Der Magier ist zurück

AJ Auxerre - ein Name, der bei vielen BVB Anhängern einen verträumten Glanz in die Augen zaubert. Dieser Provinzclub aus Burgund lässt viele schwatzgelbe Fans in Erinnerungen schwelgen. Beim ersten Aufeinandertreffen 1993 stand der BVB zum zweiten Mal nach 1966 in einem europäischen Halbfinale - mit einem legendären Elfmeterschießen. Der BVB und AJ Auxerre boten damals den Fans ein unvergessliches Spiel. Ein Match, in dem Helden geboren wurden. Spieler, deren Namen sich in die Erinnerungen der Fans einbrannten.  


Damals wurde Stefan „Stoffel“ Klos zu einem dieser Fußballhelden. Als Stoffel in dem hochdramatischen Match im Stade Abbé Deschamps im Elfmeterschießen den Schuss von Stephane Mahe parierte, wurde er für die BVB Fans an diesem Tag zum „Helden von Auxerre“ und wurde vor jedem Heimspiel von den Fans beim Warmmachen gefeiert. Unglaubliche Szenen spielten sich damals nach dem Einzug in das Uefa-Cup-Finale auf dem Rasen in Auxerre ab. Seit diesem Tag ist der AJ Auxerre so etwas wie ein gutes Omen für den BVB. Denn auch vor dem größten Vereinerfolg, dem Gewinn der Champions League 1997, traf der BVB, damals im Viertelfinale, auf die Franzosen. 
Die Mannschaft von Trainer Guy Roux ist heute wie damals nicht zu unterschätzen. So machte Matthias Sammer schon vor dem Spiel klar, dass es keine großen Überraschungen bei der Aufstellung geben würde. Immerhin fehlten Amoroso und Ricken noch Spielpraxis. Gegen die wieselflinken und robusten Franzosen musste die Mannschaft von der ersten Minute an hellwach sein. Weitere Fragen blieben vor dem Spiel offen. Würde der neue Rasen halten? Wie würde die Unterstützung der Fans für die eigene Mannschaft von der verkleinerten Südtribüne funktionieren? Schon oft hatte sich nämlich gezeigt, dass die „versitzplatzte“ Südtribüne für mehr Support sorgte als eine prall gefüllte Tribüne an einem Bundesligaspieltag. Von dem Rasen, der erst zwei Tage vor dem Spiel neu verlegt worden war, erhoffte man sich endlich die Spielwiese für ansehnlichen Kombinationsfußball.
Für Unverständnis sorgte bei den BVB-Fans eine Änderungen in der Startaufstellung. Dass Rosicky, der sich gesund zurückgemeldet hatte, wieder spielen würde war klar. Doch dass Sammer dafür Dede aus der Mannschaft nahm und Heinrich auf die Stammposition von „Mister Zuverlässig“ stellte, schien außer dem Trainer, keiner richtig verstehen wollen. Doch ausgerechnet Heinrich sollte schon früh seine Kritiker verstummen lassen und die Entscheidung Sammers nachhaltig unterstreichen.  
Borussia setzte vom Anstoß an Auxerre mächtig unter Druck und hatte durch Ewerthon bereits in der 1. Spielminute die erste Torchance. Die Mannschaft schien Trainer Sammer vor allem in der ersten Viertelstunde, beweisen zu wollen das sie alles kann was er von ihr erwartet. Da wurde gegrätscht und gekämpft, was die Laktatwerte hergaben.
Das Führungstor für den BVB viel trotzdem völlig überraschend. Einem Rückpass von Mexes auf Radet setzte Heinrich in der 5. Spielminute entschlossen nach. Der Franzose muss dann einen Totalausfall im Verteilerkasten gehabt haben, als er den Ball in einer harmlosen Situation Heinrich in die Füße spielte. Der legte den Ball am Franzosen vorbei zur Grundlinie und spielte die Kugel auf den im Fünfmeterraum lauernden Koller. Der „Dino“ verzichtete diesmal auf Kunststücke und schob das Runde zur frühen 1:0-Führung ins Eckige der Franzosen. Radet soll nach unbestätigten Meldungen zur Halbzeit mit Hilfe eines Kompasses in die Kabine geführt worden sein.
Vor allem Rosicky sprühte vor Spielfreude und ackerte auf dem Platz für zwei, grätschte jedem Ball nach und machte den Eindruck, als wollte er ein Bewerbungsschreiben als Verteidiger abgeben. Erst nach 17 Spielminuten kamen die Franzosen zu ihrer ersten Torchance. Kapo hatte sich an der Strafraumgrenze gleich gegen zwei Dortmunder Spieler geschickt durchgesetzt, doch sein Schuss verfehlte Lehmanns Gehäuse.
Der BVB bestimmte weiter das Spiel, doch das hohe Tempo erhöhte die Fehlerquote, und so brachte sich Borussia immer wieder selbst in Not. Vor allem Dortmunds Kreativeabteilung unter Führung von Rosicky hätte öfter mal aufs Leder treten sollen, um das Spiel zu beruhigen. Denn einige der Dortmunder Spieler hatten ihre Probleme mit der Geschwindigkeit, mit der „Rosa“ seine Kreativität auf dem Platz auslebte. Vor allem Evanilson schien ein ums andere mal überfordert und lud mit unnötigen Fehlpässen die Franzosen zum Kontern ein. Ein solcher Angriff brachte fast den Ausgleich. Fadiga, Benjani und Kapo nutzen einen dieser unnötigen, überhasteten Abspielfehler und mischten die Dortmunder Hintermannschaft mächtig auf. Zum Glück ohne Folgen.
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit hätte dann noch fast Heinrich das 2:0 nach schöner Vorarbeit von Ewerthon erzielt. Sein Schuss verfehlte nur knapp das Tor von Auxerre-Keeper Cool.  
Die Franzosen kamen wie die Dortmunder unverändert aus der Kabine und schienen fest entschlossen das Ergebnis zu ihren Gunsten zu drehen. Doch trotz aller Bemühungen blieb Dortmund die gefährlichere Mannschaft. Vor allem der Einsatz stimmte an diesem Abend bei der Mannschaft. Genauso wie bei den Fans auf der Südtribüne. Ganz anders einige „Zuschauer“ auf der Ost und Westtribüne, die vor allem in der ersten Halbzeit nach einigen Flüchtigkeitsfehlern und Rückpässen gnadenlos auspfiffen.
Diese Leute können echt stolz auf sich sein. Tolle Leistung, die eigene Mannschaft auszupfeifen. Das bedarf wohl keines Kommentares. Aber um Trainer Sammers Worte zu benutzen: So etwas macht mich echt „gallig“. Ein Distanzschuss von Evanilson (56.) brachte die erste gefährliche Torchance für den BVB in der zweiten Hälfte.
Vier Minuten später hatte Frings die Riesenchance zur 2:0 Führung auf dem Fuß. Torwart Cool hatte zuvor den Ball im Strafraum fallen lassen. Frings reagierte am schnellsten, doch sein Schuss ging über den Kasten.Die Franzosen wurden immer stärker, weil sich die Abspielfehler beim BVB häuften. So gelang Auxerre durch Benjani fast der Ausgleich (72.). Metzelder hatte sich an der Strafraumgrenze nicht gegen Kapo durchsetzen können, Kapo spielte den Ball auf Benjani, der den Ball mit der Fußspitze fast in den Winkel von Lehmanns Kasten spitzelte. 
Großer Jubel im Tempel, als Sammer Amoroso das Signal zur Einwechselung gab. Als der Brasilianer für Rosicky das Spielfeld betrat, bebete die Bude. Zur gleichen Zeit wurde Kehl nach einem Zusammenprall am Spielfeldrand eine Platzwunde am Auge getackert. Damit dürfte Sebastian seine geplante Karriere bei den Kellys wohl vergessen können. Drei Minuten später verhinderte Jens Lehmann mit einer Glanzparade den Ausgleich durch Benjani. Danach folgte der Auftritt des Marcio Amoroso. Zuerst setze er Evanilson mit einem klugen Pass in Szene. Eva flankte den Ball in den Strafraum, und Ewerthon versuchte mit einer artistischen Einlage die brasilianische Kombination erfolgreich zu beenden. Doch sein Scherenschlag landete auf dem Tornetz der Franzosen. Was zuvor Frings und Kehl in 78 Spielminuten nicht zustandegebracht hatten, demonstrierte dann Lars Ricken (zuvor für Frings ins Spiel gekommen).
Mit einem klugen Pass spielte er Amoroso an der Strafraugrenze frei. In seiner unnachahmlichen Art nahm Marcio das tolle Zuspiel von Ricken auf, ließ Torwart Cool aussteigen und schob den Ball trocken ins Tor. Amoroso ist wieder da - und wie!
Doch der zweite Treffer gab dem BVB nicht die nötige Sicherheit. Auxerre suchte weiter sein Heil im Angriff, und so viel der Anschlusstreffer fast zwangsläufig. In der 83. Spielminute nutze Benjani nach einem Pfostenschuss die allgemeine Verwirrung und erzielte den Anschlusstreffer. Die letzte Chance des Spiels hatte dann nochmals Amoroso, der sich schön frei spielte und alleine auf Cool zulief. Doch diesmal war Auxerres Keeper auf der Höhe und konnte Marcio den Ball vom Fuß spitzeln.

Fazit:

Alles in allem ein verdienter Sieg. Unsere Jungs sind wieder im Rennen um einen Platz für die nächste Runde in der CL. Auch wenn die Fehlerquote im Spiel an diesem Abend noch zu hoch war. Immer wieder brachten sich die Spieler durch die hektische Spielweise selbst in Not. Trotzdem stimmt vor allem die kämpferische Einstellung. Auf dem Sieg lässt sich weiter aufbauen.

Stimmen zum Spiel:

Reuter:

Wir dürfen in so einem Spiel nicht überdrehen. Wir müssen einfach mal auf den Ball treten und das Tempo aus dem Spiel nehmen. So ein Tempo wie heute in der 1. Hälfte kannst du nicht über 90 Minuten gehen. Wir haben uns mit dem Sieg in Rostock in der BL zurückgekämpft und haben mit dem Sieg heute uns auch in der CL zurückgemeldet. Dass die Zuschauer pfeifen, finde ich einfach schade. Trotzdem sollten wir mit Kritik erst bei uns ansetzen. Marcio ist einfach sensationell. Er kommt ins Spiel und haut das Dingen rein. Das tut einfach gut. Wie er das macht, das ist schon klasse. Da gibt es kaum einen, der im Abschluss stärker ist als er.

Metzelder:

So einen Einstand von Amoroso haben wir uns gewünscht. Es war ein Zittersieg, man hat gesehen, dass uns noch etwas Stabilität fehlt. Wir müssen uns langsam wieder an die Leistungen der letzten Saison rantasten.

Amoroso:

Die Mannschaft hat heute sehr stark gespielt. Ich bin einfach glücklich wieder auf dem Spielfeld gestanden zu haben.

Rosicky:

Ich wollte heute unbedingt gewinnen. Da muss man dann alles geben und auch mal Bälle abgrätschen. Zum Schluss war ich platt und habe dem Trainer signalisiert, dass ich raus möchte.

Sammer:

Ich hatte mich ja zuletzt über den Platz beschwert und so sollte man den Leuten heute ein Kompliment machen für die geleistete Arbeit, vor allem in dieser kurzen Zeit. Wir sind sehr gut gestartet, haben uns aber durch eigene Fehler selbst unter Druck gesetzt. So hat man schon in der Halbzeit gespürt, dass die Mannschaft etwas verunsichert war. Wir sollten uns nun Gedanken darüber machen, wie wir an Stabilität über 90 Minuten gelangen. Es ist an der Zeit diese Stabilität zu bekommen. Vielleicht sollte jeder noch einmal darüber nachdenken und an sich weiter hart arbeiten und eine Schüppe zulegen, damit wir oben weiter anschließen können. Ich denke das es nicht eine Frage der Power ist, sondern eine Frage der Souveränität, um diese Sicherheit wieder zu bekommen. Zu Amoroso: Amoroso ist ein außergewöhnlicher Spieler und wir sollten nun versuchen ihn langsam wieder an die Belastung heranzuführen.

Guy Roux:

Wir brauchen einfach zu lange um in den Rhythmus für die CL zu kommen. Wir machen einfach noch zu viele Fehler um Erfolg zu haben. Radet hat noch nie so einen Fehler (in der 6. Spielminute) gemacht, und es ist schade, dass ihm das heute passiert ist. So lange die Dortmunder im Rhythmus stärker waren, konnten wir nichts gegen sie bewirken. Erst durch ihre Fehler kamen wir besser ins Spiel. Nach der ersten Viertelstunde, die für uns katastrophal war, sind wir besser ins Spiel gekommen und hatten auch unsere Chancen.

Dieser Guy Roux ist echt klasse! Hier ein paar Sprüche vom Kulttrainer:

Auf die Frage warum er nicht ausgewechselt habe antwortete er: „Wissen sie, ich komme aus einer Zeit, da durfte man noch nicht auswechseln und solche Gewohnheiten legt man nur schwer ab.“

Außerdem dankte Guy Roux den Leuten, die den Rasen verlegt haben. Guy Roux: „Der Rasen war hier wirklich klasse. Kompliment an die Leute, die das ermöglicht haben."

Zum Dortmunder Publikum: „Die Leute hier sind sehr warmherzig und nett.“ Mit einem Lächeln ergänzt er: „Bis auf einen Fan, der mit einer Schiripfeife hinter dem Tor von Cool stand, der hat uns schon mächtig Nerven gekostet. Aber einer bei 45.600 Zuschauern, das ist dann ja doch noch ganz OK“

Daten zum Spiel:

Aufstellung: Lehmann (2), Evanilson (4), Wörns (3,5), Metzelder (3,5), Heinrich (3,5), Reuter (3), Kehl (3,5), Frings (3,5), Rosicky (2), Ewerthon (4), Koller (4)

Schiedsrichter: Terje Hauge (Norwegen) (2)

Karten: Heinrich (Gelb/45.)

Tore: 1:0 Koller (6.), 2:0 Amoroso (78.), 2:1 Benjani (83.)

Zuschauer: 46.500

Geschrieben von wade