Holland zum Zwoten!
Da man mit dem Zweiten bekanntlich besser sieht, erhielt Fußball-Holland nach den Ereignissen von Rotterdam seine zweite Chance, sich von der besseren Seite zu zeigen. Gegen 15.15 Uhr ging es vom Dortmunder Westfalenstadion für die schwatzgelb.de-Busbesatzung los.Einige Krankheits bedingte Absagen schrumpften unsere Busbesatzung allerdings auf ein Minimum zusammen, und statt des bestellten 50-er Busses erhielten wir einen Doppeldecker. Da war viel Platz für alles und jeden.
Mit ein paar Minuten Verspätung fuhr der Bus in Dortmund los. Wir anderen stiegen in Essen zu, nachdem wir uns (Döner macht schöner) auf Essens Flaniermeile Nummer eins, der Viehofer Straße, gestärkt hatten. Im Bus musste ich dann noch die Eintrittskarten verteilen, und dann konnte es losgehen. Busfahrer Walter wollte uns offensichtlich noch die Schönheiten der Stadt Essen vorführen und verpasste die richtige Ausfahrt. Nach einer kleinen Runde rollten wir aber auf der A40 Richtung Holland.
Die Busbesatzung war auch dieses Mal bunt gemischt, und so langsam findet sich ein kleiner Kreis ständiger Mitfahrer. Da wir in der Hinrunde noch einige Fahrten anbieten werden (München, Auxerre, Nürnberg, Cottbus), bieten sich genügend Gelegenheiten, diese Gruppe zu vergrößern. Cottbus wird für unsere Stammfahrer übrigens eine echte Schnäppchentour werden – Näheres dazu in Kürze.
An Bord befanden sich neben den üblichen Verdächtigen vom Niveaulosen Mob auch Mitglieder des Goldenen Oktobers 1991, Desperados’99, Treuer Süden’98, AKLP, das vollständige Kommando Kreuzviertel, ebenfalls vollzählig das Kommando Kleistraße aus Unna und die gefürchteten CitySups unter dem Kommando von BorussenBerti, sowie noch einige Einzelpersonen aus Dülmen, Senden, Telgte, Wesel und Dortmund. Sebi, CHS und meine Wenigkeit vertraten die schwatzgelb.de-Redaktion. Neben Prominentensohn Christian S. hatten wir noch echte Fanprominenz an Bord: Der berühmte Carsten aus Block13 gab sich die Ehre, allerdings ohne seinen „Schreck vom Niederrhein“ zum Besten zu geben.
Wer ist Carsten? Also die „Älteren“ werden ihn noch kennen, bis Mitte/Ende der 90-er war er es, der „Wer ist der Schreck vom Niederrhein?“ (übrigens irgendwann Anfang der 80er von RWE „geklaut“) im Block verkündete, und beinahe alle schrieen „Nur der BVB“. Er war bekannt und anerkannt und im Grunde der Vorreiter für viele heutige Einpeitscher (neudeutsch „Capos“). Im Moment fährt er nicht mehr so häufig zum BVB, weil er den Abstieg der Fanszene als sehr schmerzlich empfindet. Bereits in den 90-ern war er zum Schluss immer mehr ignoriert worden, als er versuchte Stimmung zu vermitteln.
Zurück zur Bus(tor)tour: Der Treue Süden war in Essen schon am Ende seiner Kräfte und ergab sich dem mitgebrachten Ruhrpott-Champagner, der mitgereiste Bankkaufmann M.R. aus Bo. (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt) gefiel sich im lässigen Banker-Outfit mit Hawaii-Hemd und Badelatschen. Simon vom gefürchteten „Kommando Kleistraße“ musste immer wieder im oberen Teil des Busses servieren, und auch die Absinth-Lady vom AKLP wurde herzlich aufgenommen. Die antialkoholische Münsterlandfraktion aus Dülmen und Senden hatte auch ihren Spaß. Die Desperados-Sticker-Fraktion verschönerte den Bus.
Kurz vor der Grenze, bei Venlo, begann dann der unerwartete Stau von 6 km Länge. Walter hielt unseren Bus links auf Kurs und zog am Stau vorbei. Andere Busbesatzungen wurden von uns über den Stau informiert und wichen deswegen zum Teil auf andere Routen aus. An der alten Grenzstation erkannten wir dann auch den Grund des Staus. Die Grenzbehörden zogen alle Busse mit Fußballfans an Bord aus dem Verkehr und überprüften sie. Wir wurden auf einen bestimmten Platz gewiesen und mussten die Türen öffnen. Dann stiegen deutsche und holländische Grenzer ein und wollten jeden Personalausweis und jede Eintrittskarte sehen. Da man uns wohl für unverdächtig hielt, ging das ganze relativ schnell, wie wir später erfuhren.
Nach gut 10 Minuten konnten wir weiterfahren. Wir zogen es jedoch vor, eine Pause direkt an der Grenze zu machen. Doch in der Gaststätte waren wir nicht willkommen, und man ließ uns Fußball-Asis nicht einmal zur Toilette. Komisch, wo die Grenzkontrolle uns doch als unbedenklich weiterfahren ließ.
Jetzt ging es ohne Pause das letzte Stückchen nach Eindhoven. Kurz vorher sammelte uns die örtliche Polizei ein und geleitete uns in Stadionnähe zum angekündigten Fantreff. Dort ließ uns Walter aus dem Bus und steuerte einen ihm zugewiesenen Parkplatz an, auf dem er bis zum Ende wartete.
Der Fantreff war gut besucht, auch einige PSV-Fans waren vor Ort. Einige Polizisten waren da und gaben sich betont freundlich. Sogar alkoholhaltiges Bier gab es! Insgesamt eine recht entspannte Atmosphäre, die sich auch auf uns übertragen sollte. Da wir recht spät eingetroffen waren, ging es schon nach gut anderthalb Stunden auf Bitten der Polizei gesammelt in Richtung Stadion.
Auf dem Weg dorthin wurde dann die eine oder andere „Humba“ für die Einheimischen zelebriert. Je näher wir dem Stadion kamen, desto nervöser wurde übrigens die Polizei, ohne dabei aber auszurasten oder gewalttätig zu werden. Der Zugang zum Gästeblock wurde uns durch eine Metallwand mit Tor ermöglicht. Eigentlich kommen hier die auswärtigen Fans mit dem Zug an und werden dann hindurch geleitet. Am Ende dieses Ganges befanden sich drei Drehtüren, durch die wir die Karte reichen mussten. Mir graut es vor dem Tag, an dem dieser Quatsch auch in Dortmund eingeführt wird. Und das ist dauert nicht mehr lange. Dann ging es eine Treppe hinauf auf eine überdachte Brücke, die über eine Straße hinweg zum Gästeblock führt. Am Eingang der Brücke wurden wir eingehend durchsucht. Zumindest wurde ich so genau durchsucht, wie ich es nur von Legokusen gewohnt bin. Gottlob war meine Freundin nicht dabei, schließlich durchsuchte mich eine Frau. Sie hätte ihr die Augen ausgekratzt, so wie die mich abgetatscht hat.
Am Ende der Brücke konnte man in das reichhaltige Nahrungsangebot der holländischen „Belle Cuisine“ reinschnuppern. Es gab Burger und Frikandeln, letztere trieften im Fett und erstere schmeckten schlicht scheiße. Also eine Cola zum Runterspülen, und dann nichts wie in den Block. Aber vor das Singen hat in Holland der Architekt das Treppensteigen gesetzt. Etliche Stufen später betrat ich den Block und musste feststellen, dass die Gäste-Käfige in GE, Stuttgart und anderswo in Deutschland nur ein lächerlicher Vorgeschmack auf das sind, was da noch kommen kann. Hier darf der Mensch gleich ein paar große Schritte in der Evolution zurückgehen und sich wie ein eingesperrter Affe fühlen. Hoffentlich wundert sich niemand, wenn man sich dann auch so benimmt. Der gesamte Gästeblock ist mit zerkratzten und dreckigen Plexiglasscheiben umhüllt, durch die man teilweise kaum noch hindurch sehen kann. Darüber sind rund um den Block Fangnetze angebracht, und als Abgrenzung zu den unteren Blöcken dienen erneut Plexiglasscheiben. Mir fehlten die Worte für diese fanfreundliche Bauweise. Sicherlich ist in Holland Fußball wesentlich gewalttätiger – zumindest wenn die großen Vereine kommen – aber trotzdem stellt sich für mich die Frage, ob man die friedliebenden Fans durch solche Verhältnisse nicht noch weiter abschreckt und am Ende nur noch die übrig bleiben, die man durch diese Bauweise abschrecken möchte. Denn so kam überhaupt keine Nähe zum Platz und zur eigenen Mannschaft auf, die war für uns weit, weit weg und konnte nur in den Block hochwinken.
Vor dem Spiel dröhnte uns der Stadion-DJ mit übelster Musik zu, die mit Fußball gar nichts zu tun hatte. Keine Vereins- oder Fußballlieder, wie auch schon in London. Im unteren Block, rechts von uns, schienen einige PSV-Fans zu sitzen, jedenfalls konnte man dort Fahnen sehen. Ansonsten ist das Stadion ein recht moderner Bau: Die Tribünen ragen hoch, und alle Zuschauer sind dadurch relativ nah am Spielfeld. Die Hintertor-Tribünen sind durch eine kleine Mauer leicht erhöht und noch einige Meter weg vom Zaun, der den Platz umsäumt. Bei Toren oder irgendwelchen besonderen Aufregern kommt es immer wieder vor, dass eine größere Gruppe die Mauer herunterspringt und an den Zaun hüpft, was dann immer die bunt gekleideten Ordner auf den Plan ruft. Am Ende der langen Geraden schienen ebenfalls einige Fans zu sitzen, jedenfalls standen die Leute währen des Spiels dort oft auf und schienen auch zu singen – auch wenn man es nicht hörte. Das Stadion war nicht annähernd ausverkauft, die schlechten Leistungen der Werkskicker in der Pilzeliga zollten ihren Tribut.
Auch der Gästekäfig war nicht voll, nur etwa 1.100 Dortmunder waren gekommen (ca. 1.500 hätten es sein können). Bei der Preisgestaltung der Pilzeliga-Teilnehmer wundert mich das allerdings auch nicht weiter. Nach 46,- Euro in London knöpfte man uns in Philips-Stadt stolze 33,- Euro für diesen Käfig ab. Gut, dass die deutschen Vereine da mit gutem Beispiel voran gehen und es hier immer günstige Gästekarten gibt.
Das Spiel begann wie befürchtet mit einer Topchance, die Jens Lehmann stark zunichte machte. Im Moment ist er sicherlich einer der stärksten Borussen, und mit Sicherheit der beständigste. Der BVB fing sich nach einigen Minuten und ging dann durch die kämpferische Vorstellung von Tomas Rosicky mit 1:0 in Führung, Koller traf endlich mal wieder und straft damit hoffentlich alle notorischen Nörgler Lügen.
Die Stimmung im Block war übrigens ganz hervorragend, auch wenn einige Ewiggestrige meinten, durch „SS, SA, Borussia“ auf sich aufmerksam machen zu müssen. Diese wurden jedoch sofort wieder übertönt und es wurde ein BVB-Lied nach dem anderen zum Besten gegeben. Da von PSV-Seite gesanglich überhaupt keine Gegenwehr zu vernehmen war, versuchte man die Werksangehörigen (die angeblich sehr Holland-patriotisch sein sollen) durch das absingen der Nationalhymne (nein Herr Mayer-Vorfelder, es war nicht die erste Strophe) oder vereinzelte „Deutschland“-Rufe aus der Reserve zu locken. Doch auch diese Hilfestellung wurde nicht angenommen, und man besann sich – von den üblichen Pöbeleien abgesehen – auf die Unterstützung der eigenen Mannschaft. Nach dem 2:0-Sololauf von Tomas Rosicky sah alles nach einem klaren Sieg aus, und wir feierten bereits, als der Sonntagsschuss der Werksstädter das Philips-Stadion wieder zum Leben erweckte. Erstmals – abgesehen von der schrecklich schlechten Techno“musik“ vor dem Spiel und in der Halbzeit. Das 3:1 ließ dann endgültig alle Dämme brechen, Amoroso wieder mal eiskalt. Kurz zuvor hatte er uns noch verzweifeln lassen, als er einen Ball lässiger als lässig vertändelt hatte.
Die Mannschaft kam dann wirklich noch „zu“ uns, soweit das in diesem Stadion möglich war, und machte die Welle mit. Amoroso hatte sich zuvor schon alleine winkend und hüpfend in unsere Richtung auf dem Rasen verausgabt.
Nach einer guten halben Stunde durften wir dann unseren Teil des Stadions verlassen. Vor der Brücke war unterdessen ein Rolltor heruntergelassen worden, um unsere „Flucht“ zu verhindern. Nachdem das Tor geöffnet wurde, zwängten wir uns durch die enge Röhre zu den Bussen, die vor dem Zaun aufgereiht standen. Bereits um 22 Uhr waren die Busse mit Polizeieskorte zum Stadion gebracht worden. Nach Busfahrer Walters Auskunft war der Parkplatz abseits ohne Probleme angefahren worden, und auch bei der Eskorte zum Stadion gab es keine Zwischenfälle. Die PKW-Fahrer bestiegen die Pendelbusse, wir zogen zu unseren Fan-Bussen. Zuvor musste jedoch eine angebrochene (bitte wörtlich nehmen) „Ultras“-Zaunfahne, die ein Mitfahrer dabei hatte, in einen Müllbeutel gepackt werden – sie roch doch etwas streng. Es dauerte noch etwas mehr als eine halbe Stunde, ehe es endlich zurück in die Heimat ging. Knapp 20 Busse zockelten nun gemütlich hintereinander her zur Autobahn. Selbst auf der Autobahn waren einige Auffahrten solange gesperrt worden, bis wir vorbei fuhren.
Gegen 1.30 Uhr erreichten wir Essen und ca. 30 Minuten später das Westfalenstadion (die Uhrzeiten habe ich bestimmt wieder durcheinander geworfen). Dort war übrigens gerade der Mannschaftsbus eingetroffen, und die Spieler jagten in ihren Kleinwagen davon. Diejenigen, die an uns vorbeifuhren, hupten und winkten freundlich. Marcio Amoroso hatte gar die Scheibe heruntergefahren und hing schreiend und winkend halb aus dem Fenster.
Dann noch auf einen Absacker in den Gänsemarkt und irgendwann ins Bett.
Jetzt als Anhang noch zu etwas weniger Erfreulichem.
Freitag Morgen war in den Ruhr-Nachrichten zu lesen, dass 15 Hooligans an der Einreise nach Holland gehindert worden seien. Passiert ist das offensichtlich dadurch, dass die Polizei an der Grenze die Busse und PKWs kontrollierte. Es ist natürlich bekannt, dass bei so genannten Risikospielen die Polizei die ausreisenden Fußballfans kontrolliert und dabei auch die sogenannte „Hooligan-Kartei“ abgleicht. Diese Kartei ist einst geschaffen worden, um die Hooligan-Problematik besser in den Griff zu bekommen, weil man damit versuchen wollte, Gewalttäter zu katalogisieren und ggf. an der Ausreise zu hindern. Leider haben sich in der Vergangenheit die Berichte über merkwürdige Eintragungen gehäuft. So war in einer der vergangenen Ausgaben von „11 Freunde“ zu lesen, dass ein Fan eine Schlägerei beobachtete, sich freiwillig als Zeuge meldete und Monate später an der Ausreise gehindert wurde, weil er sich wegen einer Zeugenaussage (!!!) in dieser Kartei wieder fand. Fans des Überwachungsstaates entgegnen da gerne immer wieder, dass das Zu- und Einzelfälle seien und dass man damit wohl leben müsse, wenn man Sicherheit gewährleisten wolle. Im Endeffekt mache man das ja alles sowieso nur, um uns zu schützen.
Doch wie schon im Rostock-Bericht angekündigt und befürchtet, waren die Beamten in der Hansestadt wahrlich dienstbeflissen und haben einen Festgenommenen (den ich persönlich kenne und für dessen Harmlosigkeit ich meine Hand ins Feuer legen würde) blitzartig in die Kartei eingetragen. Ohne Urteil, ohne Anklage. Dieser wurde nun von der Polizei an der Grenze darauf angesprochen. Da der Fall aber erst gute zwei Wochen her sei, ließe man noch „Im Zweifel für den Angeklagten“ gelten. Wo ist die Anklage, und wieso ist er überhaupt in diese Kartei eingetragen worden, wenn dieser Rechtsgrundsatz in Deutschland noch immer Gültigkeit besitzen soll?
Der zweite Fall ist eigentlich noch krasser und sollte JEDEM bewusst machen, dass es auch JEDEN Fußballfan erwischen kann. In der vergangenen Saison saßen wir mit einer Gruppe Fans nach einem Heimspiel zusammen in einer Kneipe. Irgendwann standen zwei von uns auf und kündigten an, jetzt die S-Bahn nach Hause nehmen zu wollen. Sie verabschiedeten sich und gingen von dannen. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass sie beide in einer S-Bahn landeten, in der auch einige Dortmunder Hooligans saßen, die zu (oder von, genau weiß ich das nicht, ist auch nebensächlich) einer verabredeten Schlägerei unterwegs waren. Die Polizei bekam davon Wind und nahm alle Fußballfans, die in der Bahn saßen, fest. Darunter auch diese beiden.
Der eine von ihnen, nennen wir ihn der Einfachheit halber John, war bislang nie auffällig gewesen. Beide bestritten, etwas mit einer verabredeten Schlägerei zu tun gehabt zu haben. Wir konnten telefonisch der Polizei versichern, dass beide vorher mit uns unterwegs und einfach auf dem Weg nach Hause waren. Das Verfahren, so es denn überhaupt ein richtiges gegeben hat, wurde eingestellt, und alles schien in Ordnung. Bis „John“ am Mittwoch, wie so viele andere unbescholtene Fans auch, nach Eindhoven fahren wollte. Sein Bus war wegen des beschriebenen Staus von der Autobahn gefahren und wurde vom BGS mittels „Spezialauftrag“ auf einer Landstraße gestellt. Alle Ausweise wurden kontrolliert, über eine Stunde lang mussten sich die Mitfahrer gedulden. „John“ wurde plötzlich erklärt, dass er Aktenkundig sei und deswegen nicht ausreisen dürfe. Für ihn eine große Überraschung, schließlich sagte ihm die Polizei damals, dass alles in Ordnung sei. Darauf in Eindhoven angesprochen, wussten die Dortmunder „Szenkundigen Beamten“ (SKB) davon nichts und konnten sich die Sache überhaupt nicht erklären. Genauso wenig wussten sie von der Eintragung des BVB-Fans in Rostock. Das System funktioniert also augenscheinlich prächtig. Weder die Beschuldigten, noch deren zuständige Polizeidienststelle wird über eine Eintragung informiert. Was bitte sind das für Methoden? Ich fühle mich einige Jahre zurückversetzt und einige Kilometer nach Osten, wenn ich so etwas lesen und hören muss.
Dazu ist zu sagen, dass jeder Busveranstalter eine Meldeliste beim BVB vorlegen muß, auf der alle Mitfahrer inkl. Personalausweisnummern aufgeführt werden müssen. Darunter waren auch einige der Abgewiesenen. Warum werden diese nicht informiert, dass sie nicht mitfahren können? Das wäre das wenigste gewesen und man spart sich das Geld für die Karten und die Fahrt. Aber offensichtlich haben die 4 (!!) Dortmunder Beamten dazu keine Zeit. Genausowenig hatten sie auch Zeit, sich um die Nicht-Eintragung von „John“ zu kümmern, allen Versprechungen und Beteuerungen zum Trotz. Irgendwann fühlt man sich mehr als nur veralbert.
Es ist schon merkwürdig, dass einerseits eine große Anzahl Hooligans in Eindhoven war, die Polizei sich andererseits aber für lausige 15 Abgewiesene feiern lässt. Mein Rechtsempfinden ist durch dieses und diverse andere Ereignisse der letzten Zeit doch empfindlich gestört. Wieso lässt man es zu, dass sich Rostocker Ordner vermummen, auf Fans einprügeln und mit verbotenem Pfefferspray wahllos in die Menge sprühen, wie beim Spiel FC Hansa – Hannover 96? Warum wird ein 15-jähriger Stuttgart-Fan von der Polizei angezeigt, weil er eine Fahne dabei hat, auf der ein Männchen ein Hakenkreuz in die Tonne wirft? Warum wird man als Gästefan fast nur noch behandelt wie ein Schwerverbrecher, lieblos in die Ecke des jeweiligen Heimstadions gesetzt, eingezäunt und scharf bewacht, obwohl es schon seit Jahren kaum noch Vorfälle innerhalb der Stadien gibt? Warum werden immer wieder normale Fußballfans „irrtümlich“ erfasst? Und warum macht sich niemand für sie stark? Haben wir alle einen so schlechten Ruf, sind wir automatisch ein Haufen Asozialer, wenn wir regelmäßig Auswärtsspiele besuchen und uns nicht auf den Sitzplätzen aufhalten? Warum geben Fußballkonzerne und Staat immer mehr Geld für Sicherheit aus und immer weniger für die Prävention von Gewalt? Niemand macht sich mehr die Mühe, über Gewaltfaszination nachzudenken. Offenbar hat sich alle Welt damit abgefunden, und jetzt wird nur noch mit Gegengewalt geantwortet. Dass die Sache dadurch nicht besser wird, dürfte jedem klar sein.
Im übrigen sollten sich auch die Medien mal fragen, warum sie bei Gewalt bei Fußballspielen so geifernd parat stehen und die Kamera zücken, während sie für all die vielen positiven Fans und Fußballverrückten kaum ein Auge haben. Eine Meldung über 15 Hooligans ist es wert gedruckt zu werden, die 90-minütige tolle Vorstellung aller BVB-Fans in Eindhoven dagegen nicht.
Die Bilder wurden vom BVB-Fanclub "Der Treue Süden" und von THE UNITY - Supporters Dortmund zur Verfügung gestellt.
Geschrieben von Jens
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