Der große Schwatzgelb.de - Jahresrückblick 2002 Teil 2: Borussia – wer ging, wer kam?

Ein turbulentes Jahr geht zu Ende. Schwatzgelb.de lässt die Highlights in einer Serie noch einmal Revue passieren. Dieses mal beleuchten wir die personellen Veränderung.


Während dieses Jahres hat sich das Kernstück der Borussia, die Mannschaft, im Vergleich zu den Vorjahren nicht übermäßig verändert. Es wurde punktuell nachgebessert, und einige Spieler wurden abgegeben oder beendeten ihre Karriere.

Im Gegensatz zu 2001, als Borussia mächtig auf dem Transfermarkt mitmischte und Spieler wie Rosicky, Amoroso, Koller und Ewerthon ihren Weg in die Biermetropole fanden, wurde das Geld zusammengehalten. Die Meistermannschaft genoss das Vertrauen der Vereinsspitze.
Mehrere Spieler verließen Borussia im abgelaufenen Jahr. Darunter etwa Jürgen „Fußballgott“ Kohler, der seine Karriere beendete. Miroslav Stevic zog es zu Fenerbahce Istanbul in die Türkei, und Anfang der Saison verließ Fredi Bobic den Verein Richtung Hannover. Kohlers Ausstand wurde mit einem Abschiedsspiel gebührend gefeiert – die Creme de la creme des deutschen Fußballs fand den Weg ins Westfalenstadion und versüßte dem Kokser den Abschied.

Bobic hingegen verließ den Verein eher unfreiwillig. Er spielte in Sammers Überlegungen keine Rolle mehr und wurde von Meier und Zorc wie Sauerbier im In- und Ausland angeboten. Schließlich waren es die Hannoveraner, die ein Erbarmen mit dem slowenisch-deutschen Schwaben hatten und ihn ablösefrei (und wahrscheinlich auch mit einem Gehaltszuschuss durch die Borussia) aufnahmen. Angeblich soll im Falle des Nichtabstiegs eine Prämie von 500.000 € von der Leine in die Westfalenmetropole fließen.
Augenblicklich sucht der Verein noch Abnehmer für Jan Derek Sörensen und Sunday Oliseh. Der Norweger könnte bei Veröffentlichung dieser Zeilen vielleicht schon wieder nach Trondheim unterwegs (Im Winter! Nach Trondheim!) sein. In diese Richtung lautende Aussagen waren zumindest vor einigen Wochen zu vernehmen. Oliseh wird mit dem VfL Bochum in Verbindung gebracht. Wenn es nach Sammer ginge, wären beide Spieler wohl eher heute als morgen transferiert.
In der letzten Winterpause sorgte er für riesigen Pressewirbel: Der „Fall“ Sebastian Kehl.
Nach unsäglich langem Streit mit Bayern München war mit dem Trainingsauftakt der Borussen im Januar definitiv klar, dass Sebastian Kehl von nun an im schwarzgelben Trikot auf Punktejagd gehen sollte. 3,5 Millionen € war dem BVB dieser junge Spieler mit großartigen Veranlagungen wert. In Anbetracht des Umstandes, dass Kehls Vertrag in Freiburg mit der Ende der Saison ausgelaufen wäre, eine doch stattliche Summe.
Kehl konnte in der Rückrunde seinen Teil zum Titelgewinn beisteuern und bereut wohl nicht den Transfer schon eher als geplant vollzogen zu haben. Leider wurde ihm in internationaler Hinsicht ein Eingreifen verwehrt, da er im laufenden Wettbewerb schon mit dem SC Freiburg im Uefa-Cup gespielt hatte. Zu internationalem Ruhm kam er aber dennoch: Während der WM in Südkorea und Japan kam er zwar nicht auf sehr viele Spielminuten, wusste aber zu überzeugen, wenn er auf dem Platz die schwarzrotgoldenen Farben vertrat.
In der neuen Saison fiel er zeitweise etwas in ein Leistungsloch, was sicherlich mit dem verkürzten Urlaub und der anstrengenden letzten Saison zu erklären ist. Insgesamt ein sinnvoller Perspektivtransfer, der dem Team schon jetzt in seinem jungen Alter helfen kann.
Ebenfalls von einigem Hickhack begleitet wurde der Transfer von Torsten Frings. Obwohl Werder Bremen lange Zeit dem BVB drohte, den Spieler nicht vorzeitig wechseln zu lassen, wenn nicht höhere Gebote auf den Tisch kämen, schien eigentlich nie fraglich, dass die Saison 2002/2003 mit Frings im Borussendress beginnen würde.
Borussia Dortmund kam zugute, dass der Nochbremer sich frühzeitig für Sammer und den BVB entschieden hatte – und damit gegen Angebote von Bayern München und Bayer Leverkusen. Die endgültige Transfersumme wurde zwar nicht veröffentlicht, mit 8,5 Mio. € dürfte man aber ganz gut liegen.
In Ostasien setzte Rudi Völler auf Torsten als Stammspieler auf der für ihn ungewohnten und ungeliebten rechten Außenverteidigerposition. Seine Leistungen waren durchschnittlich bis sehr gut, und er erwies sich als mehr als nur ein Notnagel. Entsprechend gut war auch sein Einstand im BVB-Trikot: Gleich im ersten Bundesligaspiel gelang ihm ein Tor gegen Hertha, das anscheinend unvermeidliche Leistungsloch™ verschonte nun leider auch nicht den ehrgeizigen Neudortmunder.
Nach einigen schwächeren Spielen hat der 1976 in Würselen geborene Mittelfeldspieler nun seine wahre Leistungsstärke wiedergewonnen und ist nach kurzer Zeit schon ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft von Matthias Sammer.
Ohne größere Störgeräusche wechselte der „Eisbachtalpanther“ Roman Weidenfeller ablösefrei vom 1.FCK in die Westfalenmetropole. Trotz der starken Konkurrenz in Person von Jens Lehmann wagte er den Schritt. Sei es nun, dass der gelernte Bürokaufmann sich verspekuliert und darauf gehofft hatte, dass die deutsche 1b seinen Vertrag bei Borussia nicht verlängern würde, oder dass er sich zutraut Jens aus dem Tor zu verdrängen, eines ist klar: An Selbstvertrauen mangelt es dem Ersatztorhüter der Borussen nicht. Ebenso unbestritten ist seine Klasse als Tormann und seine glänzende Zukunftsperspektive.
Roman war sich nicht zu schade, auch bei den Amateuren zu spielen, was aber nichts daran ändert, dass er die Nummer „1“ im Profiteam weiter fest im Auge hat.
Die Chancen stehen gut, dass wir spätestens ab 2004 Roman Weidenfeller im Tor der Borussia sehen werden.


Bisher nicht über das Dasein eines Ergänzungsspielers hinausgekommen ist Juan Ramon Fernandez. Der beidfüssige Argentinier wurde für 1,5 Millionen Dollar von Estudiantes de La Plata als Alternative für beide Außenbahnen verpflichtet. Seine Stärken liegen in seiner Schnelligkeit und im Flankenspiel. Defensiv hapert es sicher noch etwas.
In den bisherigen Spielen konnte man erahnen welches Potenzial hinter „Murcielago“, der Fledermaus, steckt. Leider warf in eine Verletzung Mitte der Hinrunde etwas zurück. Zur Rückrunde werden wir bestimmt noch viel Freude an diesem Flügelflitzer haben. Insgesamt ein günstiger Transfer, der dem Trainer einige neue Variationsmöglichkeiten gibt und vielleicht Evanilson Feuer unter Hintern machen soll

Geschrieben von jonam