Leicht gemacht: 2:0 gegen Bayer

Endlich - so sollte man meinen, endlich ein Sieg in einem Top-Spiel. Aber Bayer Leverkusen ist nicht mehr das Bayer der vergangenen Tage. Kein Sieg gegen einen Mitfavoriten sondern nur einer gegen ein potentiellen Abstiegskandidaten - so schnell ändern sich die Zeiten.


Eigentlich sind sie ja DIE Lachnummer der Liga. Wer-weiss-wie-oft schon fast Meister gewesen und immer nur Vize geworden, ist Bayer in dieser Saison jedoch vom Komödianten zum Dramatiker mutiert. Der Abstieg droht und die Situation ist für die ehemalige Startruppe alles andere als lustig, dieses Gefühl sollten die Fans und einige Spieler des BVB noch kennen, erinnert die Lage der Schwarzroten doch ein wenig an die der Schwarzgelben vor drei Jahren. "Jetzt oder nie" heißt die Devise - dem BVB nach vielen Jahren mal wieder die Favoritenrolle in der Begegnung gegen die Werkself aufzubürden ist sicher nicht unbegründet.
Selten zuvor sprach die Situation so eindeutig für den BVB wie heute. Der Tabellendritte und amtierende deutsche Meister tritt in Bestbesetzung gegen den stark verletzungsgeschwächten 14. der Liga an. Vom Papier her sollte man meinen, wenn es nicht an diesem kühlen Sonntagnachmittag im Februar 2003 für einen Sieg reicht - wann denn bitte sonst ? Ein Blick auf die Aufstellung sorgt auch zumindest bei den Schwatzgelben wenig Überraschungen, einzig die Tatsache, dass Jörg Heinrich keine Berücksichtigung findet überrascht vor allem die Insider etwas. Marcio Amoroso darf von Beginn an zeigen, dass er genug Motivation mitbringt, den BVB dahin zu schießen, wo er hingehört - in die Championsleage.
Man muss es einfach immer wieder erwähnen - glückliche Spiele beginnen mit der der gewonnenen Seitenwahl, damit sind nach Reuters Losglück wenigstens alle Vorraussetzungen günstig. Verhaltener Beginn, und dann plötzlich in der 4.Minute der Paukenschlag nach einem schnell ausgeführten Freistoß von Rosicky : Ein genauer Pass von Amoroso auf Koller, der lässt geschickt auf Ewerthon weiterlaufen, der mit einem 30m Sprint weder seinem Gegenspieler noch Hansjörg Butt in der 1:1 - Situation keine Chance lässt und für das schnelle 1:0 sorgt - flach und präzise, ein echter Auftakt nach Maß. 6. Min: Foul von Bastürk in vollem Lauf von hinten an Ewerthon und der Übeltäter sieht konsequenterweise sofort die rote Karte. Ab jetzt nur noch mit 10 Mann, die Bedingungen für den BVB werden von Minute zu Minute günstiger. 11.Min. Erste gefährliche Szene für Leverkusen, Schneider setzt einen Freistoß aus 25 m über die Latte. 12. Minute unübersichtliche Szene im Leverkusener Strafraum, Ewerthon kann freistehend an den Ball kommen, lupft ihn aber "elegant" neben das Gehäuse.
14. Minute noch Freistoß Schneider, ähnliche Situation wie in der 11. Minute, wieder drüber - oft sollte man ihn jetzt nicht mehr üben lassen - nachher geht sowas noch rein. In der Folge häufen sich beim BVB einige unverständliche Ballverluste, die die Rheinländer mehr und mehr in Strafraumnähe des BVB kommen lassen. Amoroso versuchts dann halt mal in der 18. Minute auf seine Art und lässt sich nach einem Steilpass torpedoartig in den Strafraum fallen. Aber Schiri Fröhlich erkennt das nicht als strafstoßwürdig an, wohl zurecht. Insgesamt ändert das nichts an der Tendenz, dass das Spiel verflacht. Sicherheitsfußball der Leverkusener und ungenaues Spiel des BVB sorgen für eine niveauarme Phase. Dann wieder plötzlich ernst gemacht - wieder mit einem schnell ausgeführten Freistoß: 26. Min. Rosicky lässt ein weites Zuspiel von Evanilson auf Koller weiterlaufen, der tankt sich an seinen Gegenspielern durch und wurschtelt den Ball irgendwie über die Linie: 2:0 Amoroso versucht noch abzustauben, aber der Treffer wird gerechterweise Koller gutgeschrieben.
36. Minute 3. Versuch für Schneider mit einem Freistoß nachdem Frings sich mit einem etwas rüderen Foul 10 m vor dem eigenen Strafraum die gelbe Karte abholte. In der 38. Minute dann auch Gelb für Evanilson - keiner weiß eigentlich so richtig weshalb, Ojigwe ging zwar zu Boden, aber dann es ging mit Freistoß für Schwatzgelb weiter, Ball gespielt und trotzdem Gelb...? In der 40. Minute beginnt die beste Phase des Spiels, die letzten 5 Minuten bis zur Pause. 41. Minute die schönste Szene: Schneller Gegenzug mit Doppelpass Koller-Evanilson und Koller wieder auf Amoroso, der schießt gut aber Butt rettet zur Ecke. Beim anschließenden Eckball hat Amoroso noch mal die Chance und setzt den Ball knapp neben das Tor. 45. Minute dann Zusammenarbeit zwischen Koller und Ewerthon, noch mal eine hochkarätige Einschußmöglichkeit für den langen Tschechen, aber der findet nach einem Abpraller von Butt 3m vor dem Tor nicht schnell genug die Orientierung zum Ball, der wenige Zentimeter entfernt an ihm vorbeirollt. Dann noch mal Amoroso mit einem tollen Direktschuss, aber Butt hält mit einer Glanzparade diesen Ball, der eigentlich nicht haltbar war.
Damit gehts auch in die Pause und nach dem Wiederanpfiff läuft es weiter wie es aufgehört hatte - einige gute Chancen für den BVB, alle Stürmer dürfen es mal versuchen, schön anzusehen, aber nichts zählbares: Amoroso, Ewerthon, Koller - vor allem Koller 15 von insgesamt 21 Torschüssen - der lange Tscheche ist fast immer dabei, wenns um Torschußversuche geht, er ist der überragende Mann auf dem Platz. Bei den Leverkusenern tut sich in dieser Phase gar nichts deshalb versucht es Toppi ( der Floppi) in 57. Minute mit zwei neuen Leuten. Babic und Bierofka sollen es jetzt richten. In der 62. Minute wechselt auch Sammer das erste mal, es kommt Kehl für Reuter. Zum zweiten in der 70. Minute, Ricken für Ewerthon. Aber alles bleibt kühl, das Spiel des BVB wirkt umständlich. Die Südtribüne versucht nun mehrfach eine La-Ola zu zünden, aber die verflacht regelmäßig in der Mitte der Haupt und Gegentribüne. Pfiffe von der Süd, natürlich nicht für die Spieler sondern für die Spielverderber auf den Sitzplätzen. Das kleine Häufchen Leverkusen-Fans müht sich dagegen tapfer und schafft selbst in dieser ausweglosen Spielsituation die Stimmung im Stadion zeitweise zu bestimmen.
Ab der 75. Minute werden auch die in rot gekleideten Spieler wieder besser und schaffen den ein oder anderen gefährlichen Angriff. In der 82. Minute sieht dann Amoroso noch die gelbe Karte nachdem er sich etwas übereifrig auf der linken Seite durchsetzen wollte. Die Unterbrechung nutzt Toppi zur Einwechslung von Bradaric für Ojigwe. Mit zunehmender Dauer wird das Spiel immer schlechter und man ist froh, dass der BVB schon 2:0 führt. Dann endlich wieder etwas zwischendurch zum warm werden - Lars Ricken ist auf links durch und geht alleine aufs Tor zu, aber leider verkürzt Butt den Winkel und Lars versucht auch noch den kurzen Winkel. Auch der anschließende Eckball bringt nichts. In der 86. Minute darf dann auch Amoroso gehen- für ihn kommt Madouni. Damit endet auch das statistisch Erwähnenswerte, das Spiel plätschert aus und der BVB gewinnt gegen den wohl im Westfalenstadion noch nie so schlechten Bayer 04 Leverkusen.
Fazit: Eine insgesamt durchschnittliche Leistung der BVB-Spieler aus denen nur Koller herausragte reicht den Schwatzgelben gegen die sehr schwachen Leverkusener, einen nie gefährdeten Sieg nach Hause zu bringen.
Vorher leiste ich mir noch einen Blick auf die Trainerstühle. Dem Gestühl von "Toppi" Toppmöller ist eine gewisse Instabilität deutlich anzusehen. Man kann zwar nicht mehr erkennen, wer genau an ihm gesägt hat, aber einige starke Kerben lassen eine äußerst geringe Haltbarkeit vermuten. Fakt ist jedoch, dass er zumindest erst einmal die Pressekonferenz überstanden hat. Ein Sturz des bei uns wenig beliebten Trainers würde sicher nicht auf allzu großes Bedauern treffen, haben wir doch seine äußerst unsportlichen Angriffe auf den BVB und speziell auf Matthias Sammer in der letzten Saison noch nicht so ganz vergessen. Hochmut kommt vor dem Fall, Herr Toppmöller, oder wie sehen sie das ? Gespannte Stimmung dann auch bei Klaus Toppmöller, seine Bemühungen um Sachlichkeit waren offensichtlich, seine Sprüche waren auch nicht annähernd so locker-flockig wie sonst. Er sah das Spiel nach der roten Karte als gelaufen an und sich selbst mit dem 2:0 gut bedient: "Wir konnten froh sein, hier nicht abgeschossen worden zu sein. Nach dem 2:0 wollten wir das 3:0 verhindern - das ist uns gelungen."
Sammer, dann etwas ausführlicher: "Wir wollten früh in Führung gehen, das ist uns gelungen. Leider waren wir in der Mitte des Spielfeldes relativ sorglos, ein Mann wie Schneider kann uns auch mit einem Freistoß mal eben in Schwierigkeiten bringen. Es fehlt uns die Kaltschnäuzigkeit, nach dem 2:0 weiter zu machen. Wir haben, als wir 2:0 geführt haben, den letzten Pass nicht richtig gespielt und uns oft geärgert, was wir insgesamt nicht nötig haben. Wenn wir Pech gehabt hätten, hätten wir nach einem Konter zum 2:1 noch Probleme bekommen. Ich weiß, dass wir von Leistungsvermögen noch nicht am Ende der Fahnenstange sind und für Stuttgart müssen wir noch eine Schippe drauflegen. "

Statistik:

Tore: 4. Min.: Ewerthon 1:0 , 26. Min.: Koller 2:0

So spielte der BVB (in Klammern die Noten)

Lehmann (2), Wörns (3), Metzelder (3), Reuter (3), Frings (4), Dede (2,5), Evanilson (3), Rosicky (2,5), Koller (2), Ewerthon (2,5), Amoroso (3)

Karten:

Frings 35. Gelb, Evanilson 38. Gelb, Amoroso 82. Gelb

Und so die Leverkusener:
Butt, Juan, Zivkowitsch, Ramelow, Bastürk, Franca (57. Bierofka) , Schneider, Balitsch (57. Babic), Ojigwe, Neuville, Placente
Karten:
Bastürk 6. Rot, Ramelow 29. Gelb, Placente 34. Gelb,

Schiedsrichter:
Lutz Michael Fröhlich (3), einige merkwürdige Entscheidungen gabs schon, wirkte aber in den entscheidenden Situationen souverän

Zuschauer: 67.600

Geschrieben von Klopfer