Schneider schockiert: "Das ist unfassbar!"

Lukas Kruse bedankt sich beim AnhangWenn man 3:1 führt, der Gegner einen Mann weniger auf dem Feld hat und man zweimal allein aufs gegnerische Tor zuläuft, dort aber den Ball nicht unterkriegt, muss man sich ob dieser Lässigkeit nicht wundern, wenn man am Ende vollkommen unnötig noch 3:3 beim SC Verl spielt und die Tabellenführung leichtfertig verzockt. So nicht, Freunde!

Wenn man sich die Gemeinde Verl so anguckt, kann man sich ungefähr vorstellen, wie das beim örtlichen Sportclub abläuft. Irgendein reicher Hopp hat genug Kohle, um auf diesem Kuhdorf höherklassigen Fußball anzubieten. Verl ist so abgeschnitten, dass der letzte Bus samstags nach Gütersloh um 16.30 Uhr fährt. Da muss man schon selbst für die Jugend super Angebote haben. Naja, wenigstens konnte man bei der Hinfahrt entspannt Bekanntschaft mit den Verlern Toto und Harry machen, die einem vom Busbahnhof aus den Weg zum Stadion an der Poststraße wiesen. Dieses Stadion ist ein besserer Dorfplatz, aber trotzdem sehr nett. Von einer örtlichen Fanszene war außer zwei Trommlern nichts zu bemerken. Die ca. 100 mitgereisten BVB-Fans hatten während des gesamten Spiels das Heft klar in der Hand. Zum Glück endlich mal ein Amas-Spiel, welches nicht parallel zu den Profis angesetzt wurde! Im Gegensatz zur letzten Saison, als ein 0:1 in Verl die Nicht-Quali für die Dritte Liga einläutete. Nicht nur Trainer Schneider sprach vor der Partie davon, dass man in Verl etwas gutzumachen hatte.

Heute auf dem Programm: Standards

Gordon im KopfballduellIn diesem "Sicherheitsspiel" (danke, zuviel der Ehre!) konnte Schneider dabei auf ein gutes Amas-Team zurückgreifen. Uwe Hünemeier kehrte von seinem Profi-Intermezzo als Kapitän in die Innenverteidigung zurück. Auf Verler Seite - letzter größerer Erfolg: Westfalenpokalsieger 2007 - war sein Pendant der Ex-Ahlener Musemestre Bamba. Auch ein Nationalspieler haben die Ostwestfalen in ihren Reihen: Etienne Barbara stürmt für Malta. Doch die erste Chance für den Tabellenführer aus Dortmund: Omerbegovic schön in die Gasse, wo Tyrala vor Keeper Kalintas an den Ball kommt, doch leider auf das Tornetz lupft. Diese Chance war sicher einfacher, als die Szene in der 22. Minute: Tyrala mit einer Ecke von rechts auf Öztekin, der von der Strafraumgrenze einfach mal draufhaut und genau in den linken oberen Winkel trifft. Von 100 Versuchen trifft der Junge den vielleicht zehnmal, aber das sollte in diesem Moment egal sein.

Wo wir schon beim Thema Sonntagsschüsse sind: Leider kann der Verler Uilacan so etwas auch. Nach einem blöden Foul Hünemeiers gab es indirekten Freistoß und der Rechtsverteidiger ballerte furztrocken in die kurze Ecke. Unser Lukas Kruse streckte sich vergeblich. Der Ausgleich, 1:1. Und weiter ging das Standardschießen: In der 35. Minute setzte sich Kullmann schön durch und zwang Flottmann zu einem Foul an der Strafraumgrenze. Vrancic hob den Ball herrlich über die Mauer, Kalintas macht Glubschaugen und guckt den Ball an den Pfosten, Kullmann staubt aus drei Metern ab, To..Nein! In die Arme von Kalintas. Diese Szene erinnerte an das Abstiegsfinale 1999, als der damalige Nürnberger Frank Baumann den Club in der ersten Liga hätte halten können, jedoch ebenfalls kläglich in die Arme von Golz schoss.

Naja, zwei Minuten vor Ende der ersten Halbzeit mal wieder eine Ecke. Ganz schwach von Tyrala reingetreten, jedoch noch schwächer "geklärt". An der Straumfraumgrenze wartet Omerbegovic und Omerbegovic war nach seinem Tor nur schwer zu haltenzimmert ebenfalls einfach mal drauf. Der Ball wird noch abgefälscht, Tor. So einfach kann manchmal Fußball sein. Der glückliche Schütze rannte wieder in Richtung seiner Fans, die ihm schon gegen Elversberg Glück gebracht haben. Der selbe Omerbegovic hatte praktisch mit dem Halbzeitpfiff noch die Chance auf das 3:1, doch parierte diesmal Kalintas seinen Schuss aus spitzem Winkel.

Nach Wiederanpfiff hätte man sich bis zur 72. Minute schön die Sehenswürdigkeiten Verls (Post, Sparkasse und Sanitätshaus) angucken können, ohne auch nur ansatzweise irgendwas zu verpassen. Dann jedoch ging es rund und die Spieler wollten in den letzten knappen zwanzig Minuten so spielen wie andere Teams in drei Partien. Zunächst mischte sich der nicht sehr gut Bundesliga-Schiri Seemann aus Essen ein, als er völlig überraschend auf Foulelfmeter entschied, nachdem Tyrala in die Zange genommen worden war. Vrancic ließ sich dieses Geschenk nicht nehmen und verwandelte sicher. Und nur eine Minute hätte ebenfalls Tyrala fast schon das Kind ins Bett gebracht, als er nach herrlichem Pass Kochs allein auf Kalintas zulief. Leider verspürte er sowas wie Torschlusspanik und vergab unkonzentriert; Kalintas konnte zur Ecke lenken.

Platzverweis als Initialzündung

Ab der 77. Minute konnte dann Andreas Saur die Dusche schon einmal einstellen, denn er sah wegen Bitter - Verl erzielt das 3:3Meckers innerhalb von handgestoptten sechs Sekunden zweimal Gelb und somit Gelb-Rot. Selten so etwas Dummes gesehen, zuletzt bei einem Spiel der zweiten Mannschaft von SF Geweke II, Kreisliga B. Hier konnte eigentlich nichts mehr anbrennen. Doch dann ging plötzlich alles schief: Der Anschlusstreffer durch Jurez in der 78. Minute wäre ja überhaupt kein Ding gewesen, wenn, ja wenn, Hillenbrand nicht so lässig, fast schon arrogant in der 83. Minute agierte: Wieder ein Pass aus dem Mittelfeld auf den durchstartenden Linksverteidiger. Dieser spielt Kalintas aus und braucht eigentlich nur noch einzuschieben. Er will den Gegner jedoch vorführen und scheitert an einem zurückgeeilten Abwehrspieler auf der Linie. Meine Güte, das müsste eigentlich eine Geldstrafe wegen Dummheit in Tateinheit mit Überheblichkeit geben. Auch Trainer Schneider war nach dem Spiel von Hillenbrand enttäuscht, zumal dieser sich noch auf den "Schlips getreten" fühlte, als man ihn für diese Aktion kritisierte.

So kam es wie es kommen musste und Verl sowie Kleve könnten jetzt eigentlich eine Städtepartnerschaft gründen. Denn nachdem man in Kleve nach 3:0-Führung noch 3:3 spielte, konnte man auch in Ostwestfalen nur einen Punkt mitnehmen. Anstatt den Ball rauszuhämmern, passte Venker auf den völlig freien Kaminski, der aus kurzer Distanz den Ball unter die Latte hämmerte. Dritte Chance, drittes Tor für Verl. Wenn das nicht effektiv ist, dann weiß ich auch nicht... Der Ausgleich also und selbst die Verler "Zuschauer" gingen jetzt richtig aus sich heraus, auch wenn man nicht von "das Stadion tobte nun" sprechen kann. Es blieb nur noch der Schlusspiff und ein wütender Theo Schneider, der seine Mütze frustriert zu Boden warf. Man kann nur erneut hoffen, dass auch diese Partie den jungen BVB-Spielern eine Lehre sein wird, dass Die Leistung auf der Tribüne stimmte mal wiederman eben auch in dieser Liga zu keiner Zeit arrogant werden darf. Ganz besonders gilt das für das nächste Heimspiel in zwei Wochen gegen Kellerkind Lotte.

Fazit nach 90 Minuten

So steigt man nicht auf! Eine 3:1-Führung in Überzahl darf man auswärts niemals hergeben. Wenn der Gegner nur drei Chancen hat, kann das einfach nicht sein, hinten in den entscheidenden Momenten so offen zu stehen und vorne fahrlässig und arrogant zu agieren. Letztlich ist dieses Remis sogar noch nicht einmal unverdient, weil Verl immer an sich geglaubt hat und nie aufgesteckt hat.

Stimmen zum Spiel

Dr. Mario Ermisch (Trainer SC Verl): Nach dem 1:3 war es sicherlich ein glücklicher Punkt, aber das Spiel ging von 0:0 los und gerade beim 2:1 habe ich ein Foul im Strafraum durch Schubsen Schneider war nach dem Ausgleich ratlosgesehen und auch der Elfmeter war nicht nur für mich keiner. Aber letztlich müssen wir sogar dem Schiri noch dankbar sein, da sich Saur aufregte und deshalb Gelb-Rot sah. Das hat uns den Punkt gebracht, denn ab da haben wir Alles oder Nichts gespielt. Leider haben heute Dinge eine Rolle gespielt, die eigentlich keine Rolle spielen sollten.

Theo Schneider (Trainer BVB II): Das war unser zweites Auswärtsspiel in Folge und unser Ziel waren vier Punkte. Nach dem Spiel heute bin ich jedoch natürlich nicht zufrieden mit dieser Ausbeute. Dass wir so ein Spiel noch aus der Hand geben, ist einfach unfassbar. Wir haben fahrlässig unsere Chancen ausgelassen und als wir wieder einmal nicht das Tor machten, obwohl wir allein auf das Tor zuliefen, habe ich noch zu unserem Physio gesagt: "Das Spiel gewinnen wir heute nicht." Leider wurde ich nicht eines Besseren belehrt. Vor dem 3:3 müssen wir einfach den Ball raushauen, denn so ein Gegentor darf uns einfach nicht passieren.

Sebestian Hille: Heute gibt es keine Entschuldigung. Wir mussten einfach unsere Chancen besser nutzen. Wir haben uns viel vorgenommen für das Spiel hier, auch und gerade wegen der letzten Saison und darf sowas wie heute hier einfach nicht passieren. Wir müssen viel, viel konsequenter sein. Ich habe keine Ahnung, warum wie in Kleve auch hier wieder plötzlich der Faden weg war. Wir müssen jetzt endlich aus unseren Fehlern lernen.

Tyrala im ZweikampfSebastian Tyrala: Nach dem 3:1 hatten wir zwei Riesendinger und wenn man die nicht macht, muss man sich nicht wundern. Das ist bitter und enttäuschend. Es war wie so oft in dieser Saison. Wir machen viele Tore, kriegen dann aber eins und fangen plötzlich total an zu wackeln. Dann kommt nochmal das Publikum und wir sowie der Schiri werden etwas nervös. Es ist mir insgesamt unerklärlich, zumal wir noch in Überzahl spielten. Es ist einfach auch schade für die vielen mitgereisten Fans!

Uwe Hünemeier: Es ist einfach fahrlässig, wie wir hier die Punkte verschenkt haben, wie wir teils arrogant, teils lässig hier aufgetreten sind. Das fehlen mir einfach die Worte. Es ist mir unerklärlich. Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll.

Daten zum Spiel

SC Verl (4-3-3): Kalintas - Uilacan, Saur, Flottmann, Kaminski - Neumann, Bamba (64. Venker) Leeneman - Barbara (85. Freiberger), Knappmann (64. Arifi), Jurez

BVB II (4-4-2 mit offensiven MF-Außen):
Kruse (4) - Hille (3,5), Koch (3,5), Hünemeier (3), Hillenbrand (4,5) - Öztekin (4), Vrancic (3), Gordon (4,5), Omerbegovic (4) - Tyrala (3,5) (87. Piossek, - ), Kullmann (4)

Tore: 0:1 Öztekin (22., Rechtsschuss, Vorarbeit Tyrala), 1:1 Uilacan (25., RS, ind. Freistoß), 1:2 Omerbegovic (43., RS, o.V.), 1:3 Vrancic (72., RS, Foulzange von Uilacan und Arifi an Tyrala), 2:3 Jurez (78., mit den Gedanken Koch im Kopfballduellwoanders), 3:3 Kaminski (86., LS, Venker)

Zuschauer: 1.000 (ca. 350 Fans aus Dortmund)

SR: Seemann (Essen - Guzijan, Hoff), 4,5. Der Elfmeter für den BVB war zu hart. Musste gegen Saur seine Bundesliga-Autorität unbedingt zeigen. Zudem mit einigen teils haarsträubenden Entscheidungen bei Abseits und Einwürfen.

Gelbe Karten: Flottmann (35., Foulspiel) - Koch (56., Foulspiel)

Gelb-Rote Karte: Saur (77., wiederholtes Meckern)

Chancen: 3:9

Ecken: 0:6

Weitere Fotos vom Spiel gibt es hier.

Malte, 05.10.2008