Löwen? Wieso Löwen???
Gegen eine völlig harmlose Gastmannschaft aus München reichte dem BVB eine recht durchschnittliche Leistung, um drei Punkte einzufahren.
Auf der BVB-Bank hatte das „Who is who“ der Amateure Platz genommen: Ratajczak, Demel, Odonkor, Thorwart, Leandro, Amoroso… Amoroso??? Ja genau, Amroroso! Den Brasilianer hatte – so die Erklärung von Matthias Sammer nach dem Spiel – eine schwere Erkältung mit Atemproblemen übermannt und so war an einen Einsatz über 90 oder auch nur 45 Minuten nicht zu denken. Für ihn stand erstmals nach überstandener Verletzung wieder Billy Reina in der Anfangsformation. Auch ansonsten stand die Mannschaft an diesem Tage voll im Zeichen der – notgedrungenen – Rotation, denn neben den gesperrten Frings und Lehmann musste Sammer auch auf Jörg Heinrich (Pferdekuss), Christoph Metzelder (Muskelfaserriss) und weiterhin Evanilson (Bauchmuskelzerrung) verzichten.
Ähnliches Bild bei 1860, wo Trainer Pacult im Vergleich zum vorigen Wochenende auch mit drei Änderungen in der Startelf (Cerny für Ehlers, Schwarz für Kurz, Weissenberger für Suker) aufzuwarten wusste.
Angeführt wurden beide Teams von Schiedsrichter Herbert Fandel und bereits diese Ansetzung ließ vor dem Hintergrund der letzten Woche nichts Gutes für die Borussia hoffen, doch man sollte sich täuschen, denn sowohl Fandel als auch seine Assistenten Ehing und Pickel (die Schulzeit muss die Hölle für ihn gewesen sein) lieferten eine gute und auffällige Partie ab.
Beim Einlaufen der beiden Mannschaften richteten sich die Blicke dann jedoch plötzlich weg vom Spielfeld und hin auf die Südtribüne, wo gerade der Dortmunder Beitrag zum bundesweiten Aktionstag der Initiative „Pro 15:30 – Kein Kick ohne Fans“ entrollt wurde: IHR SEID ORDNER, KEINE SOLDATEN – WIR SIND FANS, KEINE VERBRECHER stand dort nun in großen Lettern – eine Aussage, der man sich in Anbetracht der Vorkommnisse der noch jungen Saison bei Auswärtsspielen oder bei den Amateuren nur anschließen kann. Vielleicht bewegt es ja die ein oder anderen Ordnungskraft mal zum nachdenken.
Zurück (?) zum Spiel: Borussia begann das Spiel recht druckvoll und es wirkte fast, als hätten sich die Schwatzgelben richtig etwas vorgenommen. So fiel dann auch aus praktisch der ersten richtigen Torchance folgerichtig das 1:0 für den BVB in der fünften Spielminute. Ricken hatte sich auf der rechten Seite durchgesetzt und den Ball – eigentlich recht ungefährlich – flach in den Strafraum hereingegeben, doch 60-Keeper Jentzsch wehrte den Ball unglücklich hoch nach rechts hin ab, von wo aus Ewerthon nur noch ins fast leere Tor der Gäste abzustauben brauchte.
Auch in der Folge waren es fast ausschließlich die Borussen, die das Spiel machten. Nur drei Minuten nach der Führung setzte sich Reina schön über die linke Seite durch, drang in den Strafraum ein und versuchte selbst den Abschluss, doch ein auf der Linie stehender Abwehrkopf der Löwen verhinderte den Start nach Maß aus Sicht der Borussen.
Von den 60ern war bis dato gar nix zu sehen, einzig ein Alibi-Schußversuch von Markus Wiessenberger in der 17. Spielminute, und nach dem die halbe Borussen.Hintermannschaft vorbeigegrätscht war, konnte in den ersten 45 Minuten verbucht werden, ansonsten gehörte die Partie komplett den Borussen, doch sprang leider nur wenig zählbares aus den Aktionen heraus:
So fand in der 37. Spielminute ein Dede-Schußversuch ebenso wenig den Weg ins Tornetz wie vier Minuten später ein Madouni-Kopfball nach Flanke von Ricken.
Kurz vor der Halbzeit hatte dann auch Dino Koller zwei gute Kopfballgelegenheiten, doch weder aus dem Spiel heraus, noch durch die anschließende Ecke gelang es, den Ball im Tor unterzubringen und somit für ein beruhigendes Pausen-Polster zu sorgen.
1:0 ging es also in die Pause und bis dato hatte sich dem Zuschauer ein recht kurzweiliges Spiel und eine recht gute Südtribünen-Stimmung präsentiert.
Was die erste versprach, konnte die zweite Hälfte dann jedoch leider nicht halten und so musste man bis zur 65. Minute warten, um mal wieder so etwas wie eine Torchance registrieren zu können: Rosicky hatte geschossen und Jentzsch den Ball zur Ecke abgewehrt.
Vier Minuten später immerhin so etwas wie echte Torgefahr: Reina leitete eine schöne Kombination über Ricken und Dede ein, doch der anschließende Pass in die Spitze auf Koller war ein wenig zu steil und so kam Jentzsch noch knapp vor dem Tschechen an den Ball.
In der 73. Minute war es dann soweit und Marcio Amoroso kam ins Spiel. Vier (!!!) Minuten später macht sich dann Unmut breit in der Reihe hinter mir. Hatte die Familie eben noch heftigst diskutiert, warum man den Nachmittag nicht gemütlich vor dem Sofa verbracht hatte, so hieß es jetzt: „Wo ist denn Amoroso, von dem hab ich noch gar nichts gesehen.“ Kommentar überflüssig.
Zehn Minuten vor Schluss war es dann Kehl, der die letzten beiden Gelegenheiten der Partie einleitete: Zunächst setze er sich schön über rechts durch, doch in der Mitte standen sich Amoroso und Koller sowohl selbst als auch gegenseitig im Weg und so konnte Jentzsch den Koller-Schuß abwehren. 180 Sekunden später bediente Kehl dann über links Ewerthon in der Spitze, aber der Brasilianer ließ sich in aussichtsreicher Position den Ball wegspitzeln.
Typisch BVB hätte man beinahe dann in der 84. sagen müssen, doch sowohl Schroth und Agostino verpassen es in der ersten richtigen Torchance der Gäste, den Ball im leeren Tor unterzubringen.
In der anschließenden Pressekonferenz äußerten sich beide Trainer sehr unterschiedlich über den Spielverlauf. Während Peter Pacult eine engagierte Leistung gesehen haben wollte und davon sprach, dass man in Dortmund soviel Druck entfacht hätte, wie es sonst kaum ein Gegner im Westfalenstadion vermag, konnte man sich mit Matthias Sammers Sicht der Dinge schon viel eher anfreunden. Dieser hatte eine gute erste Halbzeit ohne Chancen für 1860 gesehen und sprach – zurecht – von einem wohlverdienten Sieg der Borussia. Ungewöhnlich stark hob Sammer außerdem die „Weltklasse-Leistung“ (man mag es kaum glauben, aber das ist tatsächlich ein Zitat von Sammer) von Stefan Reuter hervor, der seines Erachtens überragend gespielt hatte.
Fazit:
Eine sehr durchschnittliche Partie gegen einen sehr durchschnittlichen Gegner, aber anders als in der jüngsten Vergangenheit wurde das Spiel vor heimischer Kulisse endlich mal wieder gewonnen. Von Löwen war an diesem Tage jedoch rein gar nichts zu sehen.
Noten:
Weidenfeller (3) - Wörns (2,5), Madouni (3) - Reuter (2,5), Dede (3), Kehl (3), Ricken (3), Rosicky (4) [92. Thorwart (-)] - Reina (3,5) [73. Amoroso (-)], Ewerthon (3) [90. Leandro], Koller (3)
Geschrieben von Arne
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