Die Sendung mit der (grauen) Maus

Die Enttäuschung über die Leistung im Schwabenland sitzt noch tief, da kann es am Samstag gegen Bochum eigentlich nur besser werden. Oder geht es noch schlimmer?


Oft ist diese Bezeichnung für das Spiel gegen die Opelstädter zu hören – der Begriff Derby wird heutzutage ja etwas überstrapaziert und auf alles mögliche angewandt. Bochum ist zwar ebenfalls ein direkter Reviernachbar und trägt auch blaue Trikots, kann jedoch von der Brisanz her mit dem echten Derby gegen GE überhaupt nicht mithalten. Viele Zweit-Klassen-Blaue versuchen, von uns gehasst zu werden und eine Feindschaft aufzubauen, doch den meisten Borussen ist der VfL einfach nur egal. Angesichts des Spiels in Madrid und dem kommenden einzig wahren Derby in der folgenden Woche, erscheint das Spiel am Samstag eher als Vorspiel oder Aufgalopp.
Aber es ist Vorsicht geboten! Bochum startete furios in die Saison und begeisterte mit variablem Offensivfußball. Opi Wosz scheint sich nur dort richtig wohl zu fühlen und zieht in der Offensive die Fäden, beweist Übersicht und bestimmt das Tempo. Einen dankbaren Abnehmer für seine Vorlagen findet er in Thomas Christiansen, dem spanischen Dänen. In ihm darum aber eine Mischung aus Flemming Povlsen und Raul zu erwarten wäre allerdings zuviel des Guten. Doch er trifft regelmäßig und ist in der Torjägerliste oben dabei. Dort war auch der VfL – die Mannschaft stand an den ersten zwölf Spieltagen im oberen Tabellendrittel und sprang sogar kurzzeitig bis auf Position eins. Nach der Niederlage gegen GE wanderten sie jedoch ins gesicherte Mittelfeld der Liga, wo sie auch jetzt, nach zwei Heimsiegen und einer überraschenden Niederlage in Cottbus zum Rückrundenauftakt, stehen. Dennoch ist auch das nicht zu erwarten gewesen.

Bis auf ein paar Ausnahmen, als man sogar mal im UEFA-Cup gegen Ajax spielen durfte, waren die Bochumer doch vorwiegend in der Bundesliga, um wieder absteigen zu können. Erleben wir zurzeit nur ein Strohfeuer, oder sollen wir uns an die graue Maus als Erstligamannschaft gewöhnen? Der Verbleib im Fußball-Oberhaus ist der Truppe durchaus zuzutrauen, wenn das Team im Grundstock zusammen bleibt und wachsen kann. Vieles hängt dabei sicherlich von den Oldies Wosz und Christiansen ab. Neururer hat es auf jeden Fall geschafft, ein funktionierendes Team zu formen, nachdem Bernard Dietz fehlenden Charakter in der Truppe ausgemacht haben wollte und kapitulierte. Die Fans empfingen Neururer nicht gerade mit offenen Armen, was eigentlich verwunderlich ist, sind sich doch Toppmöller und Neururer vom Typ her so ähnlich, man denke nur an die stylishen Frisuren.
Doch Spaß beiseite, als Borusse gibt es zurzeit nicht viel zu lachen. Jens hat dazu ja schon einen ausführlichen Kommentar geschrieben, ich will nur noch mal kurz darauf eingehen. Ich finde es einfach erschreckend, was ein Team mit diesem Spielerpotenzial zum Teil anbietet. Da fehlt es an Wille, an Einsatz und an jeglichem Spielwitz. Es ist ja nicht so, dass es immer Kunststückchen sein müssen; „Hacke, Spitze, eins, zwei, drei“ verlangt ja niemand. Wenn auch ein Rosicky oder Amoroso dazu ohne Zweifel in der Lage sind, das auch effektiv zu zelebrieren.
Doch man kann ja wenigstens erwarten, dass die Spieler sich sprichwörtlich den Arsch aufreißen. Wenn ich so dem Treiben auf dem Platz zusehe, würde ich am liebsten andauernd „Bewegung“ reinrufen, wie ich das von den Jugendmannschaften aus meiner aktiven Hobbyspielerzeit kenne. Da stehen die Herren schön auf dem Platz und harren der Dinge, die da kommen mögen. Wenn sie sich dann mal freilaufen sollen oder gar angespielt werden, scheinen sie teilweise schon überfordert. Und in die freie Gasse auf den Außenbahnen läuft erst recht niemand. Nach einem Ballverlust wird nicht richtig nachgegangen, in der eigenen Hälfte traben sie gerne neben den Gegenspielern her – so macht man nur den Gegner stark! Ich habe bewusst etwas überzogen in der Darstellung, weil es mich richtig sauer macht. Ich habe Sammer immer für einen guten Trainer gehalten – auch jetzt noch. Aber leichte Zweifel kommen in mir hoch, ob er die Spieler richtig erreicht. Er hat den Begriff der Galligkeit geprägt und den ja auch zu aktiven Zeiten schon richtig vorgelebt. Wo bleibt die Galligkeit denn im Spiel unseres BVB? Wann folgen Taten auf die weisen Worte? Wenn sich Aggressivität nur beim Ballwegschlagen oder im Ringkampf mit dem Gegenspieler (z.B. Amoroso) zeigt, dann kann bei der internen Kommunikation nicht alles richtig laufen.

Einen letzten Punkt möchte ich zu diesem Thema noch anführen: Mich wurmt es total, dass Spieler, die in ihren Vereinen Persönlichkeiten und Leistungsträger waren, bei uns im „Brei“ untergehen. Wer hat denn in der letzten Saison in Bremen groß aufgetrumpft? Wer prägte denn das Freiburger Spiel als sie noch erstklassig waren? Und was bieten Frings und Kehl jetzt? Kehl hat eine gute erste Halbserie geliefert, verschwindet diese Saison total im Durchschnitt. Frings zeigt gute Ansätze, knüpft aber bei weitem nicht an seine Bremer Leistungen an. Warum stagnieren diese Spieler beim BVB? Ich kann es mir einfach nicht erklären.
Bochum – In der Winterpause schnappten sie sich unseren Oliseh, der ein weiteres Beispiel für eben genanntes Problem ist. Wie zu erwarten schlug er ähnlich wie Bobic bei Hannover ziemlich gut ein, stabilisierte die Defensive und war schnell integriert. Gegen uns ist er nicht sicher dabei, eine Oberschenkelzerrung behindert ihn. Drücken wird er sich sicherlich nicht: „Ich muss niemandem bei Borussia beweisen, dass ich ein guter Fußballer bin. Das habe ich vorher und auch in Bochum schon getan." Sicher fehlt Schindzielorz, der sich das Innenband gerissen hat. Neururer hat noch einige Möglichkeiten offen, wir erwarten folgende Aufstellung:

van Duijnhoven – Colding, Kalla, Fahrenhorst, Reis – Oliseh (Vriesde), Gudjonsson – Freier, Wosz, Buckley – Christiansen

Dortmund – Es fehlen weiterhin Addo und Fernandez. Amoroso hat sich ja „cleverer Weise“ Gelb-Rot abgeholt und steht ebenso nicht zur Verfügung. Angeschlagen sind noch der vergrippte Frings und Sebastian Kehl, dessen Rückkehr nach seinem Bänderanriss wohl noch zu früh kommt. Eventuell erhalten Reina und/oder Ricken mal wieder eine Chance von Beginn an. Möglich wäre diese Aufstellung:

Lehmann –– Evanilson, Metzelder, Wörns, Dede – Ricken, Rosicky, Reuter – Ewerthon, Koller, Reina


Schiedsrichter der Partie ist Jürgen Aust.

Geschrieben von Augi