Umdenken, Polizei & DFB
Unsere Zweitvertretung ist wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Nach den eher mäßigen Spielen gegen Leverkusen II und Lotte, gab es nach dem mühsamen Derbysieg am vergangenen Samstag direkt den nächsten Paukenschlag. Im Toppspiel der Regionalliga West schlug man die Zweitvertretung der „Roten Teufel“ verdient mit 2:0. Obwohl hier der Tabellenführer gegen den unmittelbaren Verfolger spielte, fanden letztlich nur knapp 500 Zuschauer den Weg ins Stadion Husterhöhe zu Pirmasens. Die einen wollten halt nicht (FCK-Fans) und wir konnten leider nicht. Für ein Toppspiel in Liga vier daher ein absolutes Armutszeugnis, offenbar aber von den Verantwortlichen beim DFB genau so gewollt. Denn beim Thema Zuschauerzuspruch und Zweitvertretungen, egal ob im Norden, Süden oder Westen, schrillen beim DFB in regelmäßigen Abständen die Alarmglocken. Konnte man mit den Ansetzungen in der Hinrunde noch gut leben, entwickeln sich die Spielansetzungen der letzten und nächsten Spielen zu einer echten Farce – alles andere als Werbung für die vierte Liga halt. Wie schon bei den letzten beiden Auswärtsspielen in Lotte und Kaiserslautern/Pirmasens werden alle weiteren Heim- und Auswärtsspiele parallel zu den Spielen der Profis ausgetragen. Auf die Spiele gegen RWE und Münster trifft dies glücklicher Weise nicht zu, allerdings auch nur weil die Profis dann schon im Urlaub weilen.
Rückblick nach 2007/08
Nur ungerne denkt man an die letzte Saison zurück. Im Kampf um die Qualifikation für Liga drei hatte der BVB II zu Beginn der Rückrunde richtig gute Karten. Nach einem verhaltenen Start fand das Team von Coach Theo Schneider schnell den Weg in die Erfolgspur und überzeugte mit frischem und erfolgreichem Kombinationsfußball. Aus Fansicht gehörten vor allem die Spiele in Babelsberg, Oberhausen, Dresden und Erfurt zu den Highlights. Einsatz bis zur letzten Minute und ein unbändiger Siegeswille der Mannschaft auf dem Rasen kombiniert mit kreativer und farbenfroher Unterstützung auf den Rängen, sorgten für das ein oder andere Überraschungsergebnis in der damaligen Regionalliga Nord. Zu Schulden kommen hatte man sich als Fan bei den Spielen nie etwas. Sowohl von Polizei als auch von den BVB-Offiziellen gab es folglich Lob für die wohl beste Unterstützung einer Zweitvertretung. Trotz dieser unfassbaren Euphorie sollte das Heimspiel gegen Dresden für lange Zeit das vorerst letzte sein. Zwar ergab sich bis zum Ende der Rückrunde noch der Spielbesuch zwei weiterer Heimspiele, der Großteil der (Auswärts)Spiele, wurde jedoch stets kurzfristig auf die Spieltage der Profis terminiert, so dass ein Spielbesuch für viele Fans einfach nicht möglich war. Unvergessen bleibt dabei die Verlegung des Heimspiels gegen Dresden in der Saison 2006/07, als die Amas bereits um 18:30 Uhr im heimischen Stadion antreten mussten, während die Profis in Bielefeld gegen den Abstieg spielten. Den Gästeanhang der SG Dynamo wird die Spielverlegung bestimmt gefreut haben, die Strecke Dresden-Dortmund fährt man auf einem Freitag-Nachmittag ja auch recht fix.
Ausblick auf 2008/09
Nur ein Jahr später ereilt viele BVB-Fans ein trauriges Déjà-Vu-Erlebnis. Denn wie im letzten Jahr werden nun alle Restpartien mit Ausnahme der letzten beiden Spieltage, parallel zu den Profispielen ausgetragen. Nicht wenige Fans fühlen sich daher an der Nase herum geführt. Wieder hagelt es in der Hinrunde Lob von allen Seiten für das Auftreten bei Heim- und Auswärtsspielen und doch ist man plötzlich ein Sicherheitsrisiko? Das hätte ich doch gerne mal etwas näher erläutert. Denn wie auch in den letzten Jahren bescheinigen uns BVB-Fans plötzlich wilde ZIS-Statistiken ein schlechte Auftritte in nah und fern, so dass sich der DFB genötigt fühlte, die Spiele parallel zu den Profispielen und damit fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen. Ich persönlich wüsste jedenfalls kein Spiel wo sich Fans des BVB daneben benommen haben sollen - ganz im Gegenteil. Selbst bei beiden Derbys gegen GE (vor allem das in Wanne) wurde sich von Fanseite vorbildlich verhalten und auch bei der Tour nach Worms, wo selbst Frauen und Minderjährige ohne Grund durch sogenannte Polizisten (BFE) verprügelt wurden, reagierte die Dortmunder Fanszene mehr als besonnen. Alles andere hätte die Situation wohl damals nur noch mehr eskalieren lassen. Nun wird uns BVB-Fans also der schwarze Peter zugeschoben. Dafür dass man mit viel Herzblut und Leidenschaft wann immer es möglich ist seine Zweitvertretung akustisch und optisch unterstützt. Nette Aktionen auf den Rängen wie in Worms und Mainz oder bei den Heimspielen gegen LU-Oggersheim, Verl und GE rücken in den Hintergrund und der DFB will plötzlich mit aller Macht verhindern, dass Fans von Borussia Dortmund mehr Spiele als nur eben nötig ihrer Zweitvertretung sehen können.
Fußball als Breitensport?
Irgendwie sind diese ganzen Terminierungen sowieso schon irre. Da predigt der DFB monatelang etwas von Breitensport und weißt voller Vorfreude auf die ganzen Derbys hin, die aufgrund der drei neu geschaffenen Regionalligen vermehrt an der Tageordnung stehen, verhindert aber im gleichen Zug, dass möglichst viele Fans diese Spiele auch besuchen können. Plötzlich gibt es Sicherheitsbedenken en masse, so dass vermehrt Derbys der Profis und Zweitvertretung parallel ausgetragen werden. Als bestes Beispiel dürfte hier das Derby in der Hinrunde gegen den VfL Bochum dienen. Während sich unsere Profis im Westfalenstadion zu einem mühevollen 1:1 quälten, verlor unsere Zweitvertretung in der Wattenscheider Lohrheide eben gegen jene Zweitvertretung aus Bochum. Einfach nur absurd. Hier regiert nicht mehr der sportliche Gedanke, sondern nur noch die angeblichen „Statistiken“ der Polizei mit ihrem unbegreiflichen Sicherheitswahn. Ob diese Entwicklung im Sinne des (Breiten)Sports ist, mag dahingestellt sein.
Die Sicherheit diktiert den Spielplan
Auf jeden Fall ist diese Entwicklung mehr als bedenklich und muss hinterfragt werden. Fans werden dafür abgestraft, dass sie ihr Team nach Leibeskräften unterstützen wollen, obwohl sie eigentlich genau das Gegenteil erreichen möchten. So darf der FCK II fast ausschließlich auf einem Samstag mit Ergänzungsspielern aus dem Profikader antreten, weil die Profis eben immer nur freitags, sonntags oder montags spielen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil – aber eben nur möglich, weil sich die Lauterer Fanszene
nicht sonderlich für ihre Zweitvertretung interessiert. Bei uns in Dortmund regiert dazu das krasse Gegenteil. Gegen Verl fanden sich 1.500, gegen Leverkusen unter der Woche gut 2.000 und beim Derby gegen GE II dann nochmal das doppelte an Zuschauer in der Roten Erde ein, Gäste waren bei allen Spielen fast nie vertreten. In Anbetracht der Zuschauer-Statistik in der Regionalliga West, können sich diese Zahlen absolut sehen lassen, jedoch wird es wie gesagt damit bald auch schon wieder vorbei sein. Dann werden sich in der altehrwürdigen Roten Erde wie am Wochenende in Pirmasens etwa 500 Zuschauer bei Gegnern wie Bochum II, Worms und Trier einfinden. Tolle Aussichten. Macht bestimmt auch jedem Spieler unheimlich viel Spaß, als Tabellenführer vor leeren Rängen zu spielen. Wie gesagt, Werbung für Liga vier pur.
Verlogenheit der etablierten Vereine
Doch auch das Verhalten der „etablierten“ vereine ist mehr als Verlogen – ob in Liga drei wie auch in Liga vier. Ich möchte nicht bestreiten, dass Spiele gegen Mainz II, Lautern II oder LEV II zuschauermäßig für jeden etablierten Verein mit finanziellen Einbußen verbunden ist. Doch warum wird jeder Zweitvertretung pauschal ein derart schlechtes Image angehängt? Wie man bereits in der letzten Saison gesehen hat, konnte der BVB bei Spielen in Dresden, Hamburg oder Erfurt deutlich mehr Fans mobilisieren als Oberhausen, Ahlen oder Wuppertal. Von der Qualität der Unterstützung mal ganz zu schweigen. Auch in dieser Saison dürften sich Vereine wie Worms, LU-Oggersheim oder Mainz über den
einen oder anderen Euro an zusätzlichen Erlösen aus dem Verkauf von Eintrittskarten sowie Speisen und Getränken gefreut haben. Gerade in Zeiten von immer weiter sinkenden Erlösen für die Vereine könnte ich mir gut vorstellen, dass sich ein Verein wie der BV Cloppenburg beispielweise über etwa 300-400 BVB-Fans nicht beschweren dürfte. Doch ich weiß, ich wiederhole mich, DFB und Polizei haben offensichtlich etwas dagegen. Für Vereine wie Cloppenburg sicherlich sehr schade. Hier wäre es mehr als wünschenswert, wenn sich auch mal die Vereinsoffiziellen der beteiligten Vereine für ihre Fans und letztlich auch für ihre Teams beim DFB und Polizei einsetzen. Denn auch Watzke, Dr. Rauball und Co. wird es bestimmt nicht egal sein, ob unsere Zweitvertretung vor 500 oder 2.500 Zuschauern erfrischenden Fußball zeigt. Ein bisschen mehr Einsatz wäre nicht verkehrt, hat ja mit dem Ende der Heimspiele auf einem Sonntag ja auch ganz gut geklappt.
Verlegungen dürften kein Problem darstellen
Auch etwaige Meinungen, dass Spielverlegungen zu kurzfristig sein könnten, kann man mit dem Beispiel Derby vor zwei Wochen entgegen wirken. Selbst vor zwei Jahren war eine Verlegung des Heimspiels gegen Dresden (!) gut eine Woche vor Anpfiff zu Lasten des BVB II kein großes Problem. Warum sollte dies also jetzt nicht erneut möglich sein? Gerade bei den Heimspielen gegen Bochum, Worms und Trier (unter der Woche) wird es wie schon so oft in dieser Saison eine leeren Gästeblock zu bestaunen geben. Hier wäre der DFB gut beraten, die Spiele wenigstens so zu terminieren, dass zumindest der Heimanhang diese verfolgen kann, damit der aktuelle Tabellenführer seine Spiele auch in einem angemessenen Rahmen austragen kann. Preußen Münster trägt beispielsweise nur drei seiner letzten zehn Spiele auf einem Samstag aus.
Fehlverhalten wird bestraft...
Mit derartigen Verlegungen könnte man auch endlich der Unsitte ein Ende machen, dass Fehlverhalten stets bestraft wird, positivem Fanverhalten allerdings keine Beachtung geschenkt wird. Genau dieses Verhalten ist ja in vielen Bundesligastadien der Republik in Bezug auf Fanmaterial an der Tagesordnung. Man kann sich in manchen Stadien eben noch so gut benehmen und daraus Hoffnung schöpfen, im nächsten Jahr auch mal in dem ein oder anderen Stadien mehr, seine Doppelhalter oder Schwenkfahnen gen Flutlicht schwenken zu dürfen, doch vor allem in Bochum, Gelsenkirchen, Wolfsburg und Leverkusen wird dieses weiterhin Wunschdenken bleiben. Dabei zeigt doch gerade ein Verein in der ersten Bundesliga dass es auch anders geht. Seit Anfang dieser Saison dürfen Gästefans bei uns im Dortmunder Westfalenstadion so ziemlich alles an Tifomaterial mit in den Gästeblock nehmen was ihr Herz begehrt - und das mit vollem Erfolg. Gerade erst am Samstag konnte man eine richtig geile Choreografie der Hamburger Fanszene im Gästeblock bewundern. Auftritte von Köln, München rot, Hannover und Wolfsburg runden diesen Eindruck ab. Dass der BVB hier richtig gehandelt hat zeigt allein die Tatsache, dass es in dieser Saison nur einmal im Gästeblock geraucht hat (es waren die Deppen aus GE) – selbst die Bochumer Fanszene verzichtete zum ersten Mal seit vielen Jahren auf Bengalen und Co. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Bundesligisten dieses Modell in der nächsten Saison übernehmen, mit Köln ist zumindest schon mal ein weiterer Verein mit dazu gekommen.
Und bezüglich der kommenden Amateurheimspiele bleibt einem zumindest noch eine kleine Hoffnung – nämlich der gute Kontakt zum Wettergott. Über einen Platzregen am Samstagmorgen hätten wohl viele Fans partout nichts einzuwenden. ;-)
Tommy, 28.03+1.2009
BVB-News
20.05.12
Interview zur Wechselausstellung im Borusseum
19.05.12
Aufstiegsfinale in Wuppertal - der Live Ticker ist dabei
19.05.12
Videos Pokalfinale BVB - Bayern München


