier schön durch und hämmerte das Leder nur knapp über den Kasten. Zwei Minuten später verwandelte Dino dann zur hoch verdienten Führung für schwatzgelb. Kehl hatte sich vor dem Strafraum der Spanier schön durchgesetzt und hatte die Kugel mit einem gefühlvollen Heber in den Strafraum vor Koller aufgelegt. Der Lange marschierte zum kurzen Pfosten um dann das Leder an Casillas vorbei ins Netz zu knallen. Der Tempel bebte.
Nach der Führung zeigte der BVB eindrucksvoll, dass er auch in der Lage ist nach einer Führung am Drücker zu bleiben. Real Madrid, durch seine genialen Einzelspieler immer gefährlich, versuchte die wenigen Fehler der Dortmunder sofort zu bestrafen. So sorgte der Vorlagengeber des Führungstores, Sebastian Kehl, nur zehn Minuten später fast für den Ausgleich. Mit einem sehenswerten Querschläger im eigenen Strafraum sorgte unsere Nummer 5 für Panikattacken unter den schwatzgelben Anhängern. Seine Kerze landete Ronaldo direkt vor die Sticken. Dessen Schuss segelte zum Glück genau in die Arme des goldrichtig stehenden Jens Lehmann. Real unternahm direkt in der folgenden Szene nochmals einen Versuch den Spielstand auszugleichen. Roberto Carlos zeigte dem staunendem Publikum einen seiner sensationellen Flügelläufe und passte von der Torauslinie den Ball scharf vor das Dortmunder Tor. Zum Glück verfehlten nicht nur die Dortmunder Abwehrspieler das Leder sondern auch Ronaldo. Immer wieder Ronaldo. Kurz vor dem verdienten Pausentee gehörte wiederum dem Brasilianer die letzte Torchance der ersten Halbzeit. In seiner unglaublich dynamischen Art schüttelte er Wörns im Strafraum ab. Der wusste sich nur mit einem Foul zu helfen und brachte Ronaldo elfmeterreif zu Fall. Jeder wartete auf den Pfiff, doch der Schiri zeigte sich von seiner Gönnerseite und ließ das Spiel weiterlaufen. Ich liebe britische Schiedsrichter!
Madrid übernahm das Zepter
Die Madrider Spieler schienen den Worten ihres Coachs sehr genau zugehört zu haben, denn Real übernahm nach dem Wiederanpfiff das Kommando auf dem Platz.
So hatte in der 51. Minute Ronaldo die nächste Großchance auf dem Fuß. Urplötzlich erschien er alleine im Dortmunder Strafraum, doch Jens Lehmann war wieder zur Stelle und wehrte den Schuss ab. Dortmund versuchte aus einer sicheren Abwehr heraus das Spiel zu kontrollieren und mit Kontern einen weiteren Treffer zu setzen. Es dauerte jedoch bis zur 62. Minute bevor Frings mit einem Gewaltschuss aus 25 Metern die erste große Torchance des BVB in der zweiten Halbzeit einläutete. Casillas konnte den strammen Schuss nur abklatschen und Koller erkämpfte sich das Leder im Strafraum der Spanier zurück. Mit einem klugen Heber überlistete der Lange die Madrider Abwehr . Empfänger war Ewerthon. Doch der Kopfball des kleinen Brasilianers landete neben dem Tor.
Zwei Minuten später sollte sich Jens Lehmann endgültig das Prädikat „Weltklasse“ verdienen. "Mister Hammer" Roberto Carlos höchstpersönlich war angetreten um Jens Qualitäten zu testen. Einen vor dem Dortmunder Strafraum zugesprochenen Freistoß donnerte der Brasilianer mit waffenscheinpflichtiger Gewalt an der Dortmunder Mauer vorbei auf Lehmanns Kasten. Wie unser Keeper bei dem Geschoss noch die Fäuste schnell genug hoch bekam, dürfte wohl sein Geheimnis bleiben. Lehmann war mittlerweile der beste Mann auf dem Platz und besonders Ronaldo dürfte nach dem Abend noch schlecht träumen von Jens. Der Brasilianer konnte anstellen was er wollte. Lehmann war zur Stelle. Egal was Ronaldo auch versuchte. Wenn nötig packte Borussias Keeper mal eben eine Weltklasseparade aus und entschärfte die Torschüsse der Madrilenen. Längst hatte das „Weiße Ballett“ das Sagen auf dem Platz. Doch Borussia wehrte sich tapfer und stand gut in der eigenen Abwehr. Vor allem Dede verdiente sich endlich wieder Bestnoten.
In der 85. Minute kam der BVB zu seiner letzten Torchance im Spiel. Ein abgefälschter Distanzschuss von Koller landete fast über Casillas im Kasten der Spanier. Es begannen die Spielentscheidenden Minuten der Partie. Sammer brachte in der 87. Minute Billy Reina für Ewerthon. Kurz darauf musste Dede wegen starker Krämpfe passen und Amoroso betrat für ihn den Platz.
Bei Amoroso mag zur Zeit der altbekannte Spruch von Jürgen Wegmann wieder passen: „Erst haste kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu.“ Amoroso verlor, wie schon so oft in dieser Saison bei einem unnötigen Dribbling den Ball.
Der Rest ist schnell erzählt: Zidane schnappte sich das Leder und passte vor dem Dortmunder Strafraum auf Portillo. Das Madrider Supertalent (hat in seiner Jugendzeit bei Real über 400 Tore erzielt) ließ sich nicht lange bitten und zog trocken von der Strafraumgrenze ab. Der leicht verdeckte Schuss war auch für einen überragenden Jens Lehmann nicht mehr zu halten. Blankes Entsetzen auf dem Rasen und auf den Rängen. Nur die spanischen Fans, von denen man 90 Minuten nichts, aber auch gar nichts gehört hatte, meldeten sich nun lautstark. Ganz großer Support kann man da nur sagen. Kurz nach dem Ausgleichtreffer pfiff der Schiri die erstklassige Partie ab. Für die Dortmunder Spieler und Fans blieb statt eines schon fast sicher geglaubten Sieges nur die Erkenntnis, dass man auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht angekommen ist.
Fazit: Irgendwie haben die Borussen im Moment die Seuche an den Hacken. Gut gespielt in Madrid, aber verloren. Das bessere Team in Herne, den Sieg greifbar nahe, trotzdem zum Schluss mit Glück nur unentschieden. Nun das Spiel heute. Die Mannschaft hat eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich in den letzen Wochen weiterentwickelt hat. Aber es ist noch ein langer und steiniger Weg um ganz oben anzukommen. Der größte Feind scheint nach wie vor der Mangel an Bereitschaft einiger Spieler zu sein, dem Erfolg alles unterzuordnen. Erst wenn bis zum letzten Spieler jeder begriffen hat, dass er auch über die Schmerzgrenze hinausgehen muss und seine Ansprüche für den Erfolg hinten anstellen muss hat die Mannschaft das Ziel erreicht.
Sammer: Ich denke, dass wir in der ersten Halbzeit ein sehr gutes Spiel geliefert haben. Wir haben versucht, sehr kompakt zu spielen und möglichst wenige Chancen für Real zuzulassen. Die 1:0 Führung ging nach dem Spielverlauf aus meiner Sicht in Ordnung. In der zweiten Hälfte sind wir unter Druck geraten, was ich aber auch als normal empfinde. Meine Mannschaft hat sehr eindrucksvoll gekämpft. So dass ich glaube, wenn die nötige Auswechslung von Dede nicht gewesen wäre, wir wahrscheinlich gewonnen hätten.
Del Bosque: Das Spiel war eigentlich schon verloren und dann haben wir durch eine Situation doch noch den Ausgleich geschafft. Dadurch, dass wir das Tor in der letzten Minute noch geschossen haben ist für uns noch alles offen. Es sind jetzt noch zwei Spiele. Wir haben gut gespielt und wenn man das Spiel analysiert hätten wir auch einen Sieg verdient gehabt. Die Stimmung hier war eine typische Europapokalstimmung. Dortmund hat ein super Publikum, aber wir haben uns dadurch nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Daten zum Spiel:
Mannschaftsaufstellung:
Lehmann (1), Evanilson (2,5), Wörns (3), Kehl (2,5), Reuter (2,5), Frings (2,5), Koller (2),Ewerthon (2), Dede (2), Metzelder (2,5), Madouni (2,5)
Einwechselungen: Ricken (80. Evanilson), Reina (87. Ewerthon), Amoroso (90. Dede)
Schiedsrichter: Poll Graham (4)
Karten: Reuter (Gelb 67.), Evanilson (Gelb 74.), Wörns (Gelb 85.)
Tore: 1:0 Koller (23.), 1:1 Portillo (90.)
Zuschauer: 52.400 (ausverkauft)
Geschrieben von wade
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