„Wir werden alles geben!“

Diesen Satz hatte man in der Vergangenheit schon häufiger in Dortmund von Spielern, Trainern oder Mitgliedern des Vorstands vernommen. Doch was eigentlich als Drohung oder auch nur als Hinweis an sämtliche Gegner in Fußballdeutschland gedacht ist, entpuppt sich in (un)schöner Regelmäßigkeit als eigentliche Warnung an die eigene Anhängerschaft. Denn allzu oft folgen gerade derartigen Ankündigungen äußerst mäßige Darbietungen auf dem grünen Rasen.


So auch am Samstag. Den vollmundigen Versprechungen, nun den Kampf gegen die tabellenführenden Bayern aufzuehmen, folgte..... nichts. Die Worte zerplatzten wie Seifenblasen, das Ergebnis der fabelhaften Aufholjagd ist bekannt. So sieht es aus, wenn in Dortmund angekündigt wird, daß man „alle geben und hellwach sein“ will.

Doch dies sind nicht die einzigen Aussagen, die nach dem Spiel bei der Berliner Hertha für Irritationen sorgen. Wie zum Beispiel ist es zu bewerten, daß Marcio Amoroso offenbar fit aus Brasilien zurückkehrt , angeblich gut mittrainiert, in zwei Testspielen Tore erzielt und dann zu Rückrundenbeginn doch wieder nur auf der Bank sitzt? Wie soll man verstehen, daß Sebastian Kehl – laut Sammer ebenfalls wieder fit und mit deutlich ansteigender Formkurve – neben ihm Platz nehmen muß?

Sammers Erfolge und seine Taten für den BVB sind unumstritten und uns könnte wohl kaum etwas besseres zustoßen, als ihn noch für Jahre auf der Trainerbank der Borussia sitzen sehen zu können. Dennoch tut Matthias sich selbst und sämtlichen anderen Beteiligten wohl keinen Gefallen damit, spielstarke Spieler auf die Bank zu setzen, während ein formschwacher Jörg Heinrich schon fast die ganze Saison über von einem Fehlpass in den nächsten Stellungsfehler baselt. Hier sollte ein kluger Trainer wie Sammer allein schon zum Schutz des Spielers diesem mal eine Ruhepause verschaffen, denn eines ist wohl klar: Die notorischen Theaterkritiker auf der West-, Ost- und Südtribüne trainieren schon jetzt wieder ihre Lippen, um beim nächsten Heinrich-Fauxpas voll da zu sein. Und im Gegensatz zur Mannschaft, werden sie wohl wirklich „voll da sein und alles geben“.

Wünschenswert wäre sicherlich, endlich wieder zum System zurückzukehren, daß in der vergangenen (Meister-)Saison zumeist sehr erfolgreich praktiziert wurde: Ein Dreier-Sturm Ewerthon-Koller-Amoroso birgt in sich selbst einfach genug spielerische Klasse, um stets für das ein oder andere Tor gut zu sein. Und ein genialer Spielmacher wie Rosicky benötigt eben einen ebenso genialen Stürmer, der auf seine Ideen eingehen kann. Nicht umsonst haben sich Amoroso und der Tscheche im vergangenen Jahr gegenseitig in den höchsten Tönen gelobt. Nur benötigt ein Spieler wie Amoroso eben das Vertrauen des Trainers und die Möglichkeit, mal wieder ein paar Spiele am Stück über die volle Distanz zu absolvieren.

Vielleicht gäbe es dann auch endlich mal wieder attraktiven und erfrischenden Offensivfußball in Schwatzgelb zu betrachten. Zu wünschen wäre es jedenfalls, denn die bisherige Saison bot zwar relativ erfolgreichen, aber doch leider nur selten ansehnlichen Fußball.

Mein ganz persönlicher Wunsch an die Mannschaft wäre daher dieser: Lasst doch mal Taten sprechen, anstatt ständig verbal im Schaum zu schlagen!!!


Foto: www.ramazza.de

Geschrieben von Arne