Die Leiden des Olli K.
Es gibt Helden, die werden von einer ganzen Nation verehrt und genießen den Ruhm. Dabei bleiben sie Mensch, wirken stets bescheiden und sympathisch. Rudi Völler oder auch Fritz Walter sind klassische Beispiele. Dann gibt es den Anti-Helden, der zwar großes leistet, darüber aber nur allzu gerne redet: Wie Günther Netzer, dem Fußballspieler schlechthin. Andere wiederum machen Werbung für Potenzpillen, aber das ist eine andere Geschichte.Aber es gibt auch Helden wider Willen, Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und absolute Weltklasse verkörpern aber alles tun, um bloß nicht als Vorbild angesehen zu werden: Womit wir bei Oliver Kahn wären. Der Mann hat’s wahrlich schwer. Zwar wird der Welt-Torhüter in vielen Stadien großzügig mit Obst bedacht, doch weder Dole noch Chiquita haben bisher Werbung mit ihm gemacht. Doch, Werbeverträge hat auch Olli Kahn. Er brüllt für einen Schokoriegel und trinkt Adelholzener Sprudelwasser und bekommt auch Geld dafür. Darf er ja auch. Blöd ist nur, dass Olli so beliebt ist, dass auch noch andere Firmen mit ihm werben wollen. Dann zickt der Olli rum und will nicht, dass sein Bildchen mit Haselnusstafeln verkauft wird, weil der doch Reklame für Puffreis auf Waffeln in Schokoummantelung macht. Und das böse Wasser vom DFB will er auch nicht trinken, weil man da immer so von rülpsen muss und Adelholzener doch viiiiiel besser zahl... äh... schmeckt.
Geld bekommt er auch, wenn die internationale Spielervereinigung FIFPRO einen Vertrag mit dem Spiele-Hersteller EA Sports abschließt und Ollis Namen und Aussehen dafür verhökert. Übrigens nicht nur Kahns Namen, sondern auch noch die von etwa 15.000 weiteren Spielern weltweit. Die tauchen denn auch alle in EA Sports’ Spiel FIFA 2002 auf. Doch Olli ist ja ein Held, und als solcher verkauft man sich höchstens selbst – meistbietend, versteht sich. Deshalb will Kahn nun das Spiel vom Markt nehmen lassen, wenn der Hersteller nicht eine Million Euro zahlt. Schließlich, so Ollis Star-Anwalt Matthias Prinz, würden die Persönlichkeitsrechte des Torwart verletzt. Schlimmer noch: „Kommerziell ausgebeutet“ werde der Name. Ach so. Und das merkt der schon jetzt. FIFA 2002 ist seit Oktober auf dem Markt. Oktober 2001! Am 31. Oktober 2002 soll bereits die Nachfolge-Version in die Läden kommen.
Die könnte allerdings ebenfalls gefährdet sein, denn im Gegensatz zur Version 2002, kann man beim neuen Spiel die Gesichter der Spieler tatsächlich erkennen. Wer wirklich glaubt, sich in der Vorversion zu erkennen, der muss schon ein arg übersteigertes Selbstbewusstsein haben. Da kann Kahn auch gleich alle anderen Spiele-Hersteller verklagen, in deren Produkten weiße, blonde Männer vorkommen. Und gegen das Spiel Donkey Kong ist er auch nicht vorgegangen. Und gegen King Kong auch nicht. Und was ist mit „Planet der Affen“? Keine Klage? Außerdem: Auf der deutschen Verpackung von FIFA2002 ist Gerald Asamoah abgebildet. Der hat sich nicht beschwert, obwohl er sich bestimmt schon mal im Computerladen wiedererkannt hat.
Kahn hat es jedenfalls geschafft, sich nach den Verzückungen der WM wieder so richtig unbeliebt zu machen. Fußball-Deutschland hatte doch die Biss-Attacke gegen Heiko Herrlich und die Kung-Fu-Einlage gegen Stephane Chapuisat schon vergessen. Doch die Welt kehrt auf ihre Bahn zurück: Olli greift Gegnern ins Genick und dient so gleich als Vorbild für andere Profis, die ihm sofort nacheifern. Vorbild ist er auch für den DFB. Denn der will EA jetzt auch verklagen, weil die Firma angeblich keine Rechte am weißen Trikot mit dem Bundesadler besitzt. Und andere Profis wollen auch noch nachziehen.
Klasse, Olli! Du Held wider Willen. Du hast es uns wieder gezeigt und bewiesen, dass du gar nicht sympathisch sein willst. Weiter so. Und in Dortmund gibt es dann auch wieder Obst.
Geschrieben von Desperado09
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