Feucht und schmutzig - 1:0 gewonnen
Bei Nieselregen reichten den BVB-Amateuren starke fünfzehn Minuten zu Beginn und dann ein aufopferungsvoller Kampf mit einer Prise Glück danach: Fertig waren drei wichtige Punkte im Kampf um die Klasse. Besonders wichtig, da im unteren Tabellenbereich fast alle anderen Teams auch gewinnen konnten. Aber drei Punkte sind drei Punkte sind drei Punkte.
Während die BVB-Fans aus dem Block drölf in den oberen Sitzplatzbereich der Süd abwanderten und von dort ihren typischen Amas-Support aufzogen, "glänzten" die Gäste aus Thüringens Landeshauptstadt mit Liedkünsten nach ABBA-Songs oder "Heut ist so ein schöner Tag". Aus Erfurt kamen recht viele mit, weil die Busfahrt so sehr subventioniert war, dass man nur fünf Euro insgesamt zahlen musste. Früher nannte man sowas Begrüßungsgeld. Aber wann spielt man schon mal in einem Bundesligastadion und erlebt so eine professionelle Polizeibegleitung? Der BVB II also mal wieder mit einem gefühlten Auswärtsspiel, aber dort ist man diese Saison ja eh wesentlich unbefangener bei der Sache.
Erfurt auf der Bank mit dem alten Amateur-Haudegen Bastian Pinske, der jedoch nicht zum Einsatz kam bei seinen alten Kameraden. Unsere Borussen mit einer "supa Perfoamenz" (Niki Lauda) in den ersten Minuten. Nachdem Orlishausen zunächst noch einen Kullmann-Kopfball über die Latte lenken konnte (3.), war er anschließend gegen Hilles Flachschuss machtlos. Die Vorarbeit leistete übrigens Tyrala per herrliche Volley-Ablage in den freien Raum. Und auch danach konnte Schwatzgelb durchaus spielerisch überzeugen. Schnell und mit ein, zwei Ballkontakten ging es nach vorne. Martin Pohl aus Erfurt fand das aber nicht gut, war sogar richtig böse, als nach so einer Kombination Kullmann allein auf Orlishausen zu rannte. Halten, Zerren, Foulspiel. Assi Gerach musste das Foul anzeigen, zeigte jedoch auch auf seine Brusttasche. Nur Gelb? Fragwürdige Entscheidung des Gespanns.
Und diese Fehlentscheidung sollte denn auch primär für den folgenden Bruch bis zur Halbzeit verantwortlich sein. Denn die weiteren Chancen dieses Spiels lagen klar auf Erfurter Seite. So musste Höttecke zwar erst in der 22. Minute erstmals ernsthaft gegen Rockenbach da Silva eingreifen, aber danach ging es Schlag auf Schlag. Humbert scheitert an Hötteckes Reflexen (24.), Kammlott verzieht aus acht Metern (32.), Vrzogic rettet auf der Linie gegen Hillebrands Kopfball (38.) und Sobiech klärt zwanzig Zentimeter vor der Linie, nachdem Kammlott schon an Höttecke vorbei war (44.). Unterbrochen wurde diese "schnelle Schlagfolge" (Werner Schneyder) nur von einem Sobiech-Kopfballversuch nach Tyrala-Ecke, den Orlishausen aber per schönen Hechtsprung fangen konnte. So schön kriegt man als Keeper die Bälle sonst nur im Training serviert.
Puh, einmal locker durch die Hose atmen und hoffen, dass die zweite Halbzeit defensiv ansprechender wird. Bis zur 61. Minute war das auch alles sehr gut und man gab den Erfurtern keinen Raum, aber danach dann zwei Minuten Vollgas-Veranstaltung. Erst will Orlishausen Kullmann mit in sein Aufbauspiel integrieren, aber erwischt doch noch so gerade einen eigenen Mann. Im direkten Gegenzug klärt Vrzogic einen Steilpass in die Gefahrenzone gerade noch zur Ecke, nachdem Höttecke kurz ausgerutscht war. Aus dieser wiederum resultiert eine Riesenchance per Flanke, als der gefühlt vier Meter große Höttecke eine unterläuft und drei Erfurter sich so lange per Schnick-Schnack-Schnuck zu einigen versuchen, ehe der Gewinner des ganzen Spiels eher den Ball klärt als gefährlich zu köpfen.
Auch danach Höttecke nicht immer sicher. So klatschte er einen 35m-Freistoß von Rockenbach schön mitten rein ins Gewühl (70.), zum Glück war die Verteidigung mal wieder hellwach und klärte. Nur eine Minute später wunderte man sich erst, warum der Ex-Ahlener nicht aus dem Gehäuse stürmte, jedoch entschied er sich diesmal richtig, sich gegen Kammlott einfach groß zu machen (und das ist er nun einmal!). Gute Parade also. Der BVB jetzt nur noch per Konter gefährlich, die aber meistens blind und eigensinnig (Tyrala!) zu Ende gespielt wurden. Nur nach einer schönen Kombination über Vrzogic und Kullmann die Riesenchance für Oscislawski, der so lange Zeit hatte, dass er sein ganzes Leben vor sich herziehen sah. Orlishausen als Sensenmann mit guter Fußparade zur Ecke.
Die letzte Erfurter Chance dann wieder für den brasilianischen Mittelfeldregisseur Rockenbach, der aus dem Gewühl heraus artistisch den Ball tatsächlich aufs Tor brachte, aber diesmal an Eggert auf der Linie scheiterte. In den letzten Saisonspielen wäre das heutige Spiel wahrscheinlich 1:4 ausgegangen. Piosseks feines Solo kurz vor dem Abpfiff machte Orlishausen wieder glänzend zunichte. Es blieb beim 1:0-Sieg und somit die Hoffnung, auch in der nächsten Saison wieder 3. Liga spielen zu dürfen.
Die nächsten drei Spiele kurz im Überblick: Nach der Länderspielpause geht es in zwei Wochen zum VfL Osnabrück, wo ja die Profis bereits bewiesen haben, wie einfach man dort gewinnen kann... Aber vielleicht sind die Osnabrücker ja diesmal auch rammdösig und denken sich: "Wie sollen wir gegen die Amateure verlieren, wenn wir gegen die Großen doch gewonnen haben?" Naja, wollen wir mal hoffen, dass Julian Koch als Rechtsverteidiger sich keine Rastas machen lässt und Freistöße an der Bremer Brücke schießen will. Anschließend geht es nach Regensburg, die auf dem absteigenden Ast zu sein scheinen, ehe am 6.12. Holstein Kiel kommt. Als Nikolaus verkleidet dabei: Kiels Trainer Christian Wück. Das wird ein Sau-Spaß!
Daten zum Spiel
BVB II (4-2-3-1): Höttecke (3,5) - Koch (3,5), Sobiech (4), Hünemeier (3,5), Vrzogic (3) - Hasanbegovic (3) (68. Oscislawski, - ), Eggert (4,5) - Piossek (3,5), Tyrala (3), Hille (3) (78. Alecsandrov, - ) - Kullmann (4) (82. Ginczek, - )
Erfurt (4-1-2-1-2): Orlishausen - Malura (80. Stenzel), Pohl, Hillebrand, Ströhl - Cinaz - Bölstler (85. Cannizzaro), Humbert (77. Smisek) - Rockenbach da Silva - Kammlott, Semmer
Tor: 1:0 Hille (5., Rechtsschuss, Vorarbeit Tyrala)
SR: Benedum (Mehlingen - Assistenten: Gerach, Amirian), Note 4,5. Gute Vorteilsauslegung, aber sehr pingelig. Hätte Pohl in der 13. Minute wegen Notbremse zwingend Rot geben müssen.
Zuschauer: 2.233
Chancen: 4:8
Ecken: 3:10
Gelbe Karten: Piossek (73., Foulspiel) - Pohl (13., "Notbremse"), Bölstler (35., Foulspiel), Malura (74., Foulspiel), Smisek (87., Foulspiel)
Trainerstimmen zum Spiel
Rainer Hörgl: Wir sind natürlich enttäuscht, nicht mal einen Punkt mitgenommen zu haben. Ich kann der Mannschaft nur den Vorwurf machen, dass wir in den ersten zehn, fünfzehn Minuten gepennt haben. Danach haben wir fast alles richtig gemacht und gut nach vorne gespielt. Leider hatten wir aber auch ein paar Mal das Glück nicht auf unserer Seite, sodass wir mit leeren Händen zurück müssen.
Theo Schneider: Von Beginn an fanden wir gut ins Spiel, weil wir kontrolliert offensiv und mit Ruhe gespielt haben. Dann machten wir auch ein schönes Tor, doch danach war unser Tor wie abgeschnitten. Wir hatten keine Ruhe mehr und wollten zu viel. In der zweiten Hälfte war es dann wieder wesentlich geordneter, auch wenn am Ende besonders die hohen Bälle immer wieder Gefahr erzeugten. Leider haben wir es auch verpasst, aus unseren Konterchancen das 2:0 zu machen. Meiner Defensivabteilung möchte ich ein Kompliment machen und insgesamt war es von der Art und Weise her sicher kein unverdienter Sieg.
Malte, 07.11.2009
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