Früh gekollert ist leider nur halb gewonnen
BVB-PSV Eindhoven - Matchball für die nächste Championsleage-Runde, ein Spiel, das wie dazu gemacht war, einiges zu klären. Das Motto hieß: Ein Sieg fehlt noch - der BVB sollte zeigen, dass er keine „Pausenkrise“ mehr kennt, die Qualifikation für die nächste Runde sollte locker hervorgezaubert werden und so ganz nebenbei würde den Holländern demonstriert, was Gastfreundschaft und positive Stimmung ist.(Titelfoto: Triass)Um es vorweg zu nehmen, das mit der Gastfreundschaft hat geklappt, die Einhovener Fans wurden nicht nach Rotterdamer Vorbild kriminalisiert und kaserniert, im Gegenteil, sie ging sogar so weit, dass im Pressraum für die holländischen Gäste scheinbar extra deren gewohntes Heineken-Bier ausgeschenkt wurde – aber das war aber auch schon alles, was programmgemäß positiv lief.
Nach misslungener Generalprobe gegen den Provinzklub Arminia Bielefeld hätte der BVB mal wieder einiges gut zu machen gehabt. Allen voran Marcio Amoroso, der seine eigenen Ansprüche gegen die unbequemen Ostwestfalen so ganz und gar nicht erfüllen konnte. Und man hoffte, dass er auf der europäischen Bühne wie gewohnt seine hohen Künste zeigte. Aber trotzdem blieb er zunächst einmal auf der Bank. Trainer Sammer setzte wohl auf seine bisher tadellos nachgewiesenen Joker-Qualitäten.
Insgesamt stellte sich die Aufstellung mit Kehl und Ricken für Amoroso und Frings mal wieder als „frisch rotiert“ dar.
Der Beginn war verhalten, die ersten Minuten war man auf Ballsicherung bedacht.
Lediglich Lars Ricken ging in der 4. Minuten einmal auf der linken Seite bis zur Grundlinie durch und versuchte per Flachpass ungezielt irgendeinen seiner Mitspieler anzuspielen, was ihm aber nicht wirklich gelang.
In der 8. Minute gab es die erste Chance für die Holländer , Rommedahl zog aus 20 Metern halbrechts ab und die bekam dafür die erste Ecke, die aber nichts einbrachte.
Alles in allem drohte also ein undramatischer bis langweiliger Beginn, wenn nicht wie aus heiterem Himmel der BVB in Führung gegangen wäre.
9. Minute Foul an Evanilson an der Strafraumgrenze, die richtige Entfernung für Rosicky. Der schlenzt zielgenau auf Jan Koller und der, ja man glaubt es kaum, macht ein gezieltes Kopfballtor. Maßgeblich war aber nicht die Technik, sondern sein unwiderstehlicher Körpereinsatz und keiner der Abwehrspieler konnte seiner Masse dagegenhalten – eingekollert zum 1:0.
Das Westfalenstadion einschließlich der Südtribüne, die eigentlich noch beim Warmsingen war, versank in einem glücklichen Torjubel. Das roch nach mehr, frühe Tore lassen auf Schützenfeste hoffen.
Doch die Freude hätte sehr schnell wieder verstummen können - 13. Minute: Glanztat von Jens Lehmann, Alleingang von Eindhovens Nr. 9 Mateija Kezman und Jens zeigte seine ganze Klasse in 1:1- Situationen und konnte den frühen Gegentreffer souverän verhindern.
Durchatmen war angesagt, zum ersten Mal wurde klar, dass hier eine effektive Kontermannschaft zu Gast war.
Danach dann aber erst einmal beruhigender Leerlauf. Kehl war in dieser Phase souverän, schaltete gut von Abwehr auf Angriff und Lars Ricken zeigte sich vorne als belebendes Element, ohne allerdings wirklich gefährlich zu wirken.
Dortmund spielte hinten sicher, vorne jedoch ohne echten Biss. Es gab einige halbwegs gefährliche Freistösse auf beiden Seiten, aber vorerst nichts richtig Gefährliches.
Nach einer halben Stunde besann sich der BVB wieder auf sein Offensivspiel und eröffnete seine wohl beste Spielphase.
In der 31. Minute zeigte Koller, dass er nicht nur gut kann. Reuter ging auf Rechtsaußen durch bis zur Grundlinie und flankte maßgenau auf den langen Tschechen, der mal wieder aus 7m Entfernung viele Möglichkeiten gehabt hätte einen „einfachen“ Treffer zu machen, aber nur seinen Gegenspieler anschoss – Grosschance verkollert.
In der 36.Minute eine typische Szene für das Spiel: Evanilson lief die rechte Aussenbahn in gewohnter Manier Richtung PSV-Tor legte zurück auf Rosicky, der in guter Schussposition den Ball direkt nehmen wollte, aber nicht richtig traf. Die Kugel rollte daraufhin weiter in Richtung linke Eckfahne und wurde noch von Dede erlaufen. Unverhoffte Chance, aber der kleine Brasilianer zog überhastet viel zu früh ab und knallte das Leder neben den kurzen Pfosten.
39. Minute wieder Sturmlauf von Evanilson, halbrechts, wieder uneinholbar, diesmal versuchte er es selbst, doch alleine vor dem Torwart gelang es ihm nicht den Ball cool in die Maschen zu hauen, sondern schob um Zentimeter am langen Pfosten vorbei.
In der 44. Minute noch einmal ein böses Foul von Bouma an Rosicky, der sah gelbes Karton und der BVB bekam einen Freistoss aus 35 Metern, den Reuter auf den im Strafraum frei stehenden Ricken befördern konnte, der brauchte aber etwas zu lange für die Ballannahme und die Chance versiegte in der mittlerweile entstandenen numerischen Überlegenheit der PSV-Abwehrspieler.
Alles in Allem war es eine erste Halbzeit, die bis auf den Torerfolg an das Spiel des BVB gegen die Arminia erinnerte. Viele gute Szenen im Mittelfeld und über die Aussen, aber im Abschluss fehlte der letzte Schritt zur 100%- igen Chance.
Aber trotzdem eine klare Überlegenheit der Dortmunder, die zur frühen Spielentscheidung einfach nur ein oder zwei Tore machen mussten. Erfahrungsgemäss rächt sich das Auslassen dieser Möglichkeiten und der Beginn der zweiten Halbzeit sollte diese Erfahrung mal wieder bestätigen.
47. Minute – genau das durfte nicht passieren: Schneller Gegenstoss der Holländer nach halbherzigem Angriff der Dortmunder.
Unbedrängte Kopfballhereingabe von rechts, die gesamte Abwehr schaut tatenlos zu, Volleyschuss von Bruggink – Lehmann musste den Ball zum 1:1 chancenlos durchgehen lassen.
Das war wie ein Schock für die Dortmunder Mannschaft. Das gute Offensivspiel, das kurz vor der Pause noch auf eine gutes Ergebnis hoffen lies, war schlagartig dahin, bis auf einen zu hoch getretenen Freistoss von Rosicky in der 50. Minute, nach Gelb-Foul von Vogel.
Damit war auch erst einmal Schluss mit dem Dortmunder Schwung und der PSV übernahm das Kommando mit einigen sehr guten Szenen.
Ein paar Minuten war einen Angst und Bange um den BVB – der sich allerdings dann doch zwei mal wieder in Szene setzen konnte.
56. Minute Hereingabe von rechts, Evanilson passt auf Koller, fast die gleiche Situation, die den Holländern den Ausgleich bescherte, aber Koller kann nicht volley, sondern hält in aussichtsreichster Position nur den Fuß hin, was den Ball nicht überzeugen konnte die Richtung maßgeblich zu ändern – ins Aus gekollert.
Gleich darauf die nächste Grosschance für die Schwatzgelben. Kehl setzt sich im Strafraum der Flachländer durch, verlängert mit dem Hinterkopf auf Ricken, der an Torwart Waterrus scheitert.
Das war’s aber erst einmal, denn in der Folgezeit brach das Spiel der Schwatzgelben völlig ein. Vorne ging lange Zeit nichts mehr, im Mittelfeld wurden reihenweise leichte Bälle verspielt und die Abwehr um Wörns liess einige hochkarätige Chancen der Rot-Weissen zu. Glücklicherweise zeigten auch sie, dass man nicht unbedingt jede gute Chance verwerten kann.
Dann war es mal wieder an der Zeit: 71. Minute, Amoroso, der Künstler betrat das Spielfeld, Lars Ricken machte für ihn Platz und von der Südtribüne schallte es: „Jetzt geht’s los !“
In der 73. Minute gleich eine erste Kostprobe seines Spezialitätenkabinetts.
Rosickys schöner Pass auf Amoroso und der hatte im Strafraum die Wahl zwischen Kunstschuss und Rasenlandung, er entschloß sich, diese Situation in einen Strafstoss umzumünzen.
Aber leider machte der Schiedsrichter da nicht mit und ließ – wohl zu Recht – weiterspielen.
Immerhin wurde das Offensivspiel danach wieder lebendiger. Ewerthon versuchte in der 75 . Minute einen Distanzschuss, der knapp über’s linke Toreck ging.
77. Minute Frings kommt für Reuter.
81. Minute einer der schönsten Angriffe des Spiels. Ewerthon von links auf Amoroso, der sieht Frings in guter Position. Der Ex-Bremer nimmt den Ball an, verzögert geschickt und kommt zu einem platzierten Schuss aus halbrechter Position von der Strafraumgrenze. Leider war der Eindhovener Torwart reaktionsschnell auf dem Posten und kann den Ball drüber lenken.
Auch die Holländer spielten in dieser Phase sehr offensiv mit und hatten einige ganz hervorragende Torchancen. Jens Lehmann konnte in dieser Phase seine ganze Klasse beweisen und war klar der beste Spieler des BVB.
88. Minute hätte es dann noch einmal bringen können. Amoroso setzte sich im Strafraum gut durch spielte in bewährter Manier seine Gegner aus und versuchte einen Schuss auf’s Tor, den Koller wohl als Flanke für sich ansah, aber mal wieder aus ganz kurzer Distanz nicht wusste wie man eine Kopfball technisch korrekt ausführt, Kopf unter den Ball und Ball über das Tor – drübergekollert.
Die letzte Chance hatte dann noch Frings in der Nachspielzeit – aber auch die brachte nichts außer einen unplatzierten Schuss neben das Tor.
Fazit in Zeugnisjargon: Der BVB war stets bemüht...
Die Zuschauer waren es auch, die BVB-Fans hatten aber stimmungsmäßig einen schweren Stand, da das Spiel zum Ende hin immer schlechter wurde.
Die holländischen Gäste waren generell sehr kleinlaut wussten sich mal gerade direkt nach dem Ausgleichstor akustisch in Szene zu setzen. Ansonsten kam von ihnen weniger als nichts, nämlich gar nichts.
Hiddink (auf Deutsch)
Am Ende habe ich Pro- u. Contra-Gefühle.
In der ersten Halbzeit war Dortmund besser, hat 2-3 grosse Chancen gehabt, mit vielen Vorteilen in den Zweikämpfen.
In der zweiten Halbzeit konnte ich ein wenig durchatmen, wir haben mehr Druck gemacht, und ein sehr schönes Tor, das auch in der Vorbereitung gut war.
Leider uns fehlte die Schärfe auf den letzten 10-12 Metern. Im Grossen und Ganzen bleibt ein gemischtes Gefühl, denn auch Dortmund hatte noch 1-2 große Chancen.
Sammer (zeigte sich ungewohnt angriffslustig)
Wir haben in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel gemacht.
Von der Psychologie her war Eindhoven im Vorteil, weil sie nur gewinnen konnten. Ein Tor schießen oder kassieren, das war für sie eigentlich egal.
Für uns war die Situation anders, wir können nicht in der 89. Minute mit 4 Mann auf einer Linie spielen, dann kommt ein Gegenangriff und was erzählen wir uns hier, wenn wir kurz vor Schluss ein Tor kassieren ?
Ein Spiel gewinnen und alles ist klar, das geht sowieso nicht, wir müssen uns alles erarbeiten und daran anknüpfen. Die Situation ist insgesamt nicht ungefährlich, in der Championsleage und in der Meisterschaft.
Tore:
1:0 10.Minute, Jan Koller - Kopfball auf Freistossvorlage von Rosicky
1:1 47. Minute, Arnold Bruggink, Volleyschuss nach Kopfballvorlage von Rommedahl
Und so spielten sie:
Borussia Dortmund (mit Noten):
Lehmann (1,5), Wörns (3), Madouni (3), Reuter (3) (77. Frings), Evanilson (3,5), Dede (3), Ricken (4) ( 71. Amoroso), Kehl (3), Rosicky (2,5), Koller (3), Ewerthon (4)
PSV Eindhoven (natürlich ohne Noten):
Waterreus, Ooijer, Faber, Heintze, Van Bommel, Kezman (84. Vennegor of Hesselink), Bruggink (78. Ramzi), Vogel, Rommedahl, Bouma, Bogelund
Gelbe Karten:
BVB: Dede 59., Wörns 78.
PSV: Van Bommel 22., Ooijer, 44., Vogel 48.
Schiedsrichter:
Cardoso Cortez Batista, Portugal.
Er lieferte eine ordentliche Partie ab, allerdings auch ohne grosse Aufgaben im einem insgesamt fairen Spiel, deshalb eine glatte 2.
Geschrieben von Klopfer
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