Zu „Gast„ bei SV Elko Bremen
Am Samstag ging es für alle interessierten Fans bekanntlich nach Bremen, um den BVB dort zu unterstützen. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen wurde den BVB-Fans dort praktisch alles genehmigt und so wurde eine kleine Choreo geplant und alles mitgenommen, was man mitnehmen konnte.Für Negativ-Stimmung hatten im Vorfeld jedoch die unverschämte Preispolitik von Werder gesorgt. So gab es nur wenige Plätze im Gästebereich für den Spottpreis von 13,- EURO, die nächsten Plätze kosteten bereits 25,- bzw. 33,- EURO. Natürlich ist auch der Bremer Gästeblock inzwischen voll versitzplatzt, dafür fehlt ein ekeliger hoher Zaun, die Sicht ist zumindest besser geworden, als in der Vergangenheit, wo der Block an die Gerade anschloß, nun befindet er sich in der Kurve.
Beim Einlaß war noch alles in Ordnung, die Ordner waren bestimmt, aber freundlich. Die Durchsuchungen waren sehr gründlich. Auf die Frage, warum man heute so penibel sei, bekam ich zur Antwort: „Die Dortmunder Polizei hat uns gewarnt, daß ihr immer viel Pyrotechnik mitnehmt und auch sonst zu beachten seid!„ Aha, da kennt sich jemand aber gut aus im Dortmunder Polizeipräsidium – sofern die Aussage stimmt. Seit mehr als 2 Jahren gab es praktisch keinerlei Einsätze von Pyrotechnik in Dortmunder Blöcken.
Und schon beim Einlaß in den Block wurde ich weniger nett empfangen und im Befehlston zum weitergehen aufgefordert, während ich mich noch orientierte, wo ich denn nun eigentlich hin wollte. Im unteren Bereich des Blockes – an beiden Seiten des Aufgangs – hatte sich die Mehrzahl der bekannten Gesichter versammelt und wollte von unten nach oben die Stimmung anheizen. In meinen Augen wäre der Versuch, oben unterm Dach besser gewesen, aber das nur am Rande.
Die ebenfalls anwesenden Ordner duldeten es nicht, daß man den Aufgang betrat und drohten sogleich mit Rausschmiß aus dem Stadion. Während ich mich unters Dach verzog, um vernünftige Sicht zu haben, kam es unten im Block zu näherem Kontakt mit den Ordnern. Auslöser war, daß ein BVB-Fan wiederholt auf der Treppe stand und er mit Rausschmiß bedroht wurde, wenn er nicht sofort den Aufgang verlasse. Dieser antwortete scherzhaft, ob der Ordner nicht mitsingen wolle, damit die Stimmung besser würde. Das hatte zur Folge, daß sich sofort 2 Ordner den Übeltäter schnappten und ihn nach draußen bringen wollte, was wiederum zur Folge hatte, daß 2 andere BVB-Fans schlichten wollten, um ihren Bekannten im Block zu behalten. Auf Nachfrage, was das denn sollte, wurden diese beiden ebenfalls gepackt und rausgezogen. Als daraufhin ein Großteil der umstehenden BVB-Fans sich dagegen zur Wehr setzte, in dem man die Ordner aufforderte, die Fans loszulassen, eskalierte die Situation. Die Ordner wurden aus dem Block gedrängt und am Eingang kam es dann zu einigen unschönen Szenen. Wie schon in Rostock hatten die Ordner keine Nummern auf ihren schwarzen Uniformen (Schwarze Sheriffs?), legten gleich Mundschutz und Handschuhe an und gingen in „Kampfstellung„, als man mit ihnen diskutieren wollte. Ein BVB-Fan wollte schlichten und nochmals fragen, warum die Jungs jetzt überhaupt aus dem Block gezogen worden seien. Daraufhin wurde er von einem „Oberordner„ zu sich gebeten. Im guten Glauben, ein Gespräch zu bekommen, erwischte es ihn ebenfalls. Auch er flog nun aus dem Stadion. Ist das Gesprächsbereitschaft oder gar Deeskalation? Nach diesem Rausschmiß wurde die Stimmung am Eingang wieder deutlich agressiver und einige Bierbecher flogen in Richtung Ordner. Als sich die Situation langsam beruhigte, weil einige BVB-Fans beruhigend auf die anderen einwirkten, trat plötzlich die Polizei auf den Plan und ließ die Knüppel kreisen. In meinen Augen war der rabiate Einsatz in diesem Moment alles andere als nötig und so wurden unnötigerweise einige BVB-Fans verletzt. Das man dann von anderen Fans, die überhaupt nichts mitbekommen hatten, als Hooligan tituliert wird, ist eher traurig. Wenn man weiß, wer dort unten grundlos aus Block geholt wurde, welche Provokationen von den Ordnern ausgingen, kann man manche Reaktion durchaus verstehen, wenn auch nicht gutheißen. Auch auf solch dümmlichen und unwahren Behauptungen, wie: „Das machen die bei jedem Auswärtsspiel!„ kann ich gerne verzichten. Die Schubserei mit den Ordnern war von diesen zu verantworten, die Eskalation war ihre Schuld, nicht die Schuld der Fans, die sich nicht immer alles gefallen lassen müssen.
Draußen vor dem Block gab mir einer der „Oberordner„ der „Schwarzhemden„ zu verstehen, daß man jeden aus dem Stadion schmeißen könne, dessen Gesicht einem nicht passe! Auf die Bemerkung eines unserer Redakteure, daß solche Maßnahmen seit 1945 eigentlich Geschichte sein sollte, wußte das „Schwarzhemd„ die passende Antwort: Rauswurf aus dem Stadion. Dies wird möglicherweise noch ein gerichtliches Nachspiel haben, denn der Betreffende erwägt derzeit eine Klage wegen Körperverletzung und Vertragsbruch gegen den SV Werder, sowie den betreffenden Ordner.
Einem Fan, der von den Handlungen der Ordner Fotos gemacht hatte, wurde seine Einwegkamera abgenommen und an Ort und Stelle – ohne Entschädigung – zertreten. Leider ist er uns nicht bekannt, es wäre aber schön, wenn Du Dich bei uns melden würdest. Eine Anzeige gegen diesen Ordnungsdienst wäre bitter nötig!
Sind das noch rechtsstaatliche Methoden? Bei allem Verständnis für Ordnung und Sicherheit in den Stadien muß ich mich langsam fragen, ob dafür jegliches Grundrecht mit Füßen getreten werden muß. Warum muß jeder Freizeit-Schläger inzwischen von Ordnungsdiensten eingestellt werden? Warum gibt es im Bremer Gästeblock nur die gefährlichen Schalensitze, statt der sonst üblichen Klappsitze? Wo doch jeder weiß, das in den Gästeblöcken gerne gestanden wird! Wieviele davon sind zu Bruch gegangen, weil Fans auf ihnen standen? Für jeden Mist gibt es in Deutschland wahnsinnige Sicherheitsstandards, nur Ordner bei einem Millionenereignis wie Fußball, kann jeder werden. Manchmal drängt sich sogar der Verdacht auf, daß Schläger besonders gern genommen werden.
Das am Ende das – O-Ton des dort stehenden Ordners und seines Chefs – äußerst schlampig angebrachte Tor in Richtung Innenraum zu Bruch ging, weil einige daran ständig rüttelten (passier in Leverkusen auch jedes mal, ohne das es kaputt geht), ist im Grunde genommen nur das Ende der unrühmlichen Aktionen der Bremer „Schwarzhemden„. Den Frust und die Wut hat das Tor abbekommen, nur gut, daß Borussia dann noch gewonnen hat.
Übrigens haben die „üblen Schläger„ am Ende sogar noch den Block aufgeräumt, wie es mit Werder abgesprochen war und die Papptafeln in Müllsäcken verstaut.
Geschrieben von Jens
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