Que tudo isto, Marcio?
Wieder auswärts verloren. Mit 0:1 setzte es beim VFB Stuttgart eine Niederlage, die den Rückstand auf die Bayern wieder vergrößerte. Zusätzlich hängt einem jetzt auch noch der punktgleiche VFB als zweiter Bayernjäger im Nacken. Unrühmlich auch mal wieder das Auftreten von Marcio Amoroso, bei dem man sich fragen muss: Was soll das?Die Ausgangslage vor dem Spiel: Die Dortmunder konnten gewarnt sein. Der VFB besiegte am letzten Wochenende zu Hause Hertha BSC, die selbst am Samstag Schalke mit 2:4 nach Hause schickten und am ersten Spieltag der Rückrunde den BVB im heimischen Olympiastadion in letzter Minute abservierte. Die Anhänger des BVB wussten also schon vor der Partie, dass dies kein einfaches Spiel sein würde. Trotzdem lehnten sich die meisten bei einer kleinen Umfrage im Forum von schwatzgelb.de optimistisch aus dem Fenster. Trainer Magath stapelte allerdings im Vorfeld des Spieles sehr tief. Auf der letzten Pressekonferenz sprach er davon, dass man sich mit dem BVB „noch nicht messen“ könne. Dortmunds Trainer Sammer zeigte „Respekt“ vor dem Gegner, aber sagte auch: „Wir kommen nach Stuttgart um zu gewinnen.“
Auch nach Stuttgart kamen insgesamt 43000 Zuschauer. Für dieses vom Papier her zu bezeichnende Spitzenspiel hätten es aber auch mehr sein können. Am Sonntagstermin kann es nicht gelegen haben, denn das Stuttgarter UEFA-Cup-Spiel gegen Glasgow am 27.02. einem Donnerstag, ist bereits jetzt schon restlos ausverkauft. Dass ein Sonntagstermin aber keinen Sinn macht, zeigt die Tatsache, dass lediglich knapp 1500 Fans aus Dortmund die Reise ins Schwabenländle antraten. Aber vielleicht schaut ja DFB-Präsident Mayer-Vorfelder doch noch mal für uns von seinem Whiskyglas auf und sorgt dafür, dass die Sonntagstermine begraben werden.
Unsicher im Dortmunder Kader vor dem Spiel war Sebastian Kehl, der im Abschlusstraining umgeknickt war. Er spielte nicht, dafür übernahm Stefan Reuter seinen Platz. Zur Vorsicht nahm Sammer Dedes älteren Bruder Leandro mit auf die Tour.
Die Hausherren drücken von Anfang an sofort aufs Tempo und machten mächtig Druck. Zwar kamen sie in den ersten Minuten nicht gefährlich in den Strafraum, doch ließen sie davor den Ball und den Gegner gefällig laufen. Kurze schnelle Ballkontakte und kluge Seitenwechsel brachten die Dortmunder ein ums andere mal aus der Puste.
Insgesamt wirkte der VFB bissiger und konzentrierter. Auch Torhüter Hildebrandt der ein Laufduell im eigenen Strafraum nach 15 Minuten gegen Amoroso für sich entscheiden konnte. Nach 19 Minuten entlud sich der Druck der Schwaben dann auch folgerichtig mit einem Ball im Tor der Schwatzgelben. Doch Kuranyi, der seinen Fuß in einen Schuss von der Strafraumgrenze bekam, stand zum Glück für die Borussia im Abseits. Der BVB im Vorwärtsgang bis dahin absolute Fehlanzeige. Zu sehr waren sie damit beschäftigt die Gastgeber in Schach zu halten. Koller verlor seine Kopfballduelle, Rosicky die am Boden und die alte Frau Balakow, von der man vorher dachte, sie würde mit ihrem Rollstuhl schwer auf dem Boden zurechtkommen, spielte wie ein junger Gott.
Nach einer halben Stunde versuchte Dortmund das Tempo aus dem Spiel zu nehmen und probierte den Ball lange in den eigenen Reihen zu halten. Doch ständige Fehlpässe ließen diese Planung oftmals scheitern. Immer wieder spitzelte ein Schwabenbein dazwischen und sofort drehten die Gastgeber den Turbo auf. Das einzige was man dem BVB positiv anrechnen konnte, war die Tatsache, dass man nicht in Rückstand geriet, da die Stuttgarter den Dortmunder Strafraum mieden, wie der Teufel das Weihwasser.
So ging man mit einem 0:0 und einem guten Spiel in die Pause, bei dem aber nur die Stuttgarter die Glanzpunkte setzten. Und der BVB? Der erreichte in der 40, Minute seinen sage und schreibe ersten Eckball. Nur bei den Gelben Karten zeigte man sich brasilianisch. Evanilsson (9. Foul), Amoroso (35.) und Ewerthon (41., beide Ballwegschlagen) kassierten eine Verwarnung von Schiedsrichter Fleischer, der mit dieser ersten Hälfte keine Probleme hatte.
Neue Halbzeit, neues Glück. Der BVB kam etwas aufgeräumter aus der Kabine. Anscheinend hatte Matthias Sammer beim Pausentee das ein oder andere richtige Wort gefunden. So hatte man nach genau 50 Minuten die allererste Torchance überhaupt. Amoroso zwirbelte einen flachen Ball in die Spitze auf Ewerthon, der von links den Ball aufs Tor zog, den Hildebrand am langen Pfosten vorbeilenkte. Eine Minute später zuckert Rosicky einen Pass auf die Strafraumgrenze des VFB. Ewerthon startet alleine, umkurvt Hildebrand und schiebt den Ball in Richtung des leeren Tores, doch der zurückgelaufene Meira wirft sich in den Schuss und lenkt ab. Der direkte Gegenzug des Schwabenexpress. Hleb umkurvt im Dortmunder Strafraum vier Mann und bleibt mit seinem Schuss auf den Kasten hängen.
Ein Klassespiel, das jetzt auch ein wenig Emotionaler wird. Gerber stellt sich in einen Abwurf von Lehmann, der drückt ihn weg, worauf Gerber den Boden unter den Füßen verliert wie eine Kuh auf dem Eis. Im Fallen tritt er dabei noch Lehmann in die Hüfte, der ab diesem Zeitpunkt mal wieder der Liebling der Massen ist.
Nach genau einer Stunde zeigt sich mal Marcio Amoroso, dessen Aufsetzer aus sechzehn Metern Keeper Hildebrand zu fassen bekommt. Der BVB hat bis dahin mehr vom Spiel und hätte, wenn man mal die erste Halbzeit wegstreicht ein Tor verdient gehabt.
Es wurde etwas angespannter und erhitzter. Je länger die Partie andauerte, wusste man, wer jetzt das Tor macht, hat das Ding wohl gewonnen. Und prompt passierte es dann auch. Einen langen Freistoß von links weit nach vorne in den Strafraum fiel Soldo auf den Kopf der absolut unbedrängt den Ball unhaltbar für Lehmann ins lange Eck köpft. 77 Minuten gespielt, 1:0 für den VFB.
Sammer reagierte. Hatte er vor dem Treffer im Mittelfeld getauscht (Ricken kam für Rosicky), setzte er nun voll auf Angriff. Reina kam für Reuter. (80.) Nun also der BVB mit vier Spitzen auf dem Platz. In der 84. Minute Billy Reina zum ersten Mal am Ball. Seine Flanke von rechts köpft Koller knapp am Tor vorbei. Zwei Minuten vor Ablauf der offiziellen Spielzeit wechselte dann auch mal Magath. Aber Rotzfrech. Für Balakow nahm er Christian Tiffert aufs Feld. Der spielt bekanntlich weniger in der Abwehr, sondern ist ein waschechter Stürmer.
Ein Dortmunder Stürmer hatte dann aber auch noch mal einen tollen Auftritt. Marcio Amororo. Der zeigt aber nicht etwa was er fußballerisch drauf hat, sondern wo seine absoluten Defizite liegen. Gerber hält den Ball nach einer Spielruhe fest und verzögert damit. Amoroso kommt dazu und bittet um den Ball, allerdings auf seine eigene Art. Er schlägt Gerber einfach zweimal im Gewühl ins Gesicht. Er sieht Gelb-Rot in der 90. Minute, obwohl Rotwürdig. Gerber erhält Gelb fürs Zeitspiel. Stark gefrustet wirft Marcio beim Gang in die Kabine auch noch seine Handschuhe in Richtung des Stuttgarter Publikums.
Das war die letzte Aktion. Der BVB verliert. Nach der ersten Hälfte muss man sagen „nur“ mit 1:0, nach der Pausenleistung heisst es „leider“. Der VFB Stuttgart hat nach der Winterpause einen Riesenlauf. Drei Siege aus drei Spielen und nun punktgleich mit dem BVB. Auch wenn unsere Mannschaft in diesem Artikel recht gut wegkommt, so kann man doch nur bitter enttäuscht auf die Truppe zurückblicken. Und bei Marcio Amoroso fällt einem so langsam nichts mehr ein. er kann Weltklasse sein, aber der Grat zur Kreisklasse und zu einem Termin beim Psychologen kann nicht viel schmaler sein.
Angefressen zeigte sich auch der BVB-Troß als eine Handvoll Kinder bei der Abfahrt des Mannschaftsbusses um ein paar Autogramme baten, sich aber die Türen schlossen und man ohne die Kurzen eines Blickes zu würdigen, das Gaspedal durchtrat und davonbrauste.
Die Stimmen zum Spiel:
Stefan Reuter: Es war ein offener Schlagabtausch. Auf beiden Seiten waren Torchancen da und wir haben versucht selbst Akzente nach vorne zu setzen. Wir haben den Stuttgartern nicht viele Tormöglichkeiten gelassen. Durch Fehler passieren Tore und so bekamen wir ein Tor aus einer Standardsituation. Wir wollten hier gewinnen, haben aber in der Phase als wir am Drücker waren kein Tor gemacht.
Matthias Sammer (super angefressen):Wir haben nicht gewonnen, weil wir ein Tor bekommen und keins gemacht haben. Hätten wir eins gemacht und keins bekommen, dann hätten wir das Spiel gewonnen. Der VFB hatte ein paar Vorteile, aber wir hatten die klareren Torchancen. Man hätte 0:0 spielen müssen, aber wie in Berlin hat uns ein individueller Fehler des Genick gebrochen. Zu Amoroso gebe ich gar keinen Kommentar ab, damit man mir nichts unterstellen kann.
Felix Magath: Wir haben verdient gewonnen und für unsere Verhältnisse ein sehr gutes Spiel gemacht. Das ist ein weiterer Schritt nach vorne.
BVB: Lehmann, Wörns, Metzelder, Dede, Evanilson (88. Herrlich), Reuter (80. Reina), Frings, Rosicky (75. Ricken), Ewerthon, Amoroso, Koller
Tore: 1:0 Soldo (77.)
Gelbe Karten: Evanilson, Amoroso, Ewerthon, Frings
Gelb-Rote Karte: Amoroso (90.)
Zuschauer: 43000
Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer
Geschrieben von Thomas
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