Borussia siegt und siegt und siegt...
Der deutsche Meister hat seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und die Ambitionen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung in der Fußball-Bundesliga unterstrichen. Die Mannschaft von Trainer Matthias Sammer verbuchte beim 3:0 Erfolg bei Aufsteiger Hannover 96 den fünften Pflichtspielsieg in Folge und bleibt damit als einziges Team des Oberhauses weiter ohne Niederlage.Im Lager von Borussia Dortmund sorgte das 3:1 am vergangenen Mittwoch beim PSV Eindhoven bei allen Beteiligten für gute Laune, denn nun reifen die Träume von der Rückkehr in den europäischen Fussball-Adel. Nach zwei vergeblichen Anläufen stehen wir nun in der "Königsklasse" dicht vor dem Einzug in die lukrative Zwischenrunde.
Drei Tage später muss man jetzt umdenken. Nach nun vier Pflichtspielsiegen in Folge kommt mit Hannover 96 jetzt kein Spitzenklub, wie Arsenal London oder der PSV Eindhoven und die Gefahr, dass man den Aufsteiger zu sehr auf die leichte Schulter nimmt, ist groß. Aber das hat auch Trainer Sammer längst erkannt: Das Spiel ist Vergangenheit und abgehakt. Jetzt zählt nur noch Hannover 96 - und das ist eine Elf, die heiß darauf ist, dem Meister ein Bein zu stellen, hämmerte der Dortmunder Fußball-Lehrer seinen Profis ein. Zudem gewann Hannover 96 zuletzt am 4. Dezember 1970 durch Tore von Ferdinand Keller (2), Rainer Stiller und Willi Reimann 4:1 gegen Dortmund. Dieser Erfolg steht für die Niedersachsen als bislang letzter Sieg gegen den BVB in den Annalen.
Personell war bei der Sammer-Truppe so gut wie jeder einsatzbereit. Nur neben dem Langzeitverletzten Otto Addo musste Christoph Metzelder aufgrund eine Achillessehnen-Reizung passen. Für "Metze" kam Ahmed Madouni ins Team und der zuletzt hinter seiner Form hinterherlaufende Sebastian Kehl, der beim 3:1 Sieg in der Champions League beim PSV Eindhoven erst in der 79. Minute eingewechselt wurde, rückte wieder in die Startelf.
Überraschenderweise fand man einen gewissen Lars Ricken in der Anfangsformation, der seit dem UEFA-Cup Finale gegen Rotterdam das erste Mal wieder von Beginn an auflief - und das gleich mit der Kapitänsbinde!
Somit setzte Sammer in Hannover wieder auf die "sanfte Rotation" und gönnte Stefan Reuter und Jörg Heinrich eine schöpferische Pause. Torjäger Marcio Amoroso fiel auch in Hannover vorerst wieder nur die Jokerrolle zu.
Hannover holte, wie der BVB, zuletzt aus den letzten drei Bundesligaspielen 9 Punkte. Der Aufwärtstrend beim Aufsteiger war zuletzt unübersehbar und wird vor allem mit einem Namen verbunden: Fredi Bobic. Der Ex-Dortmunder übertrifft mit vier Treffern in vier Spielen nicht nur die Erwartungen der kühnsten Optimisten, sondern lässt auch die BVB Fans mit den Schultern zucken.
Umso ärgerlicher für die Hannover-Fans, dass Fredi aufgrund einer Muskelfaserverletzung, ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub, passen musste. Neben Bobic bereiteten weitere sechs Verletzte dem Trainer der "Roten", Ralf Rangnick Kopfzerbrechen. Rangnick hatte am Donnerstag „keinen Spaß” daran, über die mögliche 96-Aufstellung zu philosophieren. Dem Cheftrainer kam das „zwei Tage zu früh”. Weil 96 vor dem Spiel gegen Dortmund am Stock ging, konnte er erst Samstagfrüh über die Startelf und den Kader entscheiden.
Immerhin verbreitete Rangnick Zuversicht. „Wir haben Selbstvertrauen getankt und das tolle Publikum im Rücken.“ 48 900 Fans wollen dabei sein – ausverkauft. 96 soll „eine gute Mischung finden aus Tempofußball und kompaktem Spiel. Es muss zäh und mühsam werden für Dortmund.“
Die "Roten" gehen als krasser Außenseiter in diese Partie. Nichts desto trotz ist das Niedersachsen-Stadion, das im Juni 2002 auf den klangvollen Namen "AWD-Arena" getauft wurde, bereits seit über einer Woche restlos ausverkauft.
261 Karten wurden vom BVB zurück nach Hannover geschickt - Mangelndes Interesse der BVB Fans? Falsch, denn Interessenten gab es genug, nur wurden diese Karten reserviert und konnten nicht erworben werden.
Und los gings!
Schiri Albrecht hat die Partie im ausverkauften Niedersachsen-Stadion ...in der ausverkaufen "AWD-Arena" (yeah) freigegeben und der deutsche Meister übernahm sofort das Spielgeschehen und begann mit flüssigem Kombinationsspiel.
In der 4. Minute kommt die erste gute Kombination des BVB zustande. Lars Ricken läuft sich auf der linken Seite frei, zieht eine weite Flanke nach innen. Ewerthon nimmt die Kugel volley, schießt Diouf an, von dessen Bein prallt der Ball zwei Meter am Tor vorbei zur Ecke. Diese wird von Tomas Rosicky wunderschön bis zur ersten 16er-Linie geschlagen...Chance vertan.
Minute 6: Man denkt an nix schlimmes, 96 Keeper Sievers bekommt einen harmlosen Rückpass und will die Pocke mit dem Fuß aus dem Strafraum schlagen. Koller läuft mal auf Verdacht auf Sievers los, greift an, springt hoch (...und der kann hoch springen) und bekommt den Abschlag des Keepers genau auf die Schuhsohle. Das Leder bekommt zu viel Effet und trudelt parallel zur Torlinie ganz, ganz knapp am Kasten vorbei.
In der ersten Viertelstunde war nur der BVB im Ballbesitz und kombinierte vor sich hin. Aber nun kombiniert Hannover. Idrissou flankt scharf von links, Stendel legt auf Krupnikovic auf, der schießt mit dem Außenriss genau auf Lehmann.
Gleich wieder Hannover 96. Stajner wieder auf der linken Seite. Der Tscheche legt zurück auf De Guzman, dessen Linksschuss fliegt aber einen guten Meter am rechten Pfosten vorbei.
Dortmund spielte zwar mit dem Ball, aber 96 mit den Chancen. in der 16. Minute setzt Idrissou den Ball nach Stajners hart geschossenem Eckball per Kopf ganz knapp am linken oberen Winkel vorbei. Bislang eigentlich alles recht harmlos.
Nun aber zirkelte Thorsten Frings in der 19. Minute den Ball mit einem 28-Meter-Freistoß über die Mauer, aber Sievers ist auf der Hut und klärt souverän per Faustparade zur Ecke.
96 erkämpfte sich immer mehr Spielanteile, hemmte mit gutem Pressing den Kombinationsfluss des BVB und konterte geschickt meist über die starke linke Seite (Idrissou, Stajner). Klare Chancen blieben für Hannover dennoch zunächst Mangelware weil unter anderem Ahmed Madouni seine Sache dort sehr gut machte.
Nachdem Stendel in der 30. den Ball aus 16 Metern nach Idrissous Kopfballvorlage in die Wolken jagte und das Spiel im Mittelfeld so dahin plätscherte, überkam mich plötzlich der Hunger und ich mußte meine "Notdurft" versorgen.
Dann, in der 32. Minute kam der Ball hoch in den 16er auf den Elfmeterpunkt. "Dino" Koller stieg hoch und 96 Keeper Sievers kam ihm entgegen geflogen - ein ungleiches Duell, welches Sievers verlor und nach dem Zusammenprall erst nach kurzer Behandlungspause weitermachen konnte.
37. Minute: Hannover bekommt einen Freistoß in 18 Metern Entfernung halblinker Position zugesprochen, aber Lehmann lenkt Stajners satten Schuss mit den Fingerspitzen über die Latte. Die folgende Ecke wurde ein weiteres Mal grandios vergurkt.
Nun kam Pfeffer ins Spiel - in der 42. Minute entscheidet Schiri Albrecht auf Elfmeter für Borussia Dortmund. Er selbst hats nicht gesehen und musste sich auf seinen Linienrichter Assistenten verlassen, der die Fahne hob, als Koller den 96er Diouf aus drei Metern den Ball an die Schulter schoss.
Thorsten Frings schnappte sich das Leder und verwandelte den irregulären Elfer unter heftigen Protesten der Niedersachsen sicher und setzte den Ball rechts unten neben den Pfosten. Der BVB geht glücklich in Führung.
Schiri Albrecht pfiff und schickte beide Teams zum wohl sehnlichst erwarteten Pausentee. Die Dortmunder zeigten in einer, in der ersten Halbzeit bei miserablem Wetter bestenfalls durchschnittlichen Partie, zunächst die technisch reifere Spielanlage, konnten dies jedoch nicht in Torchancen ummünzen.
Halbzeit
Beide Mannschaften kamen unverändert aus der Kabine. Das Spiel konnte nur besser werden. Kaum Torchancen und wenn welche zustande kamen, waren die meist vollkommen ungefährlich.
Stendel passt dann steil in den Strafraum, Idrissou fällt im Duell mit Lehmann, doch der Keeper sichert sich das Leder mit fairem Zweikampfverhalten.
Nach dem Wechsel ähnliches Bild wie zu Beginn des ersten Durchgangs: Der BVB begann wie in der Anfangsviertelstunde, zeigte sich enorm ballsicher und ließ Ball und Gegner laufen. In der 55. Minute geht Dedes Flanke über den Kopf von Koller hinweg in die rechte Hälfte des Strafraums, wo Rosicky abzieht. Sein strammer Schuss wird zwar fast noch von Ewerthon erreicht, der acht Meter vor dem Tor das Leder aber verpasst - der Ball rollt Richtung Eckfahne.
Stajner läuft in der 57. Minute links frei, gibt eine hohe Flanke nach innen. Idrissou steigt am höchsten, drückt den Ball per Kopf aus sieben Metern mindestens einen Meter am langen Pfosten vorbei.
Wie in Halbzeit 1: Dortmund spielt mit dem Ball - Hannover mit den Torchancen. In der 60. wieder der Kameruner. Von Krupnovic freigespielt zieht der Stürmer aus halblinker Position aus elf Metern ab. Christian Wörns blockt den Schuss zur Ecke ab.
Die Vorentscheidung in Hannover? Bei einer ähnlichen Szene wie in den ersten 45 Minuten - Dede bekam das Leder nach Flanke von Cherundolo an die Hand - blieb die Pfeife des Unparteiischen stumm. Im Gegenzug wurde der ansonsten SEHR, ich sag mal unauffällige, Ewerthon auf dem rechten Flügel steil geschickt, läuft einen Konter, sieht den in der Mitte völlig freistehenden Koller, der aus sechs Metern frei vor Sievers (diesmal) mühelos einschiebt.
Hannover hatte es wenig später in der Hand, sich wieder in die Partie zu spielen. Nach Foul von Madouni an Stendel entschied der Schiedsrichter erneut auf Elfmeter. Stajner vergab die Gelegenheit zum Anschlusstreffer allerdings kläglich. Der tschechische Nationalspieler setzte den Strafstoß weit am rechten Pfosten vorbei (69.).
In der 72. kommt Jörg Heinrich für Ricken und 96-Trainer Rangnick bringt den Halbdortmunder Casey für Stajner.
Kehl setzt sich im Strafraum gegen drei 96er durch, erwischt den Ball aber aus zehn Metern nur mit der Picke. Sievers hält den harmlosen Roller. Diouf sieht darauf zurecht rot, nachdem er in Kahn-Manier Sebastian Kehl um den Hals gefallen ist.
Die Partie nimmt an Härte zu. Stefulj hat nach rüdem Foul an Heinrich Glück, dass er seinem Mannschaftskollegen Diouf, der kurz zuvor Kehl mit einem Würgegriff traktiert hatte, nicht in die Kabine folgen muss.
5 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit, bringt Matthias Sammer Marcio Amoroso und Thomas Rosicky trabt für ihn vom Platz. Die publicityträchtig von den Medien aufbereitete One-man-show konnte also weitergehen.
87. Minute - Amoroso, gerade eingewechselt, besorgt nach schönem Pass von Heinrich die endgültige Entscheidung. Alleine vor Sievers vollstreckt er mit Flachschuss aus 14 Metern. Wahnsinn!
Fazit:
Auch diese Woche ein "Dreier" durch minimalisten-Fussball. Wenig Torchancen,
aber diese wenigen wurden genutzt. In einer kampfbetonten, zeitweise harten
Bundesliga-Partie fiel der Sieg des Meisters am Ende zu deutlich aus. Die
Schwatzgelben sind in der laufenden Meisterschaft damit als einziges Team
weiter ungeschlagen.
Trainerstimmen:
Ralf Rangnick (Trainer Hannover 96):
"Es kommt nicht sehr häufig vor, dass ein Trainer nach einer 0:3-Niederlage
nicht viel zu kritisieren hat. Bei mir ist es heute aber so. Nur den
verschossenen Elfmeter und das Verhalten von Dame Diouf habe ich zu bemängeln.
Heute war mehr drin. Dass es nicht so gut gelaufen ist, haben wir nicht zu
verantworten. Einige Entscheidungen des Linienrichters haben unsere Strategie
zerstört."
Matthias Sammer (Trainer Borussia
Dortmund):
"Ich bin sehr froh, dass wir hier gewonnen haben. Ich wusste nicht, wie der
Stand meiner Mannschaft nach dem schweren Spiel in Eindhoven ist. Aber die
Mannschaft hat einen guten Charakter gezeigt und von Anfang an versucht, das
Heft in die Hand zu nehmen."
Daten zum Spiel:
Hannover:
J. Sievers - S. Cherundolo, C. Linke, D. Diouf, D. Stefulj - A. Lala - J. de
Guzmann (73. J. Kaufman), N. Krupnikovic (89. T. Nehrbauer), D. Stendel - J.
Stajner (73. C. Casey) - M. Idrissou
Dortmund:
J. Lehmann - A. Evanilson, A. Madouni, C. Wörns, L. Dede - S. Kehl - L. Ricken
(72. J. Heinrich), T. Frings - T. Rosicky (84. M. Amoroso) - H. Ewerthon (77. S.
Reuter), J. Koller
Schiedsrichter: Hermann Albrecht (Kaufbeuren)
Tore: 0:1 Frings (42.), 0:2 Koller (63.), 0:3 Amoroso (87.)
Gelbe Karten: Dede (31.), Linke (40.), de Guzmann (53.), Sievers (64.), Kehl (79.), Stefulj (81.)
Rote Karten: Diouf (79.)
Noten:
Lehmann: 2
Bekam bis auf den Freistoß von Stajner keine gefährlichen Bälle aufs Tor. Zu jeder Zeit ein sicherer
Rückhalt.
Madouni: 2,5
Sehr sichere Partie von ihm, verschuldete aber den Elfer – der Arm war
draußen!
Wörns: 2
Erledigte zu 100% seinen Job!
Dede: 3
In der Defensive Weltklasse wie immer, aber heute sehr offensivschwach.
Evanilson: 2,5
Wird immer stärker. War wie gegen Gladbach auch heute fast überall zu finden
und immer anspielbar.
Frings: 3
Auffälligster Mittelfeldakteur.
Kehl: 4
Zwar weniger Fehlpässe als in den letzten Spielen, aber zu überhastet beim
Ballbesitz.
Ricken: 4,5
Hoffnungsvolle erste Viertelstunde, blieb dann aber unauffällig. Ihm merkte man die fehlende Spielpraxis an.
Rosicky: 3,5
Kämpferisch große Klasse, aber zog heute nicht die Fäden im Dortmunder
Spiel. Versemmelte einige Ecken.
Ewerthon: 4,5
Total unsichtbar, aber bereitete das 0:2 von Koller schön vor.
Koller: 2
Rackerte und ackerte mal wieder bis zur Erschöpfung.
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Heinrich: -
Reuter: -
Amoroso: 1
Geschrieben von Dennis
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