Maulhelden on Tour, nächster Halt Wolfsburg!

 Sie können nicht wirklich viel: Pässe aus nächster Nähe landen beim Gegner, Eckbälle werden in Hüfthöhe in den Strafraum gedroschen oder landen im gegenüberliegenden Seitenaus. Flankenversuche werden nicht unternommen, Kombinationsfußball verkommt zum Fremdwort, 1zu1-Situationen erzeugen bei unseren „Profis“ soviel Panik wie ein Löwenrudel bei der Antilope und seit neuestem verballern sie sogar die Elfer.


Doch in einer Disziplin, da sind unsere Schwatzgelben wohl schon heute Deutscher Meister: Im Reden. Ganz gleich ob pathosgeschwängerte Gelübde für das nächste Spiel, blumige Ausreden für die eigene Nichtleistung oder realitätsverkennende Schönrederei einer spielerischen Offenbarung – diese Mannschaft beherrscht alle Bereiche des verbalen Nonsens.

Beispiele gefällig?

„Unsere Heimserie ist gegen Schalke gerissen, jetzt reißt nächste Woche gegen Wolfsburg auch unsere beschissene Auswärtsserie.“

„Die Mannschaft ist im Moment ziemlich niedergeschlagen und vor allem auch für Euch Fans tut es uns natürlich leid. Wir wissen ja selbst am besten, was eine Niederlage in solch einem Derby bedeutet.“

„Viel tiefer können wir jetzt kaum noch fallen. Wir müssen unser Herz in die Hand nehmen und in Wolfsburg gewinnen.“

„Wir wollen erstmal um den Platz für die Champions League kämpfen, noch ist es nicht endgültig verloren."

„Wir haben gut angefangen. Eine Mannschaft, die angeblich einen spielerischen Offenbarungseid abliefert, ist nicht in der Lage, einen Pass zu spielen wie den von Ewerthon auf Frings.“


Tenor der schwatzgelben Dampfplauderei: Eigentlich haben die Jungs im Derby richtig guten Fußball gekickt und unglücklich verloren. Sicherlich auch eine Sichtweise, wenngleich das Ausmaß des Realitätsverlustes schon erschreckend ist.

Die Fans jedenfalls haben die Schnauze gestrichen voll von derart dreister Schönrederei und allwöchentlich wiederkehrenden Durchhalteparolen, deren geringer Wert spätestens eine Woche später auf dem grünen Rasen dann wieder zur Schau gestellt wird. Aus diesem Grund haben sich „The Unity“ und die „Desperados“ auch an die übrigen Fans gewandt und bitten darum, Samstag in den Streik zu gehen: 15 Minuten lang soll demnach der Gästeblock leer bleiben, das komplette Spiel möglichst ohne Unterstützung der Mannschaft ablaufen.
Wir Fans wollen einfach endlich Taten sehen, anstatt mit immer neuen und immer lächerlicheren Ausreden bombardiert zu werden. Reißt Euch lieber endlich einmal den Allerwertesten auf und versucht einen Angriff mal ohne hohe Bälle auf Jan Koller zu beenden. Und – auch wenn sich das jetzt völlig unrealistisch für Euch anhören mag: Probiert doch mal was Neues diesen Winter und landet einen Auswärtssieg!

Man möge mir den Sarkasmus verzeihen, aber eine andere Herangehensweise an die derzeitige Situation des BVB mag mir nicht so recht gelingen.

Für Samstag jedenfalls spürt man in Dortmund und Umgebung keinerlei Zuversicht. Zu enttäuscht sind die meisten von der Leistung der Mannschaft sowohl im Derby, wie auch fast im gesamten Kalenderjahr 2003: Dieser Mannschaft wird nicht mehr viel zugetraut und das hat sie sich mit ihren Nichtleistungen in Serie auch selbst zuzuschreiben.

Einziger Lichtblick derzeit für Samstag: Mit Dede könnte möglicherweise einer der wenigen beim schwatzgelben Anhang unumstrittenen Spieler in die Mannschaft zurückkehren. Zwar ist der „Außenminister“ nach überstandener Verletzung noch völlig untrainiert, die so sehr herbeigesehnten Attribute Spielkultur und Kampfgeist verkörpert er jedoch wie kaum ein zweiter.
Und als ob die Spielweise der Borussen wie auch das Finanzgerede der vergangenen Wochen nicht deprimiert genug gewesen wären, geht es am kommenden Wochenende ausgerechnet in die Bundesligastadt, die wohl wie kaum eine andere als Synonym für Langeweile, Provinz und Retorte steht. Wolfsburg, das ist Tristesse pur - nicht gerade optimale Voraussetzungen, um sich auf dieses Spiel zu freuen, aber vielleicht wird ja gerade deshalb diesmal alles anders? Angekündigt worden ist die Trendwende von den Spielern ja mittlerweile zur Genüge…

Nominell wird sich am Samstag wohl nicht viel ändern im Vergleich zum Derby: Neben dem möglichen Einsatz von Dede wird für den gesperrten Rosicky voraussichtlich Ricken in die Startelf rücken. Gambino und Co. dagegen müssen wohl erneut von der Bank aus betrachten, obwohl sie gegen das Blaukraut wohl auch nicht schlechter ausgesehen hätten als die Kollers, Kehls oder Ewerthons dieser Welt. Jugendspieler bei Borussia, das muss ein verdammt frustrierendes Dasein sein.

Hoffen wir also für Samstag das Beste. Aber für den Fall einer Niederlage haben unsere Maulhelden in Schwatzgelb sicherlich schon Unmengen an Ausreden parat. Ich hätte da auch noch eine: Mit der langen Nase, mit der die Jungs nach solchen haarsträubenden Statements herumlaufen müssen, kann wohl niemand richtig Fußball spielen.

Geschrieben von Arne