Borussia Amateure kassieren zweite Saisonniederlage gegen Essen

Wenn die Amateure des BVB in dieser Saison verlieren, dann richtig. 4:1 (1:0) musste man sich am Sonntagabend Rot-Weiss Essen geschlagen geben. Trotz des klaren Ergebnisses waren die Jungs aber nie chancenlos.


Bertram, Huber, Segler, Wolf, Ackermann, Burgsmüller, Geyer, Kostedde, Lippens, Votava, Wagner. So mancher wird jetzt sicherlich schon herausgefunden haben, dass dies nicht die Elf war, die Horst Köppel an diesem Sonntagabend auf den Platz geschickt hat. Diese Namen standen auf der Dortmunder Mannschaftsaufstellung am 2. April 1977. An diesem Datum spielten die Vereine RWE und BVB zum letzten Mal in der Bundesliga in Essen gegeneinander. Borussia gewann damals mit 5:1. (Burgsmüller, Votava je2, Lippens). Das Tor für die Essener schoss Horst Hrubesch und bei Essen gab es noch einen gewissen Frank Mill. Essen stieg nach dieser Saison ab und ward nie mehr in der 1. Liga gesehen.

Der KICKER schrieb in seiner Vorschau zu diesem Spiel diplomatisch „Köppel rechnet kurzfristig noch mit Verstärkung aus der Profiabteilung. Die Entscheidung darüber fällt erst nach dem Bundesligaspiel am Samstag in Hannover.“ Da Marcio Amoroso ja nur fünf Minuten gespielt hatte und darüber wohl nicht sehr glücklich war, hätte es ja möglich sein können. Denn nach dem letzten Wochenende ist beim BVB wohl nichts mehr unmöglich. Zumal wir erfuhren, dass alle Profis mittlerweile eine Spielberechtigung für die Amateure haben.
Okay, Amoroso ist es nicht geworden, aber Roman Weidenfeller stand wieder im Tor der 2. Mannschaft. Besonders erfreut war natürlich Michael Ratajczak, der wohl voll den Spaß in den Backen darüber hatte. David Odonkor fehlt zur Zeit immer noch wegen der U19-Qualifikation zur EM. Ansonsten eigentlich eine Bestbesetzung auf die Köppel zurückgreifen konnte. Schiedsrichter der Begegnung war Jörg Kessler, der in Dortmund nicht unbekannt ist, hatte er doch das letzte Heimspiel der Profis gegen Mönchengladbach versucht zu leiten.
 
Eine Mörderkulisse präsentierte sich den Spielern. 8395 Zuschauer konnte RWE an der Hafenstraße begrüßen. Das ist in etwa das Zehnfache, was man so an Leuten in der Roten Erde antrifft. Im gut gefüllten Halbeck auch etwa 200 Anhänger aus Dortmund, die sich zu Beginn des Spieles, der immer wieder beliebten Müllsack-Choreo bedienten und auch so einiges taten, um die Unterzahl zu übersingen. Wohltuend die Musikklänge aus den Lautsprechern vor dem Spiel. „You´ll never walk alone“. Hier in Essen hat man noch Ahnung und spielt die Originalversion von „Gerry and the Peacemaker“. Bemerkenswert auch das Zusammenspiel zwischen Stadionsprecher und Fangruppe. Setzen die Fans zu ihren Gesängen an, bricht der Sprecher seine Ansage ab und wartet höflich bis die Herren und Damen Supporter ihre lautstarken Liebesbekundungen zu den rot-weissen Farben beendet haben. Im Westfalenstadion dreht man da ja eher die Musik und Werbung noch lauter. Albern wird es aber während des Spieles. Jedes Tor, jede Auswechslung und wenn ein Spieler aufs Klo gehen würde, würde wohl auch das präsentiert von Farben Müller, Bier Schneider oder Eisen Karl. Auch was die ständigen „Werder und der RWE“-Rufe sollen, bleibt schleierhaft, da die eigene Mannschaft sicherlich nichts davon als Anfeuerung hat. Aber sollen sie mal machen, wenn sie denn Spaß daran haben. Die von einigen Fans propagierte schwarzgelbe Freundschaft zu den Rot-Weissen ist zumindest für diese Personen Wunschdenken, da nicht vorhanden.

Ein Pluspunkt verdienen sich aber die Ordner an der Hafenstrasse, die trotz des großen Andrangs, ruhig und freundlich ihrer Arbeit nachgehen, ohne sich dabei selbst zu wichtig zu nehmen.
Die ersten fünf Minuten hielten sich Spieler zumeist in der linken Ecke der Dortmunder Hälfte auf. Irgendwie kam man dort nie voran. Alles knäulte sich auf diesem Stück, als ob die Akteure den Rest des Rasens nicht beschädigen wollten. Die erste Mannschaft, die sich traute auch mal eine andere Ecke auszunutzen war der BVB. Mit einer Freistoßflanke von links drang man zuerst in den gegnerischen Strafraum ein. Der Ball wurde jedoch von Kirschstein abgefangen, bevor ein Dortmunder ihn erreichen konnte. Den Reigen der gelben Karten eröffnete Schiedsrichter Kessler in der 9. Minute. Tutas war mit gestrecktem Bein voraus in Leandro reingesenst. Sein Kollege Ernst holte sich seine Verwarnung nur zwei Minuten später ab.

In der 11. Minute zum ersten Mal Jubel beim Essener Anhang. Aber kein Tor war gefallen, sondern weil 300 Minuten lang keins gefallen war, geriet man ausser Rand und Band. So lange hielt nämlich zu diesem Zeitpunkt Keeper Kirschstein seinen Arbeitsbereich sauber. Roman Weidenfeller hielt sein Gehäuse leider nicht so lange makellos. Schon in der 14. Minute musste er zum ersten Mal hinter sich greifen. Erwin Koen bediente mit einem Pass weit nach vorne Achim Weber, der in die Lücke stieß. Vorbei am herausgestürmten Weidenfeller schoß er den Ball zum 1:0 für die Gastgeber ein. Der Rettungsversuch von Pinske und Sahin kam zu spät, beide rutschten nur auf dem Hosenboden mit dem Ball ins Tor.
Dann wieder der BVB. Gambino zieht ab aus sechszehn Meter, Kirschstein klatscht den Ball in der Luft mit einer Hand ab, um ihn danach sicher zu packen. (16.) Die größte Chance in der ersten Halbzeit hat Francis Bugri für den BVB. Andreas Zimmermann pennt und verliert den Ball. Bugri zieht alleine los in den Strafraum. Seinen Schuss kann der Essener Torsteher mit dem Fuß ans Außennetz lenken. (21.) In der 24. Minute reiht sich Guy Demel in die Liste der Gelbsünder ein. Er spielt sicherlich den Ball, aber trifft auch seinen Gegenspieler. Anstatt er dann aber nach dem Pfiff des Schiedsrichters den Mund hält, sich entschuldigt und auf Verzeihung hofft, wirft er gestikulierend alle Schuld von sich, nörgelt und kassiert dafür zurecht die Karte.
Das 2:0 für Essen in der 35. Minute. Wieder ist es Koen der Weber in der Mitte bedient. Der Oldie drückt im Flug einen Kopfball so, dass Weidenfeller, den aufsetzenden Ball nicht erreichen kann und die Kugel unter die Latte des Dortmunder Gehäuses fliegt.

Nach der Pause zunächst nur der BVB am Drücker. Die Gastgeber ziehen sich zurück und spielen wie eine Auswärtsmannschaft nur auf Konter. So kommt der BVB zu Möglichkeiten. Leandro zieht aus sechzehn Meter flach ab ohne Wirkung (53.) und Krontiris Kopfball aus gleicher Entfernung wird vom Torwart entschärft (56.). Dann in der 61. ein Konter der Essener, dessen Abschluss für einigen Gesprächsstoff sorgte. Der Holländer Koen läuft alleine los in Richtung Weidenfeller. Er zieht am Dortmunder vorbei, der greift nach ihm und Koen fällt. Halb zog er ihn, halb sank er hin. Hier war der Grad zwischen Elfmeter oder gelber Karte wegen Schwalbe sehr schmal. Auch die Karte, die Roman Weidenfeller für die Tat sah, erhitzte die Gemüter.
Er sah Gelb und das polarisierte die Meinungen unter den Zuschauern und den anwesenden Journalisten. Letzter Mann und Notbremse, also Rot oder da noch im Strafraum noch gelb? Entscheidend war die Meinung von Keßler, der sich für Gelb entschied. Nicht zu diskutieren war dann aber die Ausführung von Wedau, der kläglich an Weidenfeller scheiterte, der den Ball sicher aufnahm.

Das Flutlicht ging an und für Heiko Bonan kurzzeitig die Lampen aus. Guy Demel hatte ihn aus kurzer Distanz mit einem Schuss voll im Gesicht erwischt. (72.) Dann der wichtige Anschluss für die Borussia. Eine weite Flanke nimmt der eingewechselte Seggewiß mit dem Kopf im Torraum an. Sahin säbelt drüber und Sirin, ebenfalls eingewechselt setzt einen Seitfallzieher an, trifft den Ball und irgendwie rollt er nach mehreren Feindberührungen über die Linie. Krontiris gibt dem Ball hinter dem weißen Strich noch einen Schubser und wird als Torschütze genannt, aber es war Mehmet Sirin. Nur noch 2:1. Erinnerungen an die Spiele gegen Uerdingen und Chemnitz wurden wach, als der BVB jeweils aus einem 0:2 ein 2:2 machte. In Krefeld reichten dafür sogar nur die letzten acht Minuten der Partie und mit der 80. Minute war man doch jetzt gut im Zeitplan. Doch leider spielte RWE bei dieser Rechnung nicht mit. Koen in der 84. Minute und Fischer Sekunden vor dem Schlusspfiff besiegelten die Dortmunder Niederlage.
Die zweite Niederlage für die Amateure von Borussia Dortmund in dieser Saison. Die erste Auswärtspleite überhaupt und wieder kassierte man dabei vier Tore. Acht Spiele war man jetzt hintereinander unbesiegt gewesen. Wenn es jetzt zur nächsten Niederlage wieder acht Spieltage braucht , kann man damit wohl voll zufrieden sein.

Horst Köppel war deshalb in der Pressekonferenz auch gar nicht mal so zerknirscht: Ich habe immer davor gewarnt, meine Mannschaft so hochzujubeln. Wir haben ein junges Team, das noch lernen muss. Sie sind es nicht gewohnt vor einem Publikum zu Spielen wie bei Rot-Weiss Essen das hat man auch gesehen, da wir einige Male verunsichert waren. Wir haben uns, besonders in der ersten Halbzeit nicht immer so verhalten, wie ich mir das vorgestellt habe. Die ersten beiden Tore waren zwar schön, aber sie waren vermeidbar, da müssen wir cleverer sein. Beim Anschlusstreffer hatte ich noch mal Hoffnung, aber da zeigte sich wieder die Unerfahrenheit. Sie haben alles zu weit nach vorne geworfen. Der Sieg geht in Ordnung, vielleicht nicht in dieser Höhe. Die Kulisse ist etwas anderes, als früher in der Oberliga zum Beispiel in Dülmen, wo man vor 150 Leuten spielt. Das sind meistens dann die Opas, die nach dem Mittagsschlaf noch mal rausgehen.
Harry Pleß: Glückwunsch an die Mannschaft das war eine sehr disziplinierte Leistung, auch im taktischen Bereich . Wir haben 90 Minuten sehr konzentriert gespielt. Das war der vierte Sieg in Folge, wir wollten natürlich zu null spielen, ist uns leider nicht gelungen und zum Thema Elfmeter bin ich wirklich sprachlos.

Das nächste Spiel der Amateure ist am Sonntag, den 13.10.02. Gegner um erst 15 Uhr in der Roten Erde ist dann die Mannschaft des SC Verl.

Tore: 1:0 Achim Weber (14.) / 2:0 Achim Weber (35.) / 2:1 Mehmet Sirin (80.) / 3:1 Erwin Koen (84.) / 4:1 Sven Fischer (90.)

Borussia Dortmund: Weidenfeller, Sasy, Pinske (K), Thorwart, De Deus (79. Seggewiß), Bugri, Demel (85. Kascelan), Sahin, Gambino (67. Sirin), Achenbach, Krontiris

Rot-Weiss Essen: Kirschstein, Bonan, Zimmermann (38. Fischer), Weigelt, Brinkmann, Ernst (19. Bilgin), Tomoski (83. Hauswald), Tutas, Wedau, Koen, Weber (K)

Gelbe Karte: Ernst, Brinkmann, Tomoski, Weigelt (Essen) / Weidenfeller, Thorwart, Sahin, Demel (Dortmund)

Zuschauer: 8395

Schiedsrichter: Jörg Keßler (Wogau) ließ sich zu keiner Zeit von seiner Linie abbringen / Assistenten - Jens Oehme, Lutz Rosenkranz

Geschrieben von Thomas