Trostloses Gekicke unterm Dach
Halbleere Ränge und wenig Stimmung waren beim ersten "Derby-Fieber 2009 Cup" in der Dortmunder Westfalenhalle angesagt. Während auf dem Spielfeld besonders die nahezu in Bestbesetzung angetretenen Leverkusener und Gladbacher glänzen konnten, überzeugten stimmungsmäßig die Fans des Viertligisten Preußen Münster am meisten. Borussia Dortmund enttäuschte letztlich in beiden Wertungen und wurde nach einem 0:6 gegen den VfL Bochum im kleinen Finale Vierter.
Auf Naturrasen, wegen dem zum Beispiel Leverkusen Stars wie Friedrich, Kießling, Barnetta, Rolfes oder Castro guten Gewissens nach Dortmund schicken konnte, spielten in der Gruppe A/Rheinland Köln, Gladbach und Leverkusen, wobei nur die Grenzländer Fans mitgebracht haben. Bei den anderen beiden Teams waren nur vereinzelte Blindgänger auf den Tribünen zu sehen. In der Gruppe B/Westfalen waren Preußen Münster, Bochum und unser BVB. Zwar waren die spärtlich besetzten Ränge überwiegend schwarz und gelb, doch kam die meiste Stimmung während des Turniers aus dem Block der Münsterländer. Es war eben mehr ein Turnier für die ganze Familie. Während es bei Toren für den BVB in der Halle richtig laut wurde, schlug bei schlechten Leistungen auf dem Spielfeld sie Stimmung in das um, was man gemeinhin "Beerdigungsstimmung" nennt. Es war teils so leise, dass man die Spieler sich unterhalten hörte.
Während Leverkusen und Gladbach mit richtig guten Kickern aufwarten konnte, kam Köln ohne Daum mit einer besseren B-Elf. Der FC-Trainer zog es vor, in einem ganz normalen Vorgang mit Manager Meier auf der Tribüne Platz zu nehmen. Auch Gladbachs Trainer Meyer hatte nicht wirklich Lust und überließ die Arbeit seinem Trainerteam. Bochum und Münster mit ihren besten Männern und auch unser BVB kam mit einem ansehnlichen Kader in die Halle einmarschiert. Ihm gehörten an: Die beiden Keeper Ziegler und Kruse, Subotic, Rukavina, Hummels, Schmelzer, Kringe, die Stürmer Frei und Zidan sowie das "Türkentrio" Sahin, Öztekin und der jungen Tolgay Arslan aus der A-Jugend.
Geringer Zuschauerzuspruch
Es lag also nicht an Vereinen, dass so wenige Zuschauer in der Halle waren. Mehr Stars auf einen Haufen, die dieses "Familientreffen" richtig genossen haben und sich quer durch alle Mannschaften im Spielerbereich gemeinsam aufhielten, hat man in der Halle lange nicht mehr bewundern dürfen. Doch was sind dann die Gründe für das mangelnde Zuschauerinteresse? Zum einen haben viele wahrscheinlich einfach keine Lust auf Hallenfußball, während andere durch den erneuten Wintereinbruch behindert wurden. Doch der Hauptgrund muss in den viel zu hohen Eintrittspreisen gesehen werden. Der ausrichtende Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) muss sich bei seiner Preispolitik, die sich hauptsächlich im mittleren zweistelligen Niveau bewegte, nicht wundern, dass erstens die Ränge nicht voll wurden und zweitens die Stimmung eher einem Theater glich. BVB-Präsident Rauball kündigte an "kritisch nachzufragen", was den mangelnden Zuschaueranspruch betrifft. Und FLVW-Präsident Korfmacher wird
schon gewusst haben, warum er "weder Ja noch Nein" zu einer erneuten Auflage nächstes Jahr sagen wollte. Wenn auf das teure Catering im VIP-Bereicht lieber verzichtet worden wäre, hätte es auch günstigere Eintrittskarten in allen Lagen gegeben. So wird das mit einer dauerhaften Veranstaltung nichts werden, zumal nächste Saison die Winterpause nur noch gut drei Wochen beträgt und die Vereine dann andere Prioriäten setzen werden, als Hallenfußball zu betreiben.
Zum sportlichen Verlauf des Turniers: Da das Turnier nicht im DSF übertragen wurde, dachte man, dass man ihm aus dem Weg gehen würde. Aber nein, das Unheil hat einen Namen. Jörg Dahlmann war einer der beiden Hallensprecher und nervte mit sinnfreien Interviews Spieler, Trainer und Schiedsrichter. Sein Kompagnon war der bekennende BVB-Fan Hansi Küpper, der auch bei vielen Amateurspielen des BVB am Start ist. Das Auftaktspiel in Gruppe A bestritten Leverkusen und Gladbach, wobei sich die Pillendreher locker mit 4:1 durchsetzen konnten. Dabei schoss Nationalspieler Simom Rolfes zwei Tore. Interessant, wie ernst besonders die Bayer-Spieler das Turnier nahmen, protestierten sie doch bei fast jeder Schiri-Entscheidung.
Es folgte der Auftakt in der BVB-Gruppe zwischen Münster und Bochum. Endlich kam so etwas wie Fußballstimmung auf, da die Preußen-Fans es richtiggehend genossen, mit den "Großen" aus NRW an einem Tisch zu sitzen. Das Spiel endete leistungsrecht 3:3 und unter den Preußen-Torschützen war auch Jerome Assauer, der aber weder verwandt noch verschwägert ist mit dem Lebensgefährten einer Tatort-Kommissarin aus Leipzig. Anschließend hätte man ein kurzes Nickerchen halten können, wenn nicht ewig diese Proletenmucke von Mickie Krause und Co. aufgefahren worden wäre. Denn es spielte Leverkusen gegen Köln und somit die beiden Mannschaften, die ihre Fans in der JVA vergessen haben. Nur Kießling wollte die Beerdigung sprengen und sah Gelb wegen Meckerns ("Jetzt reichts aber langsam, Schiri!"). Das Spiel endete 3:1 für Leverkusen, die somit bereits als Gruppensieger im Halbfinale standen.
Arslan überzeugend
Der erste Auftritt des BVB dann endlich. Gegner waren die Preußen aus Münster und endlich wurde es in der ganzen Halle laut und nicht nur in einer oder zwei Ecken, wobei man den Preußen-Fans einen insgesamt besseren, weil organisierteren Support bescheinigen musste. Es stand relativ lange 0:0 mit Chancen auf beiden Seiten. Dann traft Zidan fünf Sekunden vor der Halbzeit zum 1:0, nachdem sich Sahin, ein starker Hallenspieler, links an der Bande schön durchsetzen konnte. Doch kurz nach Wiederbeginn ein Doppelschlag des Ex-Dortmunder Ornatelli und Erzen und plötzlich stand es 1:2. Dann trafen noch Subotic per Gewaltschuss (was er heute geschätzte drölf Mal versuchte) und der agile Arslan im Liegen. Der junge Arslan hat mit seinen Tricks und Wendungen richtig Spaß gemacht. Mal sehen, was sich daraus entwickelt!
Mit diesem Sieg stand der BVB bereits im Halbfinale, nur der Gegner stand noch nicht fest.
Denn zunächst musste die Gruppe A zu Ende spielen, was durch ein 7:2 der Gladbacher mit bärenstarken Dribblern wie Marin und Baumjohann geschah. Bei Letzterem konnte man seit heute zumindest etwas verstehen, warum die Bayern ihn wohl zur nächsten Saison verpflichten wollen. Wird zwar eh wieder nur auf der Bank versauern, aber das ist nicht unser Problem. Dann die Entscheidung in Gruppe B. Der BVB musste den Münsteranern Schützenhilfe leisten, was durch den 4:3-Sieg gegen den VfL Bochum letztlich nicht gelang. Bochum war um ein Tor besser als der Regionalligist, dessen Fans deshalb nicht weniger als eine neue Version à la der "Schande von Gijon" vermuteten, da beide Teams in den letzten zwei, drei Minuten das Spielen mehr oder minder einstellten. Nur Jürgen Klopp signalisierte seinen Spielern immer wieder, weiter nach vorne zu spielen. Die Treffer für den BVB erzielten Frei nach Kringe-Vorlage, der sonst aber noch behäbiger als draußen
wirkte, Schmelzer nach herrlicher Arslan-Vorarbeit, Zidan sowie Rukavina, der vielleicht letztmals für den BVB auflief. Weiß man's? Die Halbfinals standen somit fest und die Paarungen lauteten Leverkusen-Bochum und BVB-Gladbach. In der anschließenden Pause trat ein Ballartist auf. Familienprogramm eben bzw. Einschlafhilfe.
Im Halbfinale konnten die VfL-Fans ihre stimmliche Überlegenheit ausnutzen, um Werbung für ihren zu den Amas abgeschobenen (Ex-)Kapitän Thomas Zdebel sowie gegen Trainer Marcel Koller, der diese Rufe lediglich mit einem Lächeln quittierte, zu machen. Das Spiel endete 2:2 nach regulärer Spielzeit und danach konnte man eben nach Hause, um die Kaffeemaschine auszuschalten. Denn das Neunmeterschießen endete sage und schreibe 13:12 für Leverkusen, angeblich das "historisch längste Neunmeterschießen der europäischen Hallenfußballgeschichte" (Küpper). Durch den etwas bizarren Modus traten immer die gleichen drei Spieler pro Team an und so ziemlich jeder war von ihnen mal entweder Held oder Depp. Hier zur Verdeutlichung mal die Bilanzen im Einzelnen: Rolfes traf fünfmal bei fünf Versuchen, Maltritz vier von fünf, Barnetta vier von fünf, Grote traf vier von fünf, verschoss nur leider den letzten entscheidenden, Kadlec traf zweimal von vier, ebenso Sestak, der zweimal den Sieg auf dem Fuß hatte und jeweils scheiterte. Alles klar?
Kein 12:0, sondern "nur" 7:5
Kommen wir zum Halbfinale der beiden Borussias. Wie immer die BVB-Startaufstellung bis hierhin: Ziegler, Subotic, Rukavina, Sahin und Frei. Und es begann zunächst einmal richtig schlecht, da der BVB viel zu zögerlich im Abschluss war, während Gladbach über Marin und Baumjohann immer schnell kontern konnte. So stand es durch Dorda, Marin und Neuville schnell 0:3. Doch dann ein Doppelschlag des Ägypters Zidan, der mit seinen Dribbeleien wie im "richtigen" Stadion stets zwischen Genie und Wahnsinn pendelte. Problematisch nur, dass in der Halle Ballverluste in der Vorwärtsbewegung noch schneller bestraft werden. Naja, es stand
aber wieder nur noch 2:3. Dies war jedoch nur ein Strohfeuer, da Neuville, Colautti und Lamidi im 30-Sekunden-Takt schnell wieder den alten Abstand herstellten. Und der sonst so nette Marc Ziegler wurde im Kasten richtig stinkig. Nett zu sehen. Das Spiel ging jetzt nur noch wenige Minuten und der Kuchen war gegessen, auch wenn seinerseits der BVB wieder nen flotten Dreier bewerkstelligte in persona Rukavina, Öztekin und Zidan. Bei diesem 5:7 sollte es bleiben und der Turniersieg war zumindest für unsere Borussia nicht mehr drin. Wäre ein guter Start ins Jubiläumsjahr gewesen.
Das Rheinland hat mit zwei Finalisten also die Oberhand behalten. Die beiden westfälischen Vereine Bochum und Dortmund spielten im kleinen Finale erneut gegeneinander und die Bochumer revanchierten sich eindrucksvoll für die Gruppenniederlage gegen sichtliche aufgebende und kaputte Borussen. Ob man sich dann trotzdem so mit 0:6 abschlachten lassen muss? Und dann sorgt man auch noch für den einzigen "Nuller" an diesem Turniertag. Denn das muss man auch erst einmal schaffen, in zwanzig Minuten Hallenfußball torlos zu bleiben! Ärmste Sau war Lukas Kruse, der für Ziegler rein kam und hauptsächlich den Ball aus dem Netz fischen musste. Sehr enttäuschend agierten dann insbesondere Frei und Kringe. Besonders Frei knüpfte nahtlos an seine Nicht-Form an. Dreimal stand er alleine vor dem gegnerischen Keeper und dreimal scheiterte er mehr als kläglich. Bleibt zu hoffen, dass die paar Wochen bis zum Auftakt gegen Leverkusen ausreichen...
Nach dem letzten Spiel des BVB hatte man dann irgendwie keine richtige Lust mehr, insbesondere da die Musik einem immer nerviger vorkam und man sich in einem Mallorca-Vorbereitungslager wähnte. Und nur den Gladbacher Fans war es zu verdanken, dass das Endspiel keine verlängerte Schweigeminute wurde. Doch nach dem
schnellen 1:3-Rückstand war es für kurze Zeit so weit, ehe Marin, Lamidi und Brouwers das Spiel drehten. Kuriosum am Rande: Das 3:1 durch den farbigen Jugend-Nationalspieler Richard Sukuta-Pasu war das erste und einzige Kopfballtor dieses verschneiten Sonntags. Es stand also 4:3 für Gladbach und das blieb auch so bis kurz vor Schluss. Doch dann zeigte neun Sekunden vor dem Ende Kießling seine ganze Klasse und traf herrlich aus der Drehung. Was hieß das? Neunmeterschießen mit Leverkusener Beteiligung. Zum Glück war nach acht Schützen der Käse gegessen, weil endlich Rolfes auch mal nicht traf (s.o.). Der Sieger dieses wohl nur einmaligen Cups hieß also Borussia Mönchengladbach. Herzlichen Glückwunsch, Herbert Laumen ist stolz auf Euch! Der Chronistenpflicht halber noch die persönlichen Ehrungen des Tages. Als bester Torwart wurde der Leverkusener Fernandez ausgezeichnet, der hervorragende Reflexe zeigte. Auch ein Adler hätte es nicht besser machen können. Nicht überraschend wurde Marko Marin zum besten Spieler des Turniers gewählt. Diese beiden Wahlen wurden jeweils von den anwesenden Journalisten entschieden. Die besten Torschützen waren der Israeli Colautti und der Ägypter Zidan mit je 5 Treffern. Anstatt einen neuen Sechs-Tage-Krieg vom Zaun zu brechen, bekamen beide Akteure einen Pokal. Und wie das Leben so spielt in diesen schlimmen Zeiten, war es jeweils eine echte Kanone...
Malte, 04.01.2009
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