Wiedersehen mit Auxerre weckt gute Erinnerungen

Wenn am morgigen Abend der AJ Auxerre den BVB in dessen erstem Champions-League-Heimspiel der Saison fordert, dann weckt das bei Dortmunder Fans wie Verantwortlichen lebhafte Erinnerungen an vergangene Tage.


Denn wichtige Eckdaten der jüngsten Vereinshistorie sind mit dem französischen Provinzclub verknüpft. Man trifft sich inzwischen immerhin schon zum dritten Mal auf europäischer Ebene. Die erste Begegnung mit den Burgundern war allerdings ebenso wenig sportlicher, wie erfreulicher Natur. Im Sommer 1992 wurde der bereits damals schon von Guy Roux trainierte Club im Transferpoker um BVB-Libero Thomas Helmer unfreiwillig zum Stein des Anstoßes. Seiner kompromisslosen Finanzlogik folgend, kam Bayern-Manager Uli Hoeneß die seinerzeit revolutionäre Idee, den Spieler im Ausland zu „parken“, um Ablöse zu sparen. Unter dem Protest der deutschen Fußballöffentlichkeit platzte dieses Vorhaben jedoch und der bayrische Wurstmogul musste die gesamte Summe (8,5 Mio. DM) aus der Vereinskasse berappen. Soweit die unerfreulichen Erfahrungen mit Auxerre. Auf sportlicher Ebene dagegen waren die Franzosen stets ein beliebter Kontrahent
Der sonst nur Weinkennern bekannten Kleinstadt wurde sogar die Ehre zuteil, Geburtsstätte eines BVB-Heroen zu werden: Stefan „Stoffel“ Klos. Bis zu seinem Abgang im Winter 1999 erklangen bei nahezu jedem Heimspiel Jubelgesänge auf seine Heldentaten vom 27. April 1993. An jenem Frühlingsabend machte der Keeper sich selbst bis in alle Ewigkeit unsterblich und rettete dem BVB den Einzug ins UEFA-Pokal-Endspiel. Nachdem sich der BVB in legendärer Manier in die Vorschlussrunde gespielt hatte, kam es dort zum Duell mit dem nicht minder unerwartet ins Semifinale vorgestoßenen AJ Auxerre. Das Hinspiel konnte die Borussia mit 2:0 für sich entscheiden und so trat man nach Michael Zorcs spätem zweiten Treffer zwei Wochen später entsprechend siegessicher die Reise nach Frankreich an. Dort wurde die ersatzgeschwächte Dortmunder Mannschaft allerdings kalt erwischt. Obwohl sich nur 20.000 Zuschauer im Schmuckkästchen „Abbe Deschamps“ befanden, konnten die Gastgeber, von den frenetischen Fans angetrieben, den Rückstand egalisieren. Die Partie ging in die Verlängerung und als auch diese keine Entscheidung brachte, musste das Elfmeterschießen den zweiten Endspielteilnehmer neben Juventus Turin ermitteln.
Im sechsten Versuch fiel die Entscheidung für den BVB. Nachdem Michel Rummenigge verwandelt hatte, trat der Franzose Stefan Mahe gegen seinen Namensvetter Klos an. Das Dortmunder Eigengewächs fischte das Leder aus dem Eck, Mahe blieb nur der tränenreiche Gang in die Einsamkeit des Fehlschützen. Auch wenn das Endspiel kurz darauf gegen ein übermächtiges Juventus Turin verloren wurde, bildete diese Saison den Grundstein für Borussias Europapokal-Erfolge in den 90er Jahren
Diese fanden bekanntlich vier Jahre später ihren Höhepunkt, indem der Champions-League-Pokal seine Heimat in Dortmund fand. Auf dem Weg nach München stand dem BVB im Viertelfinale erneut der AJ Auxerre gegenüber. Diesmal sollte das Team um Ottmar Hitzfeld allerdings weniger Mühe haben, die nächste Runde zu erreichen. Tore von Schneider, Riedle und Möller reichten im Hinspiel, das am 5. März 1997 in Dortmund stattfand, zu einem 3:1-Erfolg. Das hart umkämpfte Rückspiel in Auxerre entschied Lars Ricken mit einem seiner unvergessen Europapokal-Treffer, durch die er in jungen Jahren insgesamt viele Partien entschied. Diese Erinnerungen sollte der BVB vor dem Wiedersehen mit Guy Roux und seinen Kickern vielleicht noch einmal bemühen. Denn mit dem Geist der legendären Europacup-Schlachten vergangener Jahre, sollte es der Sammer-Elf gelingen, die ersten drei Punkte der laufenden Champions-League-Saison einzufahren.

Geschrieben von Felix