Quo vadis, Borussia?
41 Tage mehr oder weniger Fußballlose Tage habe endlich ein Ende, Borussia Dortmund starten mit dem Auswärtsspiel in der Hauptstadt die Rückrunde. In der Winterpause wurde immer wieder betont, dass trotz der 6 Punkte Rückstand die Meisterschaft nicht verloren ist. Das Spiel in Berlin ist also von vielen als richtungsweisend dahin gestellt worden.Die Zeit des Leidens hat wohl die Lust auf Fußball nur erhöht. So machten sich am Samstag in den frühen Morgenstunden rund 4000 BVB Fans auf in Richtung Berling – Die Mannschaft aus der Fußballhauptstadt fuhr in die Hauptstadt der Bundesrepublik, um den Abstand auf die Bayern zu verkürzen oder doch zumindest gleich groß zu halten. Der Druck auf den BVB war relativ hoch, so hörte man von allen Seiten, dass eigentlich nur der BVB noch die Bayern stoppen könne. Die Mannschaft selbst beteuert, dass sie heiß auf den Titel sind. Mathias Sammer selber war mit der Einstellung der Spieler während des Traniglagers in Jerez zufrieden, wünschte sich lediglich ein bisschen mehr positive Verrücktheit á la Kahn.
Genug der Vorreden! Pünktlich um 15:30 fing die Bundesliga wieder an. Mathias Sammer wählte eine doch eher vorsichtige Aufstellung: Mit Koller und Ewerthon standen wie erwartet die zwei erfolgreichsten Torschützen ersten Runde auf dem Platz, doch überraschend entschied sich Sammer auf dem linke Flügel (wie so oft...) für Heinrich statt für Kehl. Auf der rechten Seite sollten Evanilson und Reuter, dessen Vertrag noch einmal für ein Jahr verlängert worden ist für Druck sorgen. Frings sollte Rosicky den Rücken in zentralen Mittelfeld frei halten.
Während der ersten Minuten merkte man beiden Mannschaften die lange Pause deutlich an. Der Ball lief nicht sonderlich gut durch die Reihen, viele Fehlpässe waren die Folge. Der BVB war leicht überlegen – zumindest was den Support anging. Von der auswärtserprobten Dortmunder Fans waren laute Gesänge hörbar, die Berliner hingegen konzentrierten sich mehr auf Pfiffe und Unmutsäußerungen. In der siebten Minute gab es dann die erste Möglichkeit: Rosicky setzt sich schön an der rechten Außenlinie durch und platziert den Ball genau auf den Kopf von Jan Koller. Doch der Dino konnte den Ball leider nicht an Kiraly vorbei ins Tor köpfen.
Der BVB zog sich weitestgehend in die eigene Hälfte zurück und überlies es der Hertha, das Spiel zu machen. Auf dem schlechten, tiefen Rasen im Olympiastadion sicherlich eine kräfteschonende Art, den Gegner weich zu klopfen. Wenn der BVB dann einmal nach vorne kam, war es eigentlich immer der quirlige Rosicky, der sich ein Herz fasste und mit seinen genialen Pässen die Löcher in der Hertha Abwehr aufzeigte. Somit war es auch nur allzu verständlich, dass Rosicky der meist gefoulte Spieler war. In der siebzehnten Minute wurde er nach einem feinen Doppelpass kurz vor der 16-Meter Raum Grenze danieder gestreckt – der Pfiff von Fandel blieb jedoch aus! In der 27.Minute holte sich Hartmann die zweite gelbe Karte für die Berliner ab, nachdem er Reuter im Mittelfeld rüde in die Schienenbeine ging. Ansonsten plätscherte das Spiel so dahin, ohne mich jedoch zu langweilen. Lag es daran, dass ich 41 Tage ohne Fußball auskommen musste oder an dem engagierten Spiel der beiden einsatzfreudigen Mannschaften?
In der 35. Minute gab es dann die erste Chance des Spiels: Ewerthon spielte einen wunderbar öffnenden Pass auf den in den Berliner 16er stürmenden Heinrich, der allerdings mit diesem Zuckerpass nur wenig anfangen konnte und den Ball verstolperte: Leichtes Spiel für Kiraly. Allerdings schien diese Aktion nicht nur für die mitgereisten Dortmunder das Signal zu sein, mehr Dampf zu machen, auch auf dem Rasen wurde es kurzfristig ein wenig interessanter. Nach 45 torlosen Minuten ging man dann in die Pause und hoffte, dass die zweite Hälfte mehr zu bieten hat.
Beide Mannschaften kamen unverändert aus der Kabine und wie auch schon in der ersten Halbzeit konnte man im Dortmunder Block eine Vielzahl von neunen Doppelhalter Motiven erkennen – Mit Sicherheit der Erfolg des DH Workshops der Supporters Dortmund vor zwei Wochen. Das Spiel begann ein wenig flotter, als die erste Halbzeit. So hatte Jens Lehmann in den ersten 5 Minuten der zweiten Halbzeit mehr Ballkontakte, als in der gesamten Hälfte. Allerdings war bei den drei Ballberührungen Lehmanns keine auch nur ansatzweise gefährliche Situation dabei! Es wurde mal wieder deutlich, dass Rosicky enorm wichtig für das Dortmunder Spiel ist: Dieser kam schlechter in Tritt, als in den ersten 45 Minuten und schon konnte man die Dortmunder Vorstöße über die Mittellinie in den ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit an einer Hand abzählen. Die Berliner hingegen wurden deutlich stärker, so verfehlte Marcellinho in der 57.Minute nur knapp den Kasten von Lehmann.
Borussia lies sich fortan immer mehr von den Berlinern in der eigenen Hälfte einschnüren. Und bei den wenigen Situationen, in denen der BVB mal vor das Tor der Hertha kam, wurde der Ball meist auf Koller gespielt, der diesen dann fast immer vertändelte. Insgesamt wurde das Spiel jedoch schneller und somit interessanter, Torchancen blieben jedoch Mangelwaren. Ein Eckenverhältnis von 3:1 nach 65 Minuten spricht Bände! In der 67 Minute verletzte sich Dede, er musste kurzzeitig vom Platz. Zwar kam der Brasilianer nach nur zwei Minuten wieder, aber die Hintermannschaft war noch nicht wieder sortiert. Nur so ist das Chaos zu erklären, was zum 1:0 Rückstand in der 69. Minute führte. Nach mehreren Fehlern der gesamten Hintermannschaft und dem fehlenden Engagement der Offensivabteilung war es ein Leichtes für Dardai den Ball aus 16 Metern flach und für Lehmann unhaltbar ins Tor zu schieben.
Sammer reagierte sofort: Nur eine Minute später brachte er Amoroso für Dede. Wieder einmal sollte der Brasilianer das Spiel zum guten wenden. Doch zu erst wurde das Spiel sehr viel hektischer. Rosicky bewegte sich nach einem unnötigen Foul in der Berliner Hälfe nahe einer gelb-roten Karte. Doch dem Berliner Publikum schien das Spiel nun auf einmal doch zu gefallen. Auch wenn es nicht besser geworden war, sie pfiffen ihre Mannschaft nicht mehr weiter aus sondern verhöhnten die Dortmunder mit Sprüchen wie „Und ihr wollt der Meister sein“. Wenn immer den Dortmundern ein „You are only singing if you are winning“ vorgeworfen wird, sollte man sich gerade dieses Spiel noch einmal genauer ansehen. Die 4000 Dortmunder Fans ließen sich nämlich auch durch das 1:0 kaum unterkriegen.
In der 77. Minute hatte Koller nach tollem Amoroso Pass die Chance zum Ausgleich, der sehr gute Kiraly fischte den Ball jedoch von Kopfe des Dinos herunter. Frings holte sich einen Pferdekuss ab und musste in der 79. Minute ausgewechselt werden. Kehl war kaum auf dem Platz, dann passierte es: Nach einen Foul an Rosicky entschied Fandel zu Recht auf Freistoß, Amoroso trat an, hämmerte den Ball an der Mauer vorbei und der Dino hielt den Kopf hin: Der Ball wurde somit unhaltbar zum 1:1 abgefälscht! Nach siebzig mehr oder weniger trostlosen Minuten entwickelte sich nun endlich ein besseres Spiel!
Die Hertha schien nach dem Ausgleich verwirrt, der BVB war die spielbestimmende Mannschaft der verbleibenden 10 Minuten. Allerdings ohne großartige Wirkung. Im Gegenteil: Die Hertha nutzte in der letzen Spielminute den freiwerdenden Platz: Preetz konnte sich auf der linken Seite durchsetzen, Heinrich setzte nicht energisch genug nach und flankte den Ball die Mitte des Fünfmeterraums, wo Marcellinho einlochbereit stand! War es Dummheit oder Übermotivation, die Hertha diese Räume eröffnete? Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich unbedeutend, vor allem, wenn man nach Bremen schaut: Dort gelang zwar Werder Bremen gegen Bielefeld nur ein 2:2, aber dennoch ist Bremen der neue Bayern Jäger! Und die können morgen ihren Vorsprung vor unsere Borussia noch auf 9 Punkte ausbauen!
Diese Niederlage war absolut unnötig! Durch eine unkonzentrierte Abwehleistung in der Nachspielzeit fing man sich das 2:1! Die Aussichten sind nun sicher nicht rosig. Das Spiel der Borussia wurde den vollmundigen Ankündigungen vor dem Rückrundenstart in kleinster Weise gerecht. Aber: Borussia gilt als schlechte Startmannschaft und schließlich sind es noch 16. Spieltage! Lassen wir uns nicht von dem Geschwätz der Presse verrückt machen, nach 18 Spielen ist noch nichts, aber wirklich gar nichts entschieden! Trotzdem ist die Niederlage in diesem schwachen Spiel äußerst ärgerlich. Die Frage in der Überschrift, wo denn die Borussia dieses Jahr steht, kann also nach diesen Spiel nicht beantwortet werden!
Stevens: Ich bin nicht zufrieden mit der ersten Halbzeit, in der zweiten waren wir die besseren Mannschaft und haben verdient gewonnen.
Sammer (auf die Frage, ob das 2:1 verdient oder nicht war): Uninteressant, völlig uninteressant ob verdient oder nicht! Wenn wir am Schluss ein bisschen abgeklärter wären, hätten wir Hertha abgeschossen, so haben wir der Hertha das unnötige 2:1 ermöglicht. Aber meiner Mannschaft muss klar sein, dass man die Meisterschaft nicht am 18. Spieltag entscheiden wird. Da müssen sie nervenstärker werden.
Statistik
Tore: 1:0 Dardai (69.), 1:1 Koller (79,), 2:1 Marcellinho (90.)
Aufstellung:
Hertha: Kiraly - Hartmann, Simunic, Rehmer, Friedrich - Dardai, Goor, Karwan - Marcellinho Alves, Luizao [71. Preetz]
BVB: Lehmann (3) – Dede (3,5) [71. Amoroso], Metzelder (3,5), Wörns (4), Evanilson (4) – Frings (3,5) [79. Kehl], Heinrich (5), Reuter –(4), Rosicky (3,5) – Ewerthon (4), Koller (3,5)
Schiedsrichter: Fandel (3), Souveräne Leistung, ohne große Fehler, verstand es, dass z.T. hektische Spiel nicht unnötig unruhiger zu gestallten.
Geschrieben von MiHi
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