Geschichte und Zukunft des Westfalenstadions (Teil 1)
Borussia Dortmund gehört heute zu den führenden Klubs in der Bundesliga, und ist sogar Mitglied der G14, einem Zusammenschluss der reichsten Vereine Europas. Die Einnahmen steigen von Jahr zu Jahr, der Klub expandiert, ein neues Trainingszentrum ist in Bau, und neue Märkte werden erschlossen. Aber das Herz von Borussia schlägt auch ohne Kommerz: Die Fans. Deren Heimat ist der oft seit Jahren angestammte Platz auf der Tribüne. Vor allem viele jüngere und neue Fans kennen nur das Westfalenstadion als sportliche Heimat des Vereins, aber Borussias Anfänge liegen nicht hier...
Blicken wir zurück auf die lange Tradition der Borusia und ihre historischen Spielstätten. Gehen wir zurück zu den Wurzeln des Klubs und betrachten die Umstände, warum Borussia direkt vor dem zweiten Weltkrieg umziehen musste und erst 1974 mit dem Westfalenstadion seine jetzige Heimat fand.
Der zweite Teil des Artikels berichtet über die Gründe für die Stadionerweiterungen in den 90-er Jahren und die Pläne für die Zukunft. Schließlich steht die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland vor der Tür.
Am 15.11.1911 nahm Borussia, 1909 am Borsigplatz gegründet, im Nordosten der Stadt den Spielbetrieb auf einem „Weiße Wiese“ genannten, städtischen Platz den Spielbetrieb auf. Dies war Borussias sportliche Heimat bis 1938.
In den nächsten Jahren entwickelte Borussia sich sehr schnell, und der Klub musste den Komfort und die Kapazität des Platzes erhöhen. Durch viele Spenden und die Hilfe von zahlreichen Fans war es dem Verein möglich, den Sportplatz 1924 zu erweitern (Kosten: 50.000 Reichsmark). Die erhöhte Kapazität machte es möglich, mehr Geld aus Zuschauereinnahmen zu erzielen - auch damals schon ein wichtiges Thema. Nach dem Ausbau wurde die „Weiße Weise“ in „Borussia-Sportplatz“ umbenannt.
1938 musste Borussia in das ungeliebte Stadion „Rote Erde“ umziehen. Die Firma Hoesch brauchte die „Weiße Wiese“ für neue Produktionsgebäude. Maßnahmen zur Erhöhung der Waffenproduktion in Folge des zweiten Weltkrieges, die aber nie in die Tat umgesetzt wurden. Die „Rote Erde“, die 1926 gebaut wurde und damals eine Zuschauerkapazität von 35.000 hatte, war für eine lange Zeit das Heimstadion von Borussia. Während des zweiten Weltkriegs wurde es nahezu völlig zerstört aber nach 1945 wieder aufgebaut. Einige herausragende Spiele fanden hier statt. Zum Beispiel die Spiele gegen unsere geliebten Nachbarn aus Gelsenkirchen oder das legendäre 5-0 gegen Benfica Lissabon in der Saison 1963/64. In dieser Zeit machte sich Borussia Dortmund auf den Weg, eine der dominierenden Mannschaften im deutschen Fußball zu werden und dreimal die Meisterschaft, einmal den DFB-Pokal sowie 1966 in Glasgows Hampden Park den Europapokal der Pokalsieger zu gewinnen.
Als Deutschland ausgewählt wurde, die Weltmeisterschaft 1974 zu auszurichten, entschloss die Stadt Dortmund, auch etwas vom Kuchen abzubekommen: Das Westfalenstadion wurde geplant.
Es wurde schnell klar, dass das neue Stadion nicht zuviel kosten durfte, weshalb keine Laufbahnen um das Spielfeld gebaut werden sollten. Nur 4 Tribünen and ein Spielfeld in der Mitte. Andere Stadien, wie das „Parkstadion“ in Gelsenkirchen und das „Olympiastadion“ in München, das für die Sommerspiele 1972 gebaut wurde, kosteten sehr viel, aber die Stadt Dortmund sah sich nicht in der Lage soviel Geld zu investieren. Am Ende lagen die Kosten bei „nur“ 33 Mio. DM (ca. 17 Mio. Euro).
Damals dachten viele Leute, dass das neue Stadion eine Art “Zweite Klasse Lösung” sei und dass Gelsenkirchen und andere Städte besser abgeschnitten haben als Dortmund. Aber die Jahre zeigten, dass Dortmund und die Borussia sehr zufrieden mit dem Neubau waren.
Die Bauarbeiten begannen 1971 und wurden 1974, dem Jahr der WM, abgeschlossen. Das erste Spiel in dem neuen Stadion war ein Freundschaftsspiel gegen die Erzfeinde von S05, das 0:3 verloren wurde.
Dortmund und das Westfalenstadion waren Gastgeber für 4 Spiel im Laufe der WM, dass Deutschland am Ende als strahlenden Sieger im eigenen Land sah.
DatumSpielErgebnisZuschauer
14.06.1974Zaire – Schottland0:2 (0:2)25000
19.06.1974Niederlande – Schweden0:053700
23.06.1974Bulgarien – Niederlande1:4 (0:2)52100
03.07.1974Niederlande – Brasilien2:0 (0:0)52500
Vor allem das letzte Spiel zwischen den Niederlanden und Brasilien war ein Höhepunkt, den niemand so schnell vergessen wird. Selbst heute wird diese Partie noch als eine der ewigen Highlights des Westfalenstadions angesehen.
Dortmund hatte jetzt ein neues Stadion, aber... Borussia spielte 1974 nur in der zweiten Liga! Die Mannschaft stieg 1972 ab und schaffte die Rückkehr erst vier Jahr später, so dass das erste Spiel in der höchsten deutschen Spielklasse, ein 2:1 Sieg gegen den 1.FC Saarbrücken am 21.08.1976 vor 41.000 Zuschauern (Kapazität: ca. 54.000), im bereits zwei Jahre alten Westfalenstadion war.
In den nächsten Jahren wurde das Stadion berühmt. Einerseits wegen seiner Architektur, die für Deutschland einmalig an englische Stadien erinnerte, und andererseits wegen der unglaublichen “Südtribüne”, die zeitweise von Gästeteams und –fans gleichermaßen gefürchtet war. In den späten 80-er Jahren stieg der Zuschauerdurchschnitt von Saison zu Saison. Das Westfalenstadion war als Toparena bekannt, und die Vereinsverantwortlichen waren sehr zufrieden mit dem Status quo. Andere Städte wie Gelsenkirchen und München hatten (und haben teilweise noch) Stadien mit Laufbahnen, so dass ihre Fans weit weg vom Spielfeld saßen. Diese Art von Stadien war in den 70-er Jahren modern. Doch nun würden viele Klubs unzufrieden mit diesen Bauwerken. S05, B*yern München und andere planten neue Arenen.
Borussia musste diesen Weg nicht gehen. Das städtische Westfalenstadion hatte allerdings zu viele Stehplätze (bzw. zu wenige Sitzplätze) für europäische Spiele (ca. 20.000 Sitze und 32.000 Stehplätze), und so wurde 1992 die Nordtribüne in eine permanente Sitzplatztribüne umgebaut. Das reduzierte die Stadionkapazität von 54.000 auf 42.000 auch für Bundesligaspiele. Auch wenn die Ticketeinnahmen durch diese Maßnahme erhöht wurden, waren die Fans nicht glücklich mit dieser Entscheidung. Es gab viel zu wenig Karten für viel zu viele Fans. Zu dieser Zeit war es für Anhänger ohne Dauerkarte kaum möglich an Karten für BVB Spiele zu kommen. Schnell gab es Spekulationen und Gerüchte über einen Ausbau des Stadions. Aber mehr darüber folgt im zweiten Teil des Artikels. Stay tuned!
Hier der originale Artikel von schwatzgelb.com:
History and future of the Westfalenstadion (part 1)
Geschrieben von jonam
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