Play off or not play off?
Juhu, da haben sich unsere dollen Manager wieder was allerfeinstes ausgedacht. Nach einer Umfrage des „kicker Sportmagazin“ hielten es einige doch tatsächlich für eine super Idee, die Saison mit einer Play-Off-Runde zu beenden. „Der Deutsche Meister könnte nach Abschluß der Bundesligaserie in einer Play-Off-Runde der ersten vier der Tabelle ermittelt werden. Das wäre ein absolutes Highlight!“, platzt es dann gleich aus Wolfgang Holzhäuser von Bayer Leverkusen heraus.Der kicker ruht nicht und hat mit seiner Montags-Ausgabe eine Umfrage zu dem Play-Off-Vorschlag angekündigt. Beschäftigen wir uns also mal einigermaßen sachlich mit diesem genialen Vorschlag. Gehen wir davon aus, daß die Bundesliga weiterhin mit 18 Mannschaften spielt, bleibt es also bei 34 Spieltagen. Nach diesen 34 Spieltagen müßten nun noch die „Play Offs“ stattfinden, also mindestens 2 weitere Spiele pro Team (sofern wir nur von einem Spiel je Runde ausgehen). Damit wäre der sowieso schon angespannte Terminplan der Bundesliga noch weiter ausgereizt. Fällt dann mal ein Spiel aus, geht fast nichts mehr. Dazu darf man nicht vergessen, daß die Bundesliga nun schon seit gut 40 Jahren so funktioniert, wie sie funktioniert. In keinem Land Europas gibt es eine Play-Off-Serie am Ende der Saison. Der einzige Grund für diesen Vorschlag ist die weitere Ausbeutung der Zuschauer und Fans für weitere Top-Spiele und herrlich wichtige Entscheidungsspiele.
Wird bei einem Play-Off-Finale überhaupt noch eine komplette Hin- und Rückserie gespielt? In den USA ist es ja durchaus üblich, dass Team A nur einmal pro Saison auf Team B trifft und im kommenden Jahr das Heimrecht wechselt. Wenn die Liga nur noch 17 Spieltage hat, kann man auch noch 15 Playoff-Spiele hinterher schieben. Angenommen es gibt 6 Knallervereine, 6 Mittelmass und 6 graue Mäuse gegen die man jeweils bislang pro Saison einmal zu Hause spielt. Bei einem Play-Off-System würde man jedoch nur noch max. 3 mal gegen irgend einen Vertreter aus den obigen 6er-Gruppen während der Hinserie ein Heimspiel bestreiten - dafür spielen in den Play-Offs die Topteams jedoch nur noch gegen die anderen Topteams. Leverkusen würde also u.U. 3 Heimspiele gegen Bayern haben, aber keines gegen Cottbus. Aus 6 Superspielen werden damit 10 und es gibt nur noch 3 „Gurkenpartien“ pro Jahr. Wer jetzt „super“ schreit, hat vergessen, woher der BVB kam und wo er jetzt wohl stünde, wäre dieser Mist schon vor 20 Jahren eingeführt worden.
Aus dem gleichen Grund fordern nun einige Manager auch die Wiedereinführung der Relegationsspiele. Die sollen natürlich weiteres Geld in die knappen Kassen fließen lassen. Das Christian Hochstätter für Relegationsspiele ist, hat sicherlich auch einen sportlichen Grund, schließlich stehen auch die Möchtegerne aus dem Grenzland im Abstiegsgebiet. Holzhäuser hält eine Relegation zwischen den letzten beiden der ersten und den zwei vorderen Plätze der zweiten Liga für ein klasse Idee. Da ist es dann auf lange Sicht nicht mehr weit zur vollen Relegation aller 3 Plätze und irgendwann vielleicht gar der Abschaffung des Abstiegs. Die Relegation war 1991 abgeschafft worden, als die Bundesliga auf 20 Vereine aufgestockt worden war (für 1 Jahr). Die Abschaffung der Relegation (genau wie die Vereinfachung der Aufstiegsregelung zur zweiten Liga) hatte vor allem den Grund, Klubs Planungssicherheit zu geben. Am Ende der Saison fehlten sonst oft 2 Wochen, bis Auf- oder Abstieg feststanden. Warum also jetzt die Kehrtwende? Um damit den TV-Anstalten mehr Geld aus der Tasche zu locken? Oder soll die Liga auf lange Sicht eine geschlossene Gesellschaft werden?
Wir wissen alle, daß die Kommerzialisierung unseres Sports seit Jahren unaufhaltsam ist und sie sicherlich auch nötig war und ist, um den Sport, den die Massen lieben, zu finanzieren. Leider ist es so, daß in den vergangenen 10 Jahren immer der Wahnsinn um sich griff hatte und auch hierzulande blind das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinaus geworfen wurde. Sei es für abgehalfterte Stars oder scheinbare Transferkracher. Die Liga ist verschuldet und sucht Auswege. Manche scheinen durchaus sinnvoll zu sein, scheitern aber am Veto der Großen und an den Zwängen der europäischen Zasterliga. So wäre eine Aufstockung der Ligen von 38 auf 40 Vereine dank steigender Zuschauereinnahmen vor allem für die kleineren Klubs sehr attraktiv. Diese Einnahmen sind, so stellt auch der kicker fest, derzeit der einzig feste Posten in der Bilanz der Vereine. Sportlich hätte diese Aufstockung zur Folge, daß die kleinen Klubs mehr Konkurrenz bekämen und bessere Möglichkeiten bestünden, in der Liga zu bestehen. 3 feste Ab- und Aufsteiger könnten für immer wieder neue Klubs im Oberhaus sorgen. Diese Aufstockung wird es daher wohl nicht geben, auch wenn es in England und Spanien scheinbar problemlos funktioniert, trotz Championsleague und nationaler Pokalwettbewerbe. Andererseits könnte sie auch die 2. Liga wieder etwas beleben, da in den unteren Ligen noch reichlich Traditionsvereine mit Publikum schlummern und auf den Aufstieg warten. Eine 20er 2. Bundesliga würde da sicherlich helfen.
Was also tun? Werner Hackmann, seines Zeichens Chef der DFL, hat da so ganz eigene Schwachsinnsvorschläge. Er hält es allen Ernstes für eine gute Idee, in der Winterpause von der DFL organisierte Turniere durchzuführen. Wie das funktionieren soll? Ganz „einfach“: die DFL organisiert bspw. ein Turnier in Jerez, an dem dann die Bundesligisten Dortmund, Gelsenkirchen, Bochum und Berlin teilnehmen würden. Abgesehen von den Sicherheitsbedenken durch extra anreisende Fans, würde die Vorbereitung auf die Saison doch empfindlich gestört. Es wäre ja damit zu rechnen, daß mehrere Vereine gleichzeitig am selben Ort wären.
Weitere Vorschläge gefällig? Wie wäre es damit, den Abstieg ganz abzuschaffen und Vereine, denen anderswo die Zuschauer fehlen, einfach in andere Städte zu verschieben, wo die Leute nach hochklassigem Fußball lechzen? Das deutsche Eishockey sollte allen eine Warnung sein, die das für vollkommen abwegig halten. Lizenzen einstmals traditioneller Eishockeystandorte wie Landshut und Rosenheim werden verkauft und in München und Hamburg Retorten-Teams aus dem Boden gestampft. In München war das Projekt der US-amerikanischen Investoren um die Anschutz-Gruppe (Anschutz Entertainment Group) noch gescheitert. Zuwenig Zuschauer und Fans hatte es zum Unternehmen Munich Barons getrieben und das Projekt wurde eingestellt. Doch in Hamburg war nun eine moderne Eishalle gebaut worden, aber kein Team vorhanden. Also kauft sich die Anschutz-Gruppe beim finnischen Hallen-Unternehmer ein und verschiebt die Lizenz für die Liga einfach nach Hamburg. Der Hamburger Verein schimpft sich nun Hamburg Freezers und spielt leider Gottes vor voller Hütte. Erstmals ist es damit einem US-Investor gelungen, das amerikanische Modell auf den schwierigen deutschen Markt zu übertragen.
Phil Anschutz ist es im Übrigen auch, der in der US-MSL (Major Soccer League) die Teams San Jose und Los Angeles besitzt (daneben noch die LA Lakers und im Eishockey die LA Kings). Vor einiger Zeit schloß er mit Bayer 04 Leverkusen einen Deal, mit dem man US-Nationalspieler Landon Donovan in Leverkusen loseiste und in San Jose spielen läßt. Leider sind uns keine weiteren Details dieses Deals bekannt (trotz Recherche). So kann man nur vermuten, daß sich Anschutz langfristig auch im deutschen Fußball engagieren möchte.
Des Weiteren diskutiert die DFL seit letztem Jahr darüber die Ligarechte an einen Sponsor zu verkaufen. In Österreich heißt es ja schon längst "T-Mobile Bundesliga". Warum ist das neue DFL-Logo denn wohl rot-weiß und warum hatte Coke so ein leichtes Spiel, diesen dämlichen Fanwettbewerb durchzuführen? Die amerikanische Brausefirma engagiert sich bislang überall nur im Kleinen. Wenn eine so großes Unternehmen wie Coca Cola im deutschen Markt so wenig in der bedeutendsten Sportart macht, dann nur, weil sie eine "Topmarke" nicht kriegen kann. Warten sie also auf den ganz großen Wurf? Vielleicht heißt es schon bald und plötzlich "Coca-Cola Bundesliga" mit super „Corporate Design“ in Firmenfarben.
Das Hauptproblem bleibt, Anschutz und Coca Cola hin oder her. Die Vereine haben viel zu lange über ihre Verhältnisse gelebt. Und gerade die globale Konkurrenz in Italien, Spanien und England spielte vollkommen verrückt, was Gehälter und Ablösesummen betraf. Ob das nun – nach der TV-Krise in ganz Europa – vorbei sein wird, bleibt abzuwarten. Die Winterpause war auffallend ruhig, was große Transfers anging. In Italien regt sich bei einigen Fan-/Ultra-Gruppen schon seit längerem Widerstand gegen den Wahnsinn und die – aus ihrer Sicht - immer unerträglicher werdende Söldnermentalität der Spieler. „Schuld“ an der Misere sind im Grunde wir Fans, die immer mehr Stars und immer tollere Spieler geradezu forderten. Dazu die Eitelkeit viele Klubbosse, die sich gerne mit abgehalfterten Topstars schmückten.
Wer sich die Zuschauerzahlen bei Zasterliga-Spielen ansieht, kann sich nicht vorstellen, daß ein Unsinn á la Europaliga jemals Zukunft hätte. Aus meiner Sicht wäre eine gerechtere Verteilung im Sinne aller erstrebenswert und die Eindämmung von Millionengehältern wünschenswert. Im Moment ist die knappe Kasse jedenfalls geradezu ein Segen für Deutschlands Talente. Plötzlich spielen sie wieder und niemand spricht mehr davon, daß es in Deutschland keine Leute gäbe, die geradeaus vor den Ball treten könnten (Hallo, Herr Breitner, wo bleiben ihre ausgiebigen Kommentare zur Lage der Nation?). Schade, daß diese Talente beim BVB fast ausnahmslos bei den Amateuren ihr Dasein fristen. Aber das Volk will Stars sehen und noch bekommt es diese Stars.......
Geschrieben von Jens
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