Keine Geschenke von Horst an Hannes. BVB A eine Runde weiter!

So hatte sich Hannes Bongartz seinen 50. Geburtstag sicherlich nicht vorgestellt. Nachdem fast alle Gegner der Borussia Amateure in der Oberliga chancenlos geblieben waren, musste sich auch die eine Klasse höher spielende SG Wattenscheid 09 am Mittwoch Nachmittag in der 2. Runde des Vereinspokals auf Landesebene mit 3:2 (1:1) geschlagen geben.

Zahlreiche Hände musste Wattenscheids Trainer Bongartz vor dem Spiel schütteln. Auch Schwatzgelb.de reihte sich in die Schlange der Gratulanten ein. Bongartz gab an, dass er keine Geschenke erwarte. Nach dem Anpfiff denke keiner mehr an Geburtstag, sondern nur noch an das Spiel. Bongartz aber dachte auch noch an das letzte Wochenende, an dem seine Mannschaft im Ligaspiel in Chemnitz mit 0:5 böse unter die Räder kam. Er erwarte ein anderes auftreten als in Chemnitz. Auffallend bei Bongartz war, dass er vor dem Spiel im adretten Steilmann-Stil bekleidet durch die Gegend lief und Schwätzchen hielt, anstatt sich wie Köppel, im Trainingsanzug, um seine Mannschaft zu kümmern, was er dem Co überließ. Zum Spiel hatte er sich dann zumindest eine Trainingsjacke angezogen, damit man ihn wenigstens äußerlich als Coach erkennen konnte. Vom BVB erhielt er als Geschenk ein schwatzgelbes Trikot mit der Rückennummer 50.

In der Mannschaft der Bochumer Stadtteil-Kicker steht mit Uwe Grauer ein ehemaliger Borusse im Kader, der die Fäden in der Abwehr in der Hand halten sollte.

Horst Köppel hatte schon unter der Woche in der Presse einen Torwartwechsel „angedroht“. Michael Ratajczak wurde von ihm verantwortlich gemacht für die diverse Fehler in der Vergangenheit, wie im letzten Spiel gegen Gütersloh, wo der junge Keeper beide Gegentore beim 5:2 Erfolg auf seine Kappe nehmen musste. Für ihn spielte Alexander Kuschmann, der ja auch eigentlich die Nummer 1 beim BVB auf dem Rücken trägt.

Neben den 572 Zuschauern fanden sich auch Matthias Sammer mit Sohn, Uwe Neuhaus, Marcel Raducanu, Reinhard Saftig und als auswärtiger Beobachter Uwe Fuchs im Stadion Rote Erde ein. Besonders herzlich wurde auch Ibrahim Tanko begrüßt, der zur Zeit ja dem SC Freiburg Freude bereitet.

Eine richtig fette Gelegenheit hatte keine der beiden Mannschaften, bis Conor Casey zeigte, dass er nicht nur in der Liga, sondern auch im Pokal zuschlagen kann. Schon in der 16. Minute verwertete er eine Flanke in den Strafraum mit dem Kopf zur 1:0 Führung. Doch die Freude dauerte nicht lange.

Die Wattenscheider agierten in der ersten Halbzeit eigentlich recht ideenlos. Weite Pässe nach vorne zur Überbrückung des Mittelfeldes, mehr hatten sie nicht zu bieten. Aber die Borussen Abwehr war auf der Hut und so stand Abdul Ijodo mehr als einmal im Abseits, was Bongartz fast an den Rand der Verzweiflung brachte. Eine Minute nach dem Dortmunder Führungstreffer kamen die 09er dann aber doch durch, was für das Schiedsrichtergespann allerdings zum Lehrbeispiel für missglücktes, passives Abseits wurde. Einen weiten Pass nahm ein Wattenscheider in der Mitte auf, der im Moment der Ballabgabe nicht im Abseits stand. Wohl aber an der rechten Aussenlinie sein Mitspieler Altintop, wenn auch passiv. Beide stürmten auf das Tor von Alexander Kuschmann zu und als der BVB-Keeper rausstürzte, passte der Ballführende auf Altintop, der dann seelenruhig in den Kasten einschob. Damit war seine passive Abseitsstellung zum Vorteil geworden und der Vorteil für Wattenscheid zum ärgerlichen 1:1-Ausgleich.

Ohne weitere Treffer, wohl aber mit einigen Chancen bei denen der Abschluss nicht zum Erfolg langte, ging man in die Kabinen.

Nach dem Wechsel war der schon vorher nicht erkennbare Klassenunterschied komplett dahin. Der BVB befand sich fast nur in der Hälfte der Gäste. Kuschmann wurde wenig ins Spiel mit einbezogen. So wurde folgerichtig die Aktionen der Dortmunder Spieler mit schönen Kombinationen und auch Toren belohnt. In der 61. Minute nutze Emanuel Krontiris eine Flanke von Casey mit dem Kopf zum 2:1 Führungstreffer. Drei Minuten später bekamen die Wattenscheider nach einer Ecke des immer gefährlichen Öztürk den Ball nicht aus dem Strafraum und Michael Rothholz erzielte mit einem schönen Schuss von der Strafraumkante das verdiente 3:1 (64.)

Nachdem 3:1 meldeten sich die Wattenscheider Fans zu Wort. Hatten sie sich schon nach der Pause mit Transparenten Luft gemacht, quittierten sie jetzt jeden Fehler ihrer Mannschaft mit höhnischem Applaus und „Ihr macht Euch lächerlich“ - Rufen.

Lächerlich machte sich dann auch Schiedsrichter Scheppe. Erst zeigte er nach einem angeblichen Rempler für die Wattenscheider auf den Strafstoßpunkt und schickte dann den, aufgrund dieser Aktion aufgebrachten Horst Köppel auf die Bank. Genauer gesagt, Mannschaftskapitän Mehnert wurde gebeten, Köppel den Weg auf die Tribüne zu zeigen. Scheppe selbst hatte scheinbar nicht den Mut dazu.

Den gepfiffenen Strafstoss verwandelten die Wattenscheider sicher und mit dem 2:3 Anschlusstreffer (79.)kam noch mal so etwas wie Spannung auf. Aber souverän wickelten die Dortmunder die letzten zehn Minuten ab, ohne wirklich noch mal in Gefahr zu geraten.

Der BVB steht damit also nach guter Leistung in der 3. Runde des Vereinspokals. Die Wattenscheider enttäuschten doch auf weiter Front. In der ersten Halbzeit ideenlos und in der zweiten Halbzeit harmlos, so kann man das Gastspiel der Bochumer beschreiben. Alexander Kuschmann hatte keine Gelegenheit um sich wirklich auszeichnen zu können. So bleibt es hier ein spannender Kampf zwischen ihm und Ratajczak um die Position im Tor beim BVB.

Das nächste Spiel absolvieren die Jungs am kommenden Sonntag in Lippstadt. Anstoss dort ist um 15.00 Uhr.

Die Stimmen des Tages:

Hannes Bongartz (Wattenscheid 09):

Dortmund hat eine sehr gute Mannschaft mit vielen interessanten Spielern. Man wird sich wohl nächstes Jahr wiedersehen und dann um Punkte gegeneinander kämpfen. Meine Mannschaft hat mich heute enttäuscht. Diese Woche wird für einige Leute noch sehr hart werden. Wir werden wohl die Stufen unseres Stadions mal im Laufen erkunden. Vielleicht stehen auch personelle Änderungen bevor.

Horst Köppel (BVB):

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft. Es ist schön, dass wir die nächste Runde erreicht haben, aber wieder muss ich davor warnen, jetzt in der Ligasaison nicht abzuheben. Es ist erst ein drittel gespielt und am Sonntag wartet mit Lippstadt ein schwerer Gegner.

Michael Ratajczak (heute Ersatztorwart beim BVB):

Ich bin enttäuscht, dass ich heute nicht gespielt habe, aber ich respektiere die Entscheidung des Trainers, die er wegen meiner Fehler in der Vergangenheit getroffen hat. Für mich bedeutet das, dass ich mich jetzt noch mehr im Training reinhängen muss, um mich wieder für die erste Mannschaft zu empfehlen.

BVB: Kuschmann, Abel, Thorwart, Sahin, Mehnert, Rothholz (81. Kügler), Casey, Krontiris, Pinske, Achenbach (73. Gambo), Öztürk

Tore: 1:0 Casey (16. Minute), 2:1 Krontiris (61.), 3:1 Rothholz (64. Minute). Endstand 3:2.

Schiedsrichter: Detlef Wempe (Wenden), von beiden Lagern mit Buhrufen verabschiedet

Zuschauer: 572

Tommes, 03.10.01