„Ein Tor würde dem Spiel gut tun!“....

...sind die Worte, die viele BVB-Fans an ein legendäres Duell im Frühjahr ’98 erinnern. Günther Jauch und das Kaiserslauterer Vereinsmitglied Marcel Reif nutzten die Zeit bis zum verspäteten Anpfiff um mit ihrer improvisierten Showeinlage das Publikum vor den Fernsehern die Zeit zu verkürzen. Es war nicht das tolle Match oder das Ergebnis was dieses Spiel unvergesslich werden ließen, sondern ein kurioses Ereignis im Vorfeld der Partie.


Borussia machte sich trotz einer total verkorksten Bundesligasaison auf den Weg den Überraschungstriumph vom Vorjahr zu wiederholen. Im Halbfinale der Champions League traf man im Hinspiel auf die „Königlichen“ aus Madrid. Dieser Klub, der wie kein anderer für internationale Erfolge, Weltstars und spektakulären Fußball steht, sollte die einzige Hürde auf dem Weg zum Finale am 21.05.1998 in Amsterdam sein, das man leider nie erreichen würde. Am 01.04. zur üblichen CL-Zeit um 20.45 Uhr sollte der erste Akt dieses Duells des amtierenden Titelträgers und Rekordtrophäengewinners beginnen.....“sollte“, denn kurz vor Spielbeginn brachten es die hinter dem Real-Tor platzierten heimischen Ultras fertig, das mit Seilen am Ballfang befestigte Tor zum Einsturz zu bringen.

Es folgte ein 75 Minuten dauerndes Possenspiel, das ganz Europa zeigte dass Weltklasse auf dem Platz nicht Weltklasse in der Organisation bedeuten muss. Nach Anarchie auf dem Platz mit einem Haufen hochwichtiger Offizieller im Mittelpunkt, nachdem Reif und Jauch die Chance genutzt hatten die Zuschauer zu unterhalten und sich selbst zu feiern und nachdem Borussia Dortmund das Spiel 0:2 verloren hatte, waren es nicht die Tore oder die tollen Zweikämpfe, die in Erinnerung blieben, sondern der „Torfall“ von Madrid.


Am Mittwoch hat Borussia Dortmund die Chance ein wenig Vergeltung für das damalige Ausscheiden zu nehmen und Real Madrid in der Zwischengruppe C der diesjährigen Champions League auf Distanz zu halten. Die Ausgangssituation ist ziemlich klar, denn das „Weiße Ballett“ steht unter enormen Erfolgsdruck. In der heimischen „La Liga“ liegt man nur auf Platz 2 (was an sich schon eine Majestätsbeleidigung ist) hinter dem Außenseiter Real Sociedad San Sebastian. Noch prekärer sieht es momentan auf europäischer Bühne aus, denn hier ist man hinter Lokomotiv Moskau sogar nur Gruppenletzter mit nur einem Punkt. Der Liebling der Massen Raúl fordert bereits aus den beiden Vergleichen mit unseren Schwatzgelben eine maximale Ausbeute von 6 Punkten um einerseits Borussia zu überflügeln und anderseits vielleicht sogar noch den Tabellenführer AC Mailand einzuholen. Dieser spanische Verein, seines Zeichens spanischer Rekordmeister und 9facher Gewinner der CL-Trophäe, ist auf Erfolge auf allen Ebenen angewiesen. Der teure Kader ist gespickt mit Spielern der höchsten Kategorie und Namen wie Zidane, Figo, Raúl, Ronaldo und Roberto Carlos lassen das Herz der Fußballfans weltweit höher schlagen. Dass dafür das Tafelsilber, das innerstädtische Trainingszentrum, verscherbelt werden musste, interessiert den Real-fan wahrscheinlich nur am Rande.

Der BVB hat alle vermeintlichen Stammspieler zur Verfügung, so dass die Aufstellung nur von Sammers Entscheidung abhängt. In der Innenverteidigung sind Metzelder und Wörns gesetzt. Dann bekäme es Wörns mit „Il Phenomeno“ und „Metze“ mit Raúl Gonzalez Blanco zu tun. Es könnte aber auch sein, dass Ahmed Madouni in die Mannschaft kommt um sich Raúl vorzuknöpfen und Metzelder rutscht wie schon gegen Bochum auf die rechte Abwehrseite und bildet dann das Pendant zu Dede auf links. Allgemein wird wohl die defensivere Variante mit dem jungen Franzosen in der Mitte erwartet. Im Mittelfeld sind Frings und Rosicky fest eingeplant und werden wahrscheinlich von Reuter nach hinten abgeschirmt. Nachdem Sammer letzte Woche in einer Statistik geblättert hat und ihm auffiel, dass man mit 3 Stürmern und Rosicky im Durchschnitt 2,6 Punkte pro Partie geholt hat im Gegensatz zu 1,9 Punkten mit nur 2 Stürmern und Rosicky, wird morgen wahrscheinlich ein 3-Mann-Sturm auflaufen. Koller, Ewerthon und der wieder spielberechtigte brasilianische Nationalspieler Amoroso werden Versuchen mehr Tore zu erzielen als 1998.

Real wird ohne Hierro, der sich am vorletzten Spieltag am rechten Knie verletzt hat und bis Mitte März ausfällt, in die Partie gehen müssen. So bilden der Youngster Francisco Pavon und Ivan Helguera die Innenverteidigung vor dem jungen Torhüter Iker Casillas. Rechts Salgado und links der schussgewaltige Roberto Carlos komplettieren die Viererabwehrkette. Davor dürften Makalele und Cambiasso postiert sein um sich wechselweise um Tomas Rosicky zu kümmern. Die geballte Offensivpower in Person von Zidane, Figo, und Raúl wird durch den Weltmeister Ronaldo als einzige echte Spitze vervollständigt. Auf der Bank werden noch genügend Alternativen für Trainer del Bosque zu Verfügung stehen. Das letzte Ligaspiel verlor man übrigens gegen Osasuna Pamplona mit 0:1. Zu allem Überfluss sah Luis Figo nach einem brutalen Tackling die rote Karte. Real scheint also nicht unschlagbar. Das sollte unseren Jungs Mut geben, damit sie im „Estadio Santiago Bernabéu“ bestehen und 3 Punkte mit nach Hause bringen.



Madrid: Casillas - Michel Salgado, Helguera, Pavon, Roberto Carlos - Makelele, Cambiasso - Figo, Raul, Zidane - Ronaldo

Dortmund: Lehmann - Metzelder, Madouni, Wörns, Dede - Reuter, Rosicky, Frings - Ewerthon, Koller, Amoroso

Schiedsrichter: Lubos Michel (Slowakei)

Anstoß: Mittwoch 18.02.2003, 20.45 Uhr

TV: Live bei RTL ab 20.15 Uhr

Geschrieben von jonam