BVB-Amateure schlagen Jenny Elvers
Zugegeben, dieser Kalauer tut weh, aber sonst liest ja wieder niemand die Spielberichte über die Amateure. Deshalb muss man auch einmal zu diesen Mitteln greifen. Wie die Nudel auch gebogen ist, jedenfalls gewannen die BVB-Amas mit 3:1 gegen die Gäste aus dem Saarland. Das ganze Dorf vom SV Elversberg war da und am Ende fragte sich BVB-Trainer Theo Schneider, warum man eigentlich gewonnen hat.
Nach dem schwachem Spiel am Donnerstag rechnete man nicht damit, so schnell wieder internationales Flair am Westfalenstadion sehen zu dürfen. Doch nur zwei Tage später war es wieder soweit, da der Bus der Elversberger mit französischem Nummernschild auf deutschen Straßen unterwegs war. Jetzt werden sogar deutsche Mannschaftsbusse outgesourct. Wie tief muss Deutschland gesunken sein? Wesentlich komfortabler hatten es da doch die 20 mitgereisten Fans von der Gruppierung "Allesfahrer Elversberg". Sie kamen mit einem gelb-grünen Bus (Kennzeichen SLS, Saarlouis) an, der an Kroatien-Reisen aus den Achtzigern erinnerte, wo im doppelten Boden Wodka aus Dubrovnik oder Zigaratten aus Split geschmuggelt wurden.
Aber sie machten eine schöne Choreo zum Einlauf, genau wie die BVB-Fans, die zudem noch mit feinem Liedgut (Auf gehts Amateure, Hey Amateure sowie Allez Amateure) und allgemein nettem Support aufwarten konnten. Etwas enttäuschend war jedoch die Anzahl der BVB-Fans, war doch endlich mal dieses
Spiel heute nicht parallel zu einem der Profis angesetzt. Dass sich viele aktive Fans in der VHS Harsewinkel zum Thema "Wie werde ich ein Ultra?" einfanden, kann bis jetzt nicht endgültig bestätigt werden.
Elversberg braucht eigentlich kein Mensch
Vor dem Spiel hatte BVB-Trainer Schneider gegen die kompakte Abwehr der Saarländer Einfallsreichtum gefordert, doch war er der Erste, der dies beherzigen musste. So waren Hünemeier und Sadrijaj bei den Profis und Hillenbrand erkältet, sodass er lieber nur auf der Bank Platz nehmen wollte, um dort von der Stadiongaststätte mit heißer Zitrone und AloeVera-Taschentüchern versorgt zu werden. Auch Sahin und Kruska sind mit den Profis on tour, sodass man von einer reinen Amas-Auswahl sprechen kann. Elversberg hatte drei prominente Menschen dabei. Da ist zunächst der Trainer Vasic, der vor einiger Zeit in
Braunschweig so unglaublich schlecht war, dass er sich wohl dachte, zwischen Timbuktu und Elversberg besteht kein großer Unteschied, also gehe ich mal ins Saarland. Der Dorfverein wird übrigens vom Mäzen Frank Holzer regiert und man munkelt, dass man dort als abgewirtschafteter Profi ganz gut seine Karriere ausklingen lassen kann (wenn es einem in Dubai zu warm ist wahrscheinlich). Im Mittelfeld agierte Michael Lehmann, der vor einigen Jahren beim FCK als kommender Nationalspieler gefeiert wurde. So eine Jenny Elvers eben. Im Tor von Elversberg stand Adnan Masic, der immer mal wieder mit dem aktuellen Wettskandal in Zusammenhang gebracht wurde und sicherlich für alle ODDSET-Spieler den einen oder anderen Tipp parat hätte. Einfach eine Mail an adnan.masic@bettingwithlee.my
Verlassen wir nun Kalauerland und widmen uns dem sportlichen Geschehen. Denn dort zeigten Hille und Omerbegovic, dass Fußball ganz einfach sein kann. Hille mit Pass in den Lauf, Omerbegovic mit rechts in die lange Ecke. Tor! Das ging schneller als ein Quickie im B-Movie mit Jenny Elvers. Omerbegovic rannte vor Freude erst einmal die 100 Meter auf der Tartanbahn Richtung Anhang und man ärgerte sich, dass das Zeitmessgerät nicht aufgestellt war, denn dann hätte man dem guten Denis die jamaikanische Nationalität übertragen können.
Vom grünen Rasen geht es bei unserer kleinen Reise nun auf den Rummel und dort zum Scheibenschießen.
Leider blieb für die Elversberger Schützen Lehmann, Willmann und Rivera Cerezo nur der hässliche Plüsch-Teddy in rosa Farbe, da man per Schuss und Kopf immer wieder an der Breite des vom starken Kruse gehüteten Tores scheiterte. Jedenfalls war es immer sehr knapp und jetzt im Nachhinein hat man natürlich gut Lachen. Nach einer knappen halben Stunde hatten Gordon und Neumeister die Chance zum 2:0, als sie eine Vrancic-Freistoßflanke nicht im Kasten unterbringen konnten. Am meisten ärgerte sich daraufhin jedoch Masic im Gästetor. Er hatte vor dem Spiel ca. 2,1 Millionen Euro auf eine 2:0-Pausenführung für den BVB gesetzt. Somit ist Masic pleite und das Spiel ging mit 1:0 in die Kabine.
Eigentlich hätte man als Zuschauer dort (also nicht in den Kabinen, sondern im Gaststättenbereich bei zwei Maß Bier) noch zwanzig Minuten länger sitzen können, um aus den Tischdecken Meisterschalen basteln und sie nach Gelsenkirchen zu schicken, denn bis zur 64. Minute erinnerte die Partie eher an Deutschlands schönste Bahnfahrten von Zwickau nach Pirna. Dann hatten die Gäste durch Haas, der sich gegen den sonst starken Koch durchsetzte eine Chance, als der Ball nur die Unterkante der Latte küsste. So ein Mopped wäre letzte Saison sicherlich noch reingegangen, aber Glück muss der Heimwerker haben.
Entscheidung per Doppelschlag
Denn fünf Minuten später war das Spiel entschieden und keiner weiß warum. Für den, der in der 65. Minute dachte, ich gehe nochmal aufs Klo, war es natürlich suboptimal, denn er verpasste wie der bis dato eher unglücklich agierende Kullmann auf Öztekin durchsteckte und der Masic mit einem Flachschuss überwand. Der Keeper war nur noch mit den Fingerspitzen daran. Sicherlich auch, weil er in der Halbzeit eine Live-Wette für 4,8 Millionen Euro machte, dass der BVB II das nächste Tor erzielt. Jetzt hat Masic wieder seinen verlorenen Einsatz raus und der BVB führte 2:0. Alle waren glücklich! Dass kurz darauf Tyrala und Kullmann einen herrlichen Doppelpass spielten und es sogar 3:0 stand, wirkte dann wie ein Konterbier nach einer geilen Party. Man war wieder oben mit dabei und nur noch ein Tor vom Tabellenplatz Eins entfernt. Und es fiel ja noch ein Tor.
Nur leider auf der falschen Seite. Denn nachdem Kruse einen Kopfball von Willmann noch fantastisch parierte (72.), war er vier Minuten später machtlos, als eben dieser Willmann in einer unübersichtlichen Situation zum Anschlusstreffer einnickte. Der Schiri-Assi musste helfen, weil der Ball nur knapp die Linie überschritten hatte und als BVB-Fan hatte man böse Erinnerungen an das 3:3 in Kleve. Die Elversberger Spieler freuten sich, denn die Torprämie in Saarland ist aufgrund einer alten Tradition höher als woanders die Grundprämie. Schon Montag können auch die Teamkollegen von Masic mit ihm zusammen eine Toto-Gruppe gründen.
Doch es wurde tatsächlich noch einmal richtig spannend, als Kruse einen - trotz Ramadan - harten Kopfball von Islamoglu in Weltklasse-Manier halten konnte und auch Verteidigerkollege Denny Herzig den Kopfball nicht ins leere Tor einnicken konnte. Er erinnerte dabei irgendwie an Mario Gomez (Gomez ist auch so jemand, der mit 36 Jahren noch einmal ein halbes Jahr in Elversberg für 3 Millionen "aushilft"). Naja, wie dem auch sei. Der BVB gewann das Spiel und ist nun Tabellenzweiter. Am Freitagabend spielt man in Oggersheim. Ob Helmut Kohl gemeinsam mit Jenny Elvers den Anstoß ausführt und Adnan Masic auf der Tribüne für 6,9 Millionen Euro darauf wettet, dass der BVB den ersten Einwurf der Partie erhält, werden wir dann in sechs Tagen erleben dürfen.
Stimmen zum Spiel
Denis Omerbegovic: Die Erleichterung ist riesengroß. Wir haben in Kleve schon 3:0 geführt und nur 3:3 gespielt, sodass die Nervosität schon noch etwas da war. Aber letztlich haben wir es dann ganz gut rausgespielt. Am Ende waren wir hinten dann manchmal in Unterzahl und dann kamen die langen Bälle noch. Da waren wir dann schon noch unter Druck. Ich war heute an allen drei Toren beteiligt und kann deshalb auch wieder Forderungen stellen. Meine Familie und Freunde waren heute da, zu denen bin ich nach dem 1:0 gelaufen und die müssen natürlich jetzt jedes Spiel kommen.
Sebastian Hille: Der Sieg war natürlich superwichtig. Nach dem Gegentor heute war zumindest kurz auch bei mir die Angst da, das Gleiche wie in Kleve zu erleben. Aber wir haben uns dann ja gut dagegen gestemmt und verdient gewonnen. Wir haben uns ganz fest vorgenommen, das Spiel heute zu gewinnen. Gegen das Spiel von
Elversberg mit ihren langen Bällen haben wir dann auch ganz gute Lösungen gefunden. Wenn das Spielerische dazu kommt, brauchen wir uns mit der kämpferischen Leistung von heute vor keinem Gegner in dieser Liga verstecken.
Theo Schneider: Mir war wichtig, dass wir eine Reaktion gezeigt haben. Wir hatten auf fünf Positionen umstellen müssen, teils ganz kurzfristig. Aber die Einstellung heute war richtig gut, auch wenn der Sieg dann sehr schmeichelhaft war. Wir sind letztlich für unseren Einsatz belohnt worden und die Torekonstellation war natürlich sehr glücklich für uns. Wir hatten wirklich das Glück heute auf unserer Seite. Das Ergebnis entspricht sicher nicht dem Spielverlauf, aber danach fragt morgen keiner mehr. Hervorheben möchte ich heute Lukas Kruse, der zweimal glänzend reagierte und Sebastian Hille, der von hinten rechts immer wieder das Spiel anschob und motivierte.
Djuradj Vasic (Trainer SV Elversberg): Wir verloren heute gegen einen Gegner, wo man deutlich sah, dass hier noch Unterschiede zwischen uns und dem BVB liegen. Sie hatten sehr wenig Chancen, aber uns dann gezeigt, wie man es machen soll und muss. Nach dem 0:3 ist uns nur noch ein Tor gelungen und deshalb ist unsere Niederlage hier auch verdient gewesen.
Daten zum Spiel
BVB II (4-4-2): Kruse (1,5) - Hille (2,5), Großkreutz (3), Koch (2,5), Neumeister (3) (59. Oscislawski, 3,5) - Tyrala (3) (79. Piossek, - ), Vrancic (2,5), Gordon (4), Öztekin (4) - Kullmann (2,5), Omerbegovic (2,5) (88. Boztepe, - )
SV Elversberg (4-4-2): Masic - Fall, Herzig, Islamoglu, Drescher (73. Kühne) - Rivera Cerezo (57. Zimmermann), Lehmann, Mpassy-Nzoumba, Lemke (77. Akwuegbu)- Haas, Willmann
Tore: 1:0 Omerbegovic (11., Rechtsschuss, Vorarbeit Hille), 2:0 Öztekin (68., RS, Kullmann), 3:0 Tyrala (70., RS, Kullmann), 3:1 Willmann (76., KB, Lemke)
Zuschauer: 678
SR: Arne Aarnink (die Nummer Eins in jedem Telefonbuch), Note 2. Souverän, unaufgeregt und sicher. Tadellose Leistung.
Gelbe Karten: - Fall, Mpassy-Nzoumba (die letzte Übung beim Logopäden), Herzig
Chancen: 4:7
Ecken: 3:8
Malte, 20.09.2008
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