Alle Jahre wieder: Der Meister blamiert sich im Pokal
Der Deutsche Meister zeigt sich traditionsbewusst und verabschiedet sich vorzeitig aus dem DFB-Pokal. Sang-und klanglos gaben die Borussen ihre Zweitrundenpartie bei Bundesliga-Absteiger SC Freiburg mit 0:3 (0:2) verloren.Der Kampf um den „Pott“, um die „Fahrt nach Berlin“, er ist der Schwarzgelben Sache nicht. Dabei hatte man in Dortmund wieder einmal eindringlich davor gewarnt, den nach Champions-League und Bundesliga in der Zielsetzung des BVB sicher nur drittrangigen Gang ins Dreisamstadion auf die leichte Schulter zu nehmen.“Wir müssen Freiburg wie einen Erstligisten sehen“, so die unmissverständliche Aussage von BVB-Trainer Matthias Sammer. Zumal die Stärken der Breisgauer noch aus der frischen Erinnerung an die Vorsaison bekannt waren. Bis auf zwei Ausnahmen standen alle Spieler in der Freiburger Anfangsformation auch beim Abstieg im Mai dieses Jahres auf dem Platz. Matthias Sammer hatte hingegen der Mehrfachbelastung Tribut gezollt und auf sechs Positionen durchgewechselt. Roman Weidenfeller kam zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz für die Profis, zudem erhielten Jan Koller und Thomas Rosicky eine wohlverdiente Auszeit. Heiko Herrlich ersetzte den langen Tschechen im Sturmzentrum, Lars Ricken sollte im Mittelfeld für die spielerischen Akzente sorgen. Marcio Amoroso erhielt nach seinen jüngsten Eskapaden eine weitere Bewährungschance. Doch was immer sich Matthias Sammer mit dieser Formation augerechnet haben sollte, es ging an diesem Abend gründlich daneben.
Denn die Borussen legten vor 22.500 Zuschauern im ausverkauften Dreisamstadion altbekannte Schwächen an den Tag. Pomadig und selbstverliebt fanden die Gäste nie die richtige Einstellung zur Partie und spielten damit dem SC in die Karten. Der Zweitligist hingegen ließ seinen forschen Tönen vor dem Anpfiff eine passende Antwort folgen. Das schnelle Kombinationsspiel der Mannschaft von Trainer Volker Finke, erinnerte phasenweise schon wieder an beste Freiburger Zeiten. Begünstigt wurde der Sportclub dabei allerdings von einer zögerlichen Dortmunder Abwehr, die den Gastgebern alle Freiräume genehmigte. Der Franzose Abder Ramdane setzte nach sechs Minuten mit einem gefährlichen Kopfball die erste Duftmarke, nur 120 Sekunden später war es dann schon so weit. Bruno Berner, eine Freiburger Neuerwerbung aus der Schweiz, tankte sich auf dem linken Flügel durch, Soumaila Coulibaly, vor neun Monaten an gleicher Stelle Leidtragender des Ausrasters von Jens Lehmann, überwand Weidenfeller mit einem herrlichen Flugkopfball – 1:0 (8.). Spätestens jetzt war wohl jedem der mitgereisten Dortmunder Fans klar: Das wird hier wieder nichts.
Die Borussia versuchte zu antworten, die Angriffsbemühungen versandeten jedoch zumeist in einer gut eingestellten Freiburger Abwehr. Für den ersten Aufreger von Seiten der Dortmunder sorgte Schiedsrichter Wagner einer knappe Viertelstunde. Eine flach in den Rückraum gepasste Amoroso-Ecke versenkte Leonardo Dede im SC-Gehäuse, der Unparteiische versagte dem Treffer jedoch die Annerkennung – Heiko Herrlich stand beim Schuss des Brasilianers im Abseits. Ansonsten aber war es der Tabellendritte des Unterhauses, der das Spielgeschehen beherrschte. Aus dem massiven Abwehrblock heraus konterten die Breisgauer immer wieder brandgefährlich. Der Lohn für das Engangement fünf Minuten vor der Pause. Coulibaly narrte auf der rechten Seite drei Borussen, der Zuckerpass von Andreas Zeyer fand seinen Abnehmer im erst 20jährigen Jan Männer und dieser krönte den tollen Angriff mit dem Tor zum 2:0-Pausenstand. Matthias Sammers Halbzeit-Ansage ließ die Kabinenwände wackeln, eine kräftige Kopfwäsche sollte für die Wende sorgen. Doch wieder wurde der Trainer enttäuscht.
Es wurde nämlich noch schlimmer. Acht Minuten waren im zweiten Durchgang absolviert, als der Sportclub den kollektiven Tiefschlaf der BVB-Abwehr zum dritten Mal bestrafte. Roman Weidenfeller konnte einem schon fast leid tun, derart im Stich gelassen von seinen Vorderleuten vor dem 3:0 durch Andreas Zeyer nach Flanke des überragenden Coulibaly (54.). Bis der BVB erstmals das fabrizieren konnte, was man allgemeinhin als „Chance“ verbuchen würde dauerte es geschlagene 76 Minuten. Doch Herrlichs Kopfball nach einer Hereingabe des wieder einmal nicht überzeugenden Marcio Amoroso rang Freiburgs Schlussmann Richard Golz lediglich ein müdes Lächeln ab. So schaukelte der Zweitligist die Partie ganz locker nach Hause, Feierstimmung durchströmte das Dreisamstadion wie in alten Bundesligazeiten. Für den BVB gilt nach der Blamage nur der Blick nach vorn. Am Samstag wartet der FC Bayern und Matthias Sammer gebietet seine Spielern weiter größte Konzentration. „Wenn wir nicht wach sind treten wir in der Presseaufmerksamkeit in der nächsten Woche an Stelle der Bayern“, warnt der Trainer vor den Folgen der Pokal-Pleite.
Freiburg: Golz, Müller, Berner Konde, Riether, Willi (69. Hermel), Zeyer, Coulibaly (89. Zkitishwili), Kobiaschwili, Ramdane, Männer (81.Bruns).
BVB: Weidenfeller (4), Heinrich (4,5), Wörns (4), Madouni (5), Dede (3,5), Reuter (4), Kehl (4)(69. Frings), Ricken (4,5), Amoroso (4,5), Herrlich (4), Ewerthon (3).
Tore: 1:0 Coulibaly (8.), 2:0 Männer (40.), 3:0 Zeyer (54.)
Geschrieben von Felix
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