50+1 = ? - eine Erklärung ganz ohne Mathematik
50+1 - ein Schlagwort, das in den letzten Wochen zunehmend ins Gerede gekommen ist. Die Deutsche Fußball-Liga hat beschlossen, die sogenannte „50+1-Regel" beizubehalten und Martin Kind, Präsident von Hannover 96, will dagegen vor Gericht ziehen. Doch was ist eigentlich diese „50+1"-Regel? Obwohl das Thema eine immense Bedeutung auch für den BVB besitzt, ist es vielen Fans ein Rätsel. Wir wollen Licht ins Dunkel bringen und erklären, was „50+1" für Borussia Dortmund bedeutet.
Die Entstehung - Fußball im Wandel
Früher war Fußball einfach: Die Teams der ersten und zweiten Bundesliga gehörten zu ganz normalen Sportvereinen, wie es sie in Deutschland zu Tausenden gibt. Das Sagen in diesen Vereinen hatten die jeweiligen Mitglieder, die den Vorstand bestimmten und somit unmittelbaren Einfluss auf die Geschicke des Vereins besaßen. Das änderte sich auch mit der Gründung der Bundesliga nicht. Erst in den späten 90er Jahren änderte der DFB - auch auf Drängen von Borussia Dortmund und seinen damaligen Bossen Meier und Niebaum hin - seine Statuten. Seither ist es möglich, die Fußballmannschaften der deutschen Profiligen in Wirtschaftsunternehmen umzuwandeln. Der Börsengang des BVB wurde auf diesem Wege möglich und auch die meisten anderen Vereine wandelten ihre Bundesliga-Abteilung in ein Wirtschaftsunternehmen aus.
Anders als Sportvereine können Unternehmen jedoch aufgekauft werden und genau das sollte damals verhindert werden. Damit reiche Privatleute oder Großkonzerne nicht reihenweise hingehen und Bundesligateams aufkaufen, haben DFL und DFB einen Riegel vorgeschoben und in ihren Statuten festgeschrieben, dass auch bei der Umwandlung von Mannschaften in ein Wirtschaftsunternehmen die ursprünglichen Vereine nach wie vor die Kontrolle inne haben müssen. Die Mehrheit an der FC Bayern München Aktiengesellschaft beispielsweise muss demnach nach wie vor der Sportverein FC Bayern München besitzen. Oder in Aktien ausgedrückt: Dem Verein gehören immer noch 50% der Anteile plus eine Aktie. Daher der Name der sogenannten „50+1"-Regel.
Zukunftsaussichten
Gegen eben diese Regelung, die von den Ligamachern beibehalten werden soll, wollen Hannover 96 und Präsident Martin Kind nun klagen. Und ihre Chancen dürften gar nicht einmal schlecht stehen, denn DFB und DFL haben seinerseits eine Ausnahmeregelung geschaffen, die der Regel nun möglicherweise das Genick brechen könnte. Während die „50+1"-Regel für die meisten Fußballvereine verbindlich ist, wurde für Teams wie Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg eine Ausnahme geschaffen, die den in ansässigen Unternehmen Volkswagen und Bayer eine vollständige Übernahme der Mannschaften ermöglichte. Vor Gericht wird es den Verbänden wohl schwer fallen, die Richter zu überzeugen, warum VW den VfL Wolfsburg übernehmen durfte, Aldi beispielsweise aber nicht bei Hannover 96 einsteigen darf.
50+1 im Ausland
Sollte das Gericht die „50+1"-Regel letztlich also für ungesetzlich erklären, könnte die Bundesliga schon bald vor großen Veränderungen stehen. Auch in Deutschland wären dann Verhältnisse wie in England oder Spanien möglich, wo Fußballteams nahezu ausschließlich im Besitz von Milliardären oder Wirtschaftsunternehmen sind, ohne dass die Fans als Mitglieder noch irgendeine Einflussmöglichkeit besitzen. Gerade das Beispiel Spanien, wo zahlreiche Teams im Besitz von Immobilienfirmen sind und gerade in deren Krise unterzugehen drohen, ist ein äußerst warnendes. Aber auch England ist mehr als nur Abramowitsch, Chelsea und Stars über Stars: Die englische Liga ist aufgrund des massenhaften Einstiegs von Investoren hoch verschuldet, weil sich die Firmen das Geld zur Übernahme lediglich leihen und anschließend die Kredite auf die Fußballteams überschreiben. Zudem machen Eintrittspreise jenseits von Gut und Böse selbst der Mittelschicht das Fußballgucken schwer. Nicht unbedingt eine Wunschvorstellung aus deutscher Fansicht.
Situation beim BVB
Sollte die Regel kippen, steht natürlich auch Borussia Dortmund im Fokus. Darum zuerst eine Klarstellung. Der Sportverein Borussia Dortmund besitzt schon heute weit unter der Hälfte der Aktien am Wirtschaftsunternehmen Borussia Dortmund. Dies ist jedoch unerheblich, da die Gesellschaftsform des BVB den Aktionären kein Stimmrecht zubilligt. Entscheidend ist hier ausschließlich die Geschäftsführungs GmbH der Borussia, an der der Verein nach wie vor 100% der Entscheidungsgewalt besitzt.
Hans-Joachim Watzke betonte im schwatzgelb.de-Interview zwar, dass ein Verkauf der BVB-Mehrheit mit ihm auch niemals machbar wäre. Doch auch Watzke wird der Borussia nicht auf immer und ewig vorstehen. Was danach kommt, kann niemand vorausahnen. Wohl aber, dass die „Marke BVB" mit einiger Gewissheit eine hohe Attraktivität für potentielle Investoren besitzt. Gut möglich also, dass eines Tages ein unmoralisches Angebot den BVB erreicht.
Arne, 12.11.2008
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