Der große Schwatzgelb.de - Jahresrückblick 2002 Teil 1: Menschen, Bilder, Emotionen
Was für ein verrücktes Jahr für den BVB, das in der sechsten deutschen Meisterschaft und der Finalteilnahme im Uefa-Cup seine Höhepunkte fand und mit dem 4-0-Sieg in Cottbus einen standesgemäßen ausklang.Im Frühjahr dieses Jahres standen die Zeichen eigentlich schon auf Titelgewinn, als die Schwatzgelben zwar weder in München, noch im Derby gegen unsere Schlacker Freunde siegen konnten aber dennoch an der Spitze der Tabelle standen. Doch dann kam der 24. Spieltag und eine derbe 0-4-Klatsche beim schärfsten Verfolger Bayer Leverkusen.
Im Uefa-Cup hingegen lief alles wunderbar: Zwar waren Spiele wie das 0-0 zuhause gegen Lille oder in Liberec nicht wirklich schön anzuschauen, aber die Mannschaft von Matthias Sammer arbeitete sich zielstrebig von Runde zu Runde. Für das Highlight der Saison sorgte die Mannschaft im Halbfinale: Mit einem sagenhaften 4-0 fegte sie den AC Mailand aus dem Westfalenstadion. Im Rückspiel allerdings zeigten die Italiener ihr wahres Gesicht, und erst kurz vor Schluss sorgte Goldjunge Lars Ricken mit seinem Treffer zum 3-1 endgültig für den Einzug ins Finale von Rotterdam.
Als der BVB am 31. Spieltag mit 0-1 in Lautern verlor, schien der Titel endgültig futsch zu sein. Eine unengagierte Mannschaft verlor verdient und schien sich von den Meisterschaftsträumen verabschiedet zu haben. Es war etwa 19.30 Uhr, als BVB-Manager Meier im ran-Studio bereits die ersten Glückwünsche nach Leverkusen und deren Manager Calmund schickte. Denn wie sollte der BVB einen Fünf-Punkte-Rückstand in drei Spielen noch aufholen? Zumal die Leverkusener noch zwei Heimspielen und ein vermeintlich leichtes Auswärtsspiel in Nürnberg zu bewältigen hatten. Als dann am 32. Spieltag, fünf Minuten vor Schluss, Bayer zuhause mit 1-2 gegen Bremen im Rückstand lag und unsere Jungs nur ein 1-1 gegen Absteiger Köln zu holen schienen, da verabschiedete sich wohl der allerletzte BVB-Fan von der Hoffnung, doch noch die Schale in den Pott zu holen. Doch dann ging Fußballgott Kohler im Kölner Strafraum zu Boden, halb gefoult von Reeb, halb geschubst von Amoroso, und Schiri Fleischer gab zur Freude aller BVB-Fans Elfmeter für Borussia. Amoroso verwandelte eiskalt zum 2-1 für den BVB. Der Rückstand war auf zwei Punkte verkürzt – Hoffnung keimte wieder auf. Am 33. Spieltag musste der BVB nach Hamburg und Bayer nach Nürnberg zu den abstiegsbedrohten Franken. Marek Nikl schoss sensationell das Siegtor für die Cluberer und leistete somit wertvolle Schützenhilfe für den BVB. Die Dortmunder wiederum behielten nach einem turbulenten Spiel mit 4-3 die Oberhand in Hamburg. Somit hatte die Tabellenführung vor dem letzten Spieltag noch einmal gewechselt, der BVB vor Bayer und Bayern, die sich jetzt klammheimlich die Hände rieben und sich auch noch Chancen auf den Titel ausrechneten.
Showdown am letzten Spieltag: Der BVB lag bereits früh gegen Bremen nach einem Stalteri-Tor zurück, während Bayer und Bayern führten. Es drohte das totale Horrorszenario: Platz drei! Selters statt Sekt! Als die meisten der 68.600 Zuschauer an eine Pausenführung der Bremer glaubten, zog Koller unbedrängt aus 18 Metern ab, und die Kugel kullerte an Rost vorbei ins Tor - Ausgleich! Der BVB drängte die komplette zweite Halbzeit auf das 2-1 und vergab zahlreiche Chancen. Bremen indes fuhr immer wieder gefährliche Konter, und Frings vergab die beste Chance des Spiels, als er allein vor Lehmann abzog und die Latte traf. Als um 16.59 Uhr Ewerthon für Heinrich ins Spiel kam, sollte das die Einwechslung des Jahres bedeuten: Nur eine Minute später flankte Dede von der linken Strafraumkante, Koller verpasste in der Mitte, doch am zweiten Pfosten lauerte Ewerthon. Der rutsche in den Ball, traf ihn aus spitzem Winkel mehr schlecht als recht, und die Kugel trudelte gegen den Innenpfosten und kullerte über die Linie – 2-1 für Borussia! Das Westfalenstadion kochte über. Nach 15 Minuten Zittern stand es endlich fest: Deutscher Meister 2002 Borussia Dortmund! Unglaubliche Jubelszenen spielten sich ab, ein Fahnenmeer in schwarzgelb, der Rasen wurde gestürmt, die Mannschaft gefeiert.
Vier Tage später sollte dann der krönende Abschluss folgen: der Gewinn des Uefa-Cups. Die Uefa hatte das Finale schon lange vorher ins schöne Rotterdam vergeben, und das Schicksal wollte es so, dass ausgerechnet die Niederländer auch der Gegner im Endspiel wurden. In Rotterdam wurden die Borussen dann auch mit ausgestreckten Armen und freundlichen Gesten von den sympathischen Feyenoord-Anhängern empfangen. Der BVB verlor unglücklich mit 2-3, erspielte sich durch eine kämpferische Glanzleistung jedoch jede Menge Sympathie bei seinen Fans. Der Knackpunkt war sicherlich der Elfmeter und die dazugehörige rote Karte für Kokser Kohler in seinem allerletzten Auftritt für den BVB: Ricken hatte den Ball zurück auf Kohler gespielt, der das Leder dann unnötig im Strafraum vertendelte, statt es sofort wegzudreschen. Der Rotterdamer Tomasson erkämpfte sich den Ball und versenkte ihn unhaltbar für Lehmann. Dortmund brachte sich durch individuelle Fehler selbst auf die Verliererstraße, was jedoch die Gefahr für die Gesundheit der anwesenden BVB-Fans durch enttäuschte Rotterdamer Hooligans verminderte. Der BVB-Anhang wurde mit während des Spiels mehrfach mit Leuchtraketen beschossen, und es grenzt an ein Wunder, dass keine Panik ausbrach.
Zurück in Dortmund, wurde der Mannschaft am nächsten Tag ein triumphaler Empfang von 200.000 Menschen bereitet. Stundenlang harrten die Fans auf dem Friedensplatz aus, während andere den Triumphzug der Mannschaft neben dem Wagen herlaufend erlebten. Wie auch immer – die Stadt war in schwarz und gelb gehüllt.
Die nachfolgende WM war eigentlich nur für Christoph Metzelder ein Erfolg, alle anderen Borussen kamen nur zu Teileinsätzen oder wurden wie im Fall Lars Ricken gar nicht berücksichtigt. Christian Wörns musste bereits im Vorfeld verletzungsbedingt absagen, und Jörg Heinrich sprang kurzfristig vom WM-Zug ab, weil er an sich selbst eine Formschwäche diagnostizierte. So viel Selbstkritik ist bei Fußballern wahrlich nicht selbstverständlich.
Die Saison 2002/2003 begann eher dürftig mit zwei Unentschieden gegen Berlin und Leverkusen. Doch der BVB blieb bis zum 12. Spieltag ungeschlagen. Bis zum Skandalspiel von München. Dort machten Schiri Weiner und ein ängstlich aufspielender BVB die Hoffnungen auf den ersten Sieg in München seit Anno Tobak zunichte. Die Borussen vergaßen nach dem frühen 1-0 weiter Gas zu geben, versiebten gute Torchancen und halfen dem FC B*yern aus der Krise. Die Sensation des Spiels war aber Jan Koller, der nach Lehmanns Platzverweis 20 Minuten lang im BVB-Tor stand und sich kein Gegentor einfing. Außerdem machte der Tscheche bei einigen Schüssen auf seinen Kasten eine äußerst gute Figur.
In der Champions League lief zunächst alles nach Plan: Borussia wurde Gruppenzweiter hinter Arsenal, wobei am letzten Spieltag in Auxerre mit einer 0-1-Niederlage der Gruppensieg verspielt wurde. Am Jahresende liegt der BVB nun in der Liga auf Platz Zwei, sechs Punkte hinter den Ba*yern. In der Champions League belegen die Dortmunder ebenfalls den zweiten Rang, drei Punkte hinter dem AC Mailand, jedoch zwei Zähler vor Real Madrid.
DFB-Pokal am Rande: In der zweiten Runde war traditionsgemäß Schluss. Diesmal war es Zweitligist SC Freiburg, der die Ehre hatte den großen BVB aus dem Wettbewerb zu werfen.
Fazit: Das Jahr 2002, war eines der erfolgreichsten in der 93-jährigen Vereinsgeschichte des BVB, mit der sechsten deutschen Meisterschaft sowie der Finalteilnahme im Uefa-Cup. Spiele wie das 4-0 gegen den AC Milan oder das 2-1 gegen Arsenal waren sicherlich die Höhepunkte, während das 0-4 von Leverkusen und die Auftritte in Wolfsburg, London und Kaiserlautern wohl eher zu den Tiefpunkten gezählt werden dürfen. Riesenanteil am Erfolg hatten natürlich die Offensivspieler um Spielgestalter Tomas Rosicky und Torschützenkönig Marcio Amoroso. Aber auch die Abwehr um den überragenden Goalie Jens Lehmann und seine Vorderleute Wörns und Metzelder darf nicht vergessen werden. Am Ende der Hinrunde 2002/2003 hat der BVB mit 13 Toren die wenigsten Gegentreffer aller Bundesligisten erhalten. Hoffen wir also auf ein ebenso erfolgreiches Jahr 2003 in denen der BVB um die Vergabe der Titel ein gehöriges Wort mitsprechen kann.
Geschrieben von Sulke
BVB-News
20.05.12
Interview zur Wechselausstellung im Borusseum
19.05.12
Aufstiegsfinale in Wuppertal - der Live Ticker ist dabei
19.05.12
Videos Pokalfinale BVB - Bayern München


