Was zählt, ist Samstag

Bei allem belanglosen Getue um die Spiele gegen die angeblich beste Mannschaft der Welt am Mittwoch und dem darauf folgenden Dienstag, zählt für den wahren BVB-Fan zurzeit nur ein Termin: der 22. Februar, der Höhepunkt der Rückrunde - das Derby in Schlacke.


Dann gehts also wieder rund im Vogelkäfig auf dem schönen gepflegten Rasen, der ja auch neulich erst ausgewechselt wurde, weil die supitolle Technik mit der Rasenschublade so gut wie gar nicht funktioniert hat. Das ist ja die Gelegenheit sich in dem Laden mal wieder umzusehen, denn neben der traditionellen Fehlbesetzung des Managements scheint wohl eine Eigenschaft der Schlacker über all die Jahre am beständigsten konserviert worden zu sein:

Toll gedacht und schlecht gemacht.

Denn was immer auch geschieht in Schlacke - das scheint ein ungeschreibenes Gesetz zu sein - es geht schief.
Anwesend sein wird natürlich auch der Meister des schlechten Benehmens, Rudi "Cigar" Assauer, um der gegnerischen Trainerbank mal wieder ordentlich in seinem Gossenjargon die Meinung zu sagen. Nicht dabei allerdings, zumindest nicht in einer eigenen eigenen Loge, Immernoch-Aufsichtsratmitglied Jürgen W. Möllemann, der den Kaviartempel kürzlich erst verramscht hat. Denn Jürgen W. braucht offenbar Geld: Nach einem Bericht der «Berliner Zeitung» hat der Noch-FDP-Politiker und Schlackefan seine Prommi-Loge in der Schlacke-Arena für schätzungsweise 50.000 Euro abgestoßen. Web-Tech ade, keine Waffengeschäfte in der Schlackeloge mehr, aber trotzdem wagt es der Asselrudi nicht, diesen wichtigen Bürgen seiner ohnehin wackeligen Arena-Finanzierung aus der Halle zu vertreiben - gemeinsame Leichen im Keller schweißen wohl zusammen.
Überhaupt die leeren Kassen. Da haben doch Blauen zumindest mal wieder ihre Kassenhäuschen "Nord, West und Ost" geöffnet, aber nicht etwa um dort Karten für das Derby zu verkaufen, sondern ausschließlich für die fünf Heimspiele von "Rhein Fire", die ja jetzt auch im Vogelkäfig ihre Heimat gefunden haben. Für den Asselrudi eine der letzten Möglichkeiten, die lahmende Vermarktung der Arena außerhalb des BL-Fußballs doch noch auf Trab zu bringen. So ganz nebenher bekommt er ja auch noch die im American-Football obligatorischen Chearleaders dazu, die ja auch schon scheinbar ins Vereinsleben des S05 integriert wurden.
Kenner der Szene behaupten allerdings, der American Football sei in die Arena geholt worden, damit dort auch mal eine Meisterschaftsfeier stattfinden kann - na ja, wir werden sehen.
So spielen wir dann also mal wieder gegen die Mannschaft, bei der Anspruch und Realität am weitesten auseinander klaffen. Noch nie Meister gewesen seitdem es die Bundesliga gibt, beziehen sie ihr gebetsmühlenartig durch Gehirnwäsche eintrainiertes Selbstbewusstsein aus ehemaligen Reichsmeisterschaften und gelegentlich gewonnen Spielen in der Bundesliga - insbesondere gegen uns.
Das nervt, und das gilt es mal so langsam zu ändern!

Denn es geht eben nicht, wie häufig und fälschlicherweise behauptet wird, nur um drei Punkte, sondern um das Ansehen eines Trainers, der Glaubwürdigkeit einer Fußballmannschaft und nicht zuletzt um die Grundlage einer ganzen Fankultur.
Wer das Leben in und um Dortmund verstanden haben will, der weiß dass einzelne Meisterschaften mittlerweile nebensächlich sind und dass die Championsleage eher die Kür ist - Pflicht ist ein Sieg im Derby, das haben wir vermisst - danach kommt lange nichts.
Da kann auch ein Trainer zwanzig Meisterschaften mit und für den BVB holen - egal, wen juckt das? Ein Trainer, der NIE gegen die Asseln gewonnen hat, wird in unseren Augen immer ein Mißerfolgstrainer bleiben, zudem mit dem Makel der Jahrhundertniederlage im Heimspiel im September 2000 behaftet.

Aber nicht nur der Trainer, auch die Spieler sollten wissen, worum es geht.Und die Vorzeichen sind günstig, tritt doch der BVB mal wieder in Bestbesetzung an, wobei natürlich die endgültige Aufstellung bis kurz vor dem Anpfiff Sammer intimstes Geheimnis bleiben wird.
 
Dabei haben die Blauen bereits die Zeichen erkannt. Das Lazarett lichtet sich auf wundersame Weise, so dass urplötzlich neben Van Hoogdalem und Wilmots auch Ebbe Sand und Andrea Möller wieder laufen gelernt haben. Besonders für Andy wäre es wohl die letzte Chance vor Karriereende noch einmal in einem Derby anzutreten. Für uns also die allerletzte Gelegenheit, ihr unsere "Sympathie" zu bezeugen - ein tränenreicher Abschied wartet auf uns.
Und diesmal gibts auch Tränen für die gengnerischen Fans, verdient hätten sie es.  

Geschrieben von Klopfer